NEL (Pipeline)

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52.61888.4963Koordinaten: 52° 37′ 8″ N, 8° 29′ 47″ O

NEL Pipeline
Pipelinerohr, zur Verlegung in den Rohrgraben vorbereitet, im Raum Bassum
Verlegung der Pipeline südlich von Schwerin


Die NEL, kurz für Nordeuropäische Erdgasleitung (vorher Norddeutsche Erdgasleitung), ist eine Erdgas-Pipeline, die über 440 Kilometer von Lubmin an der Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern bis nach Rehden in Niedersachsen führt. Die NEL-Leitung verbindet neben der nach Süden führenden OPAL-Leitung die Ostseepipeline Nord Stream an ihrem Anlandepunkt in Lubmin bei Greifswald mit dem bestehenden überregionalen Leitungssystem. Sie leitet Erdgas aus den großen Erdgaslagerstätten in Russland direkt nach Deutschland und in andere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, wie die Niederlande, Belgien, Frankreich und Großbritannien. In ihrem Streckenverlauf führt die NEL an Schwerin, Hamburg und Bremen vorbei.

Die Bauarbeiten haben im März 2011 begonnen und die Pipeline nahm wie geplant am 1. November 2012 den Betrieb nach nur 15 Monaten Bauzeit auf,[1] wobei das Gas wegen Anwohnerklagen in einem Bereich bei Stelle und Winsen (Luhe) zunächst mit geringerer Kapazität über eine Umleitung floss.[2]

Kennzahlen[Bearbeiten]

Die Pipeline wurde mit durchschnittlich 18 Meter langen, 2,23 Zentimeter starken und 15 Tonnen schweren Rohren, die einen Durchmesser von 1,42 Metern haben, zusammengeschweißt und in einem Graben mit einem Meter Erdüberdeckung verlegt. Der Druck in der Erdgasleitung beträgt bis zu 100 bar; die jährliche Kapazität der Leitung beträgt mehr als 20 Milliarden Kubikmeter, was in etwa einem Fünftel des gesamtdeutschen Energiebedarfs entspricht.

Betreiber und Gesellschafter[Bearbeiten]

Die vorgesehenen Investitionen für das Leitungsprojekt betragen etwa eine Milliarde Euro. An der Pipeline sind der Kasseler Gaskonzern Wingas mit 51 %, die niederländische Gasunie mit 20 %, die belgische Fluxys mit 19 % und die E.ON Ruhrgas mit 10 % beteiligt. Die Gasunie hat 15 % von der E. ON Ruhrgas und 5 % von der Wingas im Juni 2010 übernommen;[3] Fluxys erwarb seinen 19%-Anteil im September 2011 von der Wingas.[4]

Betreiber der Pipeline ist NEL Gastransport GmbH, eine 100%ige Tochter der W & G Beteiligungs-GmbH (Holding der Wingas).

Verlauf[Bearbeiten]

Die Trasse der NEL hat eine Gesamtlänge von 440 Kilometer, wobei 240 Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern und 200 Kilometer durch Niedersachsen führen. Die NEL verläuft vom Anlandungspunkt der Nord-Stream-Pipeline in Lubmin an Hamburg vorbei und endet auf halber Strecke zwischen Bremen und Osnabrück im nahe Diepholz gelegenen Rehden, wo das Erdgas gespeichert und in das bestehende Erdgasleitungsnetz eingeleitet wird.

Pipeline-Archäologie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Goldhort von Gessel
Der beim Bau entdeckte Goldhort von Gessel

In Niedersachsen wurde der etwa 200 km lange Trassenverlauf lückenlos archäologisch untersucht. Diese bodenkundliche Betreuung des Bauprojektes wurde nach dem Verursacherprinzip maßgeblich von den Betreibern der Pipeline finanziert. Die Koordination der archäologischen Maßnahmen mit bis zu 13 Grabungsteams und zeitweise über 100 Mitarbeiter nahm das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege vor. Weit im zeitlichen Vorlauf der Bauarbeiten setzte ab Ende 2010 eine zehn Monate anhaltende, harte Prospektion ein. Das bedeutete einen sechs Meter breiten Suchschnitt auf einer Länge von 50 km im Bereich archäologischer Verdachtsflächen, und im Umfeld bereits bekannter Fundstellen. Die restlichen 150 km der Trasse begleiteten Archäologen und Grabungstechniker, indem sie auf 30 m Breite das Abziehen des Oberbodens durch einen Bagger der Baufirma beobachteten. Durch die systematische Suche auf dem Untersuchungsstreifen zeichnete sich ein deutliches Bild der mehrere Jahrtausende alten Kulturlandschaft ab. Archäologisch bedeutete der Pipelinebau ein Gewinn in mehrfacher Hinsicht:

  • Neue Bodenfunde
  • Repräsentativer Einblick in das archäologische Bodenarchiv Norddeutschlands
  • Einschätzung des archäologischen Potentials in bestimmten Bereichen

Insgesamt bot die Pipeline-Verlegung eine archäologische Untersuchungsfläche von 7 km². Dabei handelte es sich um das größte Archäologieprojekt in Niedersachsen, das zu den größten Grabungsprojekten in Europa gehörte.[5]

Die systematisch geführten archäologischen Untersuchungen auf der Pipelinetrasse führten in Niedersachsen bisher zu 134 Fundstellen mit rund 12.500 archäologischen Befunden, darunter etwa 100.000 Keramikscherben aus 12.000 Jahren Kulturgeschichte in Niedersachsen, von der Steinzeit bis zur Neuzeit. Nur etwa 10 Prozent der entdeckten archäologischen Fundstellen waren zuvor bekannt, obwohl Archäologen aufgrund langjähriger Erfahrungen von einer Quote von 25 Prozent ausgingen. Die bedeutendsten Funde aus dem Pipelinebau wurden in den Jahren 2013 und 2014 im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover präsentiert.

Unter den Funden befanden sich:

  • Retuscheur aus Sandstein mit einer Gravur, die einen kopflosen Frauenkörper mit angedeuteten Beinen und Schambereich zeigt. Der etwa 5 x 7 cm große Stein wurde nahe Bierden bei Achim an einem Lagerplatz steinzeitlicher Jäger- sowie Sammlergruppen gefunden. Die Frauenfigur wurde als Venus von Bierden benannt. Die Entstehungszeit ist aufgrund dieser seltenen Fundart in Norddeutschland nicht eindeutig. Vermutet wird die Mittelsteinzeit, infrage könnten auch Federmesser-Gruppen aus dem Jungpaläolithikum kommen.
  • Siedlung der Spätbronzezeit bei Eydelstedt mit kleineren Wirtschaftsgebäuden zur Lagerung landwirtschaftlicher Produkte.
  • Spätbronzezeitliche Grabstellen bei Heiligenloh, wobei sich zwei Gräber durch Grabeinfassung als Langbett darstellten. An der Fundstelle gab es zudem jüngere Siedlungsreste, wie Pfosten und Gruben, aus der römischen Kaiserzeit.
  • Siedlung der vorrömischen Eisenzeit bei Barnstorf mit Gruben, Gräben, Feuerstellen und Pfostenlöcher früherer Gebäude. Auf einer etwa 8000 m² großen Fläche wurde über 600 archäologische Befunde festgestellt. Der Platz war anscheinend länger besiedelt, da sich Pfostenbauten überlagerten. Wirtschaftliche Grundlage der Siedlung waren, wegen entsprechender Funde, anscheinend Getreideanbau und -verarbeitung.
  • Germanische Uferrandsiedlung aus dem 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. beim Eydelstedter Ortsteil Düste. Die Siedlungsstelle war durch einzelne Keramikfunde bei Drainagearbeiten im Jahre 1937 bereits bekannt. Die jetzt entdeckten Siedlungsreste, darunter tausende Keramikscherben und eine Fibel, lagen auf einer Geländeerhöhung nahe der Wagenfelder Aue an einem verlandeten Flussknie. Zwei gefundene Glasperlen aus dem römischen Imperium sind in aufwändiger Millefioretechnik gefertigt. [9]
  • Goldener Fingerring mit einer blauen Perle aus dem 4. bis 7. Jahrhundert, der bei Uphusen gefunden wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: NEL Pipeline – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://pipelinesinternational.com/news/filling_the_european_gap_the_nel_pipeline/079011/
  2. Bahn frei für russisches Gas bei: ndr.de vom 10. Oktober 2013.
  3. Pressemitteilung der NEL vom 11. Juni 2010.
  4. Pressemitteilung der NEL vom 1. September 2011.
  5. Archäologieprojekt NEL-Pipeline
  6. Goldfund: Einst Gabe für die Götter? in: kreiszeitung.de vom 25. Oktober 2011.
  7. Ulf Buchert: Ein Gräberfeld der Römischen Kaiserzeit bei Gessel in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 1/2012.
  8. Trotz 2000 Jahren Ackerbaus ein unversehrtes Gräberfeld in: kreiszeitung.de vom 20. Mai 2011.
  9. Knapp zwei Kilo Gold aus der Bronzezeit in: Welt online vom 23. Februar 2012.