NRhZ-Online

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Die NRhZ-Online – Neue Rheinische Zeitung ist ein im August 2005 gegründeter, wöchentlich aktualisierter Blog[1][2][3] aus Köln. Redakteur und Herausgeber war Peter Kleinert. Nach dessen Tod im Jahr 2016 übernahmen Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann die Herausgeberschaft.

Anspruch und Ausrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Wahl des Titels soll an die von 1848 bis 1849 durch Karl Marx in Köln redigierte kommunistisch-sozialistische Neue Rheinische Zeitung angeknüpft werden. Den Anspruch, deren Nachfolger zu sein, wertete Leander Sukov als Ausdruck „fröhlicher Selbstüberschätzung“.[4] Die NRhZ-Online sah sich bei ihrer Gründung 2005 als Alternative zu Mainstream-Medien, denen sie vorwarf, ein Meinungsmonopol zu bilden, und war nach eigenen Angaben bestrebt, eine unabhängige, engagierte und kritische Berichterstattung entgegenzusetzen.[5] Die Autoren erhalten nach Angaben Kleinerts aus dem Jahr 2010 kein Honorar.[6]

Der Blog gilt als antiamerikanisch und antizionistisch geprägt.[7]

Kölner Karls-Preis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ken Jebsen auf einer Preisverleihung der NRhZ-Online (2014)

Die NRhZ-Online vergibt seit 2008 den Kölner Karls-Preis für engagierte Literatur und Publizistik „vor allem [an] Personen aus dem antiisraelischen und antiamerikanischen Spektrum.“[8] Dieser „Karlspreis“ ist laut NRhZ-Online nach Karl Marx benannt und mit knapp 200 Euro dotiert. Der Name des Preises kann mit dem deutlich höher dotierten und renommierten Aachener Karlspreis verwechselt werden. Der Journalist Matthias Meisner ordnet diese Verwechslungsgefahr als „durchaus beabsichtigt“ ein.[9]

Preisträger waren:

Ken Jebsen war für 2017 als Preisträger angekündigt, sagte die Teilnahme an der Verleihung jedoch ab.[13]

Kontroversen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschwörungstheorien um NSU-Morde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2012 veröffentlichten die heutigen Herausgeber Fikentscher und Neumann einen eigenen Text, in dem die Täterschaft des Nationalsozialistischen Untergrunds an den sogenannten „Döner“- bzw. „Ceska“-Morden in Frage gestellt wurde, zuerst in der NRhZ-Online und dann in leicht gekürzter Fassung im April 2014 auf ihrer Website arbeiterfotografie.com. Der Text fand bei Neonazis in Forenbeiträgen deutlichen Zuspruch und propagierte die dort beliebte Verschwörungstheorie, dass es sich bei der Mordserie um „Auftragsmorde, eine Mischung aus Türken/Kurden-Clanstreitigkeiten, Schutzgelderpressung, Rauschgift usw.“ handele. Dann reichten die beiden den Text leicht verändert zur Veröffentlichung bei der Zeitschrift Ossietzky ein, die nur Erstveröffentlichungen abdruckt, und versicherten, dass er noch nirgendwo anders erschienen sei. Er wurde daraufhin in Ausgabe 13/2013 abgedruckt. Ossietzky-Herausgeber Otto Köhler merkte erst kurz danach, was ihm da als angebliche Erstveröffentlichung untergeschoben worden war, und warf Fikentscher und Neumann daraufhin vor, eine „national-sozialistische Querfront eröffnet“ zu haben. Dabei wies er auch darauf hin, dass die beiden bereits seit 2009 auf arbeiterfotografie.com eine Urheberschaft Israels am Unfalltod von Jörg Haider suggeriert hatten.[14]

Preisverleihung an Ken Jebsen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Berliner Kino Babylon geplante Verleihung des 2017er „Kölner Karls-Preises“ an Jebsen wurde vom Kinobetreiber zunächst abgesagt. Dies entsprach der Haltung des Berliner Kultursenators Klaus Lederer (Linke), der nicht wollte, dass das öffentlich geförderte Kino einem „Jahrmarkt der Verschwörungsgläubigen und Aluhüte eine Bühne“ biete.[1] Die NRhZ-Online ging vor Gericht mit Erfolg gegen die Kündigung vor.[15] In der Gerichtsverhandlung gab das Kino Babylon an, dass die Absage „aufgrund des Drucks aus dem Berliner Senat“ und wegen Sicherheitsbedenken erfolgte.[16] Die Verleihung fand in Abwesenheit von Jebsen statt, der seine Teilnahme absagte.[17] Zur Verleihung traten als musikalische Begleitung auch Die Bandbreite und Gilad Atzmon auf. Atzmon, dem vorgeworfen wird, er bediene antisemitische Stereotype, erhielt vom Kinobetreiber Hausverbot,[18] trat aber dennoch auf.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erik Peter: Kein Raum für Jebsen. Querfront-Preisverleihung abgesagt. taz.de, 14. November 2017, abgerufen am 6. Dezember 2017.
  2. LINKE beschließt »klare Kante« gegen Querfront und Jebsen, Neues Deutschland vom 4. Dezember 2017
  3. Keine Preisverleihung - Kino Babylon sagt Ken Jebsen ab, Berliner Zeitung vom 16. November 2017
  4. Leander Sukov: Zweierlei Querfront, Junge Welt vom 15. April 2015
  5. NRhZ-Selbstverständnis: Unabhängig, engagiert und kritisch. 2005.
  6. Peter Kleinert: Kölner Karls-Preis – Wolfgang Bittner wird für seine Schriftsteller- und Autorenarbeit ausgezeichnet. Online-Flyer Nr. 254 vom 16. Juni 2010.
  7. Daniel Frick: Berliner Senator kritisiert Preisvergabe an Radiomoderator Jebsen, Medienmagazin pro vom 24. November 2017
  8. Anna Lehmann: Querfront-Debatte bei der Linken Linke kämpft mit Verschwörern, Die Tageszeitung vom 5. Dezember 2017
  9. Matthias Meisner: Unter Putin-Verstehern und Aluhüten, Der Tagesspiegel vom 22. November 2017
  10. PEN Zentrum Deutschland: Das Autorenlexikon 2015/16, E-Book ohne Seitenangaben, Eintrag zu Werner Rügemer, Tübingen 2015, ISBN 978-3-863-51254-5.
  11. a b Karlspreis für Gössner. taz.de, 18. Mai 2012, abgerufen am 20. November 2017.
  12. Familientreffen der Antisemiten., haGalil vom 27. September 2014
  13. Matthias Meisner: Preisverleihung an Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen geplatzt. Tagesspiegel, 14. Dezember 2017, abgerufen am 14. Februar 2018.
  14. Otto Köhler: „Reingelegt“, Ossietzky Nr. 14/2013
  15. Jebsen soll im Babylon geehrt werden Die Tageszeitung vom 8. Dezember 2017
  16. Gerichtsurteil: Ehrung für Jebsen darf doch im Babylon stattfinden. Neues Deutschland, 8. Dezember 2017, abgerufen am 17. Januar 2018.
  17. a b Erik Peter: Großes Kino des Abwesenden. Preisverleihung für Ken Jebsen. taz, 15. Dezember 2017, abgerufen am 1. Februar 2018.
  18. Johannes C. Bockenheimer und Matthias Meisner: Querfront: Preisverleihung an Verschwörungstheoretiker Ken Jebsen geplatzt, Der Tagesspiegel vom 14. Dezember 2017