NS-Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit

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Villa Heike beziehungsweise ehemaliges NS-Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit um 1991

Das NS-Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit war eine geheime Einrichtung der „Hauptabteilung IX/11“ des MfS (formal zuständig für die „Aufklärung und Verfolgung von Nazi- und Kriegsverbrechen“, faktisch auch zum propagandistischem Missbrauch der aus den Akten gewonnenen Informationen durch die SED).

Entstehung und Organisation des Archivs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das NS-Archiv des Ministeriums für Staatssicherheit wurde Mitte der 1960er Jahre gegründet und unterlag der Geheimhaltung. Es wurde zusammen mit dem Dienstsitz der dafür zuständigen „Hauptabteilung IX/11“ („Aufklärung und Verfolgung von Nazi- und Kriegsverbrechen“) in der Villa Heike in der Freienwalder Straße 17 im Sperrgebiet des MfS in Berlin-Hohenschönhausen untergebracht. In dem ehemaligen Verwaltungsgebäude und in den rückwärtigen Fabrikhallen wurden 7 bis 11 km Aktenbestände und zahlreiche Mikrofilme gelagert. Das MfS führte dort zentral alle Akten und Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus zusammen.

Bestimmung und Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die „Hauptabteilung IX/11“ hatte den Auftrag, im NS-Archiv alle in der DDR verfügbaren Unterlagen aus der Zeit des „Dritten Reiches“ zu bündeln, zu sichten und zu katalogisieren, um sie geheimpolizeilich verwertbar zu machen. Darüber hinaus war Historikern die Einsicht in den Aktenbestand unter Aufsicht und eingeschränkt möglich.

In „politisch-operativen Aufträgen“ wurden Zielpersonen im In- und Ausland als NS- und Kriegsverbrecher einer strafrechtlichen Verfolgung zugeführt oder zur Zusammenarbeit mit dem MfS erpresst. Der Aktenbestand wurde ebenso für Propagandazwecke benutzt mit dem Ziel, die Bundesrepublik Deutschland politisch zu destabilisieren und als „Land der Täter“ herauszustellen. Funktionsträger wurden dazu über an die dortige Presse lancierte Unterlagen als Nationalsozialisten gebrandmarkt. Dabei war es üblich, auch mit Fälschungen und der Neuzusammenstellung von Akten den gewünschten Anschein zu erwecken.

Beispiele sind die Kampagnen gegen Heinrich Lübke, Kurt Georg Kiesinger, Hans Globke und Theodor Oberländer.[1][2][3][4]

Die Zeit nach der Wende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflösung des Archivs wurden die Akten 1990 kurzzeitig der Aufsicht des Zentralen Staatsarchivs der DDR unterstellt und nach dessen Auflösung vom Bundesarchiv übernommen. Dienstliches Schriftgut und vom MfS bearbeitete Unterlagen wurden aus dem Bestand herausgelöst und an die BStU überführt.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Videoclip Auschwitz und die Staatssicherheit der BStU

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Sabine Dumschat: Archiv oder „Mülleimer“? Das „NS-Archiv“ des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR und seine Aufarbeitung im Bundesarchiv. (pdf) Abgerufen am 15. Februar 2019.
  2. Die SED-Diktatur und die NS-Vergangenheit in Deutschland. Abgerufen am 15. Februar 2019.
  3. Sven Felix Kellerhoff: Wie Erich Mielkes „Sonderspeicher“ vom Bundesarchiv geleert wird. 14. Oktober 2005, abgerufen am 15. Februar 2019.
  4. Potsdam beendet Erschließung des NS-Archivs der Stasi. 10. Mai 2018, abgerufen am 15. Februar 2019.
  5. Hauptabteilung IX/11 (Aufklärung von Nazi- und Kriegsverbrechen). Abgerufen am 1. März 2019.