Nationalsozialistischer Lehrerbund

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Der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB) wurde 1929 als der Parteigliederung der NSDAP angeschlossener Verband gegründet, entwickelte sich ab 1933 zur alleinigen Lehrerorganisation mit maßgeblichem Einfluss auf die Erziehung im Nationalsozialismus im Deutschen Reich und bestand bis 1943.

Organisation und Zielrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der NSLB sah sich als Zusammenschluss aller Personen, die sich als Erzieher verstanden oder verstanden werden wollten, unabhängig von Aus- oder Vorbildung und unabhängig von der Art der Erziehungsanstalt. Seine Aufgabe zielte darauf, die nationalsozialistische Weltanschauung zur Grundlage des Erziehungs-, vor allem des Schulwesens zu machen. Dazu sollte auf die weltanschaulich-politische Ausrichtung der Erzieher eingewirkt werden, insbesondere auch deren Fortbildung im nationalsozialistischen Geist gefördert und betrieben werden. Der NSLB folgte zu diesem Zweck dem Konzept der sogenannten „Lagerschulung“: In insgesamt 29 Gauschulen und 57 festen Schulungslagern des NSLB (1936) wurden für alle Lehrer obligatorische, jeweils mehrwöchige, themenspezifische „Lehrerlager“ zur weltanschaulichen, NS-ideologischen Schulung der Teilnehmer durchgeführt.[1] Auch organisierte Bergtouren für Lehrer gehörten in sogenannten Reichsaustauschlagern zum Angebot.

Das publizistische Zentralorgan, mit dem der NSLB die ideologischen Vorgaben und rassistische Didaktik den Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern nahebrachte, erschien als Mitgliederzeitschrift von 1929 bis 1945 unter drei verschiedenen Titeln: Von August 1929 bis Juni 1933 als Nationalsozialistische Lehrerzeitung. Kampfblatt des nationalsozialistischen Lehrerbundes (NSLZ); von Juli 1933 bis März 1938 als Reichszeitung der deutschen Erzieher. Nationalsozialistische Lehrerzeitung (RZDE); von April 1938 bis Januar/Februar 1945 als Der Deutsche Erzieher. Reichszeitung des Nationalsozialistischen Lehrerbundes (DDE).[2] Für Schüler gab der NSLB die Zeitung Hilf mit! heraus, welche eine rassistische und judenfeindliche Propaganda in völkisch-harmonistische Rahmenerzählungen verpackte und mit einer Auflage von fünf Millionen Exemplaren pro Ausgabe jeden Monat annähernd die gesamte Schülerschaft ab dem Alter von 10 Jahren erreichte.[3]

Sitz der Organisation war das Haus der Deutschen Erziehung in Bayreuth. Gründer und Reichswalter der Organisation waren Hans Schemm (1929–1935) und Fritz Wächtler (1935–1943). Neben ihrem publizistischen Zentralorgan Nationalsozialistische Lehrerzeitung gab der NSLB auch die Monatsschrift Deutsches Bildungswesen und verschiedene regional erscheinende Zeitschriften heraus, so zum Beispiel für den Gau Baden die Zeitschrift Die badische Schule, die von 1934 bis 1938 in Karlsruhe erschien. Für die Organisation der Kinderlandverschickung wurde der NSLB nach 1939 noch einmal stärker aktiviert, fiel ansonsten aber in die Bedeutungslosigkeit. Die Auflösung 1943 erfolgte im Zuge der Konzentration der Kräfte auf den totalen Krieg, um personelle und Sachressourcen (z. B. Zeitschriften) zu sparen. Mit dem Kontrollratsgesetz Nr. 2 vom 10. Oktober 1945 wurde der NSLB durch den Alliierten Kontrollrat zusätzlich verboten und eine Neugründung untersagt.

Personal und Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der NSLB besaß folgende Organisationsstruktur:[4]

Reichsamtsleiter: Hans Schemm (1929–1935) bzw. Fritz Wächtler (1935–1943)
Stabsleiter/Geschäftsführer (bis August 1936): Max Kolb
Hauptabteilung Erziehung und Unterricht: Georg Roder bis Frühjahr 1935, Hans Stricker (geb. 1897)[5]
Schulung: Carl Wolf[6]
Schrifttum: Paul Georg Herrmann[7], ab 1942 Walter Arnold
Organisation/Geschäftsführer (1936–42): Heinrich Friedmann (gefallen 1942)
Presse und Propaganda: Heinrich Hansen[8], ab 1939 Walter Arnold
Wirtschaft und Recht: Andreas Tränkenschuh
Schatzmeister: Hugo Jünger

Für einzelne Fächer, fachübergreifende Gebiete oder die fünf Schularten wurden, meist im Nebenamt, Reichssachbearbeiter und Reichsfachschaftsleiter ernannt (auch „Reichswalter“ genannt), oft ehemalige Funktionäre der aufgelösten Fachverbände, denen auf der Gauebene Gausachbearbeiter und darunter Kreissachbearbeiter zugeordnet waren, z. B.:

Alte Sprachen: Friedrich Einhorn (1888–1978), Herbert Holtorf (Stv., 1891–1959)[9]
Deutsch: Alfred Huhnhäuser
Neuere Fremdsprachen: Heinrich Fischer[10]
Rassefragen: Karl Zimmermann
Philosophie, Psychologie, Pädagogik: Johann Baptist Rieffert
Geschichte: Moritz Edelmann
Erdkunde: Albrecht Burchard, ab 1940 Friedrich Knieriem[11]
Geopolitik: Johann Ulrich Folkers
Staatsbürgerkunde: Walther Wallowitz (1904–1943)
Kunsterziehung: Robert Böttcher[12]
Musikerziehung: Karl Landgrebe
Leibeserziehung: Hans Berendes (bis 1939), Albert Hirn (Stv.), Otto Stadermann (ab 1942)
Sprecherziehung: Fritz Gerathewohl
Biologie: Ernst Lehmann
Mathematik und Naturwissenschaften: Kuno Fladt
Physik: Karl Hahn (ab 1936)[13]
Weibliche Erziehung: Auguste Reber-Grube
Hauswirtschaft: Grete Buck
Höhere Schulen: Rudolf Benze, ab 1936 Karl Frank
Mittelschulen: Nikolaus Maaßen[14]
Volksschulen: Ernst Bargheer
Sonderschulen: Paul Ruckau, ab 1938 Fritz Zwanziger
Berufs- und Fachschulen: Walter Pipke (geb. 1899)[15]
Sozialpädagogische Berufe: Hans Volkelt 1934–1938
Schullandheime: Rudolf Nicolai bis Oktober 1935[16]
Schulfunk: Georg Brendel

Infolge der keineswegs nur auf Druck und Gewalt beruhenden Überführung der vorhandenen Lehrerverbände unter das Dach des NSLB stieg die Organisation nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zum alleinigen Lehrerverband im Deutschen Reich mit rund 300.000 Mitgliedern auf. 9.000 Lehrerinnen und Lehrer verweigerten sich einer solchen Mitgliedschaft. Ein Drittel der Lehrerschaft war zusätzlich zu ihrer Angehörigkeit im NSLB auch direkt Mitglied der NSDAP – so die Zahlen von 1937.[17] Die mächtige „Reichsreferentin für weibliche Erziehung“ im Verband war Auguste Reber-Gruber, eine von vier führenden weiblichen Nazifunktionären überhaupt.

Im Juli 1935 wurde die zunächst mit organisierte Hochschullehrerschaft ausgegliedert und im Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund (NSDDB) verbunden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Willi Feiten: Der Nationalsozialistische Lehrerbund. Entwicklung und Organisation. Ein Beitrag zum Aufbau und zur Organisationsstruktur des nationalsozialistischen Herrschaftssystems (Studien und Dokumentationen zur deutschen Bildungsgeschichte 19), Beltz, Weinheim 1981.
  • Monika Meister: „Deutsche Erzieherin! Du hast die künftigen Mütter des Volkes zu formen!“ Die Pädagogin Auguste Reber-Gruber (1892–1946). In: Hiltrud Häntzschel, Hadumod Bußmann (Hrsg.): Bedrohlich gescheit. Ein Jahrhundert Frauen und Wissenschaft in Bayern. Beck, München 1997, ISBN 3-406-41857-0, S. 248–255.
  • Saskia Müller/Benjamin Ortmeyer: Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933–1945. Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft im Nationalsozialistischen Lehrerbund. Eine dokumentarische Analyse des Zentralorgans des NSLB. Beltz Juventa, Weinheim 2016, ISBN 978-3-7799-3414-1.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Andreas Kraas: Lehrerlager 1932-1945. Politische Funktion und pädagogische Gestaltung, Bad Heilbrunn 2004, S. 89ff. und S. 349ff. ISBN 3781513475
  2. Saskia Müller/Benjamin Ortmeyer: Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933–1945. Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft im Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Eine dokumentarische Analyse des Zentralorgans des NSLB. Beltz Juventa, Weinheim 2016, S. 28f.
  3. Benjamin Ortmeyer: Indoktrination. Rassismus und Antisemitismus in der Nazi-Schülerzeitschrift "Hilf mit!" (1933–1944). Analyse und Dokumente. Beltz Juventa, Weinheim 2013, S. 7 u. S. 39.
  4. Meiste Angaben nach NS-Lehrerzeitung, 1936, Heft 7, zur Einweihung des Hauses der Deutschen Erziehung
  5. Benjamin Ortmeyer: NS-Ideologie in der NSLB-Zeitschrift »Die Deutsche Volksschule« 1934 –1944 Eine dokumentarische Analyse. 2018, abgerufen am 4. August 2019.
  6. Andreas Kraas: Lehrerlager 1932-1945: Politische Funktion und pädagogische Gestaltung. Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2004, ISBN 3-7815-1347-5.
  7. Herrmann (1899–1959) war ein oberpfälzischer Sippenforscher, der das dafür eingerichtete Amt im NSLB leitete. Er wollte die Stammbäume aller deutschen Pädagogen erfassen und auswerten. Daneben wurde ihm die Zensur der gesamten Schulliteratur (Jugendliteratur, pädagogische Zeitschriften, Bibliotheken, Schullehrmittel) übertragen. 1941 wurde er als Hauptmann eingezogen.
  8. Heinrich Hoffmann (Fotograf), Heinrich Hansen (Hrsg.): Das Raumbild. Stereoskopisches Magazin für Zeit und Raum. 1938.
  9. Erich Burck u. a.: Sonderheft zur Geschichte des DAV. DAV, 1987, abgerufen am 22. Juli 2019.
  10. Reiner Lehberger: Englischlernen im Nationalsozialismus. Stauffenberg, 1986, ISBN 978-3-923721-11-5.
  11. Henning Heske: Und morgen die ganze Welt: Erdkundeunterricht im Nationalsozialismus. BoD 2008, ISBN 978-3-8370-1021-3.
  12. R. Böttcher: Die "Kunsterziehung". Bund Deutscher Kunsterzieher, 1938, abgerufen am 22. Juli 2019.
  13. Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz. Band 3. Hamburg 2019.
  14. Mein Leben im Dienste der Schule, besonders der Mittelschule, 1959
  15. Matthias Busch: Staatsbürgerkunde in der Weimarer Republik: Genese einer demokratischen Fachdidaktik. Klinkhardt, 2016, ISBN 978-3-7815-2069-1, S. 112 f.
  16. Andreas Pehnke: Biografie von Rudolf Nicolai. In: Sächsische Biografie. Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., abgerufen am 22. Juli 2019.
  17. Saskia Müller/Benjamin Ortmeyer: Die ideologische Ausrichtung der Lehrkräfte 1933–1945 : Herrenmenschentum, Rassismus und Judenfeindschaft im Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Eine dokumentarische Analyse des Zentralorgans des NSLB. Beltz Juventa, Weinheim 2016, S. 11f. u. S. 22f.