NSO Group Technologies

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NSO Group Technologies Limited
Rechtsform Privat
Gründung 2010
Sitz Herzliya, IsraelIsrael Israel
Leitung Shalev Hulio (CEO)
Mitarbeiterzahl 500 (2017)
Branche Überwachung
Website www.nsogroup.com

NSO Group Technologies ist ein israelisches Technologieunternehmen, das für seine Spyware Pegasus bekannt ist, die die Fernüberwachung von Smartphones ermöglicht. Das Unternehmen entwickelt hauptsächlich Software und Überwachungstechnologie. Es wurde 2010 von Niv Carmi, Omri Lavie und Shalev Hulio gegründet (Der Name NSO steht für die jeweiligen Vornamen der Gründer). Berichten zufolge beschäftigte es ab 2017 fast 500 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Herzliya in der Nähe von Tel Aviv.[1]

Verschiedenen Berichten zufolge wurde von der NSO Group erstellte Software bei gezielten Angriffen gegen Menschenrechtsaktivisten und Journalisten in verschiedenen Ländern eingesetzt, wurde bei der Staatsspionage gegen Pakistan verwendet und spielte eine Rolle bei der Ermordung des saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründer des NSO sollen ehemalige Mitglieder der Unit 8200 sein, der für Fernmelde- und elektronischen Aufklärung zuständigen Einheit des Aman.[2] Die Startfinanzierung des Unternehmens kam von einer Gruppe von Investoren unter der Leitung von Eddy Shalev, einem Partner des Risikokapitalfonds Genesis Partners. Die Gruppe investierte insgesamt 1,8 Millionen Dollar für eine 30%ige Beteiligung.[3]

Im Jahr 2012 kündigte die mexikanische Regierung die Unterzeichnung eines Vertrags über 20 Millionen Dollar mit dem NSO an. Im Jahr 2015 soll das Unternehmen Überwachungstechnologie an die Regierung von Panama verkauft haben. Der Vertrag wurde zum Gegenstand einer panamaischen Anti-Korruptionsuntersuchung, nachdem vertraulicher Informationen des Vertrags in einem Leak der italienischen Firma Hacking Team offengelegt wurde.[4]

Im Jahr 2014 kaufte die amerikanische Private-Equity-Firma Francisco Partners das Unternehmen für 130 Millionen Dollar.[5] Im Jahr 2015 wurde berichtet, dass Francisco Partners das Unternehmen für bis zu 1 Milliarde Dollar verkaufen wollte. Das Unternehmen wurde im Juni 2017 offiziell für mehr als 1 Milliarde Dollar zum Verkauf angeboten, was etwa das Zehnfache der ursprünglich von Francisco im Jahr 2014 gezahlten Summe ausmachte. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte NSO fast 500 Mitarbeiter, gegenüber etwa 50 im Jahr 2014.[6]

Am 14. Februar 2019 verkaufte Francisco Partners eine 60%ige Mehrheitsbeteiligung an NSO zurück an die Mitbegründer Shalev Hulio und Omri Lavie, die beim Kauf von dem Londoner Private-Equity Novalpina Capital unterstützt wurden. Hulio und Lavie investierten 100 Millionen Dollar, wobei Novalpina den verbleibenden Teil der Mehrheitsbeteiligung erwarb und damit das Unternehmen mit ca. 1 Milliarde Dollar bewertete.[7]

Im April 2019 fror das NSO seine Geschäfte mit Saudi-Arabien wegen eines Skandals ein, der die Rolle von NSO-Software bei der Verfolgung des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi in den Monaten vor seinem Tod betraf.[8]

Im Mai 2019 behauptete der Messaging-Dienst WhatsApp, dass ein Spyware-Injektionsvorgang, der auf seine Aufruffunktion abzielt, von NSO entwickelt wurde. Die Opfer waren der Spyware-Angriffe ausgesetzt, auch wenn sie den Anruf nicht beantworteten. Das NSO leugnete die Beteiligung an der Auswahl der Opfer oder der Zielgruppe, bestritt aber nicht ausdrücklich, die Spyware geschaffen zu haben. Als Reaktion auf die angebliche Cyber-Attacke verklagte WhatsApp das NSO am 29. Oktober vor einem Gericht in San Francisco nach dem Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) und anderen US-Gesetzen.[9] WhatsApp erklärte, dass der Angriff auf 1.400 Nutzer in 20 Ländern abzielte, darunter mindestens 100 Menschenrechtler, Politiker, Journalisten und andere Mitglieder der Zivilgesellschaft.[10][11]

Im Januar 2020 wurde bekannt, dass Software des Unternehmens benutzt worden sein soll, um das Smartphone des Unternehmers Jeff Bezos zu hacken und Daten abzugreifen. Hinter dem Angriff soll der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman stecken.[11] Von der Saudischen Regierung wurden diese Anschuldigungen abgestritten. Auch die NSO Group dementierte die Vorwürfe.[12]

Schadprogramm Pegasus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pegasus ist ein von der NSO Group entwickeltes Schadprogramm, welches auf Smartphones, Computer und andere Geräte zugreifen und zu Zwecken der Spionage verwendet werden kann. Das israelische Verteidigungsministerium erteilt Lizenzen für den Export von Pegasus an ausländische Regierungen, aber nicht an private Einrichtungen.[13]

Frühe Versionen von Pegasus wurden verwendet, um das Telefon von Joaquín Guzmán, bekannt als El Chapo, zu überwachen. Im Jahr 2011 rief der mexikanische Präsident Felipe Calderón angeblich das NSO an, um dem Unternehmen für seine Rolle bei der Ergreifung Guzmáns zu danken.[14]

Forschern des Citizen Lab, ein der Universität Toronto angegliedertes Institut, ist es gelungen, Datenspuren („DNS Cache Probing“) des Schadprogramms Pegasus in 45 Ländern nachzuweisen.[15] Zuvor war durch ein Leck in den Aufzeichnungen des Hacking-Teams ans Licht gekommen, dass die Software 2015 an die Regierung von Panama geliefert worden war. Die Forscher fanden heraus, dass auch der mexikanische Journalist Rafael Cabrera ins Visier genommen worden war und dass die Software in Israel, der Türkei, Thailand, Katar, Kenia, Usbekistan, Mosambik, Marokko, Jemen, Ungarn, Saudi-Arabien, Nigeria und Bahrain hätte eingesetzt werden können.[2]

Im Juni 2018 klagte ein israelisches Gericht einen ehemaligen Mitarbeiter der NSO-Gruppe an, weil er angeblich ein Exemplar von Pegasus gestohlen und versucht hatte, es online für 50 Millionen US-Dollar in Kryptowährung zu verkaufen.[16]

Im Oktober 2018 berichtete Citizen Lab über die Verwendung von NSO-Software, um den inneren Kreis von Jamal Khashoggi kurz vor seiner Ermordung auszuspionieren. Der Bericht von Citizen Lab vom Oktober stellte mit großer Sicherheit fest, dass der Pegasus des NSO schon Monate zuvor auf dem iPhone des saudischen Dissidenten Omar Abdulaziz, einem von Khashoggis Vertrauten, platziert worden war. Abdulaziz erklärte, dass die Software Khashoggis "private Kritik an der saudischen Königsfamilie" enthülle, die laut Abdulaziz "eine große Rolle" bei Kashoggis Tod gespielt habe.[17][18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Joseph Cox,Lorenzo Franceschi-Bicchierai: Meet NSO Group, The New Big Player In The Government Spyware Business. In: Vice. 25. August 2016, abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  2. a b Thomas Brewster: Everything We Know About NSO Group: The Professional Spies Who Hacked iPhones With A Single Text. Abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  3. Orr Hirschauge, Inbal Orpaz: U.S. Fund to Buy NSO and Its Smartphone-snooping Software. In: Haaretz. 17. Februar 2014 (haaretz.com [abgerufen am 1. Februar 2020]).
  4. Abren sumario en caso Hacking Team | La Prensa Panamá. 7. August 2015, abgerufen am 1. Februar 2020 (spanisch).
  5. Danny Yadron: Can This Israeli Startup Hack Your Phone? In: WSJ. 1. August 2014, abgerufen am 1. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  6. Israeli hacking company NSO Group is on sale for more than $1 billion. 12. Juni 2017, abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  7. Novalpina Capital and founders buy NSO at $1b co value. 14. Februar 2019, abgerufen am 1. Februar 2020 (hebräisch).
  8. T. O. I. staff: Israeli spy tech firm linked to Khashoggi murder said to freeze Saudi deals. Abgerufen am 1. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  9. WhatsApp sues Israel's NSO for allegedly helping spies hack phones around the world. In: Reuters. 30. Oktober 2019 (reuters.com [abgerufen am 1. Februar 2020]).
  10. DER SPIEGEL: WhatsApp-Sicherheitslücke: Auch Politiker und Militärs ausspioniert - Der Spiegel - Netzwelt. Abgerufen am 8. August 2020.
  11. a b Alexander Sarovic, Marcel Rosenbach, Dietmar Pieper, Guido Mingels, Susanne Koelbl, Der Spiegel: Der Cyberkrieg des Mohammed bin Salman - Der Spiegel - Politik. Abgerufen am 1. Februar 2020.
  12. Seltenes Foto zeigt ein Gerät des mysteriösen Unternehmens, dass die Hardware für den Hack gegen Jeff Bezos gebaut hat. 23. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020 (deutsch).
  13. שי אספריל: יש לנו מאזין על הקו. 18. Oktober 2012, abgerufen am 1. Februar 2020.
  14. Exclusive: How Mexican drug baron El Chapo was brought down by technology made in Israel. 1. Oktober 2019, abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).
  15. Sven Millischer:Mit Pegasus werden iPhones zur Abhörfalle Handelsblatt.ch, 31. Oktober 2018, abgerufen am 25. Juni 2019
  16. Joseph Steinberg: Rogue CyberSecurity Company Employee Tried To Sell Powerful, Stolen iPhone Malware For $50-Million - Joseph Steinberg. Abgerufen am 1. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  17. APNewsBreak: Undercover agents target cybersecurity watchdog. 25. Januar 2019, abgerufen am 1. Februar 2020 (amerikanisches Englisch).
  18. The CIA Sent Warnings to at Least 3 Khashoggi Associates About New Saudi Threats. Abgerufen am 1. Februar 2020 (englisch).