Nabi-Musa-Unruhen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Nabi-Musa-Unruhen fanden 1920 im Mandatsgebiet Palästina statt. Dabei kam es anlässlich der muslimischen Feierlichkeiten zu Ehren des Propheten Mose zu einem Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung in Jerusalem.

Ablauf[Bearbeiten]

Die muslimischen Feierlichkeiten zum Nabi-Musa-Fest hatten als Reaktion auf christliche Feierlichkeiten einen traditionellen Charakter. Zahlreiche Menschen kamen aus den umliegenden Gebieten in die Stadt. Es fanden Paraden von Stämmen und Karawanen mit Fahnen und Waffen statt. Dabei hielten auch städtische Notable politische Reden.[1]

Um 10.30 am 20. April 1920 begannen Ausschreitung arabischer Menschenmengen gegen jüdische Geschäfte und Wohnviertel. Die Angreifer waren mit Messern und Knüppeln, sowie wenigen Schusswaffen bewaffnet. Es kam zu Mord, Vandalismus, Plünderungen und einer unbekannten Zahl von Vergewaltigungen. Das Pogrom dauerte mehrere Tage an. Illegale jüdische Selbstverteidigungsgruppen versuchten während der Pogrome die eigenen Leute zu schützen.[1]

Insgesamt wurden fünf Juden ermordet und 216 verletzt. Auf arabischer Seite fanden vier Menschen den Tod, darunter ein Kleinkind durch einen Querschläger. 23 Araber wurden verletzt. 17 britische Soldaten wurden in den Auseinandersetzungen verletzt.[1]

Folgen[Bearbeiten]

Der Militärgouverneur Oberst Ronald Storrs geriet in die Kritik, da zur Wiederherstellung der Ordnung kaum Truppen vorhanden waren. Storrs hatte trotz der Geschichte von Ausschreitungen anlässlich des Fests bereits zur osmanischen Zeit als auch Warnungen von Seiten der Zionistischen Kommission nicht mit Gewalt gerechnet.[1]

Die britischen Behörden verurteilten nach dem Pogrom mehr als 200 Personen, zumeist Araber zu Gefängnisstrafen. Der spätere Mufti von Jerusalem Mohammed Amin al-Husseini sowie der bekannte Journalist Aref al-Aref flohen vor ihrer Verhandlung außer Landes. Der Bürgermeister Musa Al-Husseini wurde abgesetzt und durch Raghib an-Naschaschibi ersetzt. Der Organisator des jüdischen Selbstschutzes Zeev Jabotinsky wurde ebenso kurz verhaftet.[1]

In London führten die Pogrome zur Entscheidung die Verwaltung des Mandatsgebiets dem Militär zu entziehen und eine Zivilverwaltung einzusetzen. Infolgedessen wurde Sir Herbert Samuel der erste Hochkommissar für das Mandatsgebiet.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f Tom Segev : Es war einmal ein Palästina - Juden und Araber vor der Staatsgründung Israels, 4. Auflage, München, 2005, S. 142 - 161