Nachlauf (Lenkung)

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Als Nachlauf bzw. Nachlaufstrecke wird die Komponente des Vektors vom Radaufstandspunkt zum Durchstoßpunkt der Lenkungsdrehachse durch die Fahrbahnfläche in Richtung der Schnittlinie Radmittelebene-Fahrbahn bezeichnet. Der Radaufstandspunkt liegt üblicherweise in Fahrtrichtung hinter dem Spurpunkt (positiver Nachlauf), so dass das Rad der Lenkungsdrehachse nachläuft. Es dreht sich somit von selbst in die gewünschte Fahrtrichtung – wie zum Beispiel beim Schieben eines Einkaufswagens.

Einkaufswagen mit nachlaufenden Rädern

Die Lenkungsdrehachse ist bei gelenkten Rädern in der Regel nicht senkrecht wie beim Einkaufswagen, sondern in Fahrtrichtung nach vorne unten geneigt. Diese Achsneigung wird bei Zweiradfahrzeugen Lenkkopfwinkel[1] und bei Automobilen Nachlaufwinkel[2] genannt. Nachlaufstrecke und Nachlaufwinkel sind zwei von mehreren Kriterien, die das Lenk- und Fahrverhalten bestimmen. Sie sind unabhängig voneinander wählbar. Nachlaufstrecke und Nachlaufwinkel sind wichtige geometrische Größen bei der Gestaltung lenkbarer Räder.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lenkgeometrie an einem Zweirad

Durch den Nachlauf entsteht bei einem Lenkausschlag ein Drehmoment, das diesem als Rückstellmoment entgegengerichtet ist. Dadurch lenkt das rollende Fahrzeug selbständig zurück bis (fast) zur Geradeausstellung. Ein großer Nachlauf bewirkt guten Geradeauslauf, verursacht jedoch hohe Lenkkräfte. Ein kleiner Nachlauf macht das Fahrzeug leicht lenkbar, mit zunehmender Geschwindigkeit wegen geringer Geradeauslaufwirkung allerdings auch instabiler.

Das Rückstellmoment bei Kurvenfahrt ist an der Lenkung spürbar. Es gibt dem Fahrer gemeinsam mit der Querbeschleunigung eine Rückmeldung über die Kurvenfahrt und über den Kontakt zwischen Reifen und Straße. Bei abfallendem Reibwert zwischen Reifen und Straße verringern sich die Reifenkräfte und damit das Rückstellmoment. An der Lenkung kann der Fahrer somit einen schlechteren Reifen-Fahrbahn-Kontakt spüren.

Reifennachlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitlich ausgelenkte Profilteilchen eines mit einem Schräglaufwinkel (nach oben) rollenden Reifens (Auslenkung mit Federn symbolisch angedeutet)

Der Gummireifen hat unabhängig vom fahrwerksgeometrischen Nachlauf einen zusätzlich wirkenden, den sogenannten Reifennachlauf. Die Profilteilchen verformen sich entsprechend dem Schräglaufwinkel elastisch, da die sie beim Einlaufen in den Latsch zunächst auf der Straße haften, und erst am Latschende wieder in die Ausgangslage zurückkehren. Es entsteht eine dreiecksförmige Verspannung. Der Schwerpunkt dieser Verspannung ist gegenüber dem Radaufstandspunkt etwa ein Sechstel der Latschlänge nach hinten verschoben.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jürgen Stoffregen: Motorradtechnik: Grundlagen und Konzepte von Motor, Antrieb und Fahrwerk. 7. Auflage. Vieweg+Teubner, 2010, ISBN 978-3-8348-0698-7, S. 272 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  2. Konrad Reif, Karl-Heinz Dietsche: Kraftfahrtechnisches Taschenbuch. 27. Auflage. Vieweg+Teubner, 2011, ISBN 978-3-8348-1440-1, S. 318 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]