Nachruf

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Heutige Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der heutigen Bedeutung wird das Wort Nachruf synonym mit Nekrolog gebraucht.

Wortgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verb nachrufen ist seit Kaspar von Stieler belegt[1], er umschreibt es lateinisch „Sectari aliquem clamore per vias.“ (etwa: „Jemanden mit lautem Rufen durch die Straßen verfolgen.“). Für das Nomen Nachruf ist keine frühere Quelle bekannt als Philipp von Zesens „Hoch-deutscher Helikon“[2], er verwendet es jedoch abweichend von Stieler zur Verdeutschung des Fremdwortes „Echo“[3].

In den Gedichten von Johann Christian Günther tritt „Nachruf“ häufiger auf[4], bei ihm hat es die Bedeutung „Nachruhm“[5], die im Wörterbuch erst bei Johann Christian Adelung erscheint[6]. Joachim Heinrich Campe vermerkt in seinem „Wörterbuch der deutschen Sprache“ (2. Aufl. 1813) zusammengefasst folgende Bedeutungen von „Nachruf“: (1)  einen Ruf an eine sich entfernende Person oder Sache; (2)  „einen Ruf, welchen man nach seiner Entfernung, seinem Tode an andere zurückläßt“ (Text des Verstorbenen!); (3)  Synonym von „Nachruhm“ (wie Adelung).

Christian Heinrich Schmid 1785 und Friedrich von Schlichtegroll 1791 prägten das Wort „(der) Nekrolog“ für die Darstellung der Biographie und die Würdigung des Werkes eines Verstorbenen, für das es zunächst keine allgemein akzeptierten Verdeutschungsvorschläge gab. Bei Friedrich Kluge[7] heißt es: „Nachruf: In der Bedeutung Nekrolog noch Campe 1813 fremd, erst nach Mitte des 19. Jahrhunderts durchgedrungen.“, d. h. erst zu diesem Zeitpunkt wird „Nachruf“ mit dem bisher unabhängig davon existierenden Wort „Nekrolog“ (ein über den Verstorbenen verfaßter Text!) verbunden.

Alle übrigen Bedeutungsinhalte des Substantivs (Zesen, Günther, Campe) sind durch den Bedeutungswandel weitgehend verloren[8]. Es ist damit zu der befremdlichen Situation gekommen, dass Substantiv (Nachruf = Nekrolog) und Verb (nachrufen = hinterher rufen; vgl. Adelung, Campe) auf disjunkte Bedeutungsinhalte referieren.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kaspar von Stieler: Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs (1630).
  2. Philipp von Zesen: Zum dritt- und letzten mahle ausgefärtigter Hoch-deutscher Helikon (1649).
  3. Hoch-deutscher Helikon, Anzeiger der fremden Wörter [unpaginiert]: „Echo[:] Tahlmunde / widerschal / gegenhal / nachruf [Hervorhebungen durch Bearbeiter], Nachhall / widerruf.“
  4. Werke von Johann Christian Günther bei zeno.org [1]
  5. vgl. z. B. aus Schweidnitz 1710-1715 die Zeile „Dein Nachruf nennt die Sterne seine Brüder.“
  6. Johann Christian Adelung: Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörterbuchs der hochdeutschen Mundart (1774-1786). http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WBNetz/wbgui_py?sigle=Adelung&mode=Vernetzung&lemid=DN00183#XDN00183
  7. Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 18.  Aufl. bearb. von Walther Mitzka. Berlin: De Gruyter 1960.
  8. DUDEN: Das große Wörterbuch der deutschen Sprache in 6 Bänden, hrsg. v. Günther Drosdowski 1976ff.
































Joachim Heinrich Campe