Nachtarbeit

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Als Nachtarbeit gilt Arbeit in der Nacht zwischen 23 und 6 Uhr. In Deutschland ist sie bewilligungsfrei, während in der Schweiz für die Bewilligung ein Bedürfnisnachweis und ein Nachweis der Gesundheitsvorsorge notwendig ist.

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland steht es prinzipiell jedem Arbeitgeber frei, seinen volljährigen Arbeitnehmern – unabhängig von Alter und Geschlecht – Nachtarbeit ohne behördliche Genehmigung und ohne zwingendes Erfordernis anzuordnen. Diese sehr liberale Regelung steht im krassen Gegensatz zur Sonntagsruhe, die in Deutschland rigide gesetzlich geregelt ist. Die einzigen Einschränkungen sind der Tarifvertrag, die Zustimmung des Betriebsrats, das Mutterschutzgesetz, das Jugendarbeitsschutzgesetz und die wenigen arbeitsmedizinischen Regelungen des Arbeitszeitgesetzes.

Regelungen des Arbeitszeitgesetzes[Bearbeiten]

Die Nachtarbeit ist in § 2 und § 6 des Arbeitszeitgesetz geregelt:

  • Definition: Nachtarbeit ist die Arbeitszeit von 23 bis 6 Uhr, bei Bäckereien von 22 bis 5 Uhr. Leistet ein Arbeitnehmer seine Arbeit zu mehr als zwei Stunden während dieses Zeitfensters, gilt seine gesamte Arbeit als Nachtarbeit.
  • Rechte des Arbeitnehmers: Bei Nachtarbeit hat ein Arbeitnehmer unter 50 Jahren alle drei Jahre, ein Arbeitnehmer über 50 Jahre jährlich das Recht auf arbeitsmedizinische Untersuchungen, die vom Arbeitgeber bezahlt werden müssen. Alternativ kann jedoch der Arbeitgeber veranlassen, dass die arbeitsmedizinischen Untersuchungen durch einen betriebsinternen Arzt vorgenommen werden.

Eine Umstellung von Nachtarbeit auf normale Arbeitszeiten kann ein Arbeitnehmer beantragen, wenn eine Gefährdung seiner Gesundheit durch die Nachtarbeit besteht. Des Weiteren kann eine Umstellung erfolgen, wenn der Arbeitnehmer ein Kind unter zwölf Jahren ohne Betreuung oder einen schwer Pflegebedürftigen in der Familie hat.

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz verbietet das Arbeitsgesetz (Art. 16Vorlage:Art./Wartung/ch-Suche ff.) die Nachtarbeit. Ausnahmen sind bewilligungspflichtig, sofern sie nicht durch das Gesetz explizit erwähnt sind (z. B.: Spitäler, Zirkusse etc.). Für regelmässige Nachtarbeit muss ein wirtschaftliches oder technisches Bedürfnis nachgewiesen werden, für vorübergehende Nachtarbeit ein dringendes Bedürfnis.

Österreich[Bearbeiten]

Definition

  • Nachtarbeit fällt in der Zeit von 22:00 bis 05:00 Uhr an.
  • Als Nachtarbeitnehmer gelten Personen, die in mindestens 48 Nächten im Jahr mindestens drei Stunden pro Nacht arbeiten.

Anspruch auf unentgeltliche Untersuchungen

  • Ein Anspruch besteht bei Arbeiten zwischen 22:00 bis 06:00 Uhr und diese 30 Nächte im Jahr durchgeführt werden.
  • Ein Recht auf die Untersuchung besteht vor der Aufnahme der Tätigkeiten und danach alle zwei Jahre.
  • Nach dem vollenden 50. Lebensjahr oder nach 10 Jahren Nachtarbeit ist die Untersuchung jährlich durchzuführen.

Rechtsanspruch auf Versetzung zur Tagesschicht besteht,

  • wenn sich die Gesundheit des Nachtarbeitnehmers verschlechtert.
  • wenn die betreffende Person ein Kind unter zwölf Jahren oder eine Person zu pflegen hat.

Versetzungsschutz

  • Die Versetzung von einem Tages- auf einen Nachtarbeitsplatz ist nur mit Zustimmung des Arbeitnehmers möglich.[1]

Gesundheitliche Risiken[Bearbeiten]

Neueste Forschungsergebnisse zeigen Hinweise auf eine positive Korrelation von Nachtarbeit und Krebserkrankungen. Größere Bedeutung wird dabei insbesondere den bei Nacht- und Schichtarbeit veränderten Melatoninspiegeln beigemessen. Die Störung der physiologischen circadianen Rhythmik führt unter anderem zu einer eingeschränkten Melatoninproduktion und folglich erniedrigten Spiegeln. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) führt Nacht- und Schichtarbeit seit dem 5. Dezember 2007 in der offiziellen Liste wahrscheinlich krebserregender Agenzien („probably carcinogenic to humans“).[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Ayaß: „Der Übel größtes.“ Das Verbot der Nachtarbeit von Arbeiterinnen in Deutschland (1891–1992). In: Zeitschrift für Sozialreform, 46 Jg., Heft 3, März 2000, S. 189–220 (PDF).
  • Zeitbüro NRW (Hrsg.): Arbeitszeiten in der Nacht. in: Tempora – Journal für moderne Arbeitszeiten, 11/2006 (PDF).

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Nachtarbeit. Website der Arbeitsinspektion. Abgerufen am 4. September 2013.
  2. IARC Press Release 180 (5. Dezember 2007)


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