Nachtzug

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Ein Nachtzug (EN 482 MünchenKopenhagen/Binz) bei der Durchfahrt im Bahnhof Donauwörth

Nachtzug (auch Nachtreisezug in Abgrenzung zu nächtlich verkehren Güterzügen) steht für nachts verkehrende Züge des Personenverkehrs. Im Schienenpersonenfernverkehr dienen sie dazu, um in der Schlafenszeit der Reisenden über Nacht lange Strecken mit wenig Zwischenhalten zurückzulegen. Diese Züge sind meistens mit Schlaf- oder Liegewagen ausgestattet. Sie besitzen oft Kurswagen, so dass von einem Ausgangsbahnhof ohne Umsteigen viele Ziele erreicht werden können. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es für Nachtzüge unter anderem die Zuggattungen EuroNight (EN) und ÖBB Nightjet.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland verkehrten die ersten Nachtzüge 1852. Diese Nachtzüge bestanden nur aus Sitzwagen und bescherten den Eisenbahngesellschaften einen nicht erwarteten Extra-Gewinn. Für jeden ausgefallenen Nachtzug drohte der preußische Staat eine Strafe von 100 Talern an.

Georges Nagelmackers brachte die Idee des Schlafwagens mit bezogenen Betten, Waschgelegenheiten und Toiletten nach Europa und gründete für deren Betrieb die Compagnie Internationale des Wagons-Lits (CIWL). Die ersten Nachtverbindungen der CIWL bestanden aus Kurswagenläufen, bei denen die Schlafwagen an andere, fahrplanmäßige Züge angehängt wurden. 1872 bekam die CIWL die erste Konzession für eine Verbindung mit Schlafwagen von Paris nach Wien. Die Dampflokomotiven dieser Zeit erwiesen sich als zu schwach, um die zusätzliche Anhängelast der Schlafwagen zu bewältigen. Daher setzte die CIWL 1882 den ersten Nachtzug mit Speisewagen, Schlaf- und Gepäckwagen zwischen Paris und Wien ein. Auf dieser Grundlage entstand 1883 die Verbindung zwischen Paris und Konstantinopel, die der Orientexpress befuhr.

Nachtzüge in Europa (Abriss)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweiz betreibt mit den Schweizerischen Bundesbahnen keine Nachtzüge mehr. Hingegen fahren verschiedene Linien des ÖBB Nightjet von und zu Schweizer Bahnhöfen, wie beispielsweise ZürichBerlinHamburg oder ZürichLinzWien. Als Nachtzüge sind in der Schweiz vor allem Nachtregionalzüge bekannt; sie verkehren meist als S-Bahn. In der Regel wird in den Nachtzügen, die von ein Uhr bis Betriebsschluss verkehren, ein Nachtzuschlag von fünf Franken erhoben.

Einige Linien der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) fahren als EuroNight-Züge von Österreich in die Schweiz, nach Deutschland und Italien. Auch besteht zwischen Bregenz und Wien eine inländische Nachtzugverbindung.[1] Die ÖBB Personenverkehr hat die Bewirtschaftung der Nachtzüge komplett an den Caterer Newrest Wagons-Lits, die frühere CIWL, ausgelagert. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2016 haben die ÖBB einen Teil der vormals von der Deutschen Bahn angebotenenen Nachtzuglinien übernommen. Hauptsächlich in Deutschland verkehren die Linien Hamburg-München-Innsbruck, Hamburg-Berlin-Zürich und Düsseldorf-München-Innsbruck. Von Deutschland über Österreich nach Italien gibt es Verbindungen auf der Strecke München-Mailand/Rom/Venedig jeweils über Salzburg. Diese hinzugekommenen Verbindungen wurden mit bereits bestehenden Verbindungen der ÖBB (Hamburg-Wien, Düsseldorf-Wien, Wien-Italien) gekoppelt. Das gesamte Nachtzugangebot wird unter der Marke ÖBB Nightjet vermarktet.[2]

Die Niederländische Staatsbahn (NS) betreibt jede Nacht einen stündlichen Verkehr auf den wichtigsten Eisenbahnlinien.

In Frankreich betrieb die SNCF unter der Marke „Intercités de nuit“ ein Netz von Nachtzügen[3], das 2016 deutlich ausgedünnt wurde.

In einigen Ländern (Russland, Ukraine, Polen, Norwegen, Schweden) sind Nachtzüge, nicht zuletzt auch wegen der großen Fläche dieser Länder, bis heute die Stütze des Fernverkehrs.

Die Deutsche Bahn kündigte Ende 2015 an, den Nachtzugverkehr mit dem Fahrplanwechsel 2016/2017 einzustellen. Als Ursachen werden unter anderem ein überaltertes Wagenmaterial, steigender Wettbewerbsdruck und eine niedrige Qualität genannt. Als Ersatz wird das nächtliche ICE-Angebot von vier auf zehn Züge ausgebaut, zuzüglich weiterer saisonaler Verbindungen. International sollen IC-Nachtbusse zum Einsatz kommen.[4] Die Entscheidung wird von Fahrgästen und Wissenschaftlern bedauert.[5] Der Konzern habe nach Angaben von Mitte 2016 bei einem Umsatz von 90 Millionen Euro ein Rekorddefizit von 30 Millionen Euro erzielt.[6] Die DB verhandelte daher mit der ÖBB, dem zweitgrößten Nachtzuganbieter in Deutschland, über eine Ausweitung des ÖBB-Angebots.[4] Ab Dezember 2016 übernahm die ÖBB im Ergebnis der Gespräche von der Deutschen Bahn einen Teil der Nachtzugleistungen in Deutschland.[2] Sie firmt alle Nachtzugverbindungen unter dem Namen ÖBB Nightjet.

In einer Studie von DB Mobility Networks und Internationalem Eisenbahnverband (UIC) werden neuartige Nachtzüge im Hochgeschwindigkeitsverkehr untersucht. Eine Fahrt mit bis zu 300 km/h von Madrid nach London wäre in 12 Stunden möglich. Allerdings müssten die Züge mit dem wesentlich langsameren Güterverkehr abgestimmt und die Trassenmieten reduziert werden.[7]

Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aktuelle Betreiber (Auswahl) sind:

Ehemalige Betreiber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuglaufschild eines Nachtzuges der DB
  • DB Fernverkehr: Bot bis Dezember 2016 von Deutschland ausgehend ein Netz europaweiter Nachtzugverbindungen an, zuletzt unter der Marke City Night Line (CNL). Das deutsche Nachtzugnetz wurde nach der Bahnreform durch den Wegfall von Kurswagenverbindungen reduziert, jedoch durch Modernisierung des Wagenmaterials wieder aufgewertet. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2007 wurden die früheren Nachtzugangebote des DB-Konzerns DB Nachtzug (NZ) und UrlaubsExpress (UEx) mit der Marke City Night Line zusammengeführt. Ab 1. Januar 2010 übernahm DB Autozug den gesamten Geschäftsbetrieb der City Night Line CNL AG.[10][11] Ende September 2013 wurde DB AutoZug aufgelöst und auf die DB Fernverkehr AG verschmolzen.
  • Mitropa
  • Deutsche Schlafwagen- und Speisewagengesellschaft
  • Elipsos Gemeinsame Marke der spanischen und französischen Eisenbahnen RENFE und SNCF. Es wurden bis Dezember 2013 Nachtzüge in Form von Hotelzügen angeboten. Bedient wurden Linien zwischen Paris und Barcelona/Madrid.

Wagentypen und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nachtzügen werden je nach Betreiber verschiedene Wagentypen eingesetzt. Beispielsweise sind vorhanden:

  • Schlafwagen mit einem bis vier Betten pro Abteil, mit Waschecke, gelegentlich mit Dusche und WC-Raum im Abteil
  • Liegewagen mit vier bis sechs Betten pro Abteil
  • Liegesitzwagen mit nach hinten klappbaren Sitzlehnen („Ruhesessel“)
  • Sitzwagen
  • in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion sowie in Asien generell (z. B. Thailand, China, Indien) sind auch noch andere Wagentypen im Einsatz, etwa Abteile mit acht Betten, Schlaf- oder Liegewagen, in denen die Betten beidseitig eines Mittelgangs parallel zur Fahrtrichtung angeordnet und nur durch Vorhänge vom Gang abgetrennt sind oder auch Liegewagen mit Abteilen ohne Türen.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nachtzug – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • FAZ.net: In den letzten Zügen., Printversion: FAS 9. November 2014, S. V 1. Kommentar: „Weil sie sich nicht mehr rentieren, stellt die Bahn viele ihrer Nachtzüge für immer ein. Eine Abschiedsfahrt von Berlin nach Paris, bevor im Dezember [2014] alles vorüber ist.“

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nachtreisen der ÖBB oebb.at, abgerufen am 17. Februar 2010.
  2. a b ÖBB Corporate Blog: Wir weiten unser Nachtreisezug-Angebot in Deutschland aus. Veröffentlicht am 7. Oktober 2016, abgerufen am 1. Dezember 2016
  3. Trains de nuits – SNCF Intercités intercites.sncf.com, abgerufen am 31. März 2013.
  4. a b DB AG (Hrsg.): Zukunft Bahn – Gemeinsam für mehr Qualität, mehr Kunden, mehr Erfolg. Berlin 2015, S. 24 (deutschebahn.com [PDF]).
  5. Nachtzug ins Nirgendwo. faz.net, 10. Mai 2016.
  6. Kerstin Schwenn: Das Ende der Reise im Pyjama. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 123, 30. Mai 2016, S. 22 (faz.net mit anderem Erscheinungsdatum).
  7. International Union Of Railways [UIC]; DB Mobility Networks Logistics (Hrsg.): UIC-Study Night Trains 2.0 New opportunities by HSR? (vertraeglich-reisen.de).
  8. Homepage der Trenitalia trenitalia.com (Memento vom 19. September 2008 im Internet Archive) abgerufen am 16. Februar 2010.
  9. Internationale Verbindungen der Trenitalia trenitalia.com (Memento vom 19. September 2008 im Internet Archive) abgerufen am 17. Februar 2010.
  10. Firmenprofil der DB Autozug dbautozug.de, abgerufen am 16. Februar 2010.
  11. Firmenprofil der City Night Line CNL AG citynightline.de (Memento vom 16. Dezember 2007 im Internet Archive) abgerufen am 16. Februar 2010.