Nachtschwalben

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Nachtschwalben
Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)

Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus)

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
ohne Rang: Amnioten (Amniota)
Klasse: Vögel (Aves)
ohne Rang: Strisores
Ordnung: Caprimulgiformes
Familie: Nachtschwalben
Wissenschaftlicher Name der Ordnung
Caprimulgiformes
Ridgway, 1881
Wissenschaftlicher Name der Familie
Caprimulgidae
Vigors, 1825

Die Nachtschwalben (Caprimulgidae) sind eine Vogelfamilie mit etwa 100 Arten in 20 Gattungen. Sie ist, mit Ausnahme der Polarregionen, weltweit verbreitet. Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) und der Rothals-Ziegenmelker (C. ruficollis) sind die einzigen in Europa brütenden Vertreter der Familie. Der nordamerikanische Nachtfalke (Chordeiles minor) wird als seltener Irrgast in Westeuropa und auf den Azoren festgestellt.

Nachtschwalben sind mit mehreren anderen, in Aussehen und Lebensweise ähnlichen Familien, wie etwa den Fettschwalmen (Steatornithidae) und den Eulenschwalmen (Podargidae), sowie mit den Seglern (Apodidae) und Kolibris (Trochilidae) verwandt.[1][2]

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachtschwalben haben ein weiches, überwiegend bräunliches, gut tarnendes Gefieder. Beide Geschlechter sehen ähnlich aus. Bei einigen Arten ist das Gefieder der Männchen kontrastreicher oder Schwanz oder Handschwingen sind länger. Der Rumpf ist zylindrisch und weniger gestreckt als der der Segler. Kopf und Augen sind relativ groß; der Schnabel ist kurz aber breit. Beine und Krallen sind kurz.[2]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fast alle Vertreter der Nachtschwalben sind dämmerungs- und nachtaktive Fluginsektenjäger.

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Bestand und Bedrohungsstatus der verschiedenen Arten, vor allem der tropischen, ist wenig bekannt. Es wird jedoch angenommen, dass die Jamaika-Nachtschwalbe (Siphonorhis americanus), von der seit über hundert Jahren Nachweise fehlen, bereits ausgestorben ist. Die Puerto-Rico-Nachtschwalbe (Antrostomus noctitherus), die als ausgestorben galt, wurde in einer kleinen Population in den 80er Jahren wiederentdeckt und gilt als stark gefährdet. Unklar ist auch der Bestand der Vaurie-Nachtschwalbe (Caprimulgus centralasicus), der Prigogine-Nachtschwalbe (Caprimulgus prigoginei) sowie der Nechisar-Nachtschwalbe (Caprimulgus solala).

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Familie Caprimulgidae wurde 1825 durch die irischen Zoologen Nicholas Aylward Vigors eingeführt. Die Familie wurde der Ordnung der Schwalmartigen (Caprimulgiformes) zugeordnet, die sich jedoch als paraphyletisch herausstellten, da einige Familien der Schwalmartigen näher mit den Seglervögeln (Apodiformes) verwandt sind als mit den übrigen Schwalmartigen.[3][4][1] Um wieder zu monophyletischen Taxa zu kommen und da sich die Familien schon im Paläozän vor 65 bis 60 Millionen Jahren voneinander getrennt haben,[5] wurden sie in fünf eigenständige Ordnungen gestellt,[6][7] und die Caprimulgidae verblieben als einzige Familie in der Ordnung Caprimulgiformes.

Alle Ordnungen der ehemaligen Schwalmartigen und die Seglervögel werden in ein Strisores genanntes rangloses Taxon gestellt, das schon 1847 durch den deutschen Ornithologen Jean Louis Cabanis eingeführt wurde.[8]

Das folgende Kladogramm zeigt die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Nachtschwalben, den übrigen ehemals zu den Schwalmartigen gezählten Vogelgruppen und den Seglervögeln.[9][10]

 Strisores 

Nachtschwalben (Caprimulgiformes)


   


Fettschwalme (Steatornithiformes)


   

Tagschläfer (Nyctibiiformes)



   

Eulenschwalme (Podargiformes)


   

Höhlenschwalme (Aegotheliformes)


   

Seglervögel (Apodiformes)






Nach molekulargenetischen Untersuchungen, die im Jahre 2010 veröffentlicht wurden, wurde die Unterteilung in die beiden ursprünglichen Unterfamilien Caprimulginae und Chordeileinae (Falkennachtschwalben) aufgegeben. Es ergaben sich vier neue Gruppierungen. Die Gattung Caprimulgus stellte sich als polyphyletisch heraus. Daher wurden die altweltlichen Arten von Caprimulgus von denen in der Neuen Welt getrennt. Letztere wurden in der neu errichteten Gattung Antrostomus zusammengefasst. Einige Arten der Gattung Caprimulgus wurden zu anderen Gattungen gestellt.[11] Winkler und Kollegen unterteilen die Nachtschwalben wieder in Unterfamilien, die Eurostopodinae für die basale Klade und die Caprimulginae für die übrigen Gattungen.[2]

Gattungen und Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Argus-Nachtschwalbe (Eurostopodus argus)

Basale Klade (Unterfamilie Eurostopodinae)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Arten von Eurostopus wurden früher oft als eine eigene Familie Eurostopodidae angesehen. Die Verwandtschaftsverhältnisse innerhalb der Klade sind jedoch nicht geklärt, so dass diese Vögel ebenfalls zu den Caprimulgidae gestellt werden, mit denen sie eine monophyletische Gruppe bilden.

Unterfamilie Caprimulginae[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altweltliche Klade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gactornis Han, Robbins & Braun, 2010 – eine Art

1. neuweltliche Klade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsächlich in Nord- und Mittelamerika sowie in der Karibik beheimatet, umfasst diese Klade die neuweltlichen Arten von Caprimulgus, die nun in der wiedererrichteten Gattung Antrostomus geführt werden. Dazu kommen die Gattungen Siphonornis, Nyctiphrynus und die monotypische Gattung Phalaenoptis, letztere steht am Übergang zwischen den Gattungen Antrostomus und Nyctiphrynus.

2. neuweltliche Klade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Chordeiles war früher die nominotypische Gattung der Unterfamilie Nachtfalken (Chordeileinae). Die ehemalige Gattung Podager mit der einzigen Art Podager nacunda wurde in diese Gattung integriert.

3. neuweltliche Klade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Klade umfasst 10 Gattungen, die nach einem Vorschlag von Han et al.[11] alle zu einer Gattung zusammengelegt werden könnten.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Richard O. Prum et al. A comprehensive phylogeny of birds (Aves) using targeted next-generation DNA sequencing. Nature, Oktober 2015; doi: 10.1038/nature15697
  2. a b c David W. Winkler, Shawn M. Billerman, Irby J. Lovette: Bird Families of the World: A Guide to the Spectacular Diversity of Birds. Lynx Edicions (2015), ISBN 978-8494189203, S. 81–83.
  3. Hackett et al.: A Phylogenomic Study of Birds Reveals Their Evolutionary History. Science 27 Juni 2008: Vol. 320. no. 5884, pp. 1763–1768 doi:10.1126/science.1157704
  4. Gerald Mayr (2009): Phylogenetic relationships of the paraphyletic of caprimulgiform birds (nightjars and allies). Journal Zoological Systematics Evolutinary Research doi: 10.1111/j.1439-0469.2009.00552.x, S. 394.
  5. Gerald Mayr (2014): The origins of crown group birds: molecules and fossils. Palaeontology 57: 231–242. doi: 10.1111/pala.12103
  6. IOC World Bird List v11.1 Diary 2021 Mar 14 Split Strisores into six orders rather than two. Add Steatornithiformes, Nyctibiiformes, Podargiformes and Aegotheliformes
  7. R. Terry Chesser, Kevin J. Burns, Carla Cicero, Jon L. Dunn, Andrew W. Kratter, Irby J. Lovette, Pamela C. Rasmussen, J. V. Remsen Jr., James D. Rising, Douglas F. Stotz, Kevin Winker: Fifty-seventh Supplement to the American Ornithologists' Union Check-list of North American Birds. In: The Auk. Band 133, Nr. 3, 2016, S. 544–560, doi:10.1642/AUK-16-77.1.
  8. Jean Cabanis (1847). Ornithologische Notizen. II. Archiv für Naturgeschichte. Berlin. 13 (1): 308–352.
  9. Albert Chen, Noor D. White, Roger B.J. Benson, Michael J. Braun und Daniel J. Field. 2019. Total-Evidence Framework Reveals Complex Morphological Evolution in Nightbirds (Strisores). Diversity. 11(9); 143. DOI: 10.3390/d11090143
  10. Albert Chen, Daniel J. Field: Phylogenetic definitions for Caprimulgimorphae (Aves) and majorconstituent clades under the International Code of Phylogenetic Nomenclature. Oktober 2020, Vertebrate Zoology 70(4):571-585, DOI: 10.26049/VZ70-4-2020-03
  11. a b Kin-Lan Han, Mark B. Robbins & Michael J. Braun: A multi-gene estimate of phylogeny in the nightjars and nighthawks (Caprimulgidae). Molecular Phylogenetics and Evolution, 55, 2, S. 443–453, Mai 2010

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]