Nachverdichtung (Städtebau)

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Nachverdichtung in Japan: Drei Etagen des Gate Tower Buildings sind an einen Autobahnbetreiber vermietet.

Als Nachverdichtung (selten: bauliche Nachverdichtung) oder Innenverdichtung bezeichnet man das Nutzen freistehender Flächen innerhalb bereits bestehender Bebauung.

Verfahrensweisen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Sicht der Bauindustrie und Bauplanung werden öffnende und limitierende Faktoren bei der Identifikation von nachverdichtungs-fähigen Flächen unterschieden.[1] Als „öffnend“ gilt die gute Nahverkehrs­anbindung, bestehende Infrastruktur, insbesondere auch Nähe von Erholungsgebieten. Limitierend sind existierende Einschränkungen durch Denkmal-, Baum- und Naturschutz.

Die Nachverdichtung kann erfolgen durch

  • Schließen von Baulücken
  • Vervollständigung offener Bebauung zu geschlossener Bebauung, etwa Blockrandbebauung
  • Aufstocken von vorhandenen Bauten, Dachgeschossausbau u. ä.
  • Abriss vorhandener Bauten und Bau größerer Bauten (mehr umbauter Raum)
  • Hinterlandbebauung (zum Beispiel im Garten langer Grundstücke)

Vorteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Vorteil ist die Nutzung bereits vorhandener Infrastruktur – die neuen Räume müssen nicht erst strukturell erschlossen werden. Vorhandene Infrastruktur wird dadurch besser genutzt; ihre Fixkosten können auf eine größere Zahl von Einwohnern bzw. Bewohnern umgelegt werden.

  • Aus Perspektive der Stadt dient Nachverdichtung der Innenentwicklung, der städtebaulichen Aufwertung von Quartieren sowie der besseren Auslastung von Infrastrukturen.
  • Aus Perspektive der Eigentümer wird zusätzliche Nutzfläche in vorhandenen Immobilien wirtschaftlich erstellt durch zusätzliche Nutzung von bereits vorhandenen Erschließungen und Tragwerken.
  • Nutzer empfinden die Wohnqualität in gewachsenen Quartieren und der Lage oft als besser als die eines Neubaugebietes.
  • Nachverdichtung kann zu einer Stadt der kurzen Wege führen, wenn die Infrastruktur im gleichen Maße wächst wie die Industrie- oder Wohnfläche

Nachteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn auch der Zersiedelung durch Nachverdichtung ein gewisser Einhalt geboten wird, fördert sie doch den Landschaftsverbrauch durch Flächenversiegelung. Besonders in Städten gehen Vegetation und Freiräume verloren, werden letzte Wanderwege für Kleintiere versperrt, die Luftzirkulation (Luftschneisen) wird eingeschränkt und insgesamt die Stadtökologie und das Stadtklima womöglich ungünstig beeinflusst (Bildung von Wärmeinseln, erhöhte Feinstaubkonzentration).[2]

Neubauten und der damit verbundene Zuzug führen aus Sicht der alteingesessenen Anwohner je nach Art des Bauvorhabens zur Abwertung der Lebensqualität durch Gentrifizierung oder – im Fall von Sozialbauten – zu Ghettoisierung, wachsender Bevölkerungsdichte bzw. wachsender Verkehrsdichte.[3][4]

Daher entstehen ortsweise Bürgerinitiativen gegen geplante Nachverdichtungen, die sich v. a. auch gegen Grünflächen-Verluste zur Wehr setzen. Beispiele sind Hamburg,[5] Darmstadt,[6][7] Freiburg und Heidelberg.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Krautzberger, Wilhelm Söfker: Baugesetzbuch mit BauNVO: Leitfaden mit Synopse. 8. Auflage. Hüthig-Jehle-Rehm-Verlag, 2007, ISBN 978-3-8073-2383-1, S. 432 f.
  • Martina Desax, Barbara Lenherr, Reto Pfenninger (Hrsg.): verDICHTen. Internationale Lowrise-Wohnsiedlungen im Vergleich. Triest Verlag für Architektur, Design und Typografie, 2016, ISBN 978-3-03863-002-9

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fink/Fischer: Neue Werkzeuge für die dichte Stadt. In: bauwelt. 36, 2012.
  2. http://www.klima.tu-berlin.de/dokuwiki-op14/doku.php?id=wiki:stadtklimaanalyse_mannheim
  3. Nachverdichtung in Leinfelden-Echterdingen: „Die Ablehnung hat mich nicht überrascht“ Stuttgarter Zeitung, 1. Juni 2012
  4. Höher, enger, dichter. Der Spiegel, 28. März 2016
  5. Frank Drieschner: Aufgebäumt. In: Die Zeit. 18. Dezember 2014.
  6. Nachverdichtung im Martinsviertel.: „Nachverdichtung im Martinsviertel in Darmstadt“
  7. Edelsteinviertel Darmstadt: Sorge vor „Über-Nachverdichtung“. In: Darmstädter Echo. 3. Februar 2015, abgerufen am 10. August 2017.
  8. http://www.buergerinitiative-neuenheim.de/problempunkte/nachverdichtungsbeschluss/