Nacktarsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Weinetikett (April 1954)

Nacktarsch (Pl.: Nacktärsche (für Einzelflaschen des daraus stammenden Weins)) ist eine Großlage im deutschen Weinbaugebiet Mosel in der Nähe von Traben-Trarbach an der Mosel.

Namensherkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Namen handelt es sich wohl um eine Verballhornung des lateinischen „Nectarius“[1], beziehungsweise des keltischen „Nackas“. Beides bedeutet etwa „felsige Höhe“ und leitet sich aus der Tatsache ab, dass der Nacktarsch-Hang im Herbst ohne Laub schlicht „nackt“ aussieht.

Eine volksetymologische Überlieferung berichtet von einem Kröver Kellermeister, der zwei Jungen den nackten Hintern versohlt haben soll, nachdem er sie dabei erwischt hatte, wie sie aus einem seiner Fässer Wein tranken. Diverse Abbildungen dieser Version der Entstehungsgeschichte befinden sich zwar heute auf Etiketten zahlreicher Kröver Nacktarschflaschen, sind aber wohl als Wortspiel zu werten. Andere Erklärungen führen den Namen der Weinbaulage auf den für derbe Worte bekannten Götz von Berlichingen oder auf eine angebliche Ähnlichkeit des Berges bei Kröv mit dem namengebenden unbekleideten Körperteil zurück. An der Stelle die zuerst „Nacktarsch“ genannt wurde, erfriert der Wein in manchen Jahren und die Reben wurden nackt entblättert. Somit weist die Bezeichnung „Kröver Nacktarsch“ auf die Anbaugrenze für Wein, damit auf die lange Reifezeit im Moselklima und endlich auf den besonderen Geschmack guter Moselweine hin.

Ein bundesweites Medienecho löste die Idee aus, der Kröver Mehrzweckhalle den Namen „Nacktarschhalle“ zu geben.[2] Man einigte sich schließlich auf den Namen „Weinbrunnenhalle Kröver Nacktarsch“.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch wenn es verschiedene Interpretationen der Namensherkunft gibt: Der Name ist werbewirksam und verkaufsfördernd und über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt[3].

Im Laufe der Zeit, vornehmlich gegen Ende des 20. Jahrhunderts, erwarb sich der Nacktarsch jedoch den zweifelhaften Ruf ein billiger und, dem Massengeschmack folgend, stark gesüßter Mengenwein zu sein[4]. Seit Beginn des Jahrtausends gibt es aber starke Bestrebungen dieses negative Image loszuwerden[5] [6]

Einzellagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Großlage Nacktarsch (320 ha) zählt zum Bereich Bernkastel und besteht aus folgenden Einzellagen Kröv und Kövenig:

Kröv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Steffensberg

Der Steffensberg umfasst eine Fläche von 35 ha. Hier wird auf Devonschieferboden ausschließlich Riesling angebaut.

  • Letterlay

An den Steffensberg schließt sich der 40 ha große Letterlay an. Beide Lagen sind nach Süden ausgerichtet. Auch hier werden Rieslingweine auf Devonschieferböden im Steilhang angebaut.

  • Kirchlay

Diese Lage mit einer Größe von 70 ha ist nach Südsüdost ausgerichtet. Hier trifft man auf Tonschieferverwitterungsböden, im unteren Bereich ist der Boden hängig und besteht aus Lehm und Ton, der mit Schiefer durchsetzt ist. Hier wird u.a. Spätburgunder angebaut.

  • Paradies

Das Paradies ist mit 160 ha Rebfläche die größte Lage Krövs. Von der Mosel her wachsen auf schwerem Lehmboden vorwiegend Müller-Thurgau-Reben, in den Hanglagen wechselt der Boden hin zu Ton und Devonschiefer. Hier werden vorwiegend Kerner- und Dornfelder -Reben angebaut.

Kövenig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Steillagen „Burglay“ und „Herrenberg“ umfassen Rebflächen von 18 ha bzw. 20 ha. Der Boden besteht aus Tonschiefer.

historisch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1868 wurde unter der Leitung des Königlichen Kataster Inspectors, Steuerrath Clotten, für die Königliche Regierung zu Trier eine Weinbaukarte für den Regierungsbezirk Trier angefertigt. Für den Bereich Kröv (Cröv) sind dort lediglich die Einzellagen:

  • Steffensberg
  • Heislai

verzeichnet. Auf dieser Karte sind weiterhin folgende Lagen bei Cröv verzeichnet : Pellen, Herresberg, Klasberg, Neuberg, Held, Lay, Kaltenberg und Goldgrub.

Christian von Stramberg (1837) [7] nennt auf dem Distrikt Niederberg die Lagen Alte Kirch, Letterley, Häßchen, Rütschenberg, Bockskopf und Rebenter.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hans Ambrosi: Mehr über deutschen Wein, S. 84, Dr. Fraund, Mainz 1989.
  2. Bericht aus der Rhein-Zeitung vom 3. Juli 2003, abgerufen am 10. Juni 2009
  3. Eigenes Hörensagen 1991 in der Ukraine (Eintrag von Benutzer:Boonekamp)
  4. Horst Stübling, Wolfgang Bittner: Gepanschter Wein: Schön rund und ölig. In: Der Spiegel. Rudolf Augstein, 27. September 1985, abgerufen am 29. September 2015 (deutsch).
  5. Stuart Pigott: Am Arsch vorbei. In: FAZ. 30. August 2009, abgerufen am 29. September 2015 (deutsch). PDF, 61 kB
  6. Statt Nacktarsch ein Knackarsch. In: Kölnische Rundschau, dpa. 12. November 2009, abgerufen am 29. September 2015 (deutsch).
  7. Christian von Stramberg: Das Moselthal zwischen Zell und Konz (1837) , S. 170, als Google-E-Book abgerufen am 22. Oktober 2014

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dieter Braatz, Ulrich Sauter, Ingo Swoboda, Hendrik Holler,: Weinatlas Deutschland. 1. Auflage. Hallwag, München, 2007, ISBN 978-3-8338-0638-4.
  • Stefan Barme: Nacktarsch, Viez und Ledertanga: Ausflüge in die Kulturgeschichte des Mosellandes Stephan Moll Verlag, Burg Ramstein, 2012, ISBN 978-3-940760-37-1