Nadia Murad

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Nadia Murad beim Global Citizen Festival in Hamburg (2017)

Nadia Murad Basee Taha (arabisch نادية مراد باسي طه; * 1993 in Kocho, Sindschar) ist Überlebende des Genozids an den Jesiden 2014, eine irakische Menschenrechtsaktivistin und seit September 2016 die erste „Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel[1] der Vereinten Nationen (UNODC).[2][3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Jesidin Nadia Murad wurde am 3. August 2014 von der terroristisch agierenden islamisch-fundamentalistischen Miliz Islamischer Staat (IS) aus ihrem Heimatdorf Kocho (in Sindschar, Irak) entführt und geriet in Gefangenschaft. Während dieser Zeit wurde sie mehrfach versklavt, vergewaltigt und gefoltert.[5][6] Murad gelang von Mossul aus die Flucht mit Hilfe einer muslimischen Familie in ein Flüchtlingslager im kurdischen Grenzgebiet nahe Dohuk. Bei dem Überfall auf ihr Dorf durch IS-Terroristen am 3. August 2014 verlor sie ihre Mutter und sechs Brüder. Insgesamt starben 18 Familienmitglieder von Murad durch den IS.[7]

Im März 2015 erfuhr sie im Flüchtlingslager vom „Sonderkontingent für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Nordirak“, einem Landessonderkontingent des Landes Baden-Württemberg, das 1.000 traumatisierten Frauen und Kindern aus dem Nordirak die Chance auf psychotherapeutische Betreuung und einen neuen Anfang in Deutschland gab. Murad bewarb sich gemeinsam mit ihrer Schwester erfolgreich um Aufnahme in das Programm und lebt seitdem in Deutschland.

Ziele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits früh sprach sie öffentlich über das Erlebte und über das Schicksal ihres Volkes, darunter im Dezember 2015 auch vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Am 16. September 2016 wurde sie dafür in New York von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon als „kämpferische und rastlose Verfechterin des jesidischen Volkes“ ausgezeichnet und zur „Sonderbotschafterin für die Würde der Überlebenden von Menschenhandel“ des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) ernannt. „Die Jesidin hat in Händen der Terrormiliz unsäglichen Missbrauch und Menschenrechtsverletzungen erlitten und großen Mut dabei bewiesen, nun gegen solche Verbrechen anzukämpfen“, begründete Ban.

Ein Plakat der Aussage von Nadia Murad vor dem UN-Sicherheitsrat am yezidischen Heiligtum in Lalisch, Kurdistan-Irak

Murad kämpft seit Ende ihrer Gefangenschaft und ihrer Flucht nach Deutschland für die Anerkennung des Völkermordes an den Jesiden und spricht insbesondere die Situation der Frauen in Gefangenschaft an. Sie mahnt die internationale Gemeinschaft, nicht tatenlos zu bleiben, und setzt sich für eine internationale Strafverfolgung der IS-Verbrechen ein. „Der Islamische Staat will die organisierte Zerstörung des jesidischen Volkes“, sagte sie.[8] Seit September 2016 wird sie dabei von ihrer Anwältin Amal Clooney unterstützt, die die IS-Verbrechen vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen möchte.[9][10] Insgesamt wurden ca. 6500 Jesiden entführt, darunter 3500 Frauen und Mädchen, von denen noch immer 1700 in IS-Gewalt sind. Knapp 1300 Personen gelten als vom IS getötet, 2700 Kinder wurden zu Waisen.[11]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem irakische Politiker ihre Unterstützung bei der Nominierung Nadia Murads zugesichert hatten, reichte der norwegische Politiker Audun Lysbakken nach einem Treffen mit Murad beim fünfköpfigen Nobelpreis-Komitee die Nominierung offiziell ein. „Wir möchten einen Friedenspreis, der die Welt dazu aufrüttelt, gegen sexuelle Gewalt als Waffe im Krieg zu kämpfen“, erklärte Lysbakken gegenüber der Nachrichtenagentur AP.[12] Sie erhielt diese höchste Auszeichnung jedoch 2016 nicht.

Am 10. Oktober 2016 wurde Nadia Murad von der Parlamentarischen Versammlung des Europarates mit dem 60.000 Euro dotierten Václav-Havel-Menschenrechtspreis geehrt.[13] Am 27. Oktober 2016 teilte der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, mit, dass Nadia Murad und Lamija Adschi Baschar den mit 50.000 Euro dotierten Sacharow-Preis 2016 des EU-Parlaments erhalten werden.[14] Am 13. Dezember 2016 wurde den beiden Frauen der Preis verliehen.[15]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nadia Murad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vereinte Nationen: Ehemalige IS-Gefangene wird UN-Sonderbotschafterin. In: Die Zeit, 17. September 2016. Abgerufen am 17. September 2016.
  2. Von der IS-Sklavin zur UN-Sonderbotschafterin. In: Website der Tagesschau (ARD), 17. September 2016. Abgerufen am 17. September 2016.
  3. Nadia Murad wird UN-Sonderbotschafterin – ÊzîdîPress. In: ezidipress.com. Abgerufen am 24. August 2016.
  4. Von der IS-Sklavin zur UN-Sonderbotschafterin. In: tagesschau.de. Abgerufen am 17. September 2016.
  5. Eine ehemalige Gefangene erzählt von Gräueltaten und richtet einen Appell an die EU. In: kurier.at
  6. IS hält laut Aktivistin Tausende gefangen
  7. Kanzlerin trifft Nadia Murad. In: Website der Bundesregierung, 4. Oktober 2016. Abgerufen am 5. Oktober 2016.
  8. Jesidin vor UN-Sicherheitsrat | Mein Leben in der ISIS-Hölle. In: bild.de
  9. Clooney und Murad treffen Ministerpräsident Kretschmann. In: stuttgarter-zeitung.de
  10. Amal Clooney kämpft für internationale Gerechtigkeit. In: globalcitizen.org
  11. Zahlen des Menschenrechtszentrums Cottbus vom 03.04.2017
  12. Ehemalige IS-Gefangene: Nadia Murad für Friedensnobelpreis nominiert. In: ezidipress.com
  13. Jesidin bekommt Vaclav-Havel-Preis. In: tagesschau.de, 10. Oktober 2016. Abgerufen am 10. Oktober 2016.
  14. Sacharow-Preis für Jesidinnen: Kampf für die Zurückgelassenen. In: tagesschau.de. Abgerufen am 27. Oktober 2016.
  15. Sacharow-Preis für Jesidinnen: Mutige Stimme wider den Terror. In: Tagesschau (ARD), 13. Dezember 2016. Abgerufen am 13. Dezember 2016.