Nadifloxacin

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Strukturformel
Strukturformel von Nadifloxacin
(R)-Nadifloxacin (oben) und (S)-Nadifloxacin (unten)
Allgemeines
Freiname Nadifloxacin
Andere Namen
  • (±)-9-Fluor-8-(4-hydroxypiperidino)-5-methyl-1-oxo-6,7-dihydro-1H,5H-benzo[ij]chinolizin-2-carbonsäure (IUPAC)
  • (RS)-9-Fluor-8-(4-hydroxypiperidino)-5-methyl-1-oxo-6,7-dihydro-1H,5H-benzo[ij]chinolizin-2-carbonsäure
  • rac-9-Fluor-8-(4-hydroxypiperidino)-5-methyl-1-oxo-6,7-dihydro-1H,5H-benzo[ij]chinolizin-2-carbonsäure
  • Nadifloxacinum (Latein)
Summenformel C19H21FN2O4
Kurzbeschreibung

farblose Prismen (aus Ethanol + Wasser)[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 124858-35-1
EG-Nummer 638-863-6
ECHA-InfoCard 100.166.530
PubChem 4410
Wikidata Q426605
Arzneistoffangaben
ATC-Code

D10AF

Wirkstoffklasse

Fluorchinolon-Antibiotika

Wirkmechanismus

Gyrasehemmer

Eigenschaften
Molare Masse 360,38 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

245–247 °C (Zersetzung)[1]

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung
Piktogramm unbekannt
H- und P-Sätze H: ?
EUH: ?
P: ?
Toxikologische Daten

376,5 mg·kg−1 (LD50Mausi.v.)[1]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Nadifloxacin ist eine antibiotisch wirksame Substanz aus der Gruppe der Fluorchinolone (Gyrasehemmer).

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadifloxacin besitzt ein Benzo[ij]chinolizin-Gerüst mit einem Fluor-Atom an Position 9 und einem 4-Hydroxypiperidinrest an der Position 8. Die Substanz hat ein chirales Zentrum und liegt als Racemat vor.

Wirkmechanismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadifloxacin verursacht eine Hemmung der DNA-Faltung durch die DNA-Gyrase. Die Gyrase ist ein Enzym und ermöglicht die geordnete Unterbringung des gesamten DNA-Stranges eines Bakteriums in einer Bakterienzelle. Die Gyrase erledigt dabei die Verdrillung des DNA-Stranges durch Öffnen und Schließen des Stranges, so dass nicht der ganze Strang rotieren muss. Bei einer Gyrasehemmung kann sich der zur Verdrillung geöffnete Strang nicht wieder schließen. Die Replikation der Zelle ist gestört. Das Bakterium stirbt.

In diversen Studien zeigt Nadifloxacin in vitro und in vivo gegen einen breiten Bereich von Grampositiven und Gramnegativen Bakterien einschließlich Anaerobiern (Propionibacterium acnes) seine Wirksamkeit.[2] Das genaue Ausmaß der Resorption von Nadifloxacin-Creme nach topischer Applikation auf an Akne erkrankte Haut variiert. Eine Einzeldosis von 10 g einer 1 %-Nadifloxacin-Creme, die auf die Rücken gesunder Probanden aufgetragen wurde, ergab eine mittlere maximale Plasmakonzentration von 0,54 ng/ml. Die mittlere Plasmahalbwertszeit von Nadifloxacin betrug 12,7 Stunden. Nach wiederholter Applikation von zweimal täglich 5 g einer 1 %-Nadifloxacin-Creme an gesunden Probanden über einen Zeitraum von 7 Tagen wurde die steady-state-Plasmakonzentration am 5. Tag erreicht. Die maximale Plasmakonzentration vom 1,34 ng/ml wurde 8 Stunden nach der letzten Applikation erreicht. Über einen Zeitraum von 192 Stunden wurden durchschnittlich 0,013 % der applizierten Dosis von Nadifloxacin im Urin wiedergefunden.

Nach erfolgter Resorption wurden sowohl unverändertes Nadifloxacin als auch Metaboliten in Urin und Faeces gefunden. Der Grad der Absorption ist abhängig vom Zustand des Stratum corneum.

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Medizin wird Nadifloxacin bei Acne vulgaris,[3] Follikulitis, Sykosis vulgaris, atopischer Dermatitis und Impetigo[4] eingesetzt. Nadifloxacin wird ausschließlich topisch angewendet.

Nebenwirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Nebenwirkungen von Nadifloxacin sind Juckreiz, Papeln, Kontaktdermatitis, Hautreizung, Wärmegefühl, Flushing (anfallsweise Hautrötung mit Hitzegefühl), Erythembildung, Urtikaria, Hypopigmentierung der Haut.

Resistenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In verschiedenen Studien zeigte Nadifloxacin nur eine geringe Rate an spontanen Resistenzbildungen im Vergleich mit älteren topischen Antibiotika.

Handelsnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nadixa (D, AT), Acuatim (J)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann J. Roth: Medizinische Chemie : Targets und Arzneistoffe ; 157 Tabellen. Dt. Apotheker-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-7692-3483-9

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c The Merck Index: An Encyclopedia of Chemicals, Drugs, and Biologicals, 14. Auflage (Merck & Co., Inc.), Whitehouse Station, NJ, USA, 2006; ISBN 978-0-911910-00-1.
  2. Alba V, Urban E, Angeles Dominguez M, et al.: In vitro activity of nadifloxacin against several Gram-positive bacteria and analysis of the possible evolution of resistance after 2 years of use in Germany. In: Int. J. Antimicrob. Agents. 33, Nr. 3, März 2009, S. 272–275. PMID 19095414.
  3. Murata K, Tokura Y: Anti-microbial therapies for acne vulgaris: anti-inflammatory actions of anti-microbial drugs and their effectiveness. In: Journal of UOEH. 29, Nr. 1, März 2007, S. 63–71. PMID 17380730.
  4. Nakaminami H, Noguchi N, Ikeda M, et al.: Molecular epidemiology and antimicrobial susceptibilities of 273 exfoliative toxin-encoding-gene-positive Staphylococcus aureus isolates from patients with impetigo in Japan. In: Journal of Medical Microbiology. 57, Nr. Pt 10, Oktober 2008, S. 1251–1258. doi:10.1099/jmm.0.2008/002824-0. PMID 18809554.
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