Nadja Drygalla

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Nadja Drygalla (* 31. März 1989 in Rostock) ist eine ehemalige deutsche Ruderin.

Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Erwerb der Mittleren Reife absolvierte Nadja Drygalla eine Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau. Ihr Ausbildungsbetrieb war das Hotel Neptun in Warnemünde. Am 2. September 2008 begann sie als Polizeimeisteranwärterin für den mittleren Polizeidienst eine zweite Ausbildung am Institut für polizeiliche Aus- und Fortbildung der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege in Güstrow. Gleichzeitig wurde sie in die neu gegründete Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen, der neben Radsport-Olympiasieger Stefan Nimke mit der Schweriner Leichtathletin Martina Strutz, den Rostocker Ruderinnen Franziska Kegebein und Julia Lepke weitere Spitzensportler des Landes angehörten.[1]

Drygalla ruderte für den Olympischen Ruder-Club Rostock (ORC). 2006 belegte sie mit dem Achter den dritten Platz bei den Junioren-Weltmeisterschaften. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 2007 wechselte sie in den Zweier ohne Steuerfrau und erreichte mit Ulrike Sennewald den zweiten Platz, 2008 wurden die beiden Vierte bei den U23-Weltmeisterschaften. In ihrer ersten Saison in der Erwachsenenklasse gewann Drygalla mit dem deutschen Frauenachter die Weltcupregatta in München, sie wechselte danach in den Vierer ohne Steuerfrau und belegte in dieser Bootsklasse den fünften Platz bei den Ruder-Weltmeisterschaften 2009. 2010 belegte Drygalla zusammen mit Anne-Sophie Agarius den dritten Platz bei den U23-Weltmeisterschaften. Nach dem achten Platz bei den Weltmeisterschaften 2011 trat Drygalla mit Ulrike Sennewald bei den Europameisterschaften wieder im Zweier an und erreichte dort den vierten Platz.

Bei den deutschen Rudermeisterschaften gewann Nadja Drygalla 2011 zwei Titel: Im Vierer-ohne siegte sie zusammen mit Sennewald, Agarius und Julia Lepke.[2] Im Achter ruderten Drygalla und Sennewald im siegreichen Boot, während Agarius und Lepke im zweitplatzierten Boot saßen.[3]

2012 qualifizierte sich Drygalla mit dem deutschen Frauenachter für die Olympischen Spiele in London. Dieser schied im Hoffnungslauf aus und belegte in der Gesamtwertung den siebenten Platz.

Bis 31. August 2012 war Drygalla als Sportkoordinatorin beim Ruderverband Mecklenburg-Vorpommern angestellt.[4] Am 1. November 2012 wurde sie Sportsoldatin bei der Bundeswehr.[5] Drygalla setzte ihre Karriere als Ruderin nach den Olympischen Sommerspielen 2012 zunächst fort, sie konnte sich allerdings nicht mehr für eine internationale Auswahl des Deutschen Ruderverbandes (DRV) qualifizieren.

Kontroverse[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2011 wurden dem Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern Informationen über ihre fünfjährige Beziehung zum damaligen NPD-Landtagskandidaten Michael Fischer, einem Direktkandidaten der NPD und Aktivisten der deutschen Kameradschaftsszene aus Rostock, bekannt.[6][7] Weitere Erkenntnisse der Behörde betrafen Drygallas Kontakte zum Bekanntenkreis ihres Freundes.[8] Daraufhin brach sie die Polizeiausbildung ab.[9] Diesem Schritt folgte zeitnah das Ausscheiden aus der Sportfördergruppe der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern.[10]

Während der Olympischen Spiele vom 28. Juli bis 4. August 2012 in London geriet diese Verbindung auch in den Blick einer breiteren Öffentlichkeit. Nachdem Drygalla ihre Wettkämpfe absolviert hatte, wurden die Verbindungen von Drygallas Lebensgefährten zur rechtsextremen Szene zunächst dem Deutschen Ruderverband bekannt. Die Sportlerin wurde von der Leitung der deutschen Olympia-Mannschaft vorgeladen und verließ nach dem erfolgten Gespräch das Olympische Dorf, „um keine Belastung für die Olympiamannschaft entstehen zu lassen“. Als Grund dafür gab der Verband „Erkenntnisse zum privaten Umfeld“ der Ruderin an.[11][12] Einige Medien kritisierten Drygallas Beziehung zu ihrem Lebensgefährten und merkten an, dass Unterstützer der rechtsextremen Szene den deutschen Sport bei Olympia nicht repräsentieren dürften. Drygalla distanzierte sich von rechtsextremer Ideologie.[13][14] Sowohl Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière[15] als auch der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern Erwin Sellering[16] stellten sich hinter Drygalla und warnten vor einer Vorverurteilung durch die mediale Öffentlichkeit. Der SPD-Politiker Sebastian Edathy, damals Vorsitzender des Bundestags-Untersuchungsausschusses zur Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund, sagte in einem Deutschlandfunk-Interview am 7. August 2012, man könne Drygalla nicht in „Sippenhaft“ nehmen.[17] Nach einem klärenden Gespräch mit dem Deutschen Ruderverband am 18. September 2012 stellte sich dieser hinter Drygalla.[18]

In der 2015 veröffentlichten Broschüre Frauen und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern des Vereins Lola für Demokratie in Mecklenburg-Vorpommern in Kooperation mit der Amadeu Antonio Stiftung wird die Beziehung Drygallas zum langjährigen Neonazi-Aktivisten Fischer und der mediale Umgang mit dem Fall thematisiert.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Sportfördergruppe der Landespolizei. (PDF; 3,2 MB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Polizei-Journal 3–2008, Seite 4–5 (Zeitschrift der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern). Archiviert vom Original am 13. August 2012; abgerufen am 4. Januar 2011.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.polizei.mvnet.de
  2. Wilfried Hoffmann: Deutsche Meisterschaften im Vierer. Rüsselsheimer Ruderklub 08, abgerufen am 10. Januar 2016.
  3. Wilfried Hoffmann: Deutsche Meisterschaften im Achter. Rüsselsheimer Ruderklub 08, abgerufen am 10. Januar 2016.
  4. Wer hat versagt, wer hat gelogen? Bild Online, 5. August 2012, abgerufen am 5. August 2012.
  5. Verdacht auf Landfriedensbruch: Ermittlungen gegen Drygalla-Freund eingestellt. Der Spiegel, 27. Dezember 2012, abgerufen am 10. Januar 2016.
  6. sid/dpa: Vorwürfe gegen Ruderverband. n-tv, 3. August 2012, abgerufen am 7. August 2012.
  7. Drygallas NPD-Freund feuerte Ruderin in London an. In: Focus Online. 3. August 2012, abgerufen am 4. August 2012.
  8. Auch Bekannte gehören rechtsextremer Szene an. In: Nordkurier online (dpa). 6. August 2012, archiviert vom Original am 8. August 2012; abgerufen am 10. Januar 2016.
  9. Jens Witte: Eklat im deutschen Team - Ruderin Drygalla verlässt olympisches Dorf. In: Spiegel Online. 3. August 2012, abgerufen am 3. August 2012.
  10. Kerstin Schröder: Minister wusste von Drygallas Nazi-Kontakten, in: Ostsee-Zeitung vom 4. August 2012, Seite 1
  11. Oliver Palme, Pressesprecher des Deutschen Ruderverbandes e. V.: Erklärung des DRV zur Abreise von Ruderin Nadja Drygalla. 3. August 2012, abgerufen am 8. Februar 2017.
  12. Anno Hecker: Auszug aus dem Dorf. In: FAZ online (dpa). 3. August 2012, abgerufen am 10. Januar 2016.
  13. Drygalla distanziert sich von rechtsextremer Ideologie. In: ZEIT online (dpa). 5. August 2012, abgerufen am 10. Januar 2016.
  14. Rolf Clement: Weg zurück aus radikaler Verirrung ermöglichen. Deutschlandfunk, 6. August 2012, archiviert vom Original am 13. Mai 2014; abgerufen am 10. Januar 2016 (Kommentar, als Audio hier).
  15. De Maizière kritisiert öffentliche Diskussion. In: FAZ online (dpa). 6. August 2012, abgerufen am 10. Januar 2016.
  16. Schwerin warnt vor „Gesinnungsschnüffelei“. In: FAZ online. 7. August 2012, abgerufen am 10. Januar 2016.
  17. Bettina Müller: Edathy: Drygallas Privatleben nicht zur öffentlichen Diskussion machen In: Deutschlandfunk, 7. August 2012 (Sebastian Edathy im Gespräch).
  18. Gespräch zwischen Nadja Drygalla und Siegfried Kaidel fand statt.@1@2Vorlage:Toter Link/www.rudern.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Pressemeldung. In: Rudern.de, 18. September 2012.
  19. Naemi Eifler, Heike Radvan, Carmen Altmeyer: Der Umgang mit Rechtsextremismus in Sportvereinen. (PDF; 2,1 MB) In: Frauen und Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern. 2015, S. 68–71, abgerufen am 16. Januar 2019.