Nador

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Nador / Ennaḍor
الناظور
Wappen von Nador / Ennaḍor
Nador / Ennaḍor (Marokko)
Nador / Ennaḍor (35° 10′ 0″ N, 2° 56′ 0″W)
Nador / Ennaḍor
Basisdaten
Staat: MarokkoMarokko Marokko
Region: Oriental
Provinz: Nador
Koordinaten 35° 10′ N, 2° 56′ WKoordinaten: 35° 10′ N, 2° 56′ W
Einwohner: 161.726 (2014[1])
Fläche: 24,2 km²
Bevölkerungsdichte: 6.683 Einwohner je km²
Höhe: 20 m
Blick über Nador und seine Vororte; im Hintergrund die Lagune des Mar Chica
Blick über Nador und seine Vororte; im Hintergrund die Lagune des Mar Chica
Uferpromenade des Mar Chica in Nador

Nador (arabisch الناظور) mit seinen etwa 165.000 Einwohnern ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Oriental im nordöstlichen Marokko. Nador gehört zu den am schnellsten wachsenden Großstädten Marokkos.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nador liegt an der Mittelmeerlagune Mar Chica am östlichen Rand des Rifgebirges in Höhen von ca. 5 bis 50 m[2] und ist bekannt durch seine Nachbarschaft zu der ca. 12 km nördlich gelegenen spanischen Enklave Melilla. In der Umgebung der Stadt erheben sich die erloschenen Vulkane Jbel Sebt (Gurugú) und Jbel Tazoud (vgl. Tazoudasaurus). Das Klima wird in hohem Maße vom Mittelmeer beeinflusst; Regen (ca. 315 mm/Jahr) fällt hauptsächlich im Winterhalbjahr.[3]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nador ist verkehrstechnisch gut erreichbar: Es gibt einen internationalen Flughafen (IATA-Code NDR), der auch Verbindungen nach Deutschland unterhält, eine im Jahr 2009 eröffnete Bahnlinie (Beni AnsarTaourirt) mit Anbindung an die Hauptstrecke RabatOujda sowie einen internationalen Fährhafen mit Verbindungen nach Almería und Sete. Straßen- bzw. Autobahnverbindungen bestehen mit Oujda (ca. 135 km südöstlich) und Guercif (ca. 135 km südwestlich). Von dort bestehen direkte Autobahnverbindungen nach Zentralmarokko (Fès, Meknès) und weiter zu den Metropolen am Atlantik (Rabat, Casablanca, Tanger).

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wirtschaft der Stadt Nador sowie ihres Hinterlandes bestand früher hauptsächlich aus Fischerei und Landwirtschaft. In den letzten Jahrzehnten sind die Leicht- und Schwerindustrie (Stahlproduktion, Metallverarbeitung etc.) sowie die Bauindustrie (Zement- und Steinfabriken etc.) hinzugekommen. Darüber hinaus wurden auch Arbeitsplätze in der städtischen Verwaltung und Infrastruktur geschaffen. In den Sommermonaten verbringen viele marokkanische Staatsangehörige aus Nador, die im europäischen Ausland arbeiten, ihren Urlaub in ihrer Heimat.

Die Lage der Stadt, nahe dem Meer und in der Nähe der spanischen Exklave Melilla sind Katalysatoren für den internationalen Handel. Heute spielt der Schmuggel mit Billigwaren aus Melilla immer noch eine große Rolle für die Einzelhändler aus Nador und Umgebung.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nador
Klimadiagramm
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Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: Wetter in Nador
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Nador
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 16 17 18 20 23 26 29 30 27 24 20 18 Ø 22,4
Min. Temperatur (°C) 10 10 11 13 16 20 23 24 21 19 14 12 Ø 16,1
Niederschlag (mm) 29 15 27 19 12 8 4 7 13 27 27 18 Σ 206
Regentage (d) 12 9 13 13 9 7 6 8 10 9 12 8 Σ 116
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Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anzahl Einwohner
Jahr 199420042014
Einwohner 112.450126.207161.726

Den Hauptteil der Einwohner bilden aus dem Rifgebirge zugewanderte Berber, die Tarifit sprechen und zwar in der Varietät des Quelaia (Tarifit taqerâesht). Zunehmend finden dort Marokkaner aus allen Teilen des Landes ein neues Zuhause, wodurch Maghrebinisch-Arabisch um sich greift und Tarifit mehr und mehr verdrängt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In früheren Jahrhunderten gab es hier wahrscheinlich einen Seeräuberstützpunkt.[4] Verschiedene muslimische Machthaber Marokkos nutzten das vergleichsweise ebene Gelände um Nador als Aufmarschplatz für ihre – letztlich vergeblichen – Versuche zur Rückeroberung Melillas. In den Jahren von 1912 bis 1956 gehörte Nador zu Spanisch-Marokko.

Seit den späten 50er Jahren sind zahlreiche Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung in westeuropäische Länder gezogen, um ihren prekären Lebensverhältnissen zu entfliehen. Die meisten dieser Auswanderer leben heute in den Niederlanden, Spanien, Belgien, Frankreich und Deutschland.

In Deutschland sind die meisten Auswanderer im Rhein-Main-Gebiet, v. a. Frankfurt am Main und Offenbach am Main, im Ruhrgebiet, v. a. Dortmund und Wuppertal, sowie im Raum Düsseldorf ansässig geworden.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nador ist Standort der Sendeanlage von Radio Medi 1, einer Großsendeanlage für Lang- und Kurzwelle. Zu dieser Sendeanlage gehört u. a. eine Richtantenne für Langwelle, die aus drei 380 m hohen abgespannten Stahlfachwerkmasten besteht. Diese Sendemasten dürften zu den höchsten Bauwerken in Afrika gehören. Der Standort für die Sendeanlage Radio Medi1 ist die 500 km westlich liegende Stadt Tanger.
  • Die Sängerin Namika, deren Eltern aus Nador nach Frankfurt am Main ausgewandert sind, veröffentlichte im Mai 2015 ein Album über die Stadt Nador.[5] Das dazugehörige Musikvideo wurde aber nicht in Nador gedreht, sondern in Essaouira.

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Nador – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nador – Bevölkerungsentwicklung
  2. Nador – Karte mit Höhenangaben
  3. Nador – Klimatabellen
  4. Otto Cesar Artbauer: Die Rifpiraten und ihre Heimat. Erste Kunde aus verschlossener Welt. 1911.
  5. Namika – Nador (Video)