Naftohas

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NAK Naftohas Ukrajiny
Rechtsform NAK (Aktiengesellschaft)
Gründung 1991
Sitz Kiew, UkraineUkraine Ukraine
Leitung Andrij Koboljew[1]
Umsatz 105,051 Mrd. Hrywnja[2]
Branche Gasversorger, Erdölverarbeitung
Website www.naftogaz.com
Stand: 2011 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2011

NAK Naftohas Ukrajiny (ukrainisch HAK Нафтогаз України, russisch Нафтогаз Украины, Naftogas Ukrainy) ist der staatliche ukrainische Energiekonzern und im Öl- und Gasmarkt tätig. Naftogaz beschäftigt ca. 170.000 Angestellte und erwirtschaftet nach Regierungsangaben 1/8 des BIP der Ukraine[3].

International ist die vom Unternehmen selbst verwendete, auf der russischen Schreibweise basierende, Transkription Naftogaz gebräuchlich. Im deutschen Sprachraum wird z. T. auch die Transkription Naftogas benutzt. Der Name setzt sich aus den ukrainischen Wörtern für „Öl“ (Naphta) und „Gas“ ukrainisch Газ (internationale Transkription Haz) zusammen.

Die Gesellschaft firmiert als Aktiengesellschaft (ukrainische Abkürzung: NAK).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den innenpolitischen Auseinandersetzungen der Ukraine spielt Naftogaz eine wichtige Rolle.[4]

Im Jahr 2011 kündigte Jurij Boiko, der ukrainische Minister für Brennstoffe und Energiewirtschaft, die rasche Umstrukturierung und nachfolgende Privatisierung von Naftogaz an. Dieser Schritt soll dem Budget der Ukraine zwischen 10 und 12 Milliarden US-Dollar zuführen[5].

Am 21. März 2014 wurde der CEO Jewgen Bakulin durch die ukrainischen Justizbehörden wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Bakulin soll umgerechnet mindestens 2,9 Milliarden Euro veruntreut haben. Die Ermittlungsbehörde durchsuchte auch den Firmensitz in Kiew.[6]

Am 19. Juni 2015 drohte der Minister für Ökologie und Naturressourcen Ihor Schewtschenko, Ukrnafta zu verkaufen, wenn 5 Mrd. Hrywnja Steuerschulden nicht innerhalb einer Woche gezahlt werden.[7]

Tätigkeit des Konzerns[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufgaben des Konzerns sind folgende:

  • Förderung von Gas und Öl
  • Bereitstellung und Betrieb von Gas-Pipelines und Gasometer
  • Handel mit Erdgas
  • Unterhalt von Transit-Gas-Pipelines
  • Bereitstellung von Öl-Pipelines
  • Betrieb von Erdölraffinerien

Tochtergesellschaften und Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Förderung:

  • Ukrgasproduction
  • Ukrnafta (50 % + 1)
  • Tschornomornaftohas

Transport:

  • Ukrtransgaz
  • Ukrtransnafta
  • Ukrspetstransgaz

Vertrieb:

  • Gas of Ukraine
  • Ukravtogaz
  • weitere Gesellschaften

Gasstreit mit Gazprom[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naftohas ist im russisch-ukrainischen Gasstreit der Verhandlungspartner bzw. häufig der Kontrahent des russischen Konzerns Gazprom.

Kurz nach dem Machtwechsel in der Ukraine im Zuge der Euromaidan-Proteste, der Krim-Annexion und dem Beginn des russisch-ukrainischen Kriegs brach zwischen Naftohas und Gazprom ein neuer Gasstreit aus.[8][9] Anfang April 2014 erklärte der Vorstandsvorsitzende von Gazprom, Alexei Miller, Naftohas müsse seine „bei Russland aufgelaufenen Schulden“ in Höhe von etwa 1,6 Milliarden Euro umgehend begleichen.[10] Am 12. April 2014 erklärte der neue CEO des Unternehmens, Andrij Kobolew, Naftohas stelle die Zahlungen an Russland vorerst ein. Die von der russischen Seite geforderten neuen Preise seien nicht marktkonform, ungerechtfertigt und inakzeptabel.[11]

Im Sommer 2014 legten beide Konzerne Beschwerde beim Schiedsgericht der Handelskammer Schweden in Stockholm ein. Naftohas forderte, dass der Gaspreis dem marktüblichen Niveau angepasst wird und das bisherige überschüssige Zahlungen rückerstattet werden. Die Ukraine muss für russisches Gas europaweit den höchsten Preis zahlen. Außerdem solle Gazprom für den Transit von russischem Gas durch die Ukraine nachzahlen. Gazprom hingegen verlangte, dass Naftohas 80 Milliarden US-Dollar für Gas zahlt, welches von den Ukrainern nicht abgenommen wurde. Anstelle eines Importvolumens von jährlich 52 Milliarden Kubikmeter Gas, kam die Ukraine 2016 mit elf Milliarden Kubikmeter Gas aus, wobei seit Herbst 2015 auch dieses Gas nicht mehr in Russland gekauft, sondert über Reverse-Flow aus EU-Ländern importiert wird. Gazprom bestand trotzdem auf der Einhaltung der sogenannten Take-or-Pay-Klausel: Wenn der Käufer eine festgelegte Menge nicht abnimmt, muss er sie trotzdem bezahlen. Außerdem solle Naftohas das Gas bezahlen, das Gazprom direkt an die von Russland besetzen Gebiete in der Ostukraine liefert.[8][9][12]

Am 31. Mai 2017 entschied das Gericht in einem Grundsatzurteil, dass Gazprom die Take-or-Pay-Klausel nicht geltend machen kann. Gazprom habe somit keinen Anspruch auf die Bezahlung von Gas, das die Ukraine nicht abgenommen hat. Laut Naftohas habe das Gericht außerdem der ukrainischen Forderung stattgegeben, die Gaspreise neu zu verhandeln.[8][12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Хто такий новий керівник "Нафтогазу" Андрій Коболєв
  2. Naftogaz: Financial Statement Naftogaz 2011
  3. http://www.industriemagazin.net/home/artikel/Energieversorger/Staatliches_Oel_und_Gasmonopol_der_Ukraine_plant_den_Gang_an_die_Boerse/aid/6154?af=Stories.Ressort
  4. http://www.tagesspiegel.de/politik/international/ukrainischer-geheimdienst-stuermt-naftogas/1464772.html
  5. Naftogaz soll Ukraine bis zu 12 Milliarden Dollar bringen (Memento vom 7. Januar 2014 im Internet Archive)
  6. Chef des Gaskonzerns der Ukraine in Haft vom 21. März 2014
  7. Minister droht, Ukrnafta zu verkaufen, wenn 5 Mrd. Schulden nicht gezahlt werden, ukrinform vom 19. Juni 2015
  8. a b c Matthias Benz: Schiedsspruch aus Stockholm: Die Ukraine obsiegt im Gasstreit gegen Russland. In: NZZ, 31. Mai 2017.
  9. a b Eugen Theise: Kiew und Moskau liefern sich juristische Milliardenschlacht. In: Deutsche Welle, 26. April 2017.
  10. FAZ vom 3. April 2014
  11. Ukraine will Preis für Erdgas aus Russland nicht zahlen, Wirtschaftswoche vom 12. April 2014
  12. a b Roman Olearchyk und Henry Foy: Ukraine claims early arbitration victory over Gazprom. In: Financial Times, 31. Mai 2017.