Nagapattinam (Distrikt)

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Distrikt Nagapattinam
நாகப்பட்டினம் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Nagapattinam
Fläche: 2.569 km²
Einwohner: 1.616.450 (2011)
Bevölkerungsdichte: 629 Ew./km²
Website: nagapattinam.tn.nic.in

Der Distrikt Nagapattinam (Tamil: நாகப்பட்டினம் மாவட்டம்; auch: Nagapatnam) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namensgebende Stadt Nagapattinam. Nach der indischen Volkszählung 2011 hatte der Distrikt Nagapattinam hat eine Fläche von 2.569 Quadratkilometern und 1,6 Millionen Einwohner. Im Jahr 2020 wurde aus dem nördlichen Teil des Distrikts Nagapattinam der Distrikt Mayiladuthurai gebildet.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leuchtturm bei Point Calimere

Der Distrikt Nagapattinam liegt Südosten des Kaveri-Deltas in Zentral-Tamil-Nadu. Er grenzt im Westen an den Distrikt Tiruvarur und im Norden an den Distrikt Karaikal des Unionsterritoriums Puducherry. Im Osten liegt die Küste des Golfs von Bengalen, im Süden die der Palkbucht.

Das Gebiet des Distrikts Nagapattinam gehört zum Bereich des Kaveri-Deltas. Das flache und fruchtbare Land wird von zahlreichen Mündungsarmen dieses größten Stroms von Tamil Nadu durchschnitten. Zudem besitzt der Distrikt einen langen Küstenabschnitt. Die Küstenlinie zum Golf von Bengalen verläuft zunächst in Nord-Süd-Richtung, ehe sie bei Point Calimere (Kodikkarai) nahe Vedaranyam einen scharfen Knick macht. Der südliche Küstenabschnitt grenzt an die zwischen Indien und Sri Lanka gelegene Palkbucht. Bei Point Calimere finden sich ausgedehnte Mangrovenwälder.

Im Distrikt Nagappattinam herrscht ein wechselfeuchtes Tropenklima vor. Die Jahresmitteltemperatur in Nagappattinam beträgt 28,4 °C, das Jahresmittel des Niederschlages liegt bei 1.339 mm. Die meisten Niederschläge fallen während des Nordostmonsuns zwischen Oktober und Dezember. Auch während des Südwestmonsuns im August und September kommt es zu Regenfällen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Negapatnam van Choromandel. Niederl. Kupferstich, 18. Jhd.

Das Kaveri-Delta war das Kernland des Chola-Reiches, das vom 9. bis 13. Jahrhundert Thanjavur (Tanjore) als Hauptstadt hatte. Ab dem 16. Jahrhundert beherrschten zunächst die Nayaks und später die Marathen-Könige von Thanjavur das Gebiet. Zur gleichen Zeit begannen die europäischen Kolonialmächte Stützpunkte entlang der Küste zu gründen. Die Stadt Nagapattinam war zunächst ab dem 16. Jahrhundert ein Stützpunkt der Portugiesen, 1660 fiel der Ort an die Niederlande. Nagapattinam blieb die wichtigste niederländische Besitzung in Indien, ehe es 1781 von den Briten erobert wurde. 1799 annektierten die Briten das Königreich Thanjavur und gliederten das Gebiet als Distrikt Tanjore (Thanjavur) in die Provinz Madras ein. Nach der indischen Unabhängigkeit 1947 kam das Gebiet zum Bundesstaat Madras, der 1956 nach den Sprachgrenzen des Tamil neu formiert und 1969 in Tamil Nadu umbenannt wurde. 1991 wurde der Distrikt Nagapattinam als eigenständiger Distrikt aus dem Distrikt Thanjavur gelöst. 1997 wurde der Distrikt Tiruvarur aus Teilen der Distrikte Nagapattinam und Thanjavur gebildet. 2020 löste sich schließlich der Nordteil des Distriktgebiets als Distrikt Mayiladuthurai aus dem Distrikt Nagapattinam.

Der verheerende Tsunami nach dem Seebeben im Indischen Ozean 2004, der insgesamt rund 165.000 Menschen in Süd- und Südostasien das Leben kostete, forderte im Distrikt Nagapattinam in seinen damaligen Grenzen (inklusive des heutigen Distrikts Mayiladuthurai) 6.051 Todesopfer. Damit war der Küstenabschnitt um Nagapattinam neben den Andamanen und Nikobaren das am schwersten vom Tsunami betroffene Gebiet Indiens.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der indischen Volkszählung 2011 hatte der Distrikt Nagapattinam in seinen damaligen Grenzen (inklusive des heutigen Distrikts Mayiladuthurai) 1.616.450 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte lag mit 629 Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Durchschnitt Tamil Nadus (555 Einwohner pro Quadratkilometer). Dabei lebten nur 23 Prozent der Einwohner des Distrikts in Städten. Der Urbanisierungsgrad war damit nur halb so hoch wie der Mittelwert des Bundesstaates (48 Prozent).[3] 32 Prozent der Einwohner des Distrikts waren Angehörige niederer Kasten (Scheduled Castes).[4] Die Alphabetisierungsquote lag mit 84 Prozent über dem Durchschnitt des Bundesstaates (80 Prozent).[5]

Unter den Einwohnern des ehemaligen Distriktes Nagapattinam stellten die Hindus nach der Volkszählung 2011 mit 89 Prozent die große Mehrheit. Daneben gab es Minderheiten von Muslimen (8 Prozent) und Christen (3 Prozent).[6] Die Hauptsprache ist wie in ganz Tamil Nadu das Tamil. Nach der Volkszählung 2001 wurde es von über 99 Prozent der Einwohner des damaligen Distrikts als Muttersprache gesprochen.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Marienbasilika von Velanganni

Das Kaveri-Delta ist eine kulturgeschichtlich reiche Region. Zwar ist der Südteil des Kaveri-Deltas weniger reich an Tempelbauten als der Nordtei, doch befinden sich auch im Distrikt Nagapattinam befinden sich zahlreiche Hindutempel, von denen viele auf die Chola-Zeit zurückgehen. 18 der 274 heiligen Orte des tamilischen Shivaismus (Padal Petra Sthalams) zwei der 108 Heiligtümer des tamilischen Vishnuismus (Divya Desams) befinden sich im Distrikt Nagapattinam.

Auch Christen und Muslime besitzen wichtige religiöse Stätten im Distrikt Nagapattinam: Die Marienbasilika von Velankanni, wo im 16. Jahrhundert eine Marienerscheinung stattgefunden haben soll, ist der wichtigste christliche Wallfahrtsort in Indien. Allein das elftägige Kirchenfest, das alljährlich im August/September stattfindet, zieht geschätzte zwei Millionen Pilger an. In Nagore bei Nagapattinam befindet sich ein Schrein (Dargah) am Grab des muslimischen Sufi-Heiligen Syed Shahul Hamid Qadir Vali (Nagore Andavar), der im 16. Jahrhundert lebte. Einmal jährlich findet zu Ehren des Heiligen ein 14-tägiges Fest statt.

Von touristischem Interesse sind die als Naturschutzgebiet ausgewiesenen Mangrovenwälder bei Point Calimere.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Taluks des ehemaligen Distrikts Nagapattinam. Die vier nördlichen Taluks Kuthalam, Mayiladuthurai, Sirkali und Tharangambadi bilden seit 2020 den Distrikt Mayiladuthurai.

Der Distrikt Nagapattinam besteht nach der Abspaltung des Distrikts Mayiladuthurai aus den folgenden vier Taluks (Subdistrikten):

Taluk Hauptort Einwohner
(2011)[8]
Kilvelur Kilvelur 138.474
Nagapattinam Nagapattinam 282.784
Thirukkuvalai Thirukkuvalai 60.771
Vedaranyam Vedaranyam 216.065

Städte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Distrikt Nagapattinam gibt es zwei Städte mit eigener Stadtverwaltung (Municipalities), vier nach dem Panchayat-System verwaltete Kleinstädte (Town Panchayats) und zwei Zensusstädte (Census Towns). Angegeben ist die Einwohnerzahl nach der Volkszählung 2011.[8]

Municipalities
Town Panchayats
Zensusstädte

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Distrikt Nagapattinam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klimadaten nach climate-data.org.
  2. Alpa Sheth, Snigdha Sanyal, Arvind Jaiswal, Prathibha Gandhi: Effects of the December 2004 Indian Ocean Tsunami on the Indian Mainland. (PDF; 4,5 MB) In: Earthquake Spectra. Vol. 22, 2006, ISSN 8755-2930, S. 450–453.
  3. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - I Population, Size and Decadal Change.
  4. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - II Scheduled Castes and Scheduled Tribes Population.
  5. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - III Literates and Literacy Rate.
  6. Census of India 2011: C-1 Population By Religious Community. Tamil Nadu.
  7. Census of India 2001: C-15 : Population by Mother Tongue (Tamil Nadu), abgerufen unter Tabulations Plan of Census Year - 2001.
  8. a b Census of India 2011: Primary Census Abstract Data Tables: Nagapattinam.