Nagelsperre

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Nagelstreifen aus Metallgeflecht bei der United States Army (2009)

Eine Nagelsperre, auch Nagelband, Nagelstreifen, Nagelkette oder Nagelgurt und umgangssprachlich Reifenkiller genannt, ist ein Mittel, mit dem die Gummibereifung von Fahrzeugen beim Darüberfahren zerstört werden kann. Die Polizei nutzt Nagelsperren unter anderem, um Geisterfahrer zu stoppen[1] oder eine Verfolgungsjagd zu beenden.[2] Darüber hinaus gibt es Nagelstreifen, die fest in die Straße eingebaut sind.

Fahrzeugreifen können auch durch selbstgebastelte Nagelbretter oder einzelne Krähenfüße beschädigt werden. Krähenfüße waren Vorläufer der modernen Nagelsperren.

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ältere Modelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Älterer Nagelgurt im Museum der Stadtpolizei Zürich

Herkömmliche Modelle der Nagelsperre bestehen häufig aus einem Metallgeflecht oder einer Kette, an der Nägel oder größere Metallstacheln aufwärts gerichtet angebracht sind. Die Nägel sind hohl und verfügen über Löcher, so dass Luft auch dann schnell aus dem Reifen austritt, wenn sie darin stecken bleiben. Das schnelle Austreten der Luft bringt allerdings die Gefahr mit sich, dass der Fluchtwagen außer Kontrolle gerät[3] oder sich sogar überschlägt.[4] Deshalb entsprechen solche Nagelsperren nicht dem neuesten Stand.[5]

Stop Sticks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neuere Nagelsperren, sogenannte Stop Sticks (Schreibweise auch Stop-Sticks), sind einen Meter lange dreiseitige Plastikstäbe. Im Inneren ragen 36 angespitzte Röhrchen in alle drei Richtungen. Werden die Stop Sticks auf die Straße geworfen, zeigt immer eine Nagelreihe nach oben. Mit drei verbundenen Stäben können drei Meter einer Straße abgesperrt werden. Ab einem Gewicht von 400 Kilogramm wird der dreieckige Plastikstab zusammengedrückt und die darin enthaltene Nagelsperre mit hohlen Röhrchen kann in den Reifen eindringen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Nagelketten entweicht die Luft sehr langsam, so dass die Unfallgefahr verringert wird.[4] Ein flüchtender Autofahrer kann nach dem Überfahren von Stop Sticks unter Umständen noch mehrere Kilometer weit fahren.[5]

Fest installierte, in eine Richtung befahrbare Nagelsperre

Fest installierte Nagelstreifen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fest installierte Nagelstreifen sind in Bodensenken oder Bodenschwellen versenkbar in der Straße angebracht. Diese Sperren können bei Bedarf ausgefahren werden.

Andere fest installierte Sperren werden schräg und beweglich in die Straße eingebaut. Überfährt man diese Sperre von der richtigen Seite, klappen die Nägel nach unten weg. Von der falschen Seite befahren bleiben die Nägel aufgestellt, so dass sie die Straße nur in dieser Richtung sperren.

Nagelbretter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nagelbrett wird in diesem Zusammenhang meist ein einfaches Holzbrett bezeichnet, das mit Nägeln durchschlagen und von einem Täter heimlich ausgelegt oder im Boden eingegraben wird, um die Reifen von Autofahrern oder Radfahrern zu beschädigen. Derartige Nagelbretter wurden beispielsweise auf Parkplätzen[6] und Waldwegen[7] gefunden, aber auch auf Autostraßen[8] und Autobahnen.[9] Manchmal ist nicht klar, ob der Täter Reifen zerstören oder Fußgänger verletzen wollte.[10] Häufig handelt es sich um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr.[7][8][10]

Andererseits werden in manchen Zeitungsberichten auch die von der Polizei eingesetzten Nagelsperren unpräzise als „Nagelbrett“ bezeichnet.[11][12]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nagelsperren (tragbar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Nagelsperren (fest montiert) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A57 bei Dormagen: Polizei stoppt Falschfahrer nach 40 Kilometern mit Nagelsperre rp-online.de, 10. Oktober 2016.
  2. Wilde Verfolgungsjagd: Polizei stoppt Mercedes mit Nagelsperre pnp.de, 22. November 2015
  3. Vgl. Video bei YouTube (0:31 Min). Nach dem Überfahren einer Nagelsperre schleudert das Fahrzeug in andere Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn.
  4. a b Eckard Gehm: Amerika als Vorbild für Polizei in Schleswig-Holstein. In: shz.de. 5. November 2013, abgerufen am 26. November 2013.
  5. a b Einsatz einer Nagelsperre polizistmensch.de, 11. August 2017.
  6. Am Personalparkplatz: Nagelbretter unter Reifen gelegt wochenblatt.de, 19. April 2015.
  7. a b Gröbenzell: Radlhasser versteckt Nagelbrett in Pfütze abendzeitung-muenchen.de, 15. April 2016.
  8. a b Nagelbrett auf der B 4 ausgelegt az-online.de, 2. Oktober 2012.
  9. Gefährliche Nagelbretter auf der A3 – wie reagiert man richtig bei einem plötzlichen Platten? aargauerzeitung.ch, 8. April 2019.
  10. a b Rommerskirchen: Unbekannte verstecken Nagelbretter im Wald rp-online.de, 3. Januar 2017.
  11. Polizei stoppt wirren Geisterfahrer mit Nagelbrett waz.de, 22. Oktober 2012.
  12. Nach 40 Kilometern: Nagelbrett stoppt 84-jährigen Geisterfahrer spiegel.de, 9. Oktober 2016.