Nahverkehr in Hamburg

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Der Nahverkehr in Hamburg besteht aus einem Schnellbahnnetz (U-Bahn der Hochbahn, der S-Bahn der DB und der sogenannten A-Bahn der AKN) sowie zahlreichen Buslinien der beiden Verkehrsunternehmen Hochbahn und VHH. Die Straßenbahn (der HHA) wurde ab den 1960er Jahren bis Herbst 1978 eingestellt. Außerdem gibt es im Hafen und zu den Elbvororten (Finkenwerder, Nienstedten, Blankenese) Schiffslinien bzw. Hafenfähren der HADAG.

Organisiert wird der Nahverkehr vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Es besteht ein einheitlicher Verbundtarif. Das „Hamburg AB“ (für den Zeitkartentarif 2 „Ringe“) bezieht auch einige angrenzende Städte und Gemeinden in Schleswig-Holstein und Niedersachsen mit ein. Der Verbundbereich beinhaltet die benachbarten Kreise von Schleswig-Holstein bzw. Landkreise von Niedersachsen.

Liniennetzplan der Schnellbahnen in Hamburg

Schnellbahnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

U-Bahn, S-Bahn und Regionalbahn in Hamburg
DT-3-Zug auf der U3 im U-Bahnhof Baumwall
Hochbahn-Strecke am Johannisbollwerk

Das U-Bahn-Netz besteht aus vier Linien. Besonders hervorzuheben ist die in einem Ring ab Barmbek und durch die Innenstadt führende älteste Linie U3 (Inbetriebnahme 1912). Sie begründet mit ihren Viadukt-Abschnitten die zusätzlich gern verwendete Bezeichnung „Hochbahn“ (daher auch der Name Hamburger Hochbahn AG). Zu den touristischen Attraktionen gehören die Viadukt-Strecken am Hafen zwischen U-Bahnhof Rödingsmarkt und Landungsbrücken sowie zwischen Eppendorfer Baum und Hoheluftbrücke in Harvestehude.

Die S-Bahn bedient auf fünf radialen Hauptstrecken mit den Linienbezeichnungen S1, S21, S3 und S31. Dazu gibt es noch die Linien S11 und S2, die während der Hauptverkehrszeiten bzw. zu den Ladenöffnungszeiten die Hauptlinien verstärken. Die Hauptlinien werden im 10-Minuten-Takt bedient, der auf den äußeren Streckenabschnitten und im Nachtverkehr ausgedünnt wird. Zwischen Hauptbahnhof und Hamburg-Altona gibt es eine oberirdische Verbindung über Dammtor (Verbindungsbahn) und eine Tunnelstrecke über Jungfernstieg und Landungsbrücken (City-S-Bahn Hamburg). Dies ist der Grund für die zweistelligen Linienbezeichnungen: die Linien S11, S21 und S31 führen über die ältere Verbindungsbahn. Die S-Bahn-Triebwagen werden mit Gleichstrom betrieben und über seitlich bestrichene Stromschienen mit Energie versorgt. Ausnahme ist der niedersächsische Abschnitt ab Neugraben bis Stade, auf dem spezielle Zweisystem-S-Bahn-Triebzüge auf der mit Oberleitung ausgestatteten Strecke fahren können.

Regionalzüge haben innerhalb des Hamburger Stadtgebietes nur eine geringe Bedeutung, sie können aber mit HVV-Verbundfahrkarten genutzt werden. Die Region wird mit Regionalverkehrslinien verschiedener Eisenbahnverkehrsunternehmen erschlossen. Diese Linien tragen die Bezeichnungen „RE“ für RegionalExpress oder „RB“ für RegionalBahn gefolgt von einer Liniennummer.

Darüber hinaus betreibt die landeseigene AKN der Länder Schleswig-Holstein und Hamburg drei Bahnlinien (A1–A3), die im HVV als A-Bahnen bezeichnet werden. Tariflich wird die A-Bahn genau wie U- und S-Bahn den Schnellbahnen zugeordnet.

Busverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Hamburger Linienbusnetz gliedert sich heute in verschiedene Arten von Buslinien, die das Schnellbahnnetz verdichten und die städtischen Gebiete mit dem Umland verbinden:

  • Metrobuslinien mit ein- oder zweistelligen Liniennummern (1–29), die mit bestimmten Qualitätskriterien der Bedienungshäufigkeit das Grundgerüst im Hamburger Stadtbusnetz bilden; verkehren auch in den Nächten auf Samstage, Sonntage und Feiertage
  • ergänzende „normale“ Stadt- und Regionalbusverbindungen mit dreistelligen Liniennummern
  • zuschlagpflichtige Schnellbusverbindungen mit zweistelligen Liniennummern (31–37), die mit größeren Haltestellenabständen zwischen den äußeren Stadtteilen und der Innenstadt verkehren
  • zuschlagfreie „Xpressbus“-Linien, die Direktverbindungen zu Schnellbahnstationen vorzugsweise für den Berufsverkehr herstellen (Liniennummern mit vorangestelltem X)
  • Nachtbusverbindungen (Liniennummern 600–688), die je nach Wochentag (Nächte auf Montage bis Freitage bzw. auf Samstage, Sonntage und Feiertage) mit unterschiedlichen Bedienungshäufigkeiten verkehren (mo–fr auch als Ersatz für die dann nicht verkehrenden Schnellbahnlinien)

Nachtverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Nächten von Sonntag bis Donnerstag endet der reguläre Schnellbahn- und Busverkehr gegen 0:30 Uhr. Ab 1970 verkehrten ab 1:00 Uhr nur noch Nachtbuslinien mit 600er Nummern mindestens stündlich ab Rathausmarkt in alle Richtungen sowie eine Halbringlinie mit der Nummer 600. Vorher gab es auch noch Straßenbahnlinien, die während der Nacht betrieben wurden. Von Verkehrsknotenpunkten wie Bf. Barmbek oder Wandsbek Markt besteht Anschluss an weitere Nachtbuslinien, die von dort in die Stadtrandgebiete führen.

In den Nächten vor Samstagen, Sonntagen und Feiertagen in Hamburg verkehren die U-Bahnen in Hamburg durchgehend im 20-Minuten-Takt, zudem besteht ein durchgehender 24-Stunden-Betrieb auf vielen S-Bahn-, Metro- und Stadtbuslinien. Der Nachtverkehr kann zum normalen Tarif zuschlagfrei genutzt werden.

Geschichte des Nachtverkehrs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den 1920er Jahren – als Straßenbahnen dominierten und sich ein Kraftomnibusnetz gerade entwickelte – hatte Hamburg bereits Nachtbuslinien.[1] Die Nachkriegsjahre waren dann jedoch die Zeit der Straßenbahn. Es wurde ein Nacht-Straßenbahnnetz aufgebaut, das neben Durchmesserlinien bis 1957 auch eine Ringlinie (Alsterring) über St. Pauli enthielt. Im Mai 1959 wurde mit der Linie 52 (Bf. Altona – Wallring – Hauptbahnhof) die erste Nachtbuslinie der Nachkriegszeit eingerichtet (zeitliche Erweiterung der Tageslinie 52). Sie war nötig geworden, nachdem die Straßenbahnlinien 6 und 7 zwischen St. Pauli und Altona eingestellt wurden. In späteren Jahren wurde das Nachtbusnetz ausgebaut, wenn Straßenbahnlinien entfielen. Stets hatten die Nachtbusse die Linienbezeichnung der Tageslinien übernommen, so wie dies auch bei der Straßenbahn der Fall war. Zum Sommerfahrplan 1970 (gültig ab Ende Mai) wurde das Nachtnetz vollkommen neu organisiert, wobei die letzten Nachtstraßenbahnlinien komplett eingestellt wurden. Seitdem fahren die Busse mit 600er Nummern zur vollen Stunde ab Rathausmarkt in die Stadtteile hinaus. Die Fahrpläne waren so koordiniert, dass die Busse kurz vor der vollen Stunde am Rathausmarkt eintrafen, so dass die Fahrgäste ausreichend Zeit zum Umstieg hatten. In den Stadtteilzentren begannen Ergänzungslinien (z. B. am Bf. Barmbek Linie 617), die wiederum Anschluss an die wichtigsten den Rathausmarkt berührenden Nachtlinien (in diesem Beispiel die 607) hatten. Komplettiert wurde dieses System durch die im 30-Minuten-Takt verkehrende Halbringlinie 600, die die Stadtteilzentren untereinander verband, allerdings nicht an alle Radiallinien direkte Anschlüsse bot. In späteren Jahren wurden weitere Ergänzungslinien eingerichtet, die teilweise aber nur in den Wochenendnächten betrieben wurden. In dieser Form wurde das Nachtbusnetz bis Dezember 2004 betrieben. Aufgrund zunehmender Fahrgastzahlen schien eine Neuorganisation des Nachtnetzes sinnvoll. In den inneren Wochennächten wird das Nachtbusnetz wie bisher weiterbetrieben, wobei die Busse in aller Regel stündlich fahren. In den Wochenend-Nächten hingegen werden die meisten U- und S-Bahn-Linien nun im 20-Minuten-Takt durchgehend betrieben. (Bis auf die nach Norderstedt Mitte fahrende U1 und die Pinneberger S3 enden alle Schnellbahnen an der letzten Station in Hamburg.) Der Weiterbetrieb des bisherigen Nachtbus-Systems war mit dem Schnellbahnnetz nicht sinnvoll. Daher werden heute zahlreiche Metrobus- und normale Buslinien (in teilweise angepasster oder verkürzter Form ggü. der Tageslinie) im 40-Minuten-Takt ebenfalls rund um die Uhr betrieben, die direkten Schnellbahnanschluss besitzen. Nur in wenigen Fällen sind auch in diesen Nächten normale Nachtbusse (mit 600er Nummer) im Einsatz.

Zusätzlich gab es bis in die 1980er Jahre ein durch die HHA betriebenes Personalbus-Netz. Deren Busse fuhren nach festen Fahrplänen entlang der U-Bahn-Strecken und boten den Betriebsangehörigen einen Anschluss an das Nachtbusnetz. (Beispiellinie: Großhansdorf – Barmbek mit Halt in der Nähe aller U-Bahn-Haltestellen) Immerhin war früher jede U-Bahn-Haltestelle bis nach Betriebsschluss personell besetzt und man wollte jenen Mitarbeitern wie auch den Zugfahrern die Möglichkeit bieten, den Dienstort ohne Auto zu erreichen. Für Hochbahner war die Mitfahrt kostenfrei. Es gab sogar ein eigenes Fahrplanheft. Diese Linien wurden im normalen Fahrplanbuch nicht erwähnt, dennoch war es möglich, auch als Nicht-HHA-Beschäftigter diese Busse gegen ein Entgelt zu benutzen. Allerdings berechtigte dieser Fahrschein nicht zum Umstieg. Später wurden diese Fahrdienste von Taxis übernommen und waren seitdem wirklich nur Bediensteten der HHA vorbehalten.

Schiffsverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Elbe und im Hafengebiet verkehren sechs Schiffslinien zum normalen HVV-Tarif. Daneben gibt es touristische Angebote auf der Unterelbe und auch auf der Alster und den anschließenden Kanälen. Auf den Alsterschiffs-Linien galt bis 1984 ebenfalls der Verbundtarif des HVV, sie erfüllten damit Aufgaben im städtischen Nahverkehr. Danach wurde auch das Angebot der Linienfahrt primär auf Touristik und Freizeitangebote ausgerichtet.

An dem Verkehrsknotenpunkt St. Pauli-Landungsbrücken befinden sich neben den Schiffsanlegern unmittelbar anliegend auch die Haltestellen der U-Bahn-Linie U3, der S-Bahn-Linien S1, S2 und S3 sowie der Buslinien 111, 112 und der Nachtbuslinie 608. Vor Jahrzehnten verkehrten hier noch die Straßenbahnlinien 1, 7 und 14.

On-Demand-Angebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die VHH und das Technologieunternehmen ioki betreiben unter dem Namen ioki Hamburg in den abgegrenzten Gebieten Lurup/Osdorf und Billbrook einen On-Demand-Verkehr mit kleinen Fahrzeugen, der eine Ergänzung zum bestehenden Nahverkehr innerhalb des HVV bieten soll. Außerdem sind (Stand Juni 2020) mit MOIA und FREE NOW zwei privatwirtschaftliche Ridepooling-Unternehmen in Hamburg aktiv, die vollständig außerhalb des HVV-Tarifs angeboten werden.

StadtRAD Hamburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine StadtRAD-Verleihstation

Das Fahrradverleihsystem StadtRAD ergänzt den öffentlichen Nahverkehr im inneren Stadtgebiet (etwa Ring 2) sowie in Wilhelmsburg. An zahlreichen S- und U-Bahnhöfen sowie einigen Fähranlegern und abseits davon stehen insgesamt 129 Stationen und 1650 Fahrräder bereit. Dort können angemeldete Nutzer per Handy, Nutzer- oder Bankkarte Räder ausleihen, die an einer anderen Station zurückgegeben werden können. StadtRAD Hamburg ist bezogen auf die Nutzungszahlen das erfolgreichste Fahrradverleihsystem in Deutschland, was sich in der Bestnote beim ADFC-Fahrradklima-Test 2012 bestätigt.[2]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadtplan Hamburg 1928: tramways.wordpress.com (Memento des Originals vom 8. Dezember 2008 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/tramways.wordpress.com
  2. Ergebnisse des ADFC-Fahrradklima-Test 2012, dort Frage 27 (Memento des Originals vom 3. Februar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.adfc.de

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]