Najem Wali

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Najem Wali (2015)

Najem Wali (arabisch نجم والي, DMG Naǧm Wālī; * 20. Oktober 1956 in Basra) ist ein in Deutschland lebender irakischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eltern von Najem Wali waren schon fünf Jahre kinderlos verheiratet und die Ehe deswegen nach islamischen Recht stark gefährdet, bevor er zur Welt kam.[1] Er studierte zunächst deutsche Literatur an der Universität Bagdad. Nach Abschluss seines Studiums 1978 wurde Wali für anderthalb Jahre zum Militärdienst eingezogen. Am 22. September 1980, dem Ausbruch des Irak-Iran-Krieges, wurde Walis Jahrgang erneut zum Militärdienst einberufen, woraufhin er sein Wehrheft fälschte und nach Westdeutschland desertierte. Hier studierte er Germanistik an der Universität Hamburg. Nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums zog Najem Wali 1987 nach Madrid, um dort spanische Literatur zu studieren. 1990 kehrte er nach Hamburg zurück.

Seinen Roman Ein Ort namens Kumait – die Geschichte einer Beschneidung schrieb Najem Wali bereits im Jahr 1989. Erst 1997 erschien er in Kairo auf Arabisch, ein Jahr später auf Französisch und im Jahr 2002 auf Schwedisch. Das Buch unternimmt einen Tabubruch, indem es die Beschneidung Folter nennt. Es dauerte daher auch acht Jahre, bis sich ein arabischer Verlag fand, den Roman zu drucken.[2]

Heute lebt Najem Wali in Berlin und ist neben seiner Tätigkeit als Autor auch als Journalist und Korrespondent für die arabische Tageszeitung Al Hayat tätig. Zudem schreibt er für verschiedene deutsche Zeitungen wie die Süddeutsche Zeitung und Die Zeit. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

2018 erschien sein Roman Saras Stunde, der in London und Saudi-Arabien spielt.[3]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1985 Erzählungen in Anthologien
  • 1989 Der Krieg im Vergnügungsviertel, Übers. aus dem Arab. Jürgen Paul, Hamburg, perspol-Verlag, ISBN 3-89226-005-2
  • 1990 Hier in dieser fernen Stadt, Übers. aus dem Arab. Thomas Schade, Hamburg, Galgenberg, ISBN 3-925387-66-8
  • 1997 Ein Ort Namens Kumait, in arabisch. Kairo
  • 2004 Die Reise nach Tell al-Lahm, Übers. aus dem Arab. Imke Ahlf, München, Hanser ISBN 3-446-20538-1
  • 2008 Jussifs Gesichter. Roman aus der Mekka-Bar, Übers. aus dem Arab. Imke Ahlf, München, Hanser, ISBN 978-3-446-23006-4
  • 2009 Reise in das Herz des Feindes: Ein Iraker in Israel, Übers. aus dem Arab. Imke Ahlf, München, Hanser, ISBN 978-3446233027
  • 2011 Engel des Südens. Roman, aus dem Arabischen von Imke Ahlf-Wien; Hanser Verlag, München ISBN 978-3-446-23643-1
  • 2014 Bagdad Marlboro. Roman, aus dem Arabischen von Hartmut Fähnrich, München, Hanser Verlag ISBN 978-3-446-24485-6
  • 2015 Bagdad. Erinnerungen an eine Weltstadt Roman, aus dem Arabischen von Hartmut Fähnrich, München, Hanser Verlag ISBN 978-3-446-24922-6
  • 2016 Im Kopf des Terrors. Aus dem Arabischen von Markus Lemke, Salzburg, Residenz Verlag ISBN 978-3-7017-3402-3
  • 2017 Die Balkanroute: Fluch und Segen der Jahrtausende, Aus dem Arabischen von Markus Lemke, Matthes & Seitz Berlin ISBN 978-3957574510
  • 2018 Abraham trifft Ibrahîm. Streifzüge durch Bibel und Koran, Berlin, Suhrkamp ISBN 978-3518427910

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Forschungsliteratur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Najem Wali – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Najem Wali im Interview des Deutschlandfunks in der Sendung Zwischentöne am 6. März 2016
  2. Warum wird im Namen Gottes gefoltert?, Humanistischer Pressedienst, Interview mit Najem Wali, 3. Aug. 2012
  3. Sündenfall. In: sueddeutsche.de. 12. März 2018, abgerufen am 26. Juli 2018.
  4. Prosatext des Autors (Auszug), in engl. Sprache, übers. aus dem Arab. von Marilyn Booth
  5. Bruno-Kreisky-Preis für das Politische Buch 2014 an Najem Wali für "Bagdad Marlboro", Presseaussendung des Karl-Renner-Instituts, 29. Dezember 2014