Nanggala

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KRI Nanggala
Die Nanggala im August 2015 in der Javasee
Die Nanggala im August 2015 in der Javasee
Schiffsdaten
Flagge IndonesienIndonesien Indonesien
Schiffstyp U-Boot
Klasse 209-1300
Bauwerft Howaldtswerke-Deutsche Werft, Kiel
Baunummer 402[1]
Kiellegung 14. März 1978[1]
Stapellauf 4. September 1980[1]
Indienststellung 6. Juli 1981[2]
Verbleib in der Balisee gesunken
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
59,5[2] m (Lüa)
Breite 6,2[2] m
Tiefgang max. 5,5[2] m
Verdrängung aufgetaucht 1200 m³, getaucht: 1390 m³[2]
 
Besatzung für 33 Mann ausgelegt[2]
Maschinenanlage
Maschine dieselelektrisch
4 × MTU-12V493-AZ80-GA31L-Dieselmotoren
4 × Generatoren
1 × Siemens-Elektromotor[2]
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
6.600 kW (8.974 PS)
Generator-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
5.000 kW (6.798 PS)
Propeller 1
Einsatzdaten U-Boot
Aktionsradius 11.000[2] sm
Einsatzdauer 50 Tage
Tauchtiefe, normal 257[2] m
Zerstörungstiefe bei 2,5-facher Sicherheit >500[2] m
Höchst-
geschwindigkeit
getaucht
21,5 kn (bis 2012)
25,0 kn (ab 2012)[3][2]
Höchst-
geschwindigkeit
aufgetaucht
11,0 kn[2]
Bewaffnung
Sensoren

Die KRI Nanggala (402)[5] war ein U-Boot der Streitkräfte Indonesiens, das im April 2021 in der Balisee sank.[6] Sie war die zweite Einheit der in Deutschland für Indonesien gebauten U-Boot-Klasse 209-1300, die in Indonesien Cakra-Klasse genannt wird.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

KRI Nanggala periscope.jpg
Periskop der Nanggala
KRI Nanggala control room.jpg
Steuerstand der Nanggala

Das U-Boot wurde gemeinsam mit der typgleichen KRI Cakra (401) am 2. April 1977 bestellt.

Die Nanggala lief am 4. September 1980 bei Howaldtswerke-Deutsche Werft in Kiel vom Stapel. Die Taufe erfolgte am 10. September 1980 durch Frau Nining Sudirjo.[7] Am 6. Juli 1981 wurde sie in den Dienst der indonesischen Marine gestellt und nach Indonesien überführt.[2] Benannt wurde sie nach der Waffe des im indonesischen Puppenspiel Wayang auftretenden Hindugotts Balarama, einem Pflug.[8]

Die beiden U-Boote der Cakra-Klasse, KRI Cakra (401) und KRI Nanggala (402), waren mehrere Jahrzehnte lang die einzigen aktiven U-Boote der indonesischen Marine, zwischen der Stilllegung der KRI Pasopati (410; einem Projekt-613-U-Boot) im Jahr 1994 und der Inbetriebnahme der KRI Nagapasa (403; einer Variante der U-Boot-Klasse 209) im Jahr 2017.[9][10]

Modernisierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nanggala wurde im Jahr 1989 bei den Howaldtswerken in Kiel nachgerüstet. Von Oktober 1997 bis Juni 1999 wurden in Surabaya die Batterien gewechselt, sowie eine Sinbads Feuerleitanlage eingerüstet.[2] Von 2010 an wurde das U-Boot in Südkorea bei Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering über zwei Jahre umfassend modernisiert und im Februar 2012 wieder der indonesischen Marine übergeben.[11][12] Nach der Überholung war Nanggala in der Lage, vier Torpedos gleichzeitig auf verschiedene Ziele abzuschießen und Seezielflugkörper vom Typ UGM-84 Harpoon zu verschießen. Nach der Modernisierung betrug die Höchstgeschwindigkeit getaucht 25 Knoten (46 km/h).[3]

Im Jahr 2016 wurde das U-Boot mit einem Echolot von Aselsan ausgestattet.[13]

Verschwinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. April 2021, nach letzter Funkverbindung gegen 3 Uhr Ortszeit, verschwand das Boot unter bisher ungeklärten Umständen auf einer Routinemission mit Torpedoübungen etwa 51 Seemeilen (95 Kilometer) nördlich von Bali.[14] An Bord befanden sich 53 Besatzungsmitglieder, die Meerestiefe beträgt dort etwa 700 m. Vom indonesischen Militär wurden Singapur und Australien um Unterstützung bei der Suche gebeten.[15] Am selben Tag teilte das indonesische Verteidigungsministerium mit, Helikopter hätten einen Ölfleck in dem Areal entdeckt, in dem das U-Boot vor Kontaktabbruch positioniert war.[16]

Suche und Ortung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit der Swift Rescue setzte sich am 21. April 2021 ein auf U-Boote spezialisiertes Rettungsschiff der Streitkräfte Singapurs zur letztbekannten Position der Nanggala in Bewegung.[17]

Der ranghöchste Admiral der indonesischen Marine Yudo Margono erklärte, dass die Sauerstoffreserven für einen dreitägigen Tauchgang ausreichten und der Sauerstoff somit voraussichtlich am 24. April, um etwa 3 Uhr UTC+8 (23. April, 19 Uhr UTC) aufgebraucht sei.[18] Australien unterstützte die Suche mit der Fregatte HMAS Ballarat und dem Versorger HMAS Sirius, die Vereinigen Staaten entsandten eine P-8 Poseidon zur Suche nach dem Boot und die Indische Marine setzte ein Rettungs-U-Boot in Marsch.[19][20][21] Auch beteiligten sich Schiffe aus Malaysia an der Suche und weitere Staaten erklärten ihre Unterstützung.

Am 24. April wurden zuerst Teile des U-Boots – eine Torpedohülle und eine Flasche mit Schmierstoff für das Periskop – vor der Küste Balis gefunden[22] und die indonesische Marine machte das U-Boot schließlich ausfindig.[23][24]

Die Marine änderte daraufhin den Status des U-Boots von „Verschollen“ auf „Gesunken“.[24] Am 25. April nahm ein ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug der MV Swift Rescue Sichtkontakt mit dem Wrack auf und stellte fest, dass das Boot in drei Teile geborsten war.[25] Alle 53 Besatzungsmitglieder wurden für tot erklärt.[26] Das Wrack befindet sich in einer Tiefe von 838 Metern bei den Koordinaten 7° 48′ 56″ S, 114° 51′ 20,2″ O.[27]

Kommandanten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Letzter Kommandant Heri Oktavian

Die folgende Tabelle zeigt die Kommandanten der Nanggala:

Dienstgrad Name von bis
Commander Armand Aksyah[7] 21. Oktober 1980
Commander A. R. Soebiyarto[7]
Commander Djoko Poernomo[7]
Commander Sardjun Nurkamal[7]
Commander Marisi Panggabean[7]
Commander Salmet Soebandi[7]
Commander Didi Setiadi[7]
Commander Sulaiman Banjar Nahor[7]
Commander Rudwin Thalib[7]
Commander Dedy Yulianto[7]
Lieutenant Commander Tunggul Suropati[7]
Commander Muhammad Ali[7]
Commander Jefry Sangel[7]
Lieutenant Commander Purwanto[7]
Lieutenant Commander Wirawan Ady Prasetya 2013 Mai 2014
Lieutenant Commander Harry Setiawa 16. Mai 2014 08. Dezember 2015
Commander Widya Poerwandanu 08. Dezember 2015 29. September 2016
Commander Ahmad Noer Taufik 29. September 2016 02. Dezember 2016
Commander Yulius Azz Zaenal 02. Dezember 2016 20. Februar 2019
Commander Ansori 20. Februar 2019 03. April 2020
Commander Heri Oktavian 03. April 2020 Untergang im April 2021

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Eberhard Rössler: Die deutschen Uboote und ihre Werften: Der deutsche U-Bootbau in den Jahren 1935–1945 sowie der U-Bootbau in der Bundesrepublik Deutschland. Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1990, ISBN 978-3-7637-5218-8, S. 161.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o Frederick Thomas Jane: Jane’s Fighting Ships. S. Low, Marston & Company, 2009, ISBN 978-0-7106-2888-6, S. 353.
  3. a b RI submarines on par with neighbors after overhaul | The Jakarta Post. 11. Mai 2012, abgerufen am 22. April 2021.
  4. Submarine Integrated Battle and Data System
  5. KRI steht für Kapal Republik Indonesia, „Schiff der Republik Indonesien“
  6. Hannah Beech, Muktita Suhartono, Dera Menra Sijabat: Debris From Indonesian Submarine Is Found, Dimming Hopes of Rescue. In: The New York Times. 24. April 2021, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 24. April 2021]).
  7. a b c d e f g h i j k l m n o Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH (Hrsg.): Silent Fleet 5. Edition, Howaltswerke Deutsche Werft AG Kiel und Yacht-Photo-Service YPS, Hamburg 2011, S. 123.
  8. Dikabarkan Hilang, Ini Spesifikasi Kapal Selam KRI Nanggala-402 Milik TNI AL. In: kompas.com. 21. April 2021, abgerufen am 21. April 2021.
  9. Kompas Cyber Media: Ini Kehebatan Kapal Selam Baru KRI Nagapasa 403 Milik TNI AL. 28. August 2017, abgerufen am 22. April 2021 (indonesisch).
  10. Administrator: Ramping tapi kekar. 12. Oktober 1991, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  11. Indonesien: U-Boot mit 53 Menschen an Bord nach Militärübung vermisst. In: Der Spiegel. Abgerufen am 22. April 2021.
  12. Kompas Cyber Media: Kapal Selam KRI Nanggala Kembali Beroperasi. 6. Februar 2012, abgerufen am 22. April 2021 (indonesisch).
  13. Anadolu Agency: Indonesian Navy vessel uses ASELSAN's KULAÇ. 21. November 2016, abgerufen am 24. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  14. Kapal Selam KRI Nanggala-402 Hilang di Utara Bali. 21. April 2021, abgerufen am 22. April 2021.
  15. Vermutlich gesunken: Indonesisches U-Boot vor Bali vermisst. In: orf.at. Österreichischer Rundfunk, 21. April 2021, abgerufen am 21. April 2021.
  16. Bali: U-Boot mit 53 vermissten Seeleuten vermutlich auf dem Meeresgrund. In: Der Spiegel. Abgerufen am 22. April 2021.
  17. Defense Brief Editorial: Indonesian submarine KRI Nanggala goes missing during torpedo firing drill. In: Defense Brief. 21. April 2021, abgerufen am 22. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  18. Oksigen di KRI Nanggala-402 Hilang di Perairan Bali Hanya Bertahan 3 Hari. 22. April 2021, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  19. Australia joins Indonesian search mission. 23. April 2021, abgerufen am 23. April 2021 (englisch).
  20. Bantuan LN Pencari KRI Nanggala-402: MV Swift-Pesawat Poseidon. 23. April 2021, abgerufen am 23. April 2021 (indonesisch).
  21. Indian Navy dispatches DSRV to assist Indonesian Navy’s search for missing submarine. 23. April 2021, abgerufen am 23. April 2021 (englisch).
  22. 53 Seeleute an Bord: Teile von vermisstem indonesischen U-Boot entdeckt. In: FAZ.NET. ISSN 0174-4909 (faz.net [abgerufen am 24. April 2021]).
  23. Indonesiens Marine entdeckt verschollenes U-Boot vor Bali. In: Der Spiegel. Abgerufen am 24. April 2021.
  24. a b Indonesia says missing sub sunk, cracked open, killing all 53 members on board. Abgerufen am 24. April 2021 (amerikanisches Englisch).
  25. hermesauto: Sunken missing Indonesian submarine found cracked open, officials say 53 crew members dead. 25. April 2021, abgerufen am 25. April 2021 (englisch).
  26. Bali: Vermisstes indonesisches U-Boot gefunden – 53 Seeleute sind tot. In: Neue Zürcher Zeitung. Abgerufen am 25. April 2021.
  27. Sui Suadnyana: Tenggelam, KRI Nanggala-402 Terbelah Jadi 3 Bagian. Abgerufen am 25. April 2021 (id-ID).

Koordinaten: 7° 48′ 56″ S, 114° 51′ 20″ O