Naomi Wolf

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Naomi Wolf beim Brooklyn Book Festival 2008

Naomi Wolf (* 12. November 1962 in San Francisco, Kalifornien) ist eine US-amerikanische Schriftstellerin und politische Aktivistin. Mit der Veröffentlichung ihres Buches Der Mythos Schönheit wurde sie zur führenden Sprecherin der später so bezeichneten Dritten Welle des Feminismus.

Biographisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf studierte englische Literatur an der Yale University und arbeitete als Rhodes-Stipendiatin an der University of Oxford.[1] Sie ist Tochter der Anthropologin Deborah Goleman Wolf[2] und des rumänisch-US-amerikanischen Schriftstellers Leonard Wolf[3]. Sie war bis 2005 mit David Shipley, einem Journalisten und Mitarbeiter Bill Clintons, verheiratet. Mit ihm hat sie zwei Kinder.[4] Seit 2018 ist sie mit dem Privatdetektiv Brian O’Shea verheiratet.[4]

Der Mythos Schönheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr 1990 veröffentlichtes Buch Der Mythos Schönheit gilt als feministischer Klassiker. Naomi Wolf ist eine der Begründerinnen des Dritte-Welle-Feminismus. Die New York Times nannte das Buch „eines der siebzig einflussreichsten Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts“.[4] In dem Buch argumentiert Wolf, dass „Schönheit“ als normativer Wert sozial konstruiert werde und dass das Patriarchat den Inhalt dieses Konstrukts bestimme, um die Unterordnung von Frauen beizubehalten. Sie analysiert ferner, dass der Einfluss von Massenmedien und Werbung trotz der gestiegenen sozialen Macht von Frauen auf diese Druck ausübe, unrealistischen Standards von „physischer Schönheit“ gerecht zu werden. Dieser Druck führe zu ungesundem Verhalten von Frauen wie beispielsweise Magersucht und Bulimie. Außerdem wirke der Druck auf die Fähigkeit von Frauen, in der Gesellschaft effektiv und akzeptiert zu sein.

Naomi Wolfs Buch Der Mythos Schönheit ist bis heute grundlegend für feministische Debatten um Körper, Massenmedien und patriarchale Kontrolle.

Wie zerstört man eine Demokratie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Wie zerstört man eine Demokratie (The End of America: A Letter of Warning to a Young Patriot) beschreibt Naomi Wolf die Strategien, mit denen faschistische Bewegungen bisher weltweit nach der Macht gegriffen haben, und kritisiert den Verfall der demokratischen Institutionen in den Vereinigten Staaten. Das Buch diente als Vorlage zu dem 78-minütigen Dokumentarfilm The End of America von Annie Sundberg und Ricki Stern (die auch Die Todesreiter von Darfur drehten).

In einer historischen Rückschau untersucht Naomi Wolf den Aufstieg des Faschismus und umreißt die zehn Schritte, die eine faschistische Gruppe (oder Regierung) geht, um den demokratischen Charakter eines Nationalstaats zu zerstören und die Freiheitsrechte zu untergraben, die seine Bürger bis dahin ausgeübt haben:

Die bisher nicht auf Deutsch erschienene Fortsetzung Give Me Liberty: A Handbook for American Revolutionaries untersucht, wie sich Amerikaner in ihrer Geschichte gegen antidemokratische Kräfte im Inneren zur Wehr setzten, und stellt die Frage, inwieweit die heutige junge Generation über die dazu erforderlichen Fähigkeiten verfügt.

Vagina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2012, nachdem bei der 46-jährigen Autorin 2008 ein Bandscheibenleiden diagnostiziert worden war und sie sich einer orthopädischen Operation unterzogen hatte, publizierte Wolf ihre Monografie über die Scheide. In ihrer Arbeit untersucht sie Zusammenhänge von weiblichen Geschlechtsorganen und Gesamtorganismus sowie den Bezug zu gesellschaftlichen oder ärztlichen Einschätzungen der Frau insgesamt und bringt dabei auch ihre eigenen Erfahrung aus Tantra-Gruppen mit ein. Als Voraussetzung für weibliche Kreativität und Glück sieht Wolf ein glückliches Sexualleben.[5]

Recherchefehler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrem ersten Buch Der Mythos Schönheit behauptete Wolf, dass in den USA pro Jahr 150.000 Frauen an Magersucht stürben. Christina Hoff Sommers ging der Quelle nach und fand, dass leiden gemeint war. Die Zahl der Todes-Opfer beträgt 100–400 Opfer.[6] In neueren Auflagen des Buches ist sie korrigiert.[7] Eine weitere Untersuchung befand, dass von den 23 Statistiken in ihrem Buch 18 falsch seien.[8]

Wolf veröffentlichte 2019 das Buch Outrages: Sex, Censorship, and the Criminalization of Love. Im Buch behauptete die Autorin, dass Dutzende Männer wegen homosexueller Betätigung im England des 19. Jahrhunderts hingerichtet worden seien. Sie wollte zugleich belegen, dass die gesetzliche Diskriminierung Homosexueller schon in den 1850er Jahren eingesetzt habe, statt wie in der Forschung angenommen, erst rund 30 Jahre später. In einem Radio-Interview mit BBC-Journalisten Matthew Sweet machte dieser sie darauf aufmerksam, dass sie die Gerichtssprache in den von ihr zitierten Quellen missverstanden habe und dass keiner der Verurteilten tatsächlich hingerichtet worden sei. Ebenso sei es in den Gerichtshandlungen nicht um freiwilligen Geschlechtsverkehr zwischen Männern, sondern um Pädophilie und Sodomie gegangen.[9]

COVID-19-Pandemie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wolf behauptete im Februar 2021 in der Sendung Tucker Carlson Tonight auf Fox News, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in den USA genutzt würden, um einen totalitären Staat zu etablieren.[10]

Gegenüber Sky News Australia erklärte sie im März 2021, dass die Lockdown-Maßnahmen eine Erfindung des chinesischen Staatspräsident Xi Jinping seien. Sämtliche Menschenrechte würden verletzt, die Australier würden ständig und psychisch gefoltert.[11]

Im April 2021 unterstellte Wolf Anthony Fauci, dass er nicht „für uns“ arbeite, sondern dass seine Loyalität Israel gelte; so habe er von Israel 1 Mio. US-Dollar erhalten. Das bezog sich auf die Auszeichnung mit dem Dan-David-Preis, den Fauci 2021 für seine Beiträge zur HIV-Forschung, als Architekt des Notfallplans des US-Präsidenten für die AIDS-Hilfe, als Leiter des National Institute of Allergy and Infectious Diseases, sein Vorantreiben neuartiger Ansätze wie mRNA-Impfstoffe und für die „mutige Verteidigung der Wissenschaft angesichts nicht informierter Opposition“ während der Covid-19-Pandemie erhalten hatte.[12] Der Preis wird jedoch nicht vom israelischen Staat oder seiner Regierung, sondern von einer mit der Universität Tel Aviv verbundenen Stiftung verliehen.[13] Bereits zwei Jahre zuvor hatte Wolf Israel scharf kritisiert. Auf die Frage „Welche Nation ist die größte Bedrohung für den Frieden in der Welt?“ antwortete sie auf Twitter „Wo ist Israel?“[13] Auf Twitter wurde sie im Juni 2021 gesperrt.[14]

Vorwürfe gegen Bill Gates und die Behauptung der Errichtung einer Weltdiktatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Radio-Interview mit Eric Metaxas im April 2021 beschuldigte sie Bill Gates, das Weltwirtschaftsforum und China einen „Bio-Sicherheitsstaat“ („bio-security state“) errichten und damit die Freiheiten aufheben zu wollen. So nehme etwa die Zensur konservativer Stimmen „exponentiell“ zu, was sie unter anderem mit der SARS-CoV-2-Impfkampagne von Joe Biden, den Interessen der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und deren Finanzierung vieler Medien und des Bildungssektors in Verbindung brachte: Die CDC, die New York Times und Guardian machten, was Bill Gates wolle. Die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung kaufe „im Grunde politische Entscheidungsträger auf der ganzen Welt“. Sie wollten „die Umwelt kolonisieren, sie wollen den menschlichen Körper als Geschäftsmodell kolonisieren“. Letztlich seien Bill Gates und seinesgleichen Asperger-Psychopathen „mit zu viel Macht, umgeben von Kommunisten, die unmenschliches, anti-individualistisches Denken perfektioniert haben, und Silicon Valley-Typen, die Milliarden von Dollar damit verdienen und die auch nicht an die Menschenrechte und Freiheiten denken“.[15]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Mythos Schönheit. Rowohlt, 1991.
  • Die Stärke der Frauen: Gegen den falsch verstandenen Feminismus. Droemer Knaur, 1993.
  • Vom Ende der Unschuld oder Das sexuelle Drama, eine Frau zu werden. Rowohlt, 1999.
  • Wie zerstört man eine Demokratie: Das 10-Punkte-Programm. Riemann, 2008.
  • Give Me Liberty: A Handbook for American Revolutionaries. 2008.
  • Vagina. A new biography. Virago Press, London 2012. ISBN 978-1-84408-688-7.[16]
  • The Bodies of Others: The New Authoritarians, Covid-19 and the War Against the Human. All Seasons Press. ISBN 978-1737478560.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Naomi Wolf – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Naomi Wolf. In: HuffPost.com. Abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  2. Lisa Hix: Did father know best? / In her new book, third wave feminist Naomi Wolf reconsiders her Bohemian upbringing. In: SFGate.com. 19. Juni 2005, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  3. Leonard Wolf Obituary (1923–2019). In: SFGate.com. 29. Juni 2019, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  4. a b c Rachel Cooke: Interview – Naomi Wolf: ‘We’re in a fight for our lives and for democracy’. In: The Observer. 19. Mai 2019, abgerufen am 23. Februar 2020 (englisch).
  5. Florian G. Mildenberger über: Vagina. A new biography. Virago Press, London 2012. ISBN 978-1-84408-688-7. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013 (2014), S. 585–589, hier 585–587.
  6. Christina Hoff Sommers: Who Stole Feminism? How Women Have Betrayed Women. Simon and Schuster, Mai 1995, ISBN 978-0-684-80156-8, S. 12.
  7. Naomi Wolf Got Her Facts Wrong. Really, Really, Really Wrong. In: Science of Eating Disorders. 7. Juni 2012, abgerufen am 14. September 2020 (englisch).
  8. Casper Schoemaker: A Critical Appraisal of the Anorexia Statistics in The Beauty Myth: Introducing Wolf’s Overdo and Lie Factor. Eating Disorders, 12 (2), S. 97–102, PMID 16864310
  9. Concepción de León: After an On-Air Correction, Naomi Wolf Addresses Errors in Her New Book. In: nytimes.com. 4. Mai 2019, archiviert vom Original am 24. Mai 2019; abgerufen am 21. April 2021 (englisch).
  10. Yael Halon: Ex-Clinton adviser Naomi Wolf warns US becoming ‘totalitarian state before our eyes’ under Biden. In: Fox News. 22. Februar 2021, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  11. Lockdowns are an ‘invention of Xi Jinping’: Naomi Wolf. In: Sky News Australia. 2. März 2021, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  12. Fauci, Rosenberg Win Dan David Prize. In: nih.gov. 18. März 2021, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  13. a b Ben Sales: Conspiracy theorist Naomi Wolf claims Anthony Fauci ‘doesn’t work for us’ and got $1 million from Israel. In: jta.org. 20. April 2021, abgerufen am 22. April 2021 (englisch).
  14. Twitter sperrt US-Autorin Naomi Wolf
  15. Michael Haynes: Naomi Wolf accuses Bill Gates of ushering in ‘bio-security state,’ attacking ‘freedoms and liberties of the West’. In: LifeSiteNews.com. 14. April 2021, abgerufen am 21. April 2021 (englisch).
  16. Rezension dazu: Florian G. Mildenberger in: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/2013 (2014), S. 585–589.
  17. Martina Lenzen-Schulte: Naomi Wolf: Vagina: Jauchzender Bericht vom Allerheiligsten. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. Juni 2013, S. 28.