Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte

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Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte, Porträt von Hippolyte Flandrin, 1860
Prinz Napoléon „Plon-Plon“, von August Grahl, um 1830

Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte, genannt Prinz Napoléon oder Plon-Plon (* 9. September 1822 in Triest; † 17. März 1891 in Rom), war ein französischer General und Politiker. 1870 wurde er zum Grafen von Moncalieri ernannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte war der zweite Sohn aus der Ehe Jérôme Bonapartes (1807 bis 1813 König von Westphalen) und Katharina von Württembergs, der Tochter König Friedrichs I. von Württemberg. Von seiner Mutter erhielt er den Kosenamen „Plon-Plon“. Später wurde er spöttisch so genannt. Von 1837 bis 1840 war er Offizier in württembergischen Diensten. 1848 war er Mitglied der französischen konstituierenden Versammlung.

Nach der Machtübernahme seines Cousins Napoleon III. wurde er General in der Armee. Als Kommandeur der 3. Division nahm er am Krimkrieg teil und befehligte die Division in der Schlacht an der Alma. Nachdem der Feldzug länger andauerte als geplant, verließ Prinz Napoléon die Truppe. Die Öffentlichkeit bezichtigte ihn deshalb der Feigheit. Der französische Oberbefehlshaber Marschall Canrobert benannte als Grund für die Abreise des Prinzen die Unsauberkeit und Unbequemlichkeit des Lagerlebens.[1]

Marie Clotilde von Savoyen (1843–1911)

Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte heiratete am 30. Januar 1859 Marie Clotilde von Savoyen, Tochter des Königs Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont (des späteren ersten Königs von Italien). Diese Heirat sollte das Bündnis zwischen Kaiser Napoleon III. und Viktor Emanuel festigen. Im Sardinischen Krieg 1859, der durch die Niederlage Österreichs den Weg zur Einigung Italiens eröffnete, kommandierte er das französische V. Korps.

Da er dem Bestand der Herrschaft seines Cousins Napoleon III. nicht traute, erwarb er 1859 am Genfer See in der Schweiz die Domäne La Bergerie in Prangins. Sie hatte bereits von 1814 bis 1827 seinem Onkel Joseph Bonaparte, dem älteren Bruder Napoleons I., als Zubehör zu dessen Exilsitz Schloss Prangins gehört. Ab 1862 ließ sich Prinz Napoléon dort die prachtvolle Villa de Prangins errichten, die er jedoch 1870 wieder veräußerte, woraufhin er sich auf einem verbliebenen Teil der Domäne eine neue, bescheidenere Villa La Bergerie de Prangins erbauen ließ. Diese diente ihm und seinen Nachfahren ab 1886 als Exilsitz und befindet sich bis heute im Besitz des Hauses Bonaparte[2].

1864 bis 1865 war er Mitglied und Vizepräsident des Geheimen Rats. In der Dritten Republik wurde er 1876 in die Deputiertenkammer gewählt.

Nach dem Tode Napoléon Eugène Louis Bonapartes, des Sohnes Napoleons III., im Zulukrieg (1879) wurde er als Haupt der Familie Bonaparte anerkannt. Am 16. Januar 1883 wurde Prinz Napoléon in Paris festgenommen. Er hatte eine Volksabstimmung zugunsten seiner Thronansprüche gefordert. 1886 wurde er – wie alle potenziellen Thronanwärter – aus Frankreich verbannt.

Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Enkel Louis Bonaparte (1914–1997) führte die Bonaparte-Dynastie weiter, er hatte zwei Söhne, Charles und Jérôme (unverheiratet).
Charles ist das derzeitige Oberhaupt der Familie, er hat einen Sohn, Jean (* 1986), der der letzte männliche Nachkomme der Bonapartes ist.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugh Montgomery-Massingberd (Hrsg.): Burke’s Royal Families of the World. Volume 1: Europe & Latin America. Burke’s Peerage Ltd., London 1977, ISBN 0-85011-029-7, S. 108.
  • Jiří Louda, Michael MacLagan: Lines of Succession. Heraldry of the Royal Families of Europe. Little, Brown and Company, London 1999, ISBN 0-316-84820-4, Tafel 72.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Napoléon Joseph Charles Paul Bonaparte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Heinz Rieder: Napoleon III. Abenteuer und Imperator, S. 213.
  2. Historisches Lexikon der Schweiz: Bonaparte