Narrenzunft Schömberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Narrenzunft Schömberg e.V.
Zweck: Bewahrung der Fasnetstradition
Vorsitz: Bernhard Wuhrer
Gründungsdatum: 8. Februar 1922
Mitgliederzahl: ca. 1.500
Sitz: Schömberg
Website: nz-schoemberg.de
Schömberger Fransennarren auf dem Narrentreffen in Weingarten 2006

Die Narrenzunft Schömberg e.V. ist eine Narrenzunft, deren Aufgaben als gemeinnütziger eingetragener Verein die Bewahrung der Traditionen der Fasnet und die Ausrichtung der Narrensprünge in Schömberg ist. Schömberg im Zollernalbkreis gilt als eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fasnet, die seit 2014 ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde. Die Schömberger Fasnet ist überregional bekannt für den Narrentanz „dr Bolanes“ (schwäbisch „Polonaise“).

Ziel und Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel der Narrenzunft Schömberg ist Bewahrung der Fasnetstradition, sowie die Veranstaltung und Organisation der Fasnet in Schömberg. Die Narrenzunft Schömberg ist ein eingetragener Verein.

Organe und Mitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organe des Vereins sind der Vorstand und die Generalversammlung. Die Generalversammlung wählt den Vorstand. Stimmberechtigt ist jedes Mitglied der Narrenzunft ab vollendetem 18. Lebensjahr.

Anders als bei Vereinen üblich wird der Beitrag nicht überwiesen oder per Lastschrift eingezogen. Die Narrenräte ziehen die Mitgliedsbeiträge während einer Haussammlung ein. Jeder Narrenrat hat ein zugewiesenes Gebiet, welches er in der Zeit nach Dreikönig bis zum Fasnetssamstag abarbeitet. Mitglied ist jeder, der mindestens 1 € (früher 2 DM) pro Saison spendet.

Der Narrenrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der gesamte Vorstand wird „Narrenrat“ genannt. Dieser bildet unter sich Ausschüsse wie z. B. den Häsausschuss der die Erfassung der Häser und die Häsordnung koordiniert oder den Zunftballausschuss, der die Saalveranstaltungen organisiert.

Neben dem Zunftmeister (1. Vorsitzender) und seinem stellvertretenden Zunftmeister (2. Vorsitzender) kennt die Satzung den Säckelmeister (Kassier), den Kämmerer (Geräteverwalter) und den Schriftführer. Alle weiteren Narrenräte fungieren als Beisitzer. Der Narrenrat kann satzungsgemäß bis zu zwanzig Mitglieder umfassen und ist nicht, wie in vielen anderen Narrenzünften auf elf Mitglieder („Elferrat“) begrenzt.

Der Narrenrat trifft sich mindestens einmal monatlich – außer im August – zu einer Vorstandssitzung. Dazu sind jeweils eine Abordnung der 20er und 19er in beratender Funktion eingeladen. Ab und zu werden auch andere Beteiligte wie z. B. die Husaren oder Vertreter der Musikvereine eingeladen, sollte es ein gemeinsames Thema geben. Letztere sind ebenfalls nicht stimmberechtigt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung der Schömberger Fasnet lässt sich bis zum Jahre 1796 zurückverfolgen. Das erste noch erhaltene Narrenkleid stammt aus dem Jahre 1812, welches sich heute noch im Privatbesitz eines Schömberger Einwohners befindet. Erst im Jahre 1922 wurde die Narrenzunft Schömberg als eingetragener Verein offiziell gegründet. Davor wurde die Fasnet von den Handwerkerzünften organisiert und durchgeführt.

Während des Ersten (1915–1918) wie auch während des Zweiten Weltkriegs (1940–1945) sowie in dessen Nachkriegszeit (1946–1948) fand keine bzw. fast keine Fasnet in Schömberg statt. 1946 haben die damaligen Zwanzger (Jahrgang 1926), wenn auch unter sehr schlechten Umständen, ihre Zwanzgerfasnet gefeiert, obwohl dies von der französischen Besatzungsmacht nicht genehmigt wurde. Gleiches wiederholte sich im Jahre 1948. Erst ein Jahr später akzeptierte die Militärregierung die Wahl eines Narrenrates.

Im Jahre 1963 fand zum ersten Mal ein Narrentreffen in Schömberg statt, welches von der Narrenzunft organisiert wurde. Aus dem Erlös wurde ein Jahr später der von dem Künstler Alfred Sessler gestaltete Narrenbrunnen am Schömberger Marktplatz eingeweiht. Bei der offiziellen Einweihung floss Rotwein aus dem Brunnen. Weitere folgten in den Jahren 1967, 1982, 1992, 2002 und 2012. Im 10-jährigen Rhythmus findet vom 28. bis 30. Januar 2022 das Landschaftstreffen Neckar-Alb in Schömberg statt.[1]

In den 1970er Jahren begannen einige Narren gegen Mitternacht des Fasnetsdienstag mit dem heute genannten „Mitternachtsbolanes“. 1977 wurde diese Idee von den damaligen Zwanzgern mit einem Fackelverkauf für den letzten Umzug auf alle Fasnetsgänger zugänglich gemacht. Heute ist die Mitternachtspolonaise nicht mehr aus der Schömberger Fasnet wegzudenken, gehört jedoch nicht zum offiziellen Programm der Schömberger Fasnet.

Zwei Jahre später bat das europäische Maskenmuseum in Binche (Belgien) um ein Schömberger Fransenkleidle, welches der Narrenrat bei einem Ausflug dorthin überreichte.

1981 fand das erste Mal ein Zunftball statt.

Im Jahre 1988 konnte die Schömberger Narrenzunft dank einer großzügigen Spende die eigene Zunftstube, sowie das Narrenmuseum verwirklichen (Siehe Narrenmuseum).

Während des Zweiten Golfkriegs (1991) sah sich die Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte, in welcher die Narrenzunft Schömberg seit 1929 Mitglied ist, durch den enormen Mediendruck gezwungen, den Mitgliedszünften zu empfehlen, ihre Fasnetsveranstaltungen abzusagen. Auch der Schömberger Narrenrat sagte daraufhin die Fasnet nach längeren Diskussionen ab, was den Zwanzgern verständlicherweise nicht zusagte. So wagten die Zwanzger am Fasnetssonntag den Verkauf der Narrenblättle, sowie den Narrensprung am Fasnetsmontag, bei dem sie von weiteren mutigen Schömberger Narren begleitet wurden.

Mit der Fasnet 1997 begann die systematische Erfassung und Nummerierung aller Schömberger Narrenkleider. Diese werden mit einem Aufnäher, auf dem das Schömberger Wappen, der Schriftzug „Narrenzunft Schömberg“ sowie eine Nummer aufgestickt sind, ausgestattet. Aktuell sind über 1750 Kleidle registriert (Stand: Januar 2019).

Am 4. und 5. Februar 2012 fanden anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Narrenzunft und dem 200-jährigen Bestehen des „alten Harzers“ die „Schömberger Narrentage“ statt.

Ablauf der Schömberger Fasnet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fasnetsvorbereitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Fasnet in Schömberg beginnt nicht wie beispielsweise dem Rheinischen Karneval am 11. November, sondern am 5. Januar, dem Tag vor Dreikönig mit der Generalversammlung der Narrenzunft in der Stauseehalle in Schömberg. Neben den üblichen Abläufen einer Hauptversammlung wird hier das erste Mal, beim Einlauf der Zwanzger, die mit einem Fransenkleidle oder Fuchswadel bekleidet sind, der Narrenmarsch von der Stadtkapelle Schömberg gespielt. Die restliche Versammlung unterscheidet sich nur kaum von denen eines Sport- oder Musikvereins. Die Versammlung endet mit dem gemeinsamen Singen des Schömberger Narrenliedes.

Am Dreikönigstag dem 6. Januar findet das in schwäbisch-alemannischen Fasnet weit verbreitete Abstauben statt. Die Zwanzger besuchen dabei die wichtigen Narrenhäuser und stauben mit einem sog. „Feadrawisch“ (Staubwedel aus Hahnenfedern) die bereitgelegten Narrenkleidle und Larven symbolisch ab.

Früher ab 2. Februar (Lichtmess) heute auch schon früher gehen kleinere Gruppen oder Jahrgänge „maschgera“ (ital. „Mascera“ = Maskierung). Diese verkleiden sich meist bis zur Unkenntlichkeit und ziehen durch Gaststätten und auch Privathäuser. Früher ging man an Dienstagen, Donnerstagen oder Sonntagen meistens abends zum Maschgera. Zeitenweise beschränkte es sich dann nur noch auf die Samstagabende, wobei in den letzten Jahren die traditionellere Variante wieder mehr Zustimmung gefunden hat.

Ab Anfang Januar finden an vereinzelten Wochenenden Narrentreffen statt. Die Schömberger Narrenzunft geht i. d. R. höchstens auf zwei Narrentreffen pro Jahr, auch wenn die Anzahl der Einladungen meist größer ist. Der Grund hierfür ist, dass die Wochenenden von vielen Gruppen (u. a. den Zwanzgern) zum Maschgera genutzt werden und bei einem Narrentreffen-Wochenende weiter über 100 Narren nicht zuhause sind, worunter die Fasnet im Ort leidet. Seit 2001 Jahren findet am Samstag vor der Fasnet der sog. „Maschgera-Tag“ statt, weshalb an diesem Wochenende grundsätzlich keine Narrentreffen besucht werden.

Die seit 1981 veranstaltete Saalveranstaltung (früher „Zunftball“ genannt) findet in langen Fasnetsaisons statt und daher nicht unbedingt jedes Jahr. Das Programm wird von den Zwanzgern, dem Narrenrat, Vereinen und privaten Gruppierungen gestaltet.

Fasnet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schmotziga Dauschdig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als „Schmotziga“ bezeichnet man den ersten Tag der Hauptfasnet. Dies ist immer der Donnerstag vor Aschermittwoch, welcher sich, wie Ostern, nach dem ersten Frühjahrsvollmond richtet.

Am Schmotziga treffen sich in der oberen Alten Hauptstraße Zwanzger und weitere Fransennarren und Fuchswädel, welche sich um neun Uhr morgens auf den Weg in die beiden Schömberger Kindergärten, sowie den Schulen machen. Hier wird der Narrenmarsch das erste Mal an der Fasnet gespielt und zusammen mit den Kindern der erste Reigen durch alle Räume getanzt. Die Kinder erhalten danach von den Narren und vom Narrenrat Süßigkeiten. Nach der Schülerbefreiung endet in den Schulen der Schultag unabhängig von den Stundenplänen. Die Einzelfiguren werden dabei meistens von den Zwanzgern getragen.

Um 14 Uhr treffen sich vor dem Gasthof Plettenberg hunderte Kinder, Jugendliche und Eltern zum Teil auch aus den Nachbargemeinden zum Kinderumzug. Die Jugendlichen und die Zwanzger tragen Zivilkleidung – meist eine Jeans und einen schlichten Pullover – sowie den Kopf (Larve) der jeweiligen Figur, einen „Gschellriemen“ (Riemen mit Glocken) von links nach rechts. Dieser Brauch kommt aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo es kaum Familien gab, die eigene Narrenkleider besaßen. Die wenigen Narrenkleider, die es gab, waren auf die Größe einen ausgewachsenen Mannes zugeschnitten. Damit die Jugendlichen auch mal „jucken“ konnten, lieh man ihnen die Larven und einen Gschellriemen. Die restlichen Teilnehmer gehen als Maschgera. Musikalisch umrahmt wird der Umzug von der Jugendkapelle der Stadtkapelle Schömberg, sowie einigen aktiven und ehemaligen Musikanten der Stadtkapelle in der historischen Landsknechtsuniform. Der Umzug führt zur Firma Lindner, wo die Kinder und Jugendlichen mit einer Tafel Schokolade und Getränken begrüßt werden. Nach einer kurzen Pause geht es weiter über die Flügelstraße, Dorfgasse und Schweizer Straße auf den Marktplatz wo – einmalig an der Schömberger Fasnet – ein „kleiner Bolanes“ (kleine Polonaise) stattfindet. Nach dem abschließenden Walzer geht es gemeinsam in die Stauseehalle, wo alle Kinder, welche am Umzug teilgenommen haben, ein Getränk vom Narrenrat bekommen.

Am Abend des „Schmotziga“ gehen viele Gruppen (u. a. wieder die Zwanzger) noch einmal maschgera und in allen Lokalen wird zum Tanz eingeladen. Die Feierlichkeiten ziehen sich oftmals bis in die Morgenstunden des nächsten Tages.

Freitag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Freitag nach dem „Schmotziga“ ruhen aus Respekt vor dem Kreuzestod Jesu Christi alle fasnächtlichen Aktivitäten.

Fasnetssamschdig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Samstag findet die Fasnet ausschließlich abends statt. Hier gehen die Jahrgänge der 15er bis 20er aber auch viele andere Jahrgänge und Gruppierungen traditionell in den ausgefallensten Verkleidungen maschgera. Jede Gruppe hat ein eigenes Motto und präsentieren sich auf diese Art der Öffentlichkeit. Ziel der Gruppen ist es, sich in möglichst vielen Gaststätten zu zeigen. Oftmals führen sie Süßigkeiten, ein kleines Vesper oder einen Schnaps mit sich, welchen sie an die Gäste verteilen. Der gemeinsame Einzug in die jeweilige Gaststätte wird meistens musikalisch umrahmt, oftmals in Anlehnung an das Motto.

Fasnetssonndig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bolanes am Sonntag
Stadtkapelle beim Bolanes

Der Sonntag beginnt traditionell mit der Heiligen Messe um 9 Uhr in der Stadtkirche. Für die Zwanzger, wie auch für viele andere Narren ist dies ein Pflichtbesuch. Die Narren besuchen den Gottesdienst im Kleidle, jedoch ohne Larve und Gschell. In der ersten Bankreihe sitzen die Zwanzger in Frack und Zylinder, von denen eine Delegation als Ministranten dem Pfarrer zur Verfügung steht. Der Pfarrer oder der Diakon halten an diesem Sonntag eine launige, gereimte Predigt. Beim Auszug aus der Kirche wird vom Organist der Narrenmarsch auf der Kirchenorgel gespielt.

Nach dem Gottesdienst verteilen die Zwanzger paarweise das Schömberger Narrenblättle, mit Ausnahme von zweien. Diese bewegen sich in einer Kutsche oder zu Pferd durch die Straßen Schömbergs und rufen die Fasnet aus. Dazu tragen sie historische Heroldsuniformen.

Um 14 Uhr startet wiederum am Gasthof Plettenberg der große Umzug. Hunderte von Narren und Fuchswädeln jucken durch strengstens festgelegte Gassen und über den Marktplatz, auf den nach dem Umzug der Schömberger Narrentanz, „dr Bolanes“ folgt. Musikalisch umrahmt wird der Umzug und die Polonaise von vier Musikkapellen: der Stadtkapelle Schömberg, der Jugendkapelle Schömberg, dem Musikverein Ratshausen und dem Musikverein Zimmern u.d.B. Bei schönem Wetter können es bis zu 800 Teilnehmer sein. Die Straßen und der Marktplatz werden von über tausend Besuchern gesäumt.

Der Abend fällt, im Verhältnis zu den anderen Abenden bei vielen eher etwas ruhiger aus. Grund dafür ist der Narrensprung am Montagmorgen um 8:11 Uhr.

Fasnetsmedig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Montag zählt, wie der Dienstag zu den absoluten Haupttagen der Schömberger Fasnet. So gut wie alle Narren haben an diesen beiden Tagen freigenommen. Viele Schömberger Unternehmen haben an diesen Tagen den Betrieb teilweise oder vollständig eingestellt.

Beginn ist um 8:11 Uhr auf dem Flügelbühle. Von dort geht es noch ohne hörbare musikalische Begleitung in Richtung Marktplatz, wo sich die Stadtkapelle postiert hat und den Narrenmarsch spielt. Von dort geht es dann zum ehemaligen Gasthaus Waldhorn, wo sich die Formation der Narren dann auflöst.

Um 9:15 Uhr beginnt das Narrenlied in der unteren Alten Hauptstraße. An der Kreuzung Alte Hauptstraße/Schulgasse/Kirchgasse teilt sich der Umzug in die beiden Straßen auf und endet dort.

Bereits um 10:31 Uhr geht es allerdings weiter: „Dr Bolanes“ startet pünktlich in der Alten Hauptstraße, wo sich alle Narren wieder versammeln. Die Polonaise kann bei vielen Teilnehmern bis zu anderthalb Stunden dauern. Nach dem Bolanes beginnt ein Umzug durch die Stadt, welcher an verschiedenen Gaststätten Halt macht.

Um 14:31 Uhr findet der große Kinderumzug erneut vom Gasthaus Plettenberg beginnend in Richtung Marktplatz statt, bei dem auch die anderen Narren teilnehmen. Danach gibt es für die Kinder Wurst und Wecken bei der Zehntscheuer.

Gegen 18 Uhr haben alle Narren ihre Gschellriemen zuhause. Denn vor dem Betzeitläuten um 18 Uhr müssen diese zuhause abgelegt sein. Eine gute Gelegenheit, um auch die Larve heimzubringen, da diese am Abend nicht mehr benötigt wird und man die Gefahr auf Verlust oder Beschädigung, trotz großer Achtsamkeit vermeiden will. Manche ziehen sich um und legen wieder ein Maschgeragewand an, andere gehen im Narrenkleidle.

Fasnetszeischdig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maschgra am Dienstag

Am Dienstag – dem letzten Tag der Fasnet – beginnen die Narren etwas später. Erst um 10:02 Uhr treffen sich die Narren wieder in der unteren Alten Hauptstraße. Es folgt das Narrenlied im gleichen Ablauf wie am Vortag.

Um 11 Uhr findet dann die große Polonaise auf dem Marktplatz statt. Hinter den Fransennarren und Fuchswädeln reihen sich eine große Anzahl an Maschgera ein. Danach wird der Umzug durch die Stadt vom Vortag fortgesetzt. Der letzte Reigen endet pünktlich um 18 Uhr zur Betzeit vor der Kanone. Zu diesem Zeitpunkt endet die offizielle Fasnet.

Gegen Abend verkaufen die Zwanzger Fackeln für den noch anstehenden Mitternachtsbolanes, der allerdings kein offizieller Programmpunkt der Schömberger Fasnet ist. Um ca. 23:30 Uhr versammeln sich noch alle noch Anwesenden auf dem Marktplatz und jucken ein letztes Mal. Einige Musikanten spielen dazu den Narrenmarsch in verschiedenen Varianten. Um spätestens 23:59 Uhr stoppt der Klang des Narrenmarsches und die Zwanzger versammeln sich um einen bereitgestellten Eisenwagen, in den alle Fackel geworfen werden. Um das Feuer stehen die Zwanzger in der ersten Reihe. Das erste Mal werden die Facklasonndigslieder gesungen, bei denen sich die ein oder andere Träne bei manchen doch zeigt.

Nach der Fasnet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Äschrmittwoch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Aschermittwoch haben nur noch die Zwanzger eine Aufgabe. Sie gehen noch einmal in Frack und Zylinder zu den Schömberger Geschäften, um Spenden zu sammeln, damit sie ihre Schulden und Rechnungen bezahlen können. Zum Dank verteilen sie Heringe und Brot an die Geschäftsleute und Passanten. Voraus tragen sie ein Holzkreuz, an dem leere Geldbeutel hängen, als Zeichen, dass alles Geld verbraucht ist. Die Zwanzger bekommen auf ihrem Weg viele kleine Geschenke, welche sie alle an dem Holzkreuz befestigen. Der Narrenrat entfernt an diesem Tag die Straßendekoration, räumt in der Stauseehalle auf und geht anschließend zum gemeinsamen Schneckenessen. Viele weitere Gruppierungen schließen sich dem an und füllen nochmal alle Schömberger Lokale. Auch der Besuch der Heiligen Messe steht bei vielen auf dem Programm.

Von Donnerstag bis Samstag gehen die Zwanzger in den Wald und bereiten das Fackelfeuer, das am Sonntag abgebrannt wird, vor.

Facklasamschdig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Samstag nach der Fasnet bauen die Männer der Jahrgänge (15er bis 19er) mehrere Hexen und ein Schild mit dem Jahresmotto des Jahrgangs für das am Sonntag stattfindende „Facklafiar“. Die Jugendlichen treffen sich an im Vorfeld meist geheimen Orten, um die Hexen zu bauen, damit andere Jahrgänge diese nicht im Vorfeld stehlen können, was immer wieder versucht wird, um dem anderen Jahrgang einen Streich zu spielen. Die „Zwanzger“ helfen an diesem Tag dem jüngsten Jahrgang beim Bau der Hexen und bauen parallel selbst noch Hexen. Des Weiteren werden letzte Vorbereitungen für den kommenden Tag getroffen wie z. B. das Zusammensuchen der Mottoschilder der vergangenen Jahre.

Am Abend laden die jungen Männer die jungen Frauen ihres Jahrgangs zum morgigen Facklafiar ein. Hier treffen sich die Jahrgänger in vorher vereinbarten Gruppen und man lädt die Jahrgängerinnen eher symbolisch ein. Hierbei wird häufig ein Vesper oder Abendessen zu sich genommen. Danach treffen sich meistens alle Jahrgänge in Gaststätten.

Jahrgänge die im Jahr zuvor „runden“ Geburtstag feiern konnten (30er, 40er usw.), beteiligen sich oft auch noch einmal am Facklafiar.

Facklasonndig[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sonntag nach der Fasnet, der erste Fastensonntag, ist der „Facklasonndig“. Früh morgens geht es für die Zwanzger auf dem Festplatz bei der Werkreal- und Realschule los. Mit Hilfe erfahrener Schömberger wird das Facklafiar aufgebaut. Das Holz für das meterhohe Werk haben die Zwanzger seit Donnerstag, manchmal auch schon vor der Fasnet, vorbereitet. Es werden ca. 12 bis 18 Festmeter Holz aufgeschichtet.

Die jungen Männer der anderen Jahrgänge holen am Spätnachmittag ihre Hexen und das Schild aus den Verstecken und tragen sie rechtzeitig zum Betzeitläuten (18 Uhr) zur Stadtkirche. Sobald die Hexen und das Schild an der Kirche stehen, dürfen sie von niemandem mehr gestohlen werden. Meist treffen sich die Jahrgänge schon etwas früher, um in den umliegenden Lokalen noch ein Getränk zu sich zunehmen. Währenddessen versammelt sich der Rest der Bevölkerung auf dem Festplatz und betet zusammen mit den Zwanzgern nach dem Betzeitläuten den „Engel des Herrn“.

Kurz danach wird der Holzstoß von den Zwanzgern angezündet. Sobald der Rauch in den Himmel steigt, schickt ein Zwanzger, der sich vor der Kirche in Stellung gebracht hat, den ersten Jahrgang auf den Weg zum Facklafiar. Dann geht es zu den Klängen der Facklasonndigslieder „Oh Straßburg“, „Ein Wächterlein auf dem Türmlein saß“ und „Nun ade jetzt geht's zu Ende“ los. Auf dem circa 500 Meter langen Weg zum Facklafiar gibt es weitere Stationen, wo die Jugendlichen von den Zwanzgern empfangen werden.

Am Feuer angekommen, läuft der jeweilige Jahrgang in einem genau bestimmten Ablauf singend um das Feuer und wirft am Schluss die Hexen hinein. Das Schild wird mitgenommen und bis zur eigenen Zwanzgerfasnet aufgehoben. Erst dort werden alle Schilder verbrannt. Den Abschluss machen die Zwanzger, welche ihre alten Mottoschilder, das Holzkreuz vom Aschermittwoch usw. als letztes ins Feuer werfen. Die anderen Jahrgänge gehen danach zum Essen in die Gasthäuser. Hier wird zusammen noch einmal gefeiert und die enge Verbundenheit zur Fasnet und zur Tradition mit alten Schömberger Liedern, Trinksprüchen usw. aufrechterhalten.

Der Abend bzw. die Nacht klingt meistens mit einem erneuten Besuch am Facklafiar, wo die Zwanzger die ganze Nacht sitzen werden, aus. Die Fasnet ist endgültig aus und die Narren müssen nun lange warten, bis es am 5. Januar erneut los geht.

Figuren der Schömberger Fasnet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fransenkleidle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fransennarren auf dem Narrentreffen in Hechingen 2007

Das Schömberger Fransenkleidle, der Fransennarr oder umgangssprachlich auch einfach „Narr“ genannt, zählt zu den beiden Hauptfiguren der Schömberger Fasnet. Dieses Kleidle wird zu den schönsten und imposantesten Fasnetskleidle im ganzen schwäbisch-alemannischen Raum gezählt.

Der Narr, der durch seine ganze Optik Zeugnis aus der Zeit des Spätbarock und den hohen Zeit des Rokoko ablegt, hat hauptsächlich dazu beigetragen, dass die Schömberger Fasnet weit über ihre Grenzen hinaus bekannt ist und überall Bewunderung und Freude hervorruft.

Ein Narr besteht aus unzähligen Metern von Wollfransen, welche in vorgeschriebener Form auf wertvollem Samt aufgenäht werden. Die glatte liebliche Holzmaske, die meist von einheimischen Künstlern geschnitzt wird, ist am imposanten Hut befestigt. Auf diesem finden sich unzählige Bollen aus Taubenwolle und eine detailreiche Umrandung, was den Narr zu einem farbenprächtigen Kunstwerk macht. Drei Musche von Hahnenfedern und ein langes Schultertuch runden dieses ab. Unter der Jacke muss ein weißes Hemd und eine weiße Fliege getragen werden. Dazu kommen weiße Handschuhe und das selbstverständliche schwarze Schuhwerk. Das Gschell des Narren zählt nur zwei Riemen mit leichten Glocken. Außerdem führen manche Narren eine Pralinenschachtel mit sich. Die Pralinen werden nach dem Bolanes oft an Zuschauer verteilt.

Über den Ursprung bei der Diskussion über das Alter der verschiedenen Narrenkleidle sind sich die meisten Forscher weitgehend einig. Das Fransenkleid ist vermutlich eines der jüngsten. Da in Rottweil ein ähnliches Kleidle existiert, ist nicht sicher zu sagen, wo es zum ersten Mal auftauchte. Eine andere Möglichkeit ist, dass eine Braut bei ihrer Einheirat nach Schömberg um 1800 ein ähnliches Fransenkleidle aus Ettenheim mitgebracht hat.[2]

Vor 1930 war das Fransenkleidle noch aus alten Bauernleinen gefertigt, da nur wenig Bürger sich das teure Samt leisten konnten. Nur sechs von zwanzig Zwanzger hatten bei ihrer Zwanzgerfasnet 1914 ein Fransenkleidle aus Samt. Mit wachsendem Wohlstand zeigt sich diese Variante heute nicht mehr. Allerdings gibt es heute noch Schömberger Bürger, die an die Tradition erinnern wollen und Fransenkleidle aus Leinen herstellen. Auch der Hut war anders. Hier waren früher noch Papierrosen, anstatt der heutigen Bollen aus Wolle üblich.

Die Farbauswahl bleibt den Bürgern selbst überlassen, dennoch gibt es seitens des Narrenrates gewisse Grenzen, welche nicht überschritten werden sollten, da sonst das neu angefertigte Narrenkleidle nicht zugelassen wird.

Fuchswadel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuchswadel auf dem Narrentreffen in Hechingen 2007

Der Fuchswadel wird zu der großen Familie der Weißnarren gezählt, welche in vielen Narrenzünften der schwäbisch-alemannischen Fasnet zufinden sind. Auch in den Nachbargemeinden wie Ratshausen und Schörzingen sind ähnliche Figuren zu sehen. Außerdem ist der Fuchswadel die zweite Hauptfigur der Schömberger Fasnet.

Der Fuchswadel trägt ein leichtes Kleid aus Leinen, dafür aber ein schweres Gschell mit bis zu sechs Riemen. Die Larve ist wie beim Narr glatt und freundlich. An dieser ist ein bemaltes Schultertuch und drei Fuchsschwänze angebracht. Die Jacke und die Hose des Fuchswadel sind mit phantasievollen Figuren aus der Märchenwelt, Uniformen oder Trachten bemalt. Auch Szenen von Waldarbeiten oder Comics, wie z. B. aus der Walt-Disney-Welt sind schon zu sehen gewesen. Neben der üblichen Kleidung (schwarze Schuhe, weißes Hemd und weiße Fliege) hat ein Fuchswadl eine Sandwurst bei sich, an der sich während des Bolanes gehoben wird.

Der Husar[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Husar

Der Husar zählt zu den Einzelfiguren der Schömberger Fasnet, dennoch sind beim Bolanes immer zwei Husaren anwesend. Sie gelten als Respektperson, was sich durch das männliche Erscheinungsbild des Husaren deutlich zeigt.

Die Kleidung haben die Husaren laut mündlicher unbelegter Überlieferung einer unglücklichen Liebschaft zu verdanken. Im Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 bis 1748 verliebte sich eine Schömbergerin in einen Reitersoldaten. Dieser kehrte jedoch nicht, wie versprochen, aus dem Kriege zurück. Zur Erinnerung an ihn schneiderte die junge Schömbergerin eine Nachbildung seiner Uniform.

Die beiden Husaren sind heute noch im Privatbesitz der Schömberger Familie Kiene. Diese wurden noch bis in die 1990er Jahre gegen einen geringen Betrag von der Narrenzunft geliehen, bis sich die Narrenzunft zwei eigenen Husarenkleidle herstellen ließ.

Die männliche Larve des Husaren mit einem artialischen Oberlippenbart trägt auf dem Kopf einen Blechhelm aus jener Zeit. Dadurch wirkt der Husar strenger als die anderen Teilnehmer, was ihm das Amt des Ordners des Bolanes deutlich einfacher macht. Das Kleidle selbst besteht aus groben Leinen und einem auffälligen Brustbesatz, was an die österreichischen Uniformen erinnert. Die Leinen sind wie die des Fuchswadel ebenfalls bemalt, allerdings schlicht in schwarz und rot gehalten. Den Rücken des Husaren ziert der Schriftzug „§ 11“. Die Bedeutung ist bis heute unbekannt, jedoch kann man davon ausgehen, dass die Elf häufig im Zusammenhang mit der Fasnet auftaucht.

Der Halbschwarze[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Halbschwarzer

Der Halbschwarze ist ebenfalls eine Einzelfigur der Schömberger Fasnet, welche auch wirklich nur einmal vorkommt.

Larve und Hut entsprechen dem Fransennarren, wobei die Larve zur Hälfte Schwarz bemalt ist. Das Kleidle ist dem Blätzle ähnlich, wobei auch hier eine Hälfte schwarz ist, die andere weiß bzw. hell. Vorstellbar ist die Symbolik zwischen Licht und Dunkelheit, Gut und Böse und auch Winter und Sommer. Der Ursprung könnte bereits im 15. Jahrhundert liegen. Dieser Art der Narren ist aber auch in anderen Zünften vorhanden.

Aufgabe des Halbschwarzen beim Bolanes ist an den Zuschauern entlang zu laufen und mit diesen zuwelschen. Außerdem trägt er einen Korb mit Bonbons, die er an die jüngeren Zuschauer verteilt.

Der oder das Blätzle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Blätze ist traditionell das „Kleid der armen Narren“. Entstehungszeitraum und Aussehen sind dem Fransennarren ähnlich, dennoch gibt es entscheidende Unterschiede. Das Kleidle des Blätzle besteht aus einfachen, groben Bauernleinen. Die Fransen sind beim Blätzle aus Filzstreifen. In den Krümmungen der Fransen („Sausoach“) sind Stoff-Flecken angebracht und geben dem Blätze den Namen. Die Kopfbedeckung und die Larve unterscheiden sich nicht vom Fransennarr. Auch die weißen Handschuhe, die weiße Fliege und das schwarze Schuhwerk sind hier eine Selbstverständlichkeit.

Das Blätzle hat ist wie der Halbschwarze eine Einzelfigur und verfügt über einen ähnlichen Aufgabenbereich wie dieser. Das Verteilen von Süßigkeiten aus dem Korb des Blätzle gehört ebenso dazu, wie das daherschreiten während des Bolanes.

Die Warz'[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Warz

Die Warz' ist wohl das mysteriöseste Kleidle der Schömberger Fasnet. Laut Erzählungen älterer Schömberger Bürger war die Warz' im 19. Jahrhundert auf der Schömberger als Einzelfigur vertreten. Seit dem Jahre 1886 wurde die Warz' nicht mehr als Kostüm getragen. Durch die Erzählung des Schömberges Pius Seifriz (* 1878 †1982) begann der Schömberger Hobbymaler Walter Leis im Jahre 1967 die Warz' wiederherzustellen. Die Originalwarz' ist bis heute nicht mehr aufgetaucht. Der Verbleib lässt sich nur erahnen. Entweder ist sie bei einem damals nicht unüblichen Dachstuhlbrand verbrannt oder sie wurde in den 1950er Jahren, wo die Unsitte herrschte, alte Larven ins Facklafiir zu werfen, zerstört. Im Jahr 2000 wurde ein Beleg gefunden, in welchem sich der Aufenthaltsort der Originallarve der Warz' in der Rottweiler Altertumshalle befinde.[3] Die neue Warz' wurde an der Fasnet 1968 das erste Mal in der Öffentlichkeit getragen.

Die heutige Warz' ähnelt vom Gesichtsausdruck dem Harzer. Allerdings fehlt der Bart und auf der rechten Wange sitzt eine große Warze, welche dem Kostüm den Namen gibt. Die Kopfbedeckung und der Schnitt des Kleidles ist gleich wie beim Harzer. An die Originalbemalung der Warz' konnte sich der Zeitzeuge nicht mehr erinnern. Die heutige Bemalung entstand in der Phantasie des Künstlers, jedoch ähnelt sie der Bemalung des Fuchswadel. Auf dem Schultertuch befindet sich der Schriftzug „†1886 *1968“, welcher symbolisch für das „Sterben“ der Urwarz' und die „Wiedergeburt“ der Warz' steht. Die Warz' trägt wie der Harzer nur einen Gschellriemen mit allerdings nur einer Glocke. Weißes Hemd, weiße Fliege, weiße Handschuhe und schwarze Schuhe gehören auch hier zur Standardbekleidung.

Die Aufgaben der Warz' sind den Aufgaben des Halbschwarzen und dem Blätzle ähnlich: „Welschen“ und Süßigkeiten verteilen.

Der Harzer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Harzer

Der Harzer ist das vermutlich älteste noch vorhandene Schömberger Fasnetskleidle. Auf dem Rücken des alten Harzers befindet sich die Jahreszahl 1812. Seither ist der Harzer an so gut wie jeder Fasnet mit seinem Besen anwesend. Der Bart zeigt, dass der Harzer respektiert werden möchte. Der Besen ist ebenfalls Ausdruck dessen.

Die Einzelfigur Harzer hat die gleiche Kopfbedeckung wie die Warz' und ein kunstvoll bemaltes Kleidle, wobei sich die Motive hier nicht mit denen des Fuchswadel oder der Warz' gleich bzw. ähnlich sind. Auch das Gschell des Harzers beschränkt sich auf einen Riemen und nur eine Glocke.

Der Harzer steht am Fasnetszeischdig (Fasnetsdienstag) nachmittags ab 16 Uhr im Mittelpunkt der Schömberger Kinder. Diese verfolgen den Harzer mit den Worten „D'Fasnet isch bald aus, d'Harzer hät an Rausch“, was auf den Zustand des Harzers zu diesem Zeitpunkt hindeutet.

Die Sauglock'[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sauglock' ist keine aktuelle Schömberger Fasnetsfigur. Bei den Recherchen für das Buch „Fasnet in Schömberg“ (siehe Literatur) wurde die Sauglock' in den Heimatblättern von Karl Leipold wiedergefunden. Die Sauglock' war laut Pius Seifriz das weibliche Gegenstück zum Harzer, was das Aussehen und die Ausstattung dieser Figur ebenfalls vermuten lässt. Bis auf den Bart und den Haarkranz ist alles gleich.

Von der Sauglock' gibt es nur einen bildlich dokumentierten Beweis. Beim Narrentreffen in Rottweil im Jahre 1930 ist sie auf einem damals gedrehten Film zwei Sekunden lang zu sehen. Danach wurde die Sauglock' mysteriöserweise nie wieder gesehen.

Die Polonaise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Dr Bolanes“ in Schömberg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Polonaise, in Schömberg „dr Bolanes“ genannt, ist neben den farbenfrohen und einmaligen Figuren das überregional bekannte Alleinstellungsmerkmal der Schömberger Fasnet. Dr Bolanes findet in seiner vollständigen Form ausschließlich in Schömberg während der Fasnet statt. Bei Auftritten bei Brauchtumsveranstaltungen im Rahmen von Narrentreffen beispielsweise wird lediglich ein Reigen – eine stark verkürzte Version des Bolanes – aufgeführt.[4]

Die Polonaise wird nur dreimal im Jahr in identischer Abfolge auf dem Marktplatz als zentralem Platz in Schömberg aufgeführt:

  • Fasnetssonndig im Anschluss an den Umzug um 14 Uhr
  • Fasnetsmedig um 10:31 Uhr
  • Fasnetszeischdig um 11 Uhr

Der sogenannte „kleine Bolanes“ am Schmotziga ist eine verkürzte, aber dennoch deutlich längere Version als der Reigen.

Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dr Bolanes beginnt traditionell in der oberen Alten Hauptstraße und führt von dort über den Platz vor dem ehemaligen Gasthaus Lamm über den Marktplatz in Richtung Zollhaus. Dort ist der erste Wendepunkt bevor es wieder zurück geht. Angeführt von den Husaren wird eine festgelegte Reihenfolge der Polonaise getanzt.

Im Laufe des Bolanes werden die Abläufe für den Außenstehenden immer komplexer und undurchsichtiger. Dieser Eindruck wird durch die vielen Farben insbesondere der Fransennarren noch verstärkt. Während des Bolanes wird der Schömberger Narrenmarsch gespielt und wiederholt, bis die Husaren das Zeichen geben, dass der Bolanes zu Ende ist. Es folgt ein Walzer, bei dem alle Umzugsteilnehmer, teilweise auch mit den Zuschauern gemeinsam jeweils zu zweit tanzen.

Bei vielen Teilnehmern kann ein Bolanes bis zu anderthalb Stunden in Anspruch nehmen. Meistens pendelt sich die Dauer auf etwas mehr als eine Stunde ein.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bolanes war seit dem 17. Jahrhundert vor allem in Frankreich als Tanz bekannt. Erst um 1900 brachte der Schmied Johann Wuhrer diesen Tanz von der Walz aus Frankreich mit. Wie genau sich der Bolanes an der Fasnet durchgesetzt hat, ist heute nicht mehr zweifelsfrei zu belegen. Er gehörte jedoch schon deutlich vor dem Ersten Weltkrieg zur Fasnet und ist es bis heute geblieben.

Die Zwanzger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In kaum einem anderen Ort im Südwesten Deutschlands wird heute noch ein derartig ausgeprägtes Jahrgangsleben betrieben wie in Schömberg. Es liegt daran, dass die Zwanzger in Schömberg besonders an der Fasnet eine sehr große Rolle spielen. Die Vorbereitungen hierfür beginnen mit 14 Jahren. Als 14er – das ist der Jahrgang, dessen Mitglieder im Vorjahr 14 Jahre alt geworden sind – wird das erste Mal um das Facklafiar gelaufen.

Die Zwanzgerfasnet ist der Höhepunkt eines jeden Jugendlichen. Zurückzuführen ist das Ganze wohl auf die Rekrutenzeit, die damals in diesem Alter anfing. Deshalb hat man in der Phase zwischen Jugend- und Erwachsenenalter eine Art „Narrenfreiheit“. Ein weiterer Grund, der diese Vermutung stützt, ist, dass am Facklasonndig bis heute alte Rekrutenlieder gesungen werden.

Zwanzgerfasnet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alle Kuriositäten, Peinlichkeiten, Fehltritte, Unzulänglichkeiten usw. werden von den Zwanzgern mit Hilfe der Schömberger Bevölkerung aufgeschrieben, in Reime verpackt und später im Narrenblättle abgedruckt.

Die Taufe der neuen Zwanzger findet am Herrgottstag (Fronleichnam) auf dem Marktplatz statt. Nach der Prozession werden die neuen Zwanzger vom Vorgängerjahrgang getauft. Früher wurde dazu der Narrenbrunnen verwendet, welcher damals noch auf dem Marktplatz stand. Aktuell organisiert der zu taufende Jahrgang ein Wasserbecken oder ähnliches.

Um den 11. November wird das Narrenkästle von den Vorgängern an die Zwanzger übergeben und an vor der Alten Schule, in der sich die Zunftstube der Narrenzunft Schömberg befindet, aufgehängt. Hier kann die Bevölkerung die eine oder andere Begebenheit die ans Tageslicht gekommen ist, den Zwanzgern anonym zukommen lassen. Seit einigen Jahren gibt es auch ein Online-Narrenkästle, das auf der Website der Narrenzunft Schömberg zu finden ist.

Bei der Generalversammlung der Narrenzunft am 5. Januar beginnt dann auch für die Zwanzger die eigentliche Fasnet. Es folgen Aufgaben wie das Abstauben und die Haussammlungen, wo die Zwanzger die Narrenräte begleiten dürfen. Außerdem gehen die Zwanzger jeden Samstag vor der Fasnet maschgra. Ab dem Schmotziga sind die Zwanzger dann im Dauereinsatz bis zum Facklasonndig. Siehe Ablauf der Schömberger Fasnet.

Ein letztes Mal zeigen sich dann die Alt-Zwanzger am Pfingstmontag, wo ein komplett in Flieder gepackter Jahrgänger als „Allabär“ durch die Wirtschaften getrieben wird. An Christi Himmelfahrt und Fronleichnam machen die Zwanzger die beiden letzten Gänge: Vier der Zwanzger tragen bei den Prozessionen die großen Kirchenfahnen durch die Stadt. Am Fronleichnamsnachmittag geht's dann zur bereits genannten Taufe nur dieses Mal in der Rollen des Täufers.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narrenbrunnen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narrenbrunnen

Am Fasnetssonndig 1964 ging ein lang gehegter Wunsch der Narrenzunft in Erfüllung. Der Narrenbrunnen direkt am Marktplatz wurde eingeweiht. An diesem Tag floss anstatt Wasser Rotwein durch den Brunnen. Nach dem erfolgreichen Narrentreffen 1962 – auch in finanzieller Hinsicht – wurde die Idee das erste Mal im Narrenrat besprochen. Begeistert beauftragte man den Straßberger Bildschnitzer Alfred Sessler die Figur bzw. den Brunnen zu entwerfen und anzufertigen. Der 1,42 Meter hohe Fransennarr aus Holz wiegt knapp hundert Kilogramm. Mit der Neugestaltung des Marktplatzes hat man den Narrenbrunnen um mehrere Meter versetzt. Hier befindet sich nicht mehr die originale Holzfigur Sesslers, sondern eine 1980 angefertigte, originalgetreue Metallkopie, die den Narrenbrunnen ziert. Grund hierfür war die zu rasche Verwitterung des Holzes. Das Holzoriginal steht heute noch in der Zunftstube.

Im Herbst 2011 wurde die Narrenfigur pünktlich zu den Narrentagen 2012 restauriert.

Narrenskulpturen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Narrengruppe, Detail

Auf der anderen Seite des Marktplatzes steht die bronzene Narrenskulptur, die den Parkplatz vor der Sparkasse, dem Friedhof, der Zehntscheuer und dem ehemaligen Gasthaus Lamm ziert. Eingeweiht wurde die Skulptur, die von Gunter Dietrich aus Inzigkofen erstellt wurde, am 17. Oktober 1998. Die Kosten von 96.000 DM wurden anlässlich des 75-jährigen Bestehens der Narrenzunft über Spenden und den Überschuss einer Großveranstaltung finanziert. Auf der Plattform stehen in Lebensgröße die Narrenfiguren Fransennarr, Fuchswadel, Husar und Harzer.

Narrenmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Alte Schule“ mit dem Narrenmuseum

Am 9. September 1988 wurde ein weiterer Traum der Narrenräte wahr: Durch die Sanierung der „Alten Schule“ in der Nähe des Marktplatzes wurden viele Räume frei. In dem restaurierten Gebäude befinden sich die Freiwillige Feuerwehr, das DRK und Vereinsräume des Liederkranz Schömberg und des Schachvereins. Bis 2017 befand sich zudem das Notariat im Gebäude.

Die Narrenzunft beherbergt hier sowohl das Narrenmuseum, wie auch die Zunftstube. Im Narrenmuseum befinden sich die ältesten Narrenkleider, historische Narrenrats- und Musikeruniformen, alte Zunftfahnen und zahlreiche alte Dokumente und Zeugnisse der Schömberger Fasnet und sind seitdem der Öffentlichkeit zugänglich. Mehr als 2,5 Millionen DM und mehr als 5.000 Arbeitsstunden von freiwilligen Helfern stecken in dem historischen Gebäude.

Das Narrenmuseum beherbergt heute ca. fünfzig historische Kleidle, wie auch Schriften, Fahnen, Urkunden und einen historischen Abriss über die Tradition und das Brauchtum der Schömberger Fasnet und deren Entstehungsgeschichte. Die Figuren können in Lebensgröße besichtigt werden. Träger des Narrenmuseums ist die Narrenzunft Schömberg e.V.

Das Museum und eine Zunftstube konnte im Jahr 1988 dank der Initiative des Zunftrates und einer großzügigen Spende des verstorbenen Gönners Herrn Hans-Erich Lindner eingeweiht werden. Das Museum wurde 2009 umfassend renoviert und öffnete im Januar 2010 pünktlich zur Fasnet zum ersten Mal die Pforten.

Zunftstube[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zunftstube ist ebenfalls ein Teil der 200 Quadratmeter großen Räumlichkeiten der Narrenzunft. Hier finden u. a. die Sitzungen des Narrenrats, der Empfang am Fasnetssonndig und die Erfassung der Narrenkleidle statt. Zudem befindet sich dort auch das Archiv und die Kleiderkammer.

Im Rahmen des Auszuges der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Gebäude werden Räumlichkeiten in der Alten Schule frei, welche zukünftig teilweise von der Narrenzunft genutzt werden sollen.

In der Zunftstube befindet sich die originale Holzfigur, die Alfred Sessler ursprünglich für den Narrenbrunnen geschnitzt hat.

Liste der Zunftmeister der Narrenzunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeit Name Beruf
1922–1924 Franz-Josef Baier Bäckermeister
1925–1927 Heinrich Schmidberger Landwirt
1928–1930 Karl Ströbel Steinmetz
1931–1933 Franz-Josef Baier Bäckermeister
1934–1937 Thomas Riedlinger Hausmeister
1938 Rudolf Faulhaber Fuhrhalter
1939 Karl Schmidberger Landwirt
1940–1946 kein Zunftmeister
1947–1953 Karl Schmidberger Landwirt
1954–1958 Emil Riedlinger Bankvorstand
1959–1974 Paul Riedlinger Gärtner
1975–1993 Emil Riedlinger Bankvorstand
1994–1995 Peter Schwabe Leiter Qualitätswesen
1996–2000 Jürgen Riedlinger Bankbetriebswirt
2001–2003 Hans Unverricht Schlosser
seit 2004 Bernhard Wuhrer Architekt

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Immer wieder berichteten regionale und überregionale Medien über die Schömberger Fasnet. Neben den Lokalzeitungen Zollern-Alb-Kurier und Schwarzwälder Bote ist vor allem der SWR regelmäßig in Schömberg zu Gast. Im Jahr 2005 wurde eine knapp 30-minütige Videoreportage im Rahmen der SWR-Sendung „Treffpunkt“ gedreht, wobei die Zwanzger vom Fasnetssonndig bis einschließlich Aschermittwoch begleitet wurden.[5]

Am Fasnetssonndig 2018 wurde ein 360°-Video vom Bolanes gedreht, welches mit VR-Technologie im Fastnachtsmuseum Narrenschopf in Bad Dürrheim seit Herbst 2018 angeschaut werden kann.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pascal Hens auf der Schömberger Fasnet 2007

Im Jahre 1965 fuhren Schömberger Narren in voller Montur am Feldberg Ski. Zufällig war ein Fernsehteam des Süddeutschen Rundfunks anwesend, welches die Aktion genaustens dokumentierte. Bei der folgenden Generalversammlung der Narrenzunft wurde dieses Unternehmen, dessen Ausführung nicht bei allen Narrenräten bekannt war, heftigst in die Kritik gestellt, da dies nichts mit der Fasnetstradition zu tun hat.

Am Fasnetssamschdig 2007 war ein Teil der Bundesligamannschaft des HSV Hamburg im Zollhaus am Marktplatz und im Goaßahemml, da sie nach dem Bundesligaspiel gegen den HBW Balingen-Weilstetten die Empfehlung bekamen, die Schömberger Fasnet zu besuchen. Nationalspieler Pascal Hens, bekleidet mit einem Dirndl und einer blonden, langhaarigen Perücke, sagte einen Stiefel mit einem norddeutschen Trinkspruch an.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Narrentreffen 2022. In: Narrenzunft Schömberg e. V. Abgerufen am 21. Januar 2019 (deutsch).
  2. K. Leipold: Die Schömberger Fasnet. Rottweiler Heimatblätter 1931.
  3. K. Leipold: Die verschiedenen Typen der Schömberger Narrenkleider Rottweiler Heimatblätter 1931
  4. Bolanes (Polonaise). In: Narrenzunft Schömberg e. V. Abgerufen am 22. Januar 2019 (deutsch).
  5. Fasnet 2005 in Schömberg. Abgerufen am 22. Januar 2019.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Vereinigung schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte (Hrsg.): Zur Geschichte der organisierten Fastnacht. Dold, Vöhrenbach 1999, ISBN 3-927677-17-5
  • Wulf Wager: Fasnet in Schömberg. Zeitbild eines lebendigen Brauchkomplexes. Hrsg. von der Narrenzunf Schömberg. Wager, Altenriet 2001, ISBN 3-9807995-0-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Narrenzunft Schömberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien