Nassenfels

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Nassenfels
Nassenfels
Deutschlandkarte, Position des Marktes Nassenfels hervorgehoben
Koordinaten: 48° 48′ N, 11° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Eichstätt
Verwaltungs­gemeinschaft: Nassenfels
Höhe: 400 m ü. NHN
Fläche: 18,43 km2
Einwohner: 2186 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 119 Einwohner je km2
Postleitzahl: 85128
Vorwahl: 08424
Kfz-Kennzeichen: EI
Gemeindeschlüssel: 09 1 76 149
Marktgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Schulstr. 9
85128 Nassenfels
Webpräsenz: www.nassenfels.de
Bürgermeister: Thomas Hollinger
Lage des Marktes Nassenfels im Landkreis Eichstätt
Landkreis Donau-RiesLandkreis RothLandkreis Weißenburg-GunzenhausenLandkreis Neumarkt in der OberpfalzLandkreis RegensburgLandkreis KelheimLandkreis Pfaffenhofen an der IlmLandkreis Neuburg-SchrobenhausenIngolstadtHaunstetter ForstAdelschlagAltmannsteinBeilngriesBöhmfeldBuxheim (Oberbayern)Denkendorf (Oberbayern)DollnsteinEgweilEichstättEitensheimGaimersheimGroßmehringHepbergHitzhofenKindingKipfenbergKöschingLentingMindelstettenMörnsheimNassenfelsOberdollingPollenfeldPförringSchernfeldStammham (bei Ingolstadt)TittingWaltingWellheimWettstettenKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Nassenfels ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Eichstätt und der Sitz der gleichnamigen Verwaltungsgemeinschaft, zu der auch die Gemeinden Adelschlag und Egweil gehören.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort liegt rund 15 Kilometer westlich von Ingolstadt, 9 km nördlich von Neuburg und 13 Kilometer südlich von Eichstätt im Schuttertal am Rande des Naturpark Altmühltal.

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt Nassenfels grenzt an die kreisfreie Stadt Ingolstadt, an die Große Kreisstadt Neuburg an der Donau und die Gemeinde Bergheim im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, die Gemeinden Egweil, Buxheim, Adelschlag und den Markt Wellheim (alle Landkreis Eichstätt).

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die acht Gemeindeteile vom Markt Nassenfels[2] liegen in drei Gemarkungen:[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nassenfelser Raum wurde bereits von den Menschen der Steinzeit aufgesucht. Auf dem Juraplateau des Speckbergs bei Nassenfels wurde ab 1963 die größte paläolithische Freilandstation Süddeutschlands ergraben.[4] Während der durch die Archäologin Anneli O'Neill geleiteten Untersuchung einer 3000 Quadratmeter großen Fläche auf der Flur „Maueräcker“ kamen im Herbst 2010 neben den erwarteten zivilen nachkastellzeitlichen Befunden aus dem frühen 2. bis 3. Jahrhundert n. Chr. auch eisenzeitliche Grubenhäuser sowie zwei Gräber aus der Glockenbecherzeit zu Tage. Zu deren Ausstattung gehörte eine steinerne Armschutzplatte, Silexpfeilspitzen sowie sorgfältig gearbeitete Keramik.[5]

Der Ort geht auf das von den Römern um 90 n. Chr. gegründete Erdkastell Nassenfels in der Provinz Raetien zurück. Mit dieser Gründung entstand auch das dazugehörige zivile Lagerdorf, der Vicus.[6] Das Holz-Erde-Lager wurde bereits spätestens zu Beginn des 2. Jahrhunderts wieder aufgelassen, einplaniert und zur zivilen Bebauung freigegeben. Aus dem Lagerdorf entwickelte sich der regional bedeutende Wirtschaftschaftsstandort Vicus Scuttarensium an der Kreuzung zweier Handelsstraßen, welche zum einen die Germania magna über die Donausüdstraße hinweg mit der raetischen Provinzhauptstadt Augsburg verband und zum anderen bedeutende Grenzorte entlang des Raetischen Limes bediente. Der Name „Scuttarensium“ wurde von dem noch im Frühmittelalter überlieferten lateinischen Namen des nahe dem Kastell vorbeifließenden Flüsschens Schutter − Scutara − abgeleitet,[7] der wohl keltischen Ursprungs ist.[8] Die Blüte des Vicus belegt unter anderem eine große Zahl von Steindenkmälern aus dem 2. und 3. Jahrhundert.[9]

Nach den Alamamanneneinfällen und dem Limesfall bis 259/260 n. Chr. verödete das von den Römern verlassene Handels- und Handwerkstädtchen. In frühmittelalterlicher Zeit kam es zu Neuansiedlungen in den Randzonen der römischen Baureste. So wurden 2013 beim Bau des Wertstoffhofs unter anderem zwölf Grubenhäuser aus der Karolingerzeit freigelegt.[10] In den Trümmern einer ehemals bedeutenden römischen Villa am anderen Ortsende in der Flur Krautgartenfeld begann die Wiederbesiedlung ab dem 7. Jahrhundert. Dabei wurden innerhalb der antiken Gebäudereste unter anderem Grubenhäuser und Brunnen errichtet.[11] Weitere Ausgrabungen im Krautgartenfeld erbrachten eine rund sieben auf zwölf Meter große frühmittelalterliche Kirche. Dazu gab es Nebengebäude und einen Friedhof. Im 10. Jahrhundert brach die Besiedlung dieses Orts bis in die Gegenwart ab.[12] Unter dem im 11./12. Jahrhundert errichteten Vorgängerbau der 1726 barock umgestalteten Nikolauskapelle, wohl der früheren Pfarrkirche, fanden sich drei merowingische Bestattungen.

Der heutige Ortsname wurde von der Burganlage übernommen und taucht erstmals in einer Urkunde von 1189 auf; die Anfänge der Burg reichen aber ins 11. Jahrhundert zurück. Bis ca. 1300 war die Burg im Besitz des Ortsadels als eichstättische Ministerialen. Danach saßen hier bischöfliche Pfleger und Kastner adeliger Herkunft, die den südlichsten Amtssprengel des Hochstifts Eichstätt bis zur Amtsentpflichtung 1802 im Zuge der Säkularisation verwalteten.

Nachdem von 1804 bis 1806 ein kurfürstlich salzburgisches Rentamt eingerichtet gewesen war, verkaufte danach der der bayerische Staat als neuer Besitzer die Burg an Privatleute und besiegelte damit deren Niedergang. Jahrzehntelang diente sie einschließlich der 1808 profanierten Burgkapelle St. Wolfgang als „Steinbruch“. 1834 wohnten im Burgarael zwölf Familien in neun Häusern, davon drei Familien im ansonsten landwirtschaftlich genutzten stattlichen Kastenhaus, das 1932 infolge Blitzschlags abbrannte.

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1976 und noch einmal 1983 wurden aus der Luft Gebäude einer großdimensionierten „Villa rustica“ am westlichen Ortsrand von Nassenfels entdeckt und später ausgegraben; das Areal mit Haupt- und zwei Nebengebäuden war von 80 Zentimetern dicken, noch bis zu einem Meter hohen, in Zwei-Schalen-Technik ausgeführten Bruchsteinmauern von über 1000 Meter Länge umgeben. In ihrer Dimension hebt sich die Nassenfelser Anlage, um 200 n. Chr. errichtet, deutlich von anderen römischen Landvillen ab.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges kam es in Zell an der Speck zu Kampfhandlungen zwischen Deutschen und Amerikanern.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. April 1971 wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Meilenhofen und Wolkertshofen eingegliedert.[13]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marktgemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Marktgemeinderat von Nassenfels hat 12 Mitglieder.

(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2014 Thomas Hollinger als gemeinsamer Kandidat von CSU und Freie Wähler. Zuvor waren Andreas Husterer (1996–2014) und Peter Hecker langjährige Bürgermeister.

Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Partnerstädte von Nassenfels sind Fladungen im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld und Anina in Rumänien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burg Nassenfels
Die Kirche Sankt Nikolaus in Nassenfels

Wenngleich der Marktflecken eher dörflichen Charakter hat, so besitzt er doch mit der Ruine der gotischen Wasserburg ein eindrucksvolles Wahrzeichen. Dieses, auf einem jurazeitlichen Korallenriff, präsentiert sich aus Resten der mittelalterlichen Burg, drei Türmen mit umlaufenden Wehrmauern, einem mächtigen Bergfried und kleinen Jurahäusern. Seit 2005 finden im Burgareal die „Kulturtage der Burg Nassenfels“ statt.

Auch die barocke Pfarrkirche St. Nikolaus, 1739 von dem Graubündner Gabriel de Gabrieli neu gebaut mit Turm von 1763/64, ist aufgrund ihrer reichhaltigen Ausstattung und ihrer Deckengemälde bemerkenswert. Im Vorraum ist ein römischer Inschriftenstein eingemauert, der den römischen Ortsnamen vicus Scutt(arensis) nennt.

Auch ein Besuch der 1726 neu erbauten Nikolauskapelle mit barocker Ausstattung ist empfehlenswert. Sie liegt nordöstlich des Ortes malerisch zwischen Kastanienbäumen und umgeben von Grün.

Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am westlich vom Ort gelegenen Speckberg mit Steppenheidelandschaft wurden Funde aus der Altsteinzeit, der Mittel- und der Jungsteinzeit gemacht.

Beim sagenumrankten Gleßbrunnen beim Ortsteil Wolkertshofen handelt es sich um vier bis sechs Meter tiefe, mit glasklarem Karstwasser gefüllte Tümpel im Schuttermoos, die sommers wie winters aus großer Tiefe von gleichtemperierten (10 Grad), unter hohem artesischem Druck stehenden Quellen gespeist werden. Das stets hellblau schimmernde Wasser ist von sehr guter Qualität. Auf dem Quellwasser lebt eine seltene Art von Wasserläufern, die Wasserhexen als Relikte der Eiszeit. In dem moorigen Gelände um die Quellen wachsen zum Teil seltene Pflanzen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jährlich findet eine einwöchige Veranstaltung, die sogenannten Kulturtage, in der Nassenfelser Burg statt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. September 2011 bildeten die acht Kommunen Dollnstein, Wellheim, Nassenfels, Egweil, Oberhausen, Burgheim, Rennertshofen und Neuburg an der Donau die ARGE Urdonautal, eine Arbeitsgemeinschaft, deren Zweck in der Förderung und Koordinierung des Tourismus im Urdonautal liegt.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nassenfels ist zentral zwischen den drei Städten Ingolstadt, Eichstätt und Neuburg an der Donau gelegen. Eine Staatsstraße und mehrere Kreisstraßen treffen in Nassenfels zusammen. Der Ort ist damit leicht zu erreichen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 4. Januar 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Markt Nassenfels in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 29. Dezember 2017
  3. BayernAtlas der Bayerischen Staatsregierung (Hinweise)
  4. U.a.: Friedbert Ficker: Die paläolithische Freilandstation Speckberg bei Nassenfels. In: Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt 18, 1969, S. 9−12; Sondierungen in der Paläolithischen Freilandstation „Speckberg“. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 31, 1966, S. 1−33.
  5. Anneli O'Neill: Zwei glockenbecherzeitliche Gräber in Nassenfels. In: Das archäologische Jahr in Bayern 2010 (2011), S. 37−38.
  6. Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer: Der römische Limes in Bayern. Pustet, Regensburg 2008. ISBN 978-3-7917-2120-0, S. 186−187 (mit Abb.).
  7. Karlheinz Dietz: Bemerkungen zu Inschriften aus Nassenfels, Lkr. Eichstätt, Oberbayern. In: Bayerische Vorgeschichtsblätter 71 (2006), S. 36–37; hier: S. 34.
  8. Hans Bauer: Schwabmünchen. Historischer Atlas von Bayern. Teil Schwaben, Reihe I, Heft 15. Hrsg. von der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Akademie der Wissenschaften, Laßleben, München 1994, ISBN 3-7696-9947-5, S. 15.
  9. Jochen Haberstroh: Vicus, Villa und Curtis? Ausgrabungen in der Villa rustica von Nassenfels. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2004, S. 116−119; hier: S. 116.
  10. Führung zu Ausgrabung, Donaukurier, 26. April 2013
  11. Jochen Haberstroh: Vicus, Villa und Curtis? Ausgrabungen in der Villa rustica von Nassenfels. In: Das Archäologische Jahr in Bayern 2004, S. 116−119; hier: S. 117−118.
  12. Daniel Funk: Einmaliger Schatz im Boden. Landesamt für Denkmalpflege sieht Erweiterung von „Krautgartenfeld“ in Nassenfels kritisch. Donaukurier, 01. Dezember 2015
  13. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 456.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nassenfels – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien