Natan Scharanski

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Natan Scharanski (2016)

Natan Scharanski (hebräisch נתן שרנסקי, russisch Натан Щаранский; * 20. Januar 1948 in Stalino, Sowjetunion; heute Donezk, Ukraine), ursprünglich Anatoli Borissowitsch Schtscharanski (Анатолий Борисович Щаранский), ist ein israelischer Politiker und Autor. Weltweit bekannt wurde er durch sein Engagement als sowjetischer Dissident und Refusenik. Scharanski war während der kommunistischen Diktatur neun Jahre in einem sibirischen Straflager des Gulag inhaftiert.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sowjetunion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Studium am Moskauer Institut für Physik und Technologie erhielt Scharanski ein Diplom in Angewandter Mathematik. Nachdem sein Gesuch um eine Ausreise nach Israel 1973 abgelehnt worden war, arbeitete er als Dolmetscher für den dissidenten Physiker Andrei Sacharow. Daneben war er Aktivist für Menschenrechte, Gründungsmitglied der Moskauer Helsinki-Gruppe und einer der Gründer und Sprecher der „Refusenik“-Bewegung in der Sowjetunion. Im März 1977 wurde er verhaftet. Nach einer Anklage wegen Hochverrats und Spionage zugunsten der USA wurde er am 14. Juli 1978 zu 13 Jahren Zwangsarbeit verurteilt.[1] Nach 16 Monaten im Moskauer Lefortowo-Gefängnis verbrachte er neun Jahre im sibirischen Straflager Perm 35. Der Prozess gegen Scharanski und die Lage seiner Leidensgenossen in der Sowjetunion weckte das Interesse internationaler Menschenrechtsaktivisten über die Lage der sowjetischen Juden.

Ausreise nach Israel und politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1986 wurde er nach Berlin geflogen und im Rahmen eines Agentenaustauschs auf der Glienicker Brücke gegen einen sowjetischen Spion ausgetauscht, worauf er nach Israel auswanderte und seinen Vornamen in Natan änderte.

1995 hat er die politische Einwandererpartei Jisra’el ba-Alija gegründet, die die Immigration sowjetischer Juden und deren Integration in die israelische Gesellschaft propagierte. Von 2003 bis 2005 war er Minister ohne Geschäftsbereich, im Kabinett aber zuständig für Jerusalem und soziale sowie Diaspora-Fragen. Aus Protest gegen den geplanten israelischen Abzug aus dem Gazastreifen trat er im April 2005 von seinem Amt zurück. Davor war er seit März 2001 stellvertretender Ministerpräsident Israels und Bauminister; 2000 war er nach knapp einem Jahr als Innenminister zurückgetreten. Außerdem war er zwischen 1996 und 1999 Handels- und Industrieminister. Im März 2006 wurde Scharanski als Mitglied der Likud-Fraktion wieder in die Knesset gewählt. Sechs Monate später kündigte er seinen Rückzug aus der Politik an.

Von Juni 2009 bis 2018 war er Vorsitzender der Jewish Agency.

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im American Conservative wurde ihm 2005 vorgeworfen, die Menschenrechte, die er als sowjetischer Dissident für sich eingefordert habe, den Palästinensern nicht zubilligen zu wollen.[2] Insbesondere sei zu kritisieren, dass Scharanski von der Palästinensischen Autonomiebehörde eine Demokratisierung als Vorbedingung für Friedensgespräche verlangt, allerdings in den 90er Jahren die Friedensverhandlungen mit dem autokratisch regierten Jordanien vehement befürwortet habe.

Scharanski hatte zuvor als Innenminister Israels den 3-D-Test für Antisemitismus entwickelt und veröffentlicht – eines der darin zusammengefassten drei Kriterien für Antisemitismus im Zusammenhang mit Israelkritik war „Ungleicher Maßstab“ (engl. "double standard") bei der Beurteilung von politischen und völkerrechtlichen Fragen. Auch in seinen weiteren Funktionen als Vorsitzender der Jewish Agency kritisierte Scharanski die Anwendung doppelter Standards in der internationalen Politik.[3]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von ihm vorgeschlagen wurde die

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Natan Scharanski – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. «Schtscharanski zu 13 Jahren verurteilt». In: Arbeiter-Zeitung. Wien 15. Juli 1978, S. 1 (Die Internetseite der Arbeiterzeitung wird zurzeit umgestaltet. Die verlinkten Seiten sind daher nicht erreichbar. – Digitalisat).
  2. Desch, M.C., Sharansky’s Double Standard, The American Conservative, 2005/03/28
  3. [1]
  4. Ehemaliger Minister Scharanski erhält jüdischen Preis. Israelnetz.de, 10. Dezember 2019, abgerufen am 28. Dezember 2019.