Natascha Strobl

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Natascha Strobl (* 25. Februar 1985 in Wien)[1] ist eine österreichische Politikwissenschaftlerin und Skandinavistin. Sie gilt als Expertin für Rechtsextremismus und die Neue Rechte und ist Mitautorin eines Fachbuchs über Strategien und Ziele der Identitären Bewegung in Europa.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Strobl stammt aus einer Nichtakademiker-Familie[2][3] und studierte im norwegischen Bergen sowie an der Universität Wien. 2010 schloss sie ein Skandinavistik-Studium mit ihrer Diplomarbeit zu den Sozialsystemen in Norwegen und Österreich als Magistra ab,[4] 2012 ihr Politologiestudium mit einer Diplomarbeit über Ideologie und Strategie der Neuen Rechten.[5] Während ihres Studiums engagierte sie sich als Vorsitzende des Wiener VSStÖ,[6] heute ist sie Mitglied der SPÖ.[2]

Strobl forscht zum Rechtsextremismus in Österreich, insbesondere zur Identitären Bewegung Österreich sowie rechtsgerichteten und rechtsradikalen Studentenverbindungen. Für die von ihr mitgegründete Initiative „Offensive gegen Rechts“ fungierte sie zeitweise als Sprecherin.[7]

Mehrfach war Strobl Gast der Fernseh-Talkshow Im Zentrum des ORF, beispielsweise im Jänner 2014 bei einer Sendung zum Wiener Akademikerball[8][9] und im Oktober 2019 bei einer Sendung zur Zukunft der SPÖ nach den Nationalratswahlen.[10] Beiträge von Natascha Strobl als Gast-Autorin sind zum Beispiel im Standard,[11][12] in Zeit Online,[13] dem Falter,[14] der taz,[15] dem Neuen Deutschland[16] und den Publikationen des Momentum Instituts[17] zu finden. Ihre Kontextualisierungen von Interviews mit sowie Ansprachen von Politikern unter dem Hashtag „#NatsAnalyse“ auf Twitter sind nach Ansicht von Sascha Lobo ein „herausragendes Beispiel dafür, dass das viel gescholtene Twitter oft die besten Analysen zu laufenden politischen Debatten liefere.“[3]

In den deutschsprachigen Leitmedien wird Strobl häufig als Rechtsextremismus-Expertin herangezogen, so zum Beispiel bezüglich

Strobl erklärt, häufig Opfer von Einschüchterungsversuchen und Vergewaltigungsdrohungen zu sein. Zur Veröffentlichung ihres ersten Buchs über die Identitäre Bewegung berichtete die Presse von einem Ende März 2014 entdeckten Einschussloch in ihrem Küchenfenster.[37][38][7] Der Leiter der FPÖ-Pressestelle im Nationalrat hatte sie zuvor öffentlich als „Trampel“ und „Kreatur“ beschimpft,[9] zu den Bedrohungen trugen Internetseiten wie „Solidarität mit der Polizei“ oder „Verein der Freunde der Tagespolitik“ bei.[39] Martin Sellner, Obmann der rechtsextremen Identitären Bewegung, hatte bereits 2013 damit geprahlt, wie er mit Mitstreitern einen Vortrag von Strobl gestört hatte.[40] „Ihre zunehmende Exponiertheit“ bringe sie nach Selbsteinschätzung Strobls aber nicht nur in Gefahr: die Öffentlichkeit schütze sie auch gleichzeitig, da die Medien sensibel bezüglich Übergriffen ihr gegenüber geworden seien.[3]

Rezensionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Identitären

Gemäß der Historikerin Anna Laiß hätten Strobl und ihre Mitautoren, der Philosoph Julian Bruns und die Politologin Kathrin Glösel, in ihrem Buch über die „in Österreich im Dunstkreis rechter Burschenschaften rasch“ gewachsene „Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa“ Neuland betreten: ihre Analyse sei das „erste deutschsprachige ‚Handbuch‘ zur ‚Identitären Bewegung‘“. Es ermögliche „einen differenzierten Einblick in Ideen und Strategien der Bewegung“, die „mit einer auf populärkulturelle Elemente setzenden Ästhetik und radikalen Aktionsformen SchülerInnen und StudentInnen“ anspreche, vor einem angeblichen „großen Austausch“ warne und eine „Verschiebung des öffentlichen Diskurses hin zur Akzeptanz menschenfeindlicher Ideen“ anstrebe.[41]

Wolfgang Frindte rezensierte die im Mai 2016 erschienene zweite Auflage von Strobls Handbuch (im Juli 2017 erschien eine dritte, aktualisierte und erweiterte Auflage) und empfand, „aus der Lektüre des Buches“ „viel gelernt“ zu haben. Das Buch basiere auf hochaktuellem Quellenmaterial, Frindte empfahl es ausdrücklich Wissenschaftlern, Journalisten und engagierten Menschen im Kampf gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus zur Lektüre. Sollten „die Neuen Rechten und die Identitären das Buch ebenfalls kaufen und lesen“, würden „sie staunen, wie gut und treffend sie unter Beobachtung“ ständen.[42]

Für Björn Allmendinger, Lehrbeauftragter an der Universität Hannover, gelang den Autoren in ihrem Handbuch über diese „Jugendbewegung“, die für „altbekanntes rechtsextremes Gedankengut in neuem Gewand“ stehe, „eine erste umfassende Gesamtdarstellung der identitären Bewegung in Europa“. Das Handbuch biete „eine solide Grundlage für weiterführende Analysen und die Entschlüsselung neurechter Codes und Symbole.“ Seine Rezension bezog sich auf die erste, 2014 erschienene Auflage.[43]

Rechte Kulturrevolution

Armin Pfahl-Traughber hält den von Strobl zusammen mit Julian Bruns und Kathrin Glösel verfassten Band zu aktuellen Entwicklungen im intellektuellen Rechtsextremismus zwar „bei bestimmten Aspekten“ für informativ, empfindet es aber wegen fehlender genauerer Erörterung als zu oberflächlich. Auch würden die von den Autoren aufgestellten Definitionen nicht zu allen Objekten passen; dass HoGeSa und Pegida sich mit der Konservativen Revolution befassen würden, bezweifelt Pfahl-Traughber. Er hätte es als sinnvoll empfunden, der Identitären Bewegung ein eigenes Kapitel zu widmen und sich ausführlicher auf die relevanten Akteure wie eben das Institut für Staatspolitik oder die Zeitschrift Sezession zu beziehen.[44]

Für den Politologen René Neumann (Portal für Politikwissenschaft) bieten die Texte über die Protagonisten der Neuen Rechten, ihre ideologischen Grundlagen sowie Strategien „überblickshafte Einsichten insbesondere in die jüngsten Entwicklungen des rechten politischen Spektrums in Theorie und Praxis. Der Anspruch der Analyse“ sei „eine kritisch‑aufklärerische Perspektive über die potenzielle Gefahr durch die Neue Rechte für eine demokratische Gesellschaft“, weshalb „vor allem affirmative Kooperationsbemühungen zwischen den Akteuren dargestellt“ würden. Konflikte und ideologische Differenzen innerhalb der verschiedenen Gruppierungen würden aber „nur am Rande thematisiert“.[45]

Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

eigene Publikationen
  • mit Julian Bruns, Kathrin Glösel: Die Identitären. Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechten in Europa, 3. aktualisierte Auflage, Unrast Verlag, Münster 2017, ISBN 978-3-89771-224-9.
  • mit Julian Bruns, Kathrin Glösel: Rechte Kulturrevolution. Wer und was ist die Neue Rechte von heute? VSA-Verlag, Hamburg 2015, ISBN 978-3-89965-639-8, (eingeschränkte Vorschau).
Mitwirkung
  • mit Julian Bruns: Preparing for (Intellectual) Civil War. The New Right in Austria and Germany. In: Maik Fielitz, Laura Lotte Laloire (Hrsg.): Trouble on the Far Right. Contemporary Right-Wing Strategies and Practices in Europe (= Edition Politik. 39). transcript, Bielefeld 2016, ISBN 978-3-8376-3720-5, S. 105–110, (eingeschränkte Vorschau).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Autorenprofil Natascha Strobl. In: Unrast-Verlag.
  2. a b Max Bell: „Wenn der Onkel rassistische Sprüche loslässt, muss man was sagen“ – Natascha Strobl im Interview. In: wolfgang-magazin.com. 19. November 2019.
  3. a b c Sebastian Loudon: „Die Öffentlichkeit bietet mir auch Schutz“. In: Datum. September 2019.
  4. Natascha Strobl: Eine vergleichende Analyse des österreichischen und norwegischen Wohlfahrtsstaates in der Konstruktion von Mutterschaft. Universität Wien (Diplomarbeit, Betreuer: Sven Hakon Rossel), 16. November 2010, 102 Seiten.
  5. Natascha Strobl: Ideologie und Strategie der „Neuen Rechten“ am Beispiel des Funken. Universität Wien (Diplomarbeit, Betreuer: Hannelore Eva Kreisky), 2012, 164 Seiten.
  6. VSStÖ: "System" Uni macht immer mehr Studenten psychisch krank. In: Der Standard. 27. Oktober 2010.
  7. a b Michael Bonvalot: ''Ein Warnschuss für alle Nazi-Gegner. In: Störungsmelder. 9. April 2014.
  8. Ingrid Thurnher: Krawall um den Ball – Polizei, Proteste, Provokation. Sendung mit Gerhard Pürstl, Andreas Mölzer, Natascha Strobl, Rudolf Sarközi, Albert Steinhauser und Franz C. Bauer. In: Im Zentrum. 26. Jänner 2014.
  9. a b FPÖ: Wirbel um „Trampel“-Beschimpfung. In: oe24. 5. Mai 2014.
  10. Claudia Reiterer: Gefangen im SPÖ-Labyrinth – Welche Richtung stimmt? Sendung mit Christian Deutsch, Georg Dornauer, Hans Niessl, Andreas Babler, Sara Costa und Natascha Strobl. In: Im Zentrum. 13. Oktober 2019.
  11. Natascha Strobl: Völkisch, deutschnational und elitär. In: Der Standard. 24. April 2018.
  12. Natascha Strobl: Die Strategie der Identitären. In: Der Standard. 28. April 2016.
  13. a b Natascha Strobl: Der Angstmacher. In: Zeit Online. 30. Dezember 2019.
  14. Natascha Strobl: Autorenprofil Natascha Strobl. In: Falter.
  15. a b Natascha Strobl: Kurz plant blau. In: taz. 27. September 2019.
  16. Natascha Strobl: Kurz als Opfer und Held zugleich. In: Neues Deutschland. 20. Mai 2019.
  17. Natascha Strobl: Wie ein rechter Shitstorm funktioniert. In: moment.at. 11. November 2019.
  18. Birgit Seiser, Raffaela Lindorfer: Österreich, Welt-Zentrale der neuen Rechtsextremen. In: Kurier. 27. März 2019.
  19. Nikolaus Pichler: Expertin Natascha Strobl: „Bei Rechtsextremismus gehört Österreich zur Avantgarde“. In: Stern. 31. März 2019.
  20. Wenn Rechtsextreme eine Bühne kriegen. OE1. 3. Juni 2019.
  21. Elisalex Henckel: Das fesche Gesicht der harten Rechten. In: Die Welt. 1. November 2016.
  22. Patrick Bahners: Mit Hitlerlektüre Höcke verstehen? In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 27. September 2019.
  23. Elisa von Hof: Wer kritische Fragen stellt, ist ein Feind. In: Spiegel Online. 22. September 2019.
  24. Johannes Reichart: Historikerbericht stößt auf Kritik. In: ard-wien.de. 6. August 2019.
  25. Natascha Strobl: „Regierung hat Narrative der Identitären übernommen“. In: FM4. 28. März 2019.
  26. Ingrid Brodnig: Wirr ist das Volk: Die digitale Parallelwelt der Pegida-Anhänger. In: Profil. 9. Februar 2015.
  27. Srdjan Govedarica: „Ich, ich, ich - das ist der Inhalt.“ In: tagesschau.de. 28. September 2019.
  28. Was sagen Strache, Kurz und Van der Bellen zwischen den Zeilen? In: FM4. 20. Mai 2019.
  29. Kanzler trotz Ibiza: Sebastian Kurz vor der Wiederwahl? In: Bayerischer Rundfunk. 28. September 2019.
  30. Natascha Strobl: Die 3 Erzählungen der ÖVP im nächsten Wahlkampf. In: kontrast.at. 28. Mai 2019.
  31. Felix Diewald: Krisen-PR analysiert: Die Auftritte der Politiker*innen nach #Ibizagate. In: FM4. 22. Mai 2019.
  32. Arnika Zinke: #ibizagate: Ein Polit-Skandal in Memes, Tweets und Analysen. In: Wienerin. 20. Mai 2019.
  33. Jörg Paas: Ein Jahr Ankerzentren in Bayern. (Podcast, Interview mit Natascha Strobl) In: B5 aktuell. 4. August 2019.
  34. Waffen statt Worte - Der Mord an Walter Lübcke. In: Bayerischer Rundfunk. 26. Dezember 2019.
  35. Kritik an ARD und „hart aber fair“-Moderator Plasberg nach Sendung mit AfD-Politiker Junge. In: Westdeutsche Zeitung. 2. Juli 2019.
  36. Florian Gasser: Jenseits der Lügenpresse. In: Die Zeit. Nr. 13/2016, 17. März 2016.
  37. Fenster von Ex-VSStÖ Wien-Chefin eingeschossen. (Memento vom 4. April 2014 im Internet Archive) In: heute. 1. April 2014.
  38. Angriff auf Aktivistin der „Offensive gegen Rechts“. In: Der Standard. 4. April 2014.
  39. Hanna Herbst: Rechts, Links und dazwischen ein Schuss. In: Vice. 1. April 2014.
  40. Thomas Wagner: Extrem rechte Spaßguerilla. In: taz. 3. Januar 2018.
  41. Anna Laiß: Julian Bruns, Kathrin Glösel und Natascha Strobl: Die Identitären. In: iz3w (Hrsg.): Rechtspopulismus – Rebellion der autoritären Charaktere. Ausgabe 359, März/April 2017.
  42. Wolfgang Frindte: Julian Bruns, Kathrin Glösel u.a.: Die Identitären. In: socialnet. 5. April 2017.
  43. Björn Allmendinger: Die Identitären. In: Portal für Politikwissenschaft. 12. Juni 2014.
  44. Armin Pfahl-Traughber: Die „Neue Rechte“. In: Humanistischer Pressedienst. 15. April 2015.
  45. René Neumann: Rechte Kulturrevolution. In: Portal für Politikwissenschaft. 21. Mai 2015.