National-Zeitung (19. Jahrhundert)

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Die Berliner National-Zeitung war eine liberale deutsche Tageszeitung, die 1848 bis 1938 in Berlin erschien.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verleger Bernhard Wolff gründete zusammen mit dem Journalisten Theodor Mügge, dem Stadtrat Heinrich Runge, dem Pädagogen Friedrich Diesterweg, dem Privatdozenten Carl Nauwerck und dem Schriftsteller David Kalisch am 1. April 1848 die Berliner National-Zeitung. Als Produkt der Märzrevolution gilt sie als eines der frühesten Beispiele der parteibezogenen Meinungspresse gemäßigt liberaler Richtung. Dass sie die Revolutionszeit überdauerte, verdankt die Nationalzeitung in erster Linie ihrer starken finanziellen Basis in Form einer Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von 10.000 Talern.

Als erste Zeitung Berlins brachte sie zwei Ausgaben täglich heraus und galt 1850 mit etwa 10.000 Abonnenten als eine der auflagenstärksten Zeitungen der Stadt. In diesem Jahr wurde sie durch den Verleger Bernhard Wolff käuflich erworben.

Unter Wolff, der auch Gründer des Wolff’schen Telegraphenbüros war, entwickelte sich die Nationalzeitung in den 1860er Jahren zum Hausblatt der Nationalliberalen Partei in Preußen. Zu ihren Autoren gehörten August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, Julius Rodenberg, Siegfried Samosch und Franz Kugler, ein Neffe des Kunsthistorikers Franz Kugler. 1874 übernahm die Nationalzeitung die Spenersche Zeitung, eines der ältesten Blätter Berlins. Ein Jahr später trat der Politiker und Publizist Friedrich Dernburg an die Spitze der Chefredaktion.

Nach dem Tod von Bernhard Wolff im Mai 1879 ging sie in den Besitz von dessen Neffen Ferdinand Salomon über, der sie 1890 an eine von führenden Nationalliberalen gegründete Aktiengesellschaft verkaufte. Friedrich Dernburg wurde im gleichen Jahr durch den Rudolf von Bennigsen nahestehenden Siegfried Köbner abgelöst. Ab 1903 war Arthur Dix Hauptredakteur der Zeitung.

Wegen fallender Auflagen wurde die Nationalzeitung 1910 mit Rudolf Mosses „8 Uhr-Abendblatt“ verschmolzen. Der Erscheinungszeitpunkt wurde auf den Abend verlegt. Damit entstand das erste Spätabendblatt der Hauptstadt. Im September 1938 musste das Erscheinen eingestellt werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Gerhard Friehe: Die Geschichte der Berliner „National-Zeitung“ in den Jahren 1848 bis 1878. Dissertation, Universität Leipzig 1933.
  • Jürgen Kahl: National-Zeitung (1848–1938). In: Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.): Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts. Pullach bei München 1972, S. 177–189
  • Nationalzeitung. In: Gustav Dahms: Das Litterarische Berlin. Berlin: Taendler, 1895, S. 33–37
  • Roland Berbig: Theodor Fontane im literarischen Leben. Zeitungen und Zeitschriften, Verlage und Vereine. De Gruyter, Berlin 2000, S. 84 Digitalisat
  • Karl Frenzel: Fünfzig Jahre. In: National-Zeitung, 51. Jg. (1898), Nr. 218 vom 1. April S. 1–3
  • Walter Lotze: Das Feuilleton der National-Zeitung von 1848-1910. Würzburg: Triltsch, 1933. (Diss. Uni Leipzig, Phil. Fak. 1933)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

ZDB-ID 984287-1 OCLC 643029977