Nationales Naturmonument

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Ivenacker Eichen, erstes Nationales Naturmonument
Die Bruchhauser Steine wurden zweites Nationales Naturmonument.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nationales Naturmonument ist in Deutschland eine Kategorie für Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz von nationaler Bedeutung. Sie wurde im § 24 des am 1. März 2010 in Kraft getretenen neuen Bundesnaturschutzgesetzes als Ergänzung der bisher schon dort geregelten Schutzgebietskategorie Nationalpark neu eingeführt.[1]

Als Nationale Naturmonumente ausgewiesen werden können Gebiete, die „1. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturhistorischen oder landeskundlichen Gründen und 2. wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind.“[2] Die Ausweisung erfolgt durch eine Verordnung der jeweils für das Gebiet zuständigen Landesregierung, aber im Unterschied zu anderen Schutzgebietskategorien ist wie bei Nationalparks das Benehmen[3] mit den zuständigen Bundesministerien (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung) erforderlich.

Der neue Schutzgebietstyp folgt international schon länger bestehenden Vorbildern wie den National Monuments in den Vereinigten Staaten und lehnt sich an die Kategorie III „Natural Monument or Feature[4] der Internationalen Union für die Erhaltung der Natur und der natürlichen Hilfsquellen (IUCN) an. Es kann sich nach der IUCN-Definition beispielsweise um Wasserfälle, Dünen, Höhlen, Vulkankrater, Fossilienlagerstätten oder andere geologisch-geomorphologische Erscheinungen sowie um von Menschen geschaffene oder gestaltete Erscheinungen wie Höhlenwohnungen oder prähistorische Kultstätten natürlichen Ursprungs handeln.[5]

Bei der Einführung der Kategorie hat der Gesetzgeber zum Beispiel Gebiete wie den Drachenfels im Siebengebirge[6], die Ostseeinsel Vilm – diese sollte laut Vereinbarung des seinerzeitigen Bundesumweltministers Sigmar Gabriel mit Mecklenburg-Vorpommerns Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Till Backhaus das erste Nationale Naturmonument werden[7] – oder das Grüne Band Deutschland [8] im Blick gehabt. Andere Vorschläge sind die Kreidefelsen der Insel Rügen, das Mansfelder Land, der Kyffhäuser, der Teutoburger Wald oder der Weserdurchbruch Porta Westfalica, sowie die Bruchhauser Steine.[9][10]

Unterschied zum Naturdenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Definition des Nationalen Naturmonuments und des Naturdenkmals sind in der aktuellen Fassung des Bundesnaturschutzgesetzes sehr ähnlich. So wird in § 28 festgestellt: „Naturdenkmäler

1) Naturdenkmäler sind rechtsverbindlich festgesetzte Einzelschöpfungen der Natur oder entsprechende Flächen bis zu fünf Hektar, deren besonderer Schutz erforderlich ist 1. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder 2. wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit.“[11]

Unterschiedliche Eigenschaften stellen sich folgendermaßen dar:

Naturmonumente haben einen höheren quantitativen Flächenanspruch. Bei Naturdenkmalen ist er auf etwa 5 ha begrenzt, während Nationale Naturmonumente großflächiger sind, es sich aber trotzdem noch um „kleinere Flächen“ handeln soll.[12] Sie besitzen außerdem einen kulturhistorischen Wert. Dieser Begriff ist dehnbar, umfasst aber z. B. nicht den Bereich der Ökonomie, der Politik oder des Militärs. Wo der Unterschied des kulturhistorischen Wertes zum landeskundlichen sein soll, ist nicht ersichtlich. Die Landeskunde ist sicher ein Teil der Kultur, es stellt sich aber die Frage, wieso dann beide explizit im Gesetzestext genannt sind. Ein weiterer Unterschied ist die Kumulation der Schutzbegründungen beim nationalen Naturmonument. Während Naturdenkmäler aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit geschützt werden, müssen diese Aspekte bei dem Nationalen Naturmonument kumulativ auftreten. Lediglich die schon benannte unsaubere Trennung von kulturhistorischem oder landeskundlichem Wert kann alternativ zutreffen. Außerdem müssen Nationale Naturmonumente ihre Eigenschaften in herausragender Form besitzen. Begrifflich fällt die Differenz zwischen Denkmal und Monument auf. Das Monument ist per Definition ein großes Denkmal.[13] Das bezieht sich hier auf den größeren Flächenanspruch. Das Nationale Naturdenkmal durchbricht insgesamt die Grenze zum Denkmalschutz. Denn es kann sich dabei gemäß Gesetzesbegründung nicht nur um natürliche Bestandteile handeln, sondern im Gegensatz zum Naturdenkmal wird festgelegt: auch „…vom Menschen geschaffene oder gestaltete Erscheinungen können zum Schutzgut erklärt werden.“[14] Außerdem fällt das Adjektiv „national“ auf. Nationale Naturmonumente sollen eine nationale Bedeutung besitzen, während Naturdenkmale nur einen lokalen Bezug haben sollen.[15] Hintergrund ist der Bezug auf die Tradition der National Monuments der USA, eine Schutzkategorie, die im Antiquities Act von 1906 begründet wurde. Ursprünglich zum Schutz von Stätten mit archäologischen und historischen Wert erlassen, wurde er sofort auch auf seltene Naturformationen bezogen. Das erste US-amerikanische National Monument war 1906 der Devils Tower, ein 5,45 km² großes Gebiet in Wyoming, das aus naturwissenschaftlichen Gründen ausgewiesen wurde.[16] Ähnliche oder gleichnamige Schutzkategorien gibt es in der Schweiz und in der Tschechischen und der Slowakischen Republik.[17] Die Zielrichtung der Gesetzesbegründung, mit der das Nationale Naturmonument in das Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen wurde, ist in Bezug auf das Nationale eindeutig: Einerseits erhofft man sich für die eigene Natur mehr internationale Anerkennung und öffnet damit den Weg zu einem höheren Nationalstolz. Andererseits wird eine „geistig-seelische Bedeutung“ der Objekte für den Menschen sowie eine Identitätsstiftung mit dem ausgewählten Landschaftselement konstruiert.[17] Damit wird die Schutzkategorie neben dem naturwissenschaftlichen Ansatz in die geistesgeschichtliche Ebene des Nationalen bzw. des Nationalistischen gerückt. Da der Naturschutz im 19. und 20. Jahrhundert eine entsprechende belastete Geschichte besitzt, fällt dieser Zusammenhang auf.[18]

Benannte Nationale Naturmonumente[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als erstes Nationales Naturmonument wurden die Ivenacker Eichen Anfang August 2016 ausgewiesen.[19] Als zweites Nationales Naturmonument wurden die Bruchhauser Steine Ende März 2017 ausgewiesen.[20]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gesetzesbeschluss des Deutschen Bundestages: Gesetz zur Neuregelung des Rechts des Naturschutzes und der Landschaftspflege
  2. Bundesrats-Drucksache 594/09
  3. § 22 Abs. 5 BNatSchG
  4. Category III - Natural Monument or Feature
  5. [1]
  6. Dieses Gebiet war ursprünglich als erstes Nationales Naturmonument vorgesehen.
  7. Bundesamt für Naturschutz: Bundesumweltminister Gabriel und Landesminister Backhaus wollen Insel Vilm zum ersten Nationalen Naturmonument ernennen, Pressemitteilung vom 3. August 2009
  8. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Gabriel: Grünes Band soll Nationales Naturerbe werden, Pressemitteilung Nr. 267/09 vom 20. August 2009
  9. Ellen Vorreier, Wibke Lendl (Bearb.): Neue Schutzgebietskategorie „Nationales Naturmonument“ (unter Einbeziehung internationaler Erfahrungen), Hochschule Anhalt (FH) – Hochschule für angewandte Wissenschaften, Master-Studiengang Naturschutz und Landschaftsplanung, Studentisches Oberseminar-Referat, WS 2009/10, 2. November 2009; Zugehörige Präsentation (PDF, 2,4 MB)
  10. Nationales Naturmonument Vier Felsen im Sauerland und jede Menge Ärger
  11. http://www.gesetze-im-internet.de/bundesrecht/bnatschg_2009/gesamt.pdf
  12. Bundestagsdrucksache 16/13430. S. 22
  13. F. A. Brockhaus: Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden. 21. völlig neu bearbeitete Auflage. Bd. 18 MATH-MOSB. Leipzig, Mannheim 2006. S. 780.
  14. Bundestagsdrucksache 16/13430. S. 22.
  15. Institut für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen, Landespflege Freiburg, Institut für Naturschutzökologie und Landschaftsmanagement (Hrsg.): Nationale Naturmonumente. Endbericht. Tübingen 2014. S. 59.
  16. Institut für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen, Landespflege Freiburg, Institut für Naturschutzökologie und Landschaftsmanagement (Hrsg.): Nationale Naturmonumente. Endbericht. Tübingen 2014. S. 17/18.
  17. a b Institut für Naturschutz und Naturschutzrecht Tübingen, Landespflege Freiburg, Institut für Naturschutzökologie und Landschaftsmanagement (Hrsg.): Nationale Naturmonumente. Endbericht. Tübingen 2014. S. 19-26.
  18. Vgl. N. Franke: Naturschutz – Landschaft – Heimat. Romantik als eine Grundlage des Naturschutzes in Deutschland. Wiesbaden 2016. ISBN 978-3-658-14834-8.
  19. Ivenacker Eichen sind erstes Nationales Naturmonument in Deutschland, BMUB, 4. August 2016
  20. Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen, Referat 56: Verordnung über das Nationale Naturmonument Bruchhauser Steine (NNM-VO Bruchhauser Steine), in: Gesetz- und Verordnungsblatt (GV. NRW.), Ausgabe 2017, Nr. 14, S. 371 bis 386. 5. April 2017, abgerufen am 5. April 2017 (deutsch).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nationale Naturmonumente in Deutschland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien