Nationalliteratur

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Als Nationalliteratur bezeichnet man die Gesamtheit der schöngeistigen Literatur einer Nation.[1] Sach- und Fachliteratur wird nicht zur Nationalliteratur gezählt. Mit der Emanzipation der Nationalstaaten und der Berufung auf nationale Traditionen und Werte trug die Nationalliteratur jeweils zur Entwicklung der nationalen Kultur und des Nationalgefühls bei.

Zum Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff entstand im 19. Jahrhundert, als das Wort „Literatur“ neu definiert wurde (dazu ausführlich das Stichwort Literatur). Als „Literatur im engeren Sinne“ galt nun Literatur mit kunstvollem Sprachgebrauch. Dabei reifte die Erkenntnis, dass diese „schöne Literatur“ sich in nationalen Traditionen entwickelt und demnach von den Philologien der einzelnen Sprachen zu untersuchen wäre. Das Konzept der „Nationalliteraturen“ greift diesen Gesichtspunkt auf.

Die Literaturwissenschaft beschreibt die jeweiligen Charakteristika der Nationalliteraturen. Die Wirkungen der verschiedenen Nationalliteraturen aufeinander wird seit dem 20. Jahrhundert in der vergleichenden Literaturwissenschaft (Komparatistik) untersucht.

Das Wort „Nationalliteratur“ wird von manchen heute als irritierend oder historisch belastet empfunden. Anstelle von „englische Nationalliteratur“ oder „britische Nationalliteratur“ wird in der Regel die Bezeichnung „englische Literatur“ verwendet, wenn die Bedeutung „Nationalliteratur“ im Kontext klar genug ist. Englische Literatur in diesem Sinne ist zu unterscheiden von englischsprachiger Literatur (Literatur in englischer Sprache, auch aus anderen Ländern).

Die Entstehung von Nationalliteraturen[Bearbeiten]

Nationalliteraturen bildeten sich in der Folge der staatlichen Emanzipation einzelner Nationen heraus. So spricht man beispielsweise von der amerikanischen Literatur als Nationalliteratur der Vereinigten Staaten, die sich im 19. Jahrhunderts aus der englischen Literaturtradition entwickelt hat, oder von der österreichischen Literatur.

Infolge der Entkolonialisierung bildeten sich neue Nationalstaaten heraus. Die ehemaligen Kolonialmächte hatten in den Kolonien auch als literarisch und mental prägender Sprachgeber gewirkt; dieser Einfluss blieb auch nach der Entkolonialisierung zunächst bestehen. England und Frankreich übten einen wesentlichen Einfluss besonders in Afrika und Asien aus. Der Einfluss der Europäer in Afrika wurde durch das Aufkommen der Négritude im 20. Jahrhundert gebrochen und führte zu einem Erblühen jeweiliger Nationalliteraturen (siehe auch afrikanische Literatur). Spanien und Portugal wirkten besonders in Lateinamerika prägend; mittlerweile sind jedoch in Brasilien, Argentinien, Peru und anderen lateinamerikanischen Ländern Nationalliteraturen von weltliterarischem Rang entstanden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen von Dr. G. G. Gervinus. Erster Theil. Von den ersten Spuren der deutschen Dichtung bis gegen Ende des 13. Jahrhunderts (Leipzig: W. Engelmann, 1835).
  • Vorlesungen über die Geschichte der deutschen National-Literatur von Dr. A. F. C. Vilmar, 2. Aufl. (Marburg/ Leipzig: Elwert'sche Universitäts-Buchhandlung, 1847).
  • National-Texturen. Nationalliteratur als literarisches Konzept in Nordosteuropa. Hrsg. v. Jürgen Joachimsthaler und Hans-Christian Trepte. Lüneburg: Nordost-Institut 2009 (=Nordost-Archiv N.F. XVI/2007).

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duden online verwendet bei seiner Bedeutungsangabe zu Nationalliteratur den Bezug auf ein „Volk“.