Nationalpark Schwarzwald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Nationalpark Nordschwarzwald)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nationalpark Schwarzwald
Der Huzenbacher See, einer von mehreren Karseen im Nationalpark
Der Huzenbacher See, einer von mehreren Karseen im Nationalpark
Nationalpark Schwarzwald (Deutschland)
Paris plan pointer b jms.svg
48.5611111111118.2213888888889Koordinaten: 48° 33′ 40″ N, 8° 13′ 17″ O
Lage: Baden-Württemberg, Deutschland
Nächste Stadt: Baden-Baden, Freudenstadt
Fläche: 10.062 ha
Gründung: 1. Januar 2014
Adresse: www.schwarzwald-nationalpark.de
Naturschutzzentrum Ruhestein im Schwarzwald
Schwarzwaldhochstraße 2
77889 Seebach
Grindenfläche am Schliffkopf im Teilgebiet Ruhestein des Nationalparks
Grindenfläche am Schliffkopf im Teilgebiet Ruhestein des Nationalparks
i2i3i6

Der seit 1. Januar 2014 bestehende Nationalpark Schwarzwald ist der erste Nationalpark in Baden-Württemberg. Der dortige Landtag stimmte am 28. November 2013 für dessen Errichtung[1]. Dies wurde von der oppositionellen CDU und FDP, der holzverarbeitenden Industrie und Teilen der betroffenen Bevölkerung abgelehnt, während SPD und Grüne, die Naturschutzverbände und andere Teile der Einwohnerschaft des Nordschwarzwaldes die Gründung des Nationalparks begrüßten.

Der 10.062 Hektar (100,62 km²) große Nationalpark liegt am Hauptkamm des Nordschwarzwalds überwiegend zwischen der Schwarzwaldhochstraße und dem Tal der Murg. Er besteht aus zwei etwa 3,5 Kilometer voneinander getrennten Einzelbereichen um Ruhestein (7.615 Hektar) und Hoher Ochsenkopf/Plättig (2.447 Hektar) und liegt innerhalb des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord.

Standort und räumliche Ausdehnung[Bearbeiten]

Der nördliche Teilbereich Hoher Ochsenkopf/Plättig umfasst das obere Schwarzenbachtal sowie die Regionen um den 1055 m hohen Hohen Ochsenkopf im Zentrum, den 1008 m hohen Mehliskopf im Westen, die 1002 m hohe Badener Höhe im Norden und den 994 m hohen Nägeliskopf im Osten. Beim Zusammenfluss von Schwarzenbach und Raumünzach liegt auf knapp 500 m Höhe der tiefste und östlichste Punkt dieses Parkbereichs. Ausgegrenzt sind der Ort Herrenwies sowie kleinere Flächen um Plättig, Sand und das Wanderheim Badener Höhe. Im Nordosten grenzt die Schwarzenbachtalsperre an, im Westen die Bühlerhöhe jenseits der Schwarzwaldhochstraße. Überwiegend gehört der Staatswald hier zum Gebiet der Gemeinde Forbach (Landkreis Rastatt). Die Städte Bühl (Landkreis Rastatt) und Baden-Baden stellten zusätzliche Kommunalwaldflächen im Bereich Plättig bereit.

Der größere Teilbereich Ruhestein reicht bis in etwa 1150 m Höhe beim Dreifürstenstein in der südöstlichen Gipfelregion der Hornisgrinde, des höchsten Berges im Nordschwarzwald. Weitere Gipfel sind der Vogelskopf (1056 m) und der Schliffkopf (1055 m) im Westen, der Seekopf (1054 m) im Nordwesten, das Riesenköpfle (1001 m) im Zentrum, der Leinkopf (992 m) im Norden und der Großhahnberg (940 m) im Nordosten. Eingeschlossen sind in diesem südlichen Teil des Nationalparks der Wildsee, der Huzenbacher See und der Buhlbachsee sowie das obere Schönmünztal und die Oberläufe der Murg-Quellflüsse Rechtmurg und Rotmurg sowie weiterer Murgzuflüsse. Am Westabhang des Schliffkopfs reicht der Teilbereich bis zu den Allerheiligen-Wasserfällen hinab, wo er bei etwa 500 m seinen niedrigsten und westlichsten Punkt erreicht. Ausgegrenzt sind im Ruhesteingebiet der Ruhestein selbst mit zwei Skihängen und den Skisprungschanzen, die Darmstädter Hütte, das Schliffkopf-Hotel, das Rotmurg-Jägerhaus, die Siedlung Schonmünz (Volzenhäuser) und weitere kleine Areale. Die Staatswaldflächen gehören hier überwiegend zur Gemarkung der Gemeinde Baiersbronn (Landkreis Freudenstadt), des Weiteren zu Oppenau, Ottenhöfen und Seebach (Ortenaukreis).[2][3] Getrennt werden die beiden Bereiche durch den Forbacher Ortsteil Hundsbach.

Die Parkfläche beträgt 10.062 Hektar, darunter 2.447 Hektar im Teilbereich Hoher Ochsenkopf/Plättig und 7.615 Hektar um den Ruhestein.

Organisation[Bearbeiten]

Dienstsitz für die Verwaltung des Nationalparks ist das Naturschutzzentrum Ruhestein. Weitere Dienstorte sind das frühere Forstamt in Baiersbronn-Klosterreichenbach und das alte Winterdienstgehöft an der Alexanderschanze bei Bad Peterstal-Griesbach.[4] Leiter der Nationalparkverwaltung sind der Forstwissenschaftler Thomas Waldenspuhl und der Biologe Wolfgang Schlund. Am 1. Januar 2014 nahm die Nationalparkverwaltung mit den ersten 40 Mitarbeitern auf 31,5 Planstellen, die aus der Forst- und Naturschutzverwaltung auf den Nationalpark übergingen, die Arbeit auf. Im Jahr 2014 wird der Nationalpark auf 63 Stellen wachsen. Bis 2016Vorlage:Zukunft/In 2 Jahren soll die Nationalparkverwaltung auf 89 Stellen anwachsen.[5]

Idee und Vorgeschichte[Bearbeiten]

Die Idee eines Nationalparks im Nordschwarzwald war bereits Anfang der 1990er-Jahre durch das NABU-Institut in Bühl in die Diskussion gebracht worden.[6] Landwirtschaftsminister Gerhard Weiser (CDU) und Umweltminister Erwin Vetter (CDU) sprachen sich für ein Gutachten dazu aus. Ministerpräsident Erwin Teufel ließ 1992 zu Beginn der Großen Koalition ein Gutachten zu Möglichkeiten, Chancen und Risiken des Nationalparks in Auftrag zu geben.[7] In den Folgejahren wurde der Nationalpark von Ministerpräsident Teufel abgelehnt.

2005 kam es mit dem Wechsel von Erwin Teufel zu Günther Oettinger zum Ministerpräsident auch zu einem Wechsel in der Naturschutzpolitik. Das von Teufel ebenfalls abgelehnte Biosphärenreservat Schwäbische Alb benannte Oettinger gleich in der ersten Regierungserklärung als ein geplantes Ziel der neuen Landesregierung.[8] Auch ein Nationalpark wurde im Kabinett Oettinger II nicht mehr strikt abgelehnt. 2010 zeigte sich die CDU im Landtag offen für einen Nationalpark, sofern die Bevölkerung vor Ort dies wolle,[9] und schrieb dies in die kurz vor der Wahl beschlossene Naturschutzstrategie.[10]

Der NABU-Landesverband Baden-Württemberg prüfte im Jahr 2011 anhand der Kriterien für Nationalparks in Deutschland mehrere Standorte in Baden-Württemberg und kam zu dem Schluss, dass im Nordschwarzwald diese Kriterien erfüllt werden können. In einem ersten Schritt hat die NABU-Studie einen möglichen „Suchraum“ von rund 40.000 Hektar identifiziert, innerhalb dessen der Nationalpark mit der Mindestgröße von 10.000 Hektar entstehen kann.[11]

Der NABU nannte als besonders geeignete Gebiete drei so genannte unzerschnittene verkehrsarme Räume, die alle ganz oder überwiegend im Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen liegen:

  • Grindenschwarzwald und Enzhöhen mit Eyachtal (UZVR 7)[12]
  • Grindenschwarzwald zwischen Murg und Enz (UZVR 8)
  • Grindenschwarzwald – Bühler Höhen (UZVR 9)

Politische Willensbildung und Einrichtung des Nationalparks[Bearbeiten]

Standortsuche und Entscheidungsverfahren[Bearbeiten]

Die 2011 gewählte grün-rote Landesregierung Baden-Württembergs schrieb die Einrichtung eines Nationalparks – unter Berücksichtigung der Anregungen aus der Region – in den Koalitionsvertrag. Sie befürwortete einen Nationalpark, wenn er von der Bevölkerung mitgetragen wird.[13] Ein Gutachten sollte die Vor- und Nachteile untersuchen bzw. aufzeigen.

Blick vom Hohloh zur Hornisgrinde. Rechts im Mittelgrund, unterhalb des großen Sendeturms, der Hohe Ochsenkopf.

Das EU-weit ausgeschriebene Gutachten wurde in einer Kooperation mehrerer Unternehmen unter Federführung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers erstellt.[14][15]

Die Suchkulisse des zuständigen Landesministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz setzte sich aus drei großen Teilgebieten mit einer Gesamtgröße von rund 17.000 Hektar zusammen. Diese befinden sich westlich und östlich des Murgtals im Nordschwarzwald: Etwa 9.000 Hektar im Gebiet um den Ruhestein, 2.000 Hektar um den Hohen Ochsenkopf und 6.000 Hektar im Bereich Kaltenbronn. Im Teilgebiet Kaltenbronn standen bereits 98 Prozent der Fläche unter Schutz, am Ruhestein 93 Prozent und im Bereich Hoher Ochsenkopf immerhin schon 50 Prozent.[16]

Parallel zur Arbeit der Gutachter berieten in sieben regionalen Arbeitskreisen unter Beteiligung und in Anwesenheit der Gutachterfirmen unterschiedliche Vertreter verschiedene Themenfelder rund um einen möglichen Nationalpark:

  • Regionalentwicklung/Infrastruktur: ÖPNV und Individualverkehr in und um einen Nationalpark, Planungsrecht und Mitspracherechte, mögliche Auswirkungen auf Regenerative Energien, Trinkwasser, Holznutzung
  • Tourismus: mögliche zusätzliche Wertschöpfung im Tourismus, Ansprüche der Bevölkerung an die Erholungsnutzung
  • Naturpark und Nationalpark: Zusammenarbeit Nationalpark und Naturpark, Vermarktung und Förderung
  • Waldumbau/Borkenkäfer: Waldentwicklung in einem Entwicklungsnationalpark, notwendige Strategien zum Borkenkäfermanagement
  • Naturschutz/Biodiversität: Auswirkungen auf die Biodiversität, mögliche Konflikte mit speziellen Artenschutzmaßnahmen
  • Wildtiermanagement: Auswirkungen eines möglichen Nationalparks auf Wildtierbestände, Erarbeitung notwendiger Managementstrategien
  • Auerwild: Umsetzung der auerhuhnfördernden Maßnahmen (Aktionsplan Auerhuhn) in einem möglichen Nationalpark

Das Gutachten wurde am 8. April 2013 vorgestellt.[17]

Am 4. Juni 2013 präsentierte der Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Alexander Bonde im Kabinett Kretschmann einen Vorschlag, der einen Gesetzentwurf vorbereitete und die zwei Teilgebiete Ruhestein und Hoher Ochsenkopf/Plättig umfasst. Das Gebiet um Kaltenbronn wurde ebenso herausgenommen wie einige tiefer gelegene Randbereiche.[18] Statt Nationalpark Nordschwarzwald lautete der Name nun Nationalpark Schwarzwald.

Bis zum 14. August 2013 konnte der Gesetzentwurf im Beteiligungsportal des Landes kommentiert werden.[19] Am 8. Oktober 2013 beschloss das Kabinett den Entwurf zum Gesetz zur Errichtung des Nationalparks Schwarzwald, der am 23. Oktober 2013 in den Landtag Baden-Württemberg eingebracht wurde.[20] Am 28. November 2013 nahm der Landtag in namentlicher Abstimmung mit 71 zu 63 Stimmen das Gesetz an. Grüne und SPD stimmten geschlossen dafür, CDU und FDP bis auf den CDU-Abgeordneten Günther-Martin Pauli dagegen.[21][22]

Positionen der Akteure in der politischen Willensbildung[Bearbeiten]

Die Einrichtung des Nationalparks war umstritten. Im folgenden werden die unterschiedlichen Positionen der Akteure aufgezeigt.

Politik[Bearbeiten]

Die Landesregierung erhofft sich durch den Nationalpark touristische und wirtschaftliche Impulse für die Region sowie einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt.[23]

SPD und Grüne argumentierten im Sommer 2011 für den Nationalpark. Zu den Auswirkungen sagten sie, es sei lediglich eine Umwidmung von 10.000 bis 15.000 Hektar ausschließlich auf Flächen des Landes geplant (Staatswald).[24] Sie verwiesen zudem auf einen weitgehenden parteiübergreifenden Konsens: Im Landtagswahlkampf hatten nicht nur Grüne und SPD, sondern auch die CDU einen Nationalpark gefordert.[24]

Die FDP im Landtag lehnte 2011 einen Nationalpark im Nordschwarzwald ab. Sie argumentierte, es gebe dort keine ausreichend große zusammenhängende Fläche. Die nötigen 75 Quadratkilometer der Kernzone störten die bestehende Balance zwischen Mensch, Umwelt und Wirtschaft in der Region.[25] FDP-Fraktionssprecher Hans-Ulrich Rülke bestätigte die ablehnende Haltung seiner Fraktion im April 2013.[26] FDP-Landeschefin Birgit Homburger erklärte im Juni 2013, dass die rot-grüne Landesregierung keine Rücksicht auf die Bevölkerung vor Ort und auf Kosten nehme, um ihr „Prestigeprojekt Nationalpark durchzudrücken“.[27]

Die CDU-Landtagsfraktion kündigte im Juli 2013 an, gegen das Nationalparkgesetz stimmen zu wollen, um der Ablehnung der Menschen vor Ort Rechnung zu tragen.[28] Ex-Ministerpräsident Oettinger äußerte sich im November 2012 jedoch ebenso positiv für die Ausweisung des Nationalparks,[29] wie dies 20 weitere CDU-Politiker taten, zu denen auch Erwin Vetter gehörte.[30]

Tourismus[Bearbeiten]

Die Schwarzwald Tourismus GmbH findet einerseits, dass ein Nationalpark ein zusätzlicher Anreiz für Touristen sein könne. Andererseits sieht sie die Notwendigkeit eines Nationalparks nicht, da schon „Wildnisgebiete“ existierten.[31] Der Geschäftsführer der Tourismus Marketing Baden-Württemberg, Andreas Braun, setzt sich offensiv für einen Nationalpark ein, da er sich positive Effekte für den Tourismus erhofft.[32][26]

Das Gutachten von PricewaterhouseCoopers erwartet 248 bis 621 neue Arbeitsplätzen im Tourismus. Zusätzliche 190.000 neue Übernachtungsgäste und etwa 255.000 neue Tagesgäste würden zudem Umsätze von rund 18 Millionen Euro schaffen, was nach Angaben der Gutachter 428 Vollarbeitsplätzen entspräche.[26]

Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Typischer Fichtenwald im Schwarzwald als Kulturlandschaftsmerkmal

Vor allem die holzverarbeitende Industrie und kleine Sägereien äußerten wirtschaftliche Vorbehalte. Aus ihrer Sicht gibt es keine Rechtfertigung für die Ausweisung eines Totalreservates mit Totholzflächen. Sie argumentierten, dass in ganz Europa die Nachfrage nach Holz steige, aber das Angebot sinke. Daher sei es nicht vernünftig, die Wälder sich selbst zu überlassen und nicht zu bewirtschaften. Die auszuweisenden 10.000 Hektar Wald entsprächen etwa 100.000 Festmeter Holz, die dem Markt dann entzogen würden. Dadurch könnten Arbeitsplätze in der Forstwirtschaft wegfallen.[31] Das Gutachten von PriceWaterhouseCoopers geht von 26.600 Festmetern aus, die kompensiert werden müssten, sowie von einer Gefahr für etwa 110 Arbeitsplätze, falls dies nicht gelingen sollte.[26] Die Landtagsfraktion der Grünen verweist darauf, dass in einem Entwicklungsnationalpark die ersten zwanzig bis maximal dreißig Jahre aufgrund der teils starken „Verfichtung“ mit einem höheren Fichten-Einschlag als derzeit zu rechnen sei.[33]

Der Bundesverband Holzpackmittel, Exportverpackung (HPE) weist darauf hin, dass er seine Holzversorgung durch Einkauf in anderen Regionen Deutschlands oder durch Importware aus Osteuropa mit möglicherweise abgeschwächten Nachhaltigkeitskriterien vornehmen müsste. Das führe zu höherem CO2-Ausstoß und höheren Kosten durch lange Transportwege.[31]

Die Forstkammer Baden-Württemberg, als Vertreterin der kommunalen und privaten Waldbesitzer, sieht die Ausweisung eines Nationalparks wegen der Existenzsorgen der davon betroffenen, direkt angrenzenden Waldeigentümer skeptisch. Sie befürchtet „negative Seiteneffekte sowohl für Waldbesitz und Wirtschaft, als auch für Umwelt und Klimaschutz“.[34] Unter dem Titel Tourismus und Nationalpark im Nordschwarzwald – zwei harmonische Partner? hat der Forstwissenschaftler Wolfgang Tzschupke Argumente gegen das Projekt zusammengefasst.[35]

Bewohner[Bearbeiten]

Im August 2011 hat sich die private Interessengemeinschaft Unser Nordschwarzwald gebildet, die sich gegen den Park ausspricht. Auffällig sind die von der Gruppe gestalteten Schilder und Aufkleber, die jenen des Protests gegen Stuttgart 21 ähneln. Auf ihnen steht auf grünem Grund rot durchgestrichen „Nationalpark“. Einige private Grundstückseigentümer haben diese Schilder auf ihrem Besitz aufgestellt. Unser Nordschwarzwald ist seit Februar 2012 ein eingetragener Verein mit Sitz in Baiersbronn. Der Verein hat das Ziel, den Nationalpark Nordschwarzwald zu verhindern; er sieht die Bürger des Nordschwarzwalds als „Opfer von Wildnisideologen“.[36] Der Verein argumentiert u. a., dass Naturschutz, wie er in Nationalparks umgesetzt wird, im Schwarzwald keinerlei Vorteile gegenüber bereits bestehenden Maßnahmen und Einrichtungen brächte. Der Nordschwarzwald verfügte bereits über zahlreiche Bannwälder und Naturschutz- bzw. Natura-2000-Gebiete. Sensible Naturräume ständen bereits unter Schutz und die bisherige „Symbiose zwischen Schutz und Nutzung der Natur“ habe sich bewährt.[37]

Am 3. Dezember 2011 gründete sich auf der Darmstädter Hütte der Verein „Freundeskreis Nationalpark Schwarzwald e. V.“. Der Verein ist ein Zusammenschluss von Bürgern mit dem Ziel, die Einrichtung eines Nationalparks im Nordschwarzwald zu unterstützen.[38]

Am 12. Mai 2013 fanden in sieben Gemeinden Bürgerbefragungen statt, die aber rechtlich weder auf kommunaler noch auf Landesebene bindende Wirkung haben. Die Bevölkerung in den Gemeinden Bad Wildbad, Enzklösterle, Bad Herrenalb, Freudenstadt, Baiersbronn, Seewald und Forbach sprach sich bei unterschiedlicher Wahlbeteiligung mit durchschnittlich 75 % gegen die Einrichtung des Nationalparks aus.[39][40] Nach dem danach veröffentlichten Vorschlag von Alexander Bonde liegen zwei der sieben dem Nationalpark ablehnend gegenüberstehenden Gemeinden im Gebiet des Parks.

Die Gemeinde Forbach fürchtete laut Stuttgarter Zeitung im August 2011 um ihr Holz und die Freiheiten der Bürger. Bürgermeister Kuno Kußmann (CDU) gab an, dass „Beeren sammeln, Jagen und Holzmachen dann nicht mehr gingen und Schädlinge, die sich im Nationalpark ungehindert entwickeln dürften, die angrenzenden Nutzwälder der Gemeinde schädigen könnten“.[31] Nach der Veröffentlichung des Bonde-Vorschlags erklärte er jedoch, sich in die weitere Gestaltung einbringen zu wollen, damit „Chancen gemehrt und Risiken minimiert werden“ können.[41]

Im Anhörungsverfahren zum Nationalpark-Gesetz stimmten sowohl eine Mehrheit der sieben Nationalpark-Gemeinden, der fünf Stadt- und Landkreise der Region und der drei beteiligten Regionalverbände als auch der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord für die Einrichtung des Nationalparks.

Naturschutzverbände[Bearbeiten]

Die Naturschutzverbände BUND und NABU unterstützen die Idee eines Nationalparkes. Der NABU Baden-Württemberg finanzierte aus eigenen Mitteln ein Gutachten, das die Eignung verschiedener Gebiete im Schwarzwald untersuchte.[42] Der WWF sieht in dem Vorhaben eine „Chance für den Schwarzwald“[43] und eine „Bereicherung – auch für Menschen“.[44]

Staatlicher Naturschutz[Bearbeiten]

Die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Beate Jessel begrüßte aus Anlass der internationalen Schutzgebietskonferenz von Europarc die Diskussion um einen Nationalpark in Baden-Württemberg. Nach Ansicht der BfN-Präsidentin bedarf es in Deutschland der Neuausweisung von weiteren Nationalparks, um das Fünf-Prozent-Ziel einer natürlichen Waldentwicklung der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu erreichen und um zu gewährleisten, dass alle Großlandschaften exemplarisch durch Nationalparks erfasst sind. „Daher begrüße ich die Nationalparkinitiative des Landes Baden-Württemberg“,[45] sagte Jessel.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nationalpark Schwarzwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nationalpark im Schwarzwald Website des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, abgerufen am 30. November 2013
  2. Gesetzentwurf der Landesregierung, Drucksache 15/4127 vom 8. Oktober 2013 (PDF; 11 MB). Enthält detailliertes Kartenmaterial.
  3. Nationalpark Schwarzwald – Übersichtskarte, Anlage 1 zu § 2 Absatz 1 NLPG (PDF; 2,56 MB), abgerufen am 8. Dezember 2013
  4. Erste Entscheidungen sind gefallen In: Stuttgarter-Zeitung.de vom 13. Dezember 2013
  5. Zwei Chefs teilen sich die Aufgaben. In: Stuttgarter-Zeitung.de vom 20. Dezember 2013
  6. Volker Späth: Nationalparkvorschlag Nordschwarzwald. Bestandsaufnahme und Bewertung der Möglichkeiten naturnaher Waldpflege und ungestörter Waldentwicklung in: Naturschutzbund Deutschland: Beihefte zum Naturschutzforum (3), DBV, Kornwestheim 1992, S. 1–76
  7. Antrag von Norbert Schneider u.a. CDU 9. Oktober 1992 und Stellungnahme StM Drs 11/685, 11. Landtag von Baden-Württemberg, zitiert nach [1]
  8. Günther H. Oettinger: Tatkraft und Selbstvertrauen in schwieriger Zeit. Arbeit schaffen, Sicherheit geben, Heimat bewahren. 27. April 2005, archiviert vom Original am 9. Februar 2006, abgerufen am 17. August 2013.
  9. Biosphärenreservate in Baden-Württemberg (PDF; 39 kB), Landtag von Baden-Württemberg, 14. Wahlperiode, Drucksache 14/6799, 3. August 2010, abgerufen am 17. August 2013
  10. Natur–das grüne Kapital unseres Landes. Naturschutzstrategie Baden-Württemberg 2020 (PDF; 457 kB), baden-wuerttemberg.de, 23. März 2011, abgerufen am 17. August 2013
  11. Michael Hug, Ingrid Eberhardt-Schad: Naturschutzfachliches Screening nationalparktauglicher Gebiete in Baden-Württemberg (PDF; 3,0 MB), NABU-Landesverband Baden-Württemberg, 10. Mai 2011, abgerufen am 15. August 2013
  12. Steckbriefe für die Unzerschnittenen Verkehrsarmen Räume UZVR100, lubw.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 17. August 2013
  13. Der Wechsel beginnt. Koalitionsvertrag zwischen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD Baden-Württemberg (PDF; 1,3 MB), baden-wuerttemberg.de, 9. Mai 2011, abgerufen am 17. August 2013
  14. Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte des Gutachtens (PDF; 393 kB), schwarzwald-nationalpark.de, abgerufen am 17. August 2013
  15. Vollständiges Gutachten, schwarzwald-nationalpark.de, abgerufen am 17. August 2013 (PDF-Datei, 95 MB)
  16. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Naturpark-Kulisse
  17. Andrea Koch-Widmann: Nationalpark im Fokus. stuttgarter-zeitung.de vom 19. März 2013
  18. Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Minister Bonde schlägt Gebietskulisse für Nationalpark vor Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg, abgerufen am 5. Juni 2013
  19. Beteiligungsportal Baden-Württemberg.de: Entwurf eines Gesetzes für einen Nationalpark Schwarzwald, beteiligungsportal.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 17. August 2013
  20. Andreas Böhme: Landtag bringt Nationalpark Schwarzwald auf den Weg. In: swp.de vom 23. Oktober 2013
  21. Weg frei für den Nationalpark Schwarzwald. In: suedkurier.de vom 29. November 2013
  22. CDU-Querkopf Pauli stimmt gegen Nationalpark, swp.de, 28. November 2013, abgerufen am 7. Dezember 2013
  23. Diskussion über Nationalpark im Nordschwarzwald, Pressemitteilung, baden-wuerttemberg.de, 8. September 2011, abgerufen am 17. August 2013
  24. a b Nordschwarzwald: FDP will keinen Nationalpark im Südwesten, schwarzwaelder-bote.de, 18. August 2011, abgerufen am 17. August 2013
  25. Naturschutzgebiet : FDP will keinen Nationalpark im Schwarzwald, welt.de, 18. August 2011, abgerufen am 17. August 2013
  26. a b c d Gutachten: Regierung sieht Pläne für Nationalpark bestätigt, welt.de, 8. April 2013, abgerufen am 17. August 2013
  27. Nadine Michel: Bewohner gegen Nationalpark in: taz.de vom 5. Juni 2013
  28. Südwest: Die CDU geht von der Stange, Badische Zeitung, 24. Juli 2013, abgerufen am 17. August 2013
  29. Südwest: Oettinger für Nationalpark, Badische Zeitung, 23. November 2012, abgerufen am 17. August 2013
  30. Martina Philipp: Südwest: Baiersbronn: Nationalpark Nordschwarzwald: Befürworter in der CDU, Badische Zeitung, 17. November 2012, abgerufen am 17. August 2013
  31. a b c d Nordschwarzwald: Geplanter Nationalpark erhitzt die Gemüter, stuttgarter-zeitung.de, 4. August 2011, abgerufen am 17. August 2013
  32. Andreas Braun, Geschäftsführer Tourismus und Marketing GmbH Baden-Württemberg. Der Nationalpark ist eine Frischzellenkur für den Nordschwarzwald, um.baden-wuerttemberg.de, abgerufen am 17. August 2013
  33. Thema Nationalpark im Nordschwarzwald, spd-kreis-calw.de, 3. November 2011, abgerufen am 17. August 2013
  34. Forstkammer Baden-Württemberg: Nationalpark. Abgerufen am 6. April 2013.
  35. Tourismus und Nationalpark im Nordschwarzwald – zwei harmonische Partner? (PDF, 450 KB)
  36. http://www.unser-nordschwarzwald.de/2012/09/12/naturschutzaktivisten-ziehen-durch-den-nordschwarzwald/
  37. http://www.unser-nordschwarzwald.de/ja/ja-zur-natur/
  38. Wir über uns!, pro-nationalpark-schwarzwald.de, abgerufen am 17. August 2013
  39. Raimund Weible: Land bleibt bei Nationalpark-Plänen Streit geht nach Bürger-Nein in sieben Kommunen weiter - Klares Ja aus Baden-Baden, swp.de, 14. Juni 2013, abgerufen am 28. November 2013
  40. Bürgerbefragung Nationalpark Nordschwarzwald. Abgerufen am 16. Oktober 2013.
  41. Ingo Senft-Werner und Susanne Kupke: Nationalpark - eine Sache des Prestiges, dpa-Meldung, 10. Juni 2013, abgerufen am 28. November 2013
  42. nationalparknordschwarzwald.de
  43. Chance für den Schwarzwald – WWF unterstützt Pläne für Nationalpark im Schwarzwald. 8. April 2013, abgerufen am 16. August 2013.
  44. Geplanter Nationalpark Nordschwarzwald: Diskussion um eine große Chance. Abgerufen am 16. August 2013.
  45. BfN Pressemitteilung: BfN-Praesidentin begruesst die Nationalparkinitiative in Baden-Wuerttemberg 21. September 2011