Sachbezug

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Sachbezug – Kostenlose Getränke in einem Unternehmen

Als Sachbezug (englisch employee benefits, deutsch Sozialleistungen, Leistungen an Arbeitnehmer oder englisch fringe benefits, deutsch besondere Sozialleistungen, Gehaltsnebenleistungen) bezeichnet man

  • Einnahmen, die nicht in Geld bestehen,
  • geldwerte Vorteile, die den Empfänger bereichern,
  • Naturallohn,
  • Arbeitgeberleistungen, die nicht zum fixen Arbeitlohn gehören,
  • steuerfreie Zuwendungen, die der Arbeitgeber an seinen Mitarbeiter gewährt,
  • sozialversicherungs- und steuerfreie Zuwendungen,
  • nicht steuerbare und steuerfreie Zuwendungen.

In Österreich ist der Ausdruck Sachzuwendung an Dienstnehmer gebräuchlich.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den Einnahmen zählen alle Güter, die in Geld oder Geldeswert bestehen nach § 8 Abs. 1 EStG. Damit gehört der Wert eines Sachbezugs bei einem Arbeitnehmer zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. Ein Sachbezug wird jedoch nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG bis 44 Euro im Kalendermonat nicht zum Arbeitslohn gezählt (Freigrenze) - ggf. nach Abzug des vom Steuerpflichtigen gezahlten Entgelts.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Überlassung eines Dienstwagens zum privaten Gebrauch
  • Kost und Wohnung bei Hausangestellten
  • Waren oder Dienstleistungen, die ein Arbeitnehmer aufgrund seines Arbeitsverhältnisses billiger oder unentgeltlich erhält; siehe Deputatlohn, Personalrabatt
  • Die Differenz zwischen aktuellem Kurswert und Basiswert einer Aktie beim Ausüben von Aktienoptionen, die dem Arbeitnehmer gewährt wurden.
  • Gutscheine, wie z. B. Tankgutscheine, Kinogutscheine oder Warengutscheine bis zu einem Wert von 44 Euro. Ob der Gutschein eine Wertangabe (im Rahmen der 44 Euro Freigrenze) enthält, ist dabei nicht relevant. Voraussetzung ist, dass der Gutschein an eine Sachleistung gebunden ist und nicht monetär ausgezahlt werden kann.[1] Eine Erstattung oder Ausbezahlung von Geldbeträgen muss ausgeschlossen sein.
  • Geschenke zu besonderen Anlässen: Als Sachbezug gelten nach R 19.6 LStR Sachleistungen in Form von Aufmerksamkeiten des Arbeitgebers bis zu einem Wert von 60 Euro (vor 2015 nur 40 Euro), die „im gesellschaftlichen Verkehr üblicherweise ausgetauscht werden“. Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist hier, dass die Zuwendung aufgrund eines „besonderen persönlichen Anlasses“ erfolgt. Solch ein Anlass kann z. B. der Geburtstag, das Firmenjubiläum oder die Hochzeit eines Mitarbeiters sein.
  • Gewährt ein Arbeitgeber Mitarbeitern, ihre Elektrofahrzeuge am Arbeitsplatz aufzuladen, so werden die Stromkosten seit Mitte November 2016 nicht auf den Sachbezug angerechnet.[2]
  • Arbeitskleidung (§ 3 Nr. 31 EStG)
  • Digitaler Sachbezug über prepaid Mastercard[3]
  • Übungsleiterpauschale (§ 3 Nr. 12 oder 26 EStG[4])
  • Kindergartenzuschuss (§ 3 Nr. 33 EStG)
  • Gesundheitsförderung bis zu 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter (§ 3 Nr. 34 EStG)
  • Betreuungsbeihilfeleistungen zur Verbesserung der Work-Life-Balance (Beruf-Kinder und pflegebedürftige Familienangehörige) (§ 3 Nr. 34a EStG)
  • Fahrtkostenzuschüsse - Job-Ticket (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG)
  • pauschalversteuerter Sachbezug (§ 37b EStG)
  • Mahlzeiten (§ 40 EStG)

Bewertung des Sachbezugs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Wert eines Sachbezugs ist nach § 8 EStG mit dem Endpreis am Abgabeort, gemindert um übliche Preisnachlässe, anzusetzen.[5]

Vorgaben zur Bewertung existieren hinsichtlich der Überlassung von Firmenwagen. Für Kost und Logis sind die Werte in der Sozialversicherungsentgeltverordnung im Einzelnen festgelegt.

Erhält ein Arbeitnehmer auf Grund seines Dienstverhältnisses Waren oder Dienstleistungen, die vom Arbeitgeber nicht überwiegend für den Bedarf seiner Arbeitnehmer hergestellt, vertrieben oder erbracht werden, gilt als Sachbezug der um 4 % geminderte Endpreis. Endpreis ist der Wert, zu dem der Arbeitgeber oder der dem Abgabeort nächstansässige Abnehmer die Waren oder Dienstleistungen fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet. Sachbezüge sind steuerfrei, soweit sie aus dem Arbeitsverhältnis insgesamt 1.080 Euro im Kalenderjahr nicht übersteigen (Rabattfreibetrag).

Besteuerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Optional besteht für betrieblich veranlasste Zuwendungen, die zusätzlich zur ohnehin vereinbarten Leistung oder Gegenleistung erbracht werden, und für Geschenke an Personen, die nicht Arbeitnehmer des Steuerpflichtigen sind, die Möglichkeit, die Einkommensteuer als Pauschalsteuer mit 30 % nach § 37b EStG für den Empfänger zu übernehmen.

Beim Sachbezug gilt das Zuflussprinzip.[6]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachzuwendungen an Dienstnehmer gelten als lohnsteuerpflichtige Bezugsteile. Das Gesetz normiert nur bestimmte Geschenke des Arbeitgebers an seine Arbeitnehmer sowie bestimmte Vorteile aus der Teilnahme an Betriebsveranstaltungen mit den dabei verbundenen üblichen Sachzuwendungen als lohnsteuerbefreit.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFH, Urteil vom 11. November 2010, Az. VI R 27/09 Volltext; Az. VI R 41/10 Volltext; Az. VI R 21/09, Volltext.
  2. Marco Völklein: Verkehrssicherheit: Was sich für Auto- und Radfahrer 2017 ändert. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 28. Dezember 2016]).
  3. Sachbezug über Mastercard im Firmendesign
  4. BMF vom 25. November 2008, Az. IV C 4 -S 2121/07/0010, BStBl 2008 I S. 985, Volltext
  5. Zu Einzelheiten siehe Lohnsteuer-Richtlinien (LStR) unter Rz. 8.1.
  6. Besteuerung des Arbeitslohns der Arbeitnehmer auf Haufe Verlag
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