Naturdenkmal

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Brunnenpark in Hofgeismar ist als flächenhaftes Naturdenkmal ausgewiesen

Ein Naturdenkmal ist ein natürlich entstandenes Landschaftselement, das unter Naturschutz gestellt ist. Es kann ein einzeln stehendes oder vorkommendes Gebilde wie eine Felsnadel oder ein einzeln stehender Baum sein, undefinierten Umfangs wie eine Höhle oder auch ein Gebiet oder Gebilde mit einer beschränkten Fläche und einer klaren Abgrenzung von seiner Umgebung wie ein Felsengarten oder eine Wiese; letztere werden als flächenhaftes Naturdenkmal oder Flächennaturdenkmal bezeichnet.

Definition[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Kennzeichnung eines Naturdenkmals in Österreich nach dem Reichsnaturschutzgesetz 1935

Das Naturdenkmal – ein Begriff, den Alexander von Humboldt in der Beschreibung seiner Amerikareise „Relation historique“[1] benutzt: „monuments de la nature“,[2] dennoch konnte der Begriff „Naturdenkmal“ in Wörterbüchern oder Lexika vor 1900 nicht nachgewiesen werden – wird oft als Naturschöpfung bezeichnet, kann jedoch gleichzeitig Zeuge der historischen Kulturlandschaft sein (markante gepflanzte Einzelbäume oder Aufschlüsse mit besonderen geologischen Bildungen).

Schon im Jahre 1904 hatte Hugo Conwentz eine Denkschrift mit dem Titel Die Gefährdung der Naturdenkmäler und Vorschläge zu ihrer Erhaltung verfasst, die er bei dem Ministerium der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten einreichte.

Kategorie der IUCN: Natural Monument or Feature[Bearbeiten]

In der 1978 erstellten Schutzgebiets-Systemtik der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN), der als internationaler Vergleichsmaßstab dient, bildet Natural Monument or Feature (deutsch meist Naturdenkmal) die Kategorie III.

“Protected areas set aside to protect a specific natural monument, which can be a landform, sea mount, submarine cavern, geological feature such as a cave, or even a living feature such as an ancient grove. They are generally quite small protected areas and often have high visitor value.”

„Gebiete, die besondere Naturerscheinungen schützen, etwa eine Geländeformation, einen untermeerischen Berg, eine Unterwasserhöhle, ein Geotop wie eine Höhle oder sogar ein lebendiges Gebilde wie ein alter Hain. Diese Gebiete sind meist recht klein und haben hohe Besucherwirksamkeit.“[3]

Wie bei allen IUCN-Kategorien liegt der Fokus der Klassierung auf der Gestaltung von Schutzziel und Management (Maßnahmen von Eingriffen und Verboten). Sie sind nicht darauf ausgerichtet, Ökosysteme zu bewahren, Biodiversität wird aber indirekt begünstigt.[4] Außerdem ist es eine Klasse, die beispielsweise auch in dicht bebautem Gebiet ausgewiesen werden kann und daher Naturreste schützen kann. Sonst gelten aber Naturdenkmäler insbesondere als „Botschafter“ des Umweltgedankens, da sie Schutzgut in seiner Vielfalt sehr eindrücklich darstellen (daher der deutsche Ausdruck Denkmal).

Zur IUCN-Kategorie III gehören die Naturdenkmäler deutschen Gepräges, aber auch zahlreiche andere Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz als ganze Klasse oder einzelne Schutzobjekte je nach nationalem Schutzziel und -ausmaß.

Nationales[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland ist der Schutz von Naturdenkmälern in § 28 des Bundesnaturschutzgesetzes und in den Länder-Naturschutzgesetzen verankert.

Der Schutz begründet sich durch die Seltenheit, Eigenart oder Schönheit des Naturdenkmals sowie seinen Wert für Wissenschaft, Heimatkunde und Naturverständnis und umfasst ein weitgehendes Veränderungsverbot. Näheres regeln Rechtsverordnungen auf der Grundlage des jeweiligen Landesrechtes.

Österreich[Bearbeiten]

In Österreich können Naturgebilde, besondere Einzelbäume oder Baumgruppen, Felsen, Höhlen und Wasserfälle, wegen ihrer Eigenart, Schönheit, Seltenheit oder ihres besonderen Gepräges, ihrer wissenschaftlichen oder kulturellen Bedeutung von der Bezirksverwaltungsbehörde zu Naturdenkmalen erklärt werden. Die Objekte werden von den Naturschutzabteilungen der Landesregierungen registriert und sind mit grünen Tafeln mit Landeswappen gekennzeichnet. Sie sind in den Landesnaturschutzgesetzen definiert, da Naturschutz Ländersache ist, und in allen neun Bundesländern vorhanden.

Zur IUCN-Kategorie III gehören neben der Klasse Naturdenkmal auch geschützter Landschaftsteil und diverse Spezialklassen der Landesebene, wie geschütztes Naturgebilde (Salzburg), Naturdenkmal von örtlicher Bedeutung (Vorarlberg) oder Örtliches Naturdenkmal (Kärnten) und diverser ex-lege-Schutz (nicht explizit ausgewiesene Naturgebilde, die prinzipiell unter Schutz stehen), wie der Höhlenschutz (sofern es zugängliche Schauhöhlen sind, sonst gilt Betretungsverbot für die Öffentlichkeit, womit sie in eine höhere Schutzkategorie fallen), oder die Baumschutzverordnung (Stadt Salzburg, für alle Bäume eines gewissen Alters/Stammdurchmessers).

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist das Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz (NHG) maßgebend und die Schutzobjekte sind im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Piechocki: Stichwort: Naturdenkmal. Naturwissenschaftliche Rundschau 59(4), S. 233 - 234 (2006), ISSN 0028-1050

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Naturdenkmäler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neudruck, hrsg. v. Hanno Beck, Stuttgart 1970, Bd. 1, S. 617.
  2. dt. Übersetzung: „Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continents“, dt. v. Hermann Hauff, Bd. 2, Stuttgart 1859, S. 199: „Naturdenkmale“
  3. Zitat IUCN Protected Areas Categories System, iucn.org, abgerufen 3. August 2013;
    Übersetzung Wikipedia, folgt Artenschutz: Naturdenkmäler (IUCN Kategorie III), animalright.org, abgerufen 3. August 2013
  4. Artenschutz: Naturdenkmäler (IUCN Kategorie III), animalright.org