Naturprodukt

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Eier auf einem chinesischen Lebensmittelmarkt

Als Naturprodukt (auch Naturerzeugnis) gelten Werkstoffe, Stoffgemische oder auch Lebensmittel, welche weitgehend natürlich entstanden sind, in Urproduktion gewonnen wurden und ohne oder nur mit geringer Veränderung ihrer stofflichen Eigenschaften verwendet werden.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kompositum „Naturprodukt“ weist auf Produkte hin, die die Natur ohne wesentliche menschliche Eingriffe selbst geschaffen hat. Sie dienen als Nahrungs- oder Genussmittel der menschlichen Ernährung oder als Gebrauchsgegenstand. Dazu gehören Pflanzen, Tiere und natürliche Substanzen wie Wasser. Die frühere Subsistenzwirtschaft griff hierauf zum Zwecke der Selbstversorgung zurück. Bereits Aristoteles verstand unter Naturprodukten „die Tiere und ihre Aufbaustücke, die Pflanzen und die Elementarkörper wie Erde, Feuer, Luft und Wasser“.[1]

Wichtiges Kriterium für Naturprodukte ist ihre weitgehend naturbelassene Beschaffenheit. Werden sie dagegen wesentlich durch menschliche Bearbeitung – auch durch technische Prozesse – verändert, handelt es sich nicht mehr um Naturprodukte. Käse oder Leder sind beispielsweise im strengen Sinne keine Naturprodukte, weil das Naturprodukt Milch bzw. Tierhaut durch wesentliche menschliche Bearbeitung (Käseherstellung bzw. Gerben) umgewandelt wird. Metalle oder Mineralien sind ebenfalls keine Naturprodukte, weil sie erst durch Abbau gewonnen werden können. Bei allen Beispielen sind lediglich die Ausgangsstoffe Naturprodukte, nicht mehr dagegen die Fertigprodukte. Es hängt mithin vom Bearbeitungsgrad ab, ob es sich um Naturprodukte handelt oder nicht.

Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abgrenzung fällt im Einzelfall schwer. So ist ein Steak kein Naturprodukt, weil die menschliche Bearbeitung bei der Massentierhaltung von Rindern beginnt, sich über die Schlachtung und das Tranchieren fortsetzt und bei der Tiefkühlkette endet. Naturprodukte sind so komplex aufgebaut, dass es unmöglich ist, etwas Gleichwertiges auf künstliche Weise herzustellen. Sie sind reich an Vitaminen, Mineralien, Wasser, Proteinen, Kohlehydraten oder Fetten.[2]

Beispiele für als Naturprodukt bezeichnete Produkte sind Bioprodukte, Eier, Gemüse, Getreide, Holz[3], Honig[4], Kork[5], Obst, Speisefisch[6], Wolle[7] und Gestein.[8]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bewusstsein einer gesunden Ernährung und die Ökologie haben Naturprodukte stärker in den Mittelpunkt des Verbraucherinteresses gerückt und räumen ihnen Priorität vor künstlich hergestellten Stoffen ein. Nachwachsende Rohstoffe gelten als rezente organische Naturprodukte, die um der technischen Nutzung bzw. Wirtschaft willen existieren.[9]

Rechtsfragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturprodukte genießen keinen besonderen Rechtsschutz. Rechtlich von Bedeutung ist lediglich die Werbung für Naturprodukte. Eine so genannte „Natur-Werbung“ liegt stets dann vor, wenn ein Lebensmittel oder seine Zutaten mit Begriffen wie „Natur“, „reines Naturprodukt“, „natürlich“, „naturbelassen“, „naturnah“, „naturmild“ oder „natürlich genießen“ beworben wird.[10] Mit Natur-Bezug beworbene Lebensmittel müssen deshalb weder aus ökologischer Erzeugung noch aus der Region stammen. Eine mit Zusatzstoffen gefärbte Brause darf nicht als „reines Naturprodukt“ beworben werden, da Brause ein künstliches Produkt ist.[11]

Die Werbung für Naturprodukte muss den Prinzipien der Lauterkeit entsprechen. Eine irreführende Werbung liegt vor, wenn eine geschäftliche Handlung gemäß § 5 Abs. 1 UWG unwahre Angaben enthält oder sonstige zur Täuschung geeignete Angaben wie die wesentlichen Merkmale der Ware oder Beschaffenheit enthält. Das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) verbietet in § 11 LFGB Informationen über Lebensmittel, die den Anforderungen der Art. 7 Abs. 1 und Abs. 3 Verordnung (EU) Nr. 1169/2011 nicht entsprechen. Hierzu zählen die Eigenschaften des Lebensmittels, insbesondere in Bezug auf Art, Identität, Zusammensetzung, Menge, Haltbarkeit, Ursprungsland oder Herkunftsort und Methode der Herstellung oder Erzeugung. Aussagen über Schadstoffgehalte und Regionalität können daraus nicht abgeleitet werden.[12]

Vom Naturprodukt abzugrenzen ist der Begriff Naturstoff, der üblicherweise eine Reinsubstanz oder ein chemisch definiertes Gemisch bezeichnet.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aristoteles, Politik, Buch II, 192 b10
  2. Frank Feller, Die Macht der Beständigkeit - Gesund, Stark & Schön, 2014, o. S.
  3. Holz – Ein Naturprodukt mit wachsendem Potential. wald.de, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  4. Ulla Brauer: Honig: Herstellung, Sorten, Kennzeichnung. Norddeutscher Rundfunk, 12. Dezember 2016, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  5. Peter Steinhauer: Kork – der völlig unterschätzte Baustoff. welt.de, 4. Januar 2017, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  6. Renate Ahrens: Nasser Start in die Karpfensaison. mittelbayerische.de, 18. September 2017, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  7. Volle Auslastung bei Schoeller Spinning Group. ORF, 15. November 2017, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  8. Steffen Müller: Das Schicksal der Grabsteine. op-online.de, 25. August 2016, abgerufen am 10. Dezember 2017.
  9. Günter Altner/Heike Leitschuh/Gerd Michelsen/Udo E. Simonis/Ernst U. von Weizsäcker (Hrsg.), Jahrbuch Ökologie: 2008, 2007, S. 102
  10. Stefanie Hartwig, Werbung für Lebensmittel, 2013, S. 159
  11. Walter Zipfel/Kurt-Dietrich Rathke, Lebensmittelrecht, 2001, § 17, Rn. 7
  12. Markus Grube: Auslobung „Natur, natürlich“. Arbeitsgemeinschaft Getreideforschung e.V., abgerufen am 10. Dezember 2017 (PDF).
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