Naturschutzgebiet Stoltera

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Naturschutzgebiet Stoltera bei Rostock

IUCN-Kategorie IV − Habitat-/Species Management Area

Strand und Steilküste mit Hangabrutsch im nördlichen Bereich

Strand und Steilküste mit Hangabrutsch im nördlichen Bereich

Lage Ostseeküste westlich von Rostock-Warnemünde
Fläche 83,0 ha[1]
Kennung EU-Gebietsnummer 1838-301
WDPA-ID 165755
FFH-Gebiet 83,0 ha[2]
Geographische Lage 54° 11′ N, 12° 2′ OKoordinaten: 54° 10′ 31″ N, 12° 1′ 36″ O
Naturschutzgebiet Stoltera (Mecklenburg-Vorpommern)
Naturschutzgebiet Stoltera
Seehöhe von 0 m bis 13 m
Einrichtungsdatum 13. Oktober 1939
Verwaltung Amt für Stadtgrün, Naturschutz und Landschaftspflege der Hansestadt Rostock

Das Naturschutzgebiet Stoltera, offizielle Bezeichnung Naturschutzgebiet Stoltera bei Rostock, ist ein 83 Hektar umfassendes Naturschutzgebiet in Mecklenburg-Vorpommern westlich von Warnemünde. Es umfasst das als Stoltera bezeichnete, mit Küstenwald bestandene Kliff und den nördlich anschließenden Strand- und Flachwasserbereich der Ostsee. Die West-Ost-Ausdehnung beträgt 2,8 Kilometer bei einer Breite von ungefähr 300 Metern. Die Ausweisung erfolgte am 13. Oktober 1939 mit dem Ziel, einen aktiven Abschnitt der Steilküste mit Strandsaum und Wäldern zu schützen. Das Gebiet dient als geologisches Anschauungsobjekt für eiszeitliche Ablagerungen und Küstendynamik. Der Gebietszustand wird als gut eingestuft, da kein Küstenschutz die Gebietsentwicklung beeinträchtigt. Die intensive Nutzung als Naherholungsgebiet wirkt sich vereinzelt nachteilig aus.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Eiszeit wurde im Rostocker Raum eine Grundmoräne aus verschieden zusammengesetzten Geschiebemergelschichten abgelagert und durch nachfolgende Vorstoßphasen des Eises überformt. Die Schichten stammen aus unterschiedlichen Epochen der Eiszeit und sind stellenweise 100.000 Jahre alt. Warmphasen in der Eem-Warmzeit führten zur Grünfärbung einer über dem Strand anstehenden Schicht als sogenannte Grüne Rinde. Dieser geologische Aufschluss ist einzigartig im Bundesland.

Im unmittelbaren Küstenabbruchbereich bildete sich ein Kliff heraus, das noch heute etwa 13 Meter Höhe erreicht. Der Steilküstenaufschluss dient seit dem 19. Jahrhundert als geologisches Forschungsobjekt, beginnend mit den jahrzehntelangen Studien von Eugen Geinitz. Der Wald auf dem Kliff ist Anfang des 20. Jahrhunderts angepflanzt worden.

Pflanzen- und Tierwelt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Birken im bewaldeten Abschnitt oberhalb des Kliffs (im Frühjahr)
Strand an der Stoltera im Herbst

Das offene aktive Kliff ist ein extremer Lebensraum mit ungehindertem Witterungsangriff, Abbrüchen, hohem Salzgehalt der Luft und schattiger Lage durch Nordexposition.

Von See kommend finden sich die ersten Pionierpflanzen am Strand mit einer Spülsaum-Vegetation aus Strand-Melde, Salzmiere, Strandroggen und Meersenf. Am Kliffrand schließen Flächen mit Huflattich an, die sich zu einem Holunder-Sanddorngebüsch weiter entwickeln. Magerrasen und Pionierwald bedeckt die sandigen Hänge. Typische Vertreter sind Zitter-Pappel, Sal-Weide, Birke, Stiel-Eiche und Rotbuche. Der überwiegende Teil des Naturschutzgebietes wird von Laubmischwald mit Rot- und Hainbuche, Stiel-Eiche und Birke eingenommen. Es finden sich Bestände von Wiesen-Schachtelhalm und Breitblättriger Sitter.

In den nordexponierten lehmigen Steillagen lebt eine hochspezialisierte Art der Gattung der Ahlenkäfer Bembidion pallidipenne. In den Kliffs brüten Uferschwalben. Der Große Abendsegler kommt vor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stoltera 11. In: Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern. Demmler-Verlag, Schwerin 2003, ISBN 3-910150-52-7, S. 82 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Naturschutzgebiet Stoltera – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Infoblatt (PDF; 38 kB) der Stadt Rostock
  2. Stoltera bei Rostock (FFH-Gebiet). Steckbriefe der Natura-2000-Gebiete. Herausgegeben vom Bundesamt für Naturschutz. Abgerufen am 14. März 2017.