Naturschutzjugend

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Naturschutzjugend (NAJU) ist der eigenständige Kinder- und Jugendverband der deutschen Naturschutzorganisation Naturschutzbund Deutschland (NABU) sowie in Bayern des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV – der bayerischen Partnerorganisation des NABU). Mit über 80.000 Mitgliedern[1] ist die NAJU einer der bundesweit größten Jugendumweltverbände.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit den 1970er Jahren gab es Bestrebungen junger Mitglieder des NABU – damals noch Deutscher Bund für Vogelschutz (DBV) – eine eigenständige Jugendorganisation auf Bundesebene zu organisieren. Ende 1982 fand der erste DBV-Bundesjugendkongress statt, auf dem sich die Delegierten, darunter u.a. Jochen Flasbarth und Markus Rösler, für einen entsprechenden Antrag bei der DBV-Bundesvertreterversammlung aussprachen. So gelang es den Jugendlichen im DBV 1983, eine eigenständige Satzung für die Jugendorganisation bei der DBV-Tagung in Münster durchzusetzen. Jochen Flasbarth wurde der erste Vorsitzende des Jugendverbandes.[2]

1984 begann die DBV-Jugend den Umweltwettbewerb „Erlebter Frühling“, der Kinder bis heute dazu ermuntert, die jährlich wechselnden Frühlingsboten und deren Lebensräume zu erforschen.[2]

Im Jahr 1987 begann die Zusammenarbeit der DBV-Jugend mit der Jugend des bayerischen Landesbundes für Vogelschutz (LBV). Im Zuge dessen gab sich die Jugendorganisation den Namen Naturschutzjugend, kurz NAJU, um der thematischen Öffnung über den Vogelschutz hinaus gerecht zu werden. Nach der Wiedervereinigung  benannte sich auch der Erwachsenenverband DBV um in Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU).[2]

Ab 1990 baute die NAJU Landesverbände in den neuen Bundesländern auf. In dieser Zeit wurde auch eine Bundesgeschäftsstelle der NAJU etabliert. Diese war zuerst in Stuttgart, später in Bonn ansässig und zog 2007 gemeinsam mit der NABU-Bundesgeschäftsstelle nach Berlin.

Organisation und Tätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Naturschutzjugend ist dezentral und nach eigenen Angaben demokratisch organisiert. In bundesweit ca. 700 Kindergruppen und 300 Jugendgruppen sind junge Aktive vor Ort für die Natur tätig. Die NAJU-Landesverbände, die zahlreiche Wochenend- und Ferienfreizeiten im In- und Ausland anbieten und Seminare z. B. für angehende Gruppenleiter organisieren. Die Teilnehmenden lernen neue Lebensräume, Kulturen und andere Engagierte kennen und beteiligen sich an Naturschutzeinsätzen. Auf der jährlichen Bundesdelegiertenversammlung wird die Arbeit koordiniert.

Die NAJU ist Mitglied im Deutschen Bundesjugendring (DBJR), in der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) und im Informations- und Dokumentationszentrum für Antirassismusarbeit (IDA).

Zentral ist zudem die Zusammenarbeit mit anderen Jugendverbänden. So ist die NAJU zum Beispiel Teil von Youth and Environment Europe (YEE), einem Zusammenschluss von über 50 Verbänden im Jugendumweltbereich. Ebenfalls engagiert sich die NAJU im Jugendbündnis Zukunftsenergie (JBZE), einem Netzwerk von Jugendorganisationen und Einzelpersonen, dessen Ziel eine hundertprozentige Energieversorgung durch erneuerbare Energien ist, im Global Youth Biodiversity Network (gybn) und in der National Coalition, einem Netzwerk für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention.

Ein wesentlicher Schwerpunkt in den Tätigkeiten der NAJU ist die Umweltbildung. Viele NAJU-Angebote sind offizielle Projekte der UN-Dekade Bildung für Nachhaltige Entwicklung  und der UN-Dekade Biologische Vielfalt, darunter „Ein Storch auf Reisen“ und „Fokus Biologische Vielfalt – von der Naturerfahrung zur politischen Bildung“.

Projekte für Kinder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Erlebter Frühling“

Seit 1984 lädt die NAJU jedes Jahr zum Kinderwettbewerb „Erlebter Frühling“ ein. Am Beispiel heimischer Arten entdecken Kinder die biologische Vielfalt vor ihrer Haustür. Jedes Jahr stehen dabei vier verschiedene Tier- und Pflanzenarten im Mittelpunkt. Sie werden nach ökologischen, sozialen und kulturellen Aspekten ausgesucht. Die Deutsche UNESCO-Kommission hat den NAJU-Kinderwettbewerb „Erlebter Frühling“ als Projekt der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

NAJUversum

Auf der NAJUversum-Webseite finden Kinder verständliche Informationen zu Tieren, Pflanzen und ihrer Umwelt und zudem zahlreiche Bastel- und Experimentierideen. Zudem erscheint unter dem Namen „NAJUversum“ jährlich ein kostenloses Printmagazin für Kinder. Passend zum Titelthema (z.B. Müll, Störche, Meere) enthält es Reportagen, Rätsel, Aktions- und Bastelideen.

Ein Storch auf Reisen

„Ein Storch auf Reisen“ ist ein umweltpädagogisches Spiel für Kindergruppen. An 24 Stationen lernen Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren in Kleingruppen die verschiedenen Routen der Störche und Besonderheiten der überflogenen Länder kennen. Das Spiel kann an bundesweit 30 Stationen ausgeliehen werden.

„Schulstunde der Gartenvögel“ und „Schulstunde der Wintervögel“

Die „Stunde der Gartenvögel“ und „Stunde der Wintervögel“ sind deutschlandweite Mitmachaktionen von NAJU und NABU zur Vogelkunde. Ziel ist es, die Kenntnisse über die heimische Vogelwelt zu steigern und ein möglichst genaues Bild der Vogelwelt in Deutschlands Städten und Dörfern zu erhalten. Ergänzend zu beiden Aktionen hat die NAJU für Kinder die „Schulstunde der Gartenvögel“ und „Schulstunde der Wintervögel“ entwickelt: Durch Spiele, Experimente und Aktionsideen lernen Kinder heimische Vögel und deren Lebensraum kennen.

Projekte für Jugendliche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trashbusters H2O

Im Zentrum des Projektes „Trashbusters“ und des Nachfolgeprojektes „Trashbusters H2O“ stehen jährliche Aktionswochen, während derer Jugendliche in ganz Deutschland auf das Müllproblem aufmerksam machen und mit Aufräumaktionen selbst aktiv werden. Begleitet werden die Aktionswochen von einem Wettbewerb, der besonders kreative und öffentlichkeitswirksame Aktivitäten prämiert. Zusätzlich entstehen Bildungsmaterialien zu Gewässerschutz und Plastikmüll.

Fokus Biologische Vielfalt

Anhand von zehn Botschafterarten lernen Kinder und Jugendliche die biologische Vielfalt vor ihrer Haustür kennen. Die Eigenheiten der zehn Arten stehen ebenso im Fokus wie die Berührungspunkte mit dem menschlichen Alltag und die ökologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen sich die Arten bewegen. Im Projekt entstand kostenloses Schul- und Gruppenmaterial, das bei der NAJU bestellt werden kann.

Klasse Klima – heißkalt erwischt

Im Kooperationsprojekt von NAJU, BUNDjugend und Naturfreundejugend erproben Schüler einen klimafreundlichen Lebensstil. Ehrenamtlich Aktive aus den drei Jugendumweltverbänden gehen in Schulen und entwickeln mit Schülern Ideen, wie sie konkret ihr Verhalten ändern können, um das Klima zu schützen.

Das projektbegleitende Magazin bündelt Erfahrungsberichte der Schulen und Anregungen zu weiteren Klimaschutzaktivitäten. Teilnehmende Jugendliche können sich während bundesweiter Klima-Erlebnis-Wochenenden untereinander austauschen.

Voice for Biodiv

Sechs junge Menschen bilden die Jugenddelegation für den Schutz der biologischen Vielfalt. Auf Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet diskutieren sie mit Jugendlichen über Biodiversität und machen sich für den Schutz der Vielfalt stark. Auf den UN-Biodiversitätskonferenzen (2014 in Südkorea und 2016 in Mexiko) vertritt die Jugenddelegation gemeinsam mit jungen Aktiven des Global Youth Biodiversity Networks die Stimme der Jugend.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die NAJU. In: www.naju.de. Abgerufen am 13. April 2016.
  2. a b c Chronik 1946 bis 1998 - NABU. In: NABU - Naturschutzbund Deutschland e.V. Abgerufen am 14. April 2016.