Navina Sundaram

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Navina Sundaram

Navina Sundaram (* 1945 in Shimla, Himachal Pradesh, Indien) ist eine indisch-deutsche Fernsehjournalistin, Filmemacherin und Autorin. Sie arbeitete von 1964 bis 2003 als politische Fernsehredakteurin für den Norddeutschen Rundfunk und als Auslandskorrespondentin für die ARD. Sie moderierte als erste Fernsehjournalistin mit Migrationshintergrund[1] renommierte Sendungen wie den Weltspiegel[2] oder Panorama.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Familie, Jugend Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Navina Sundaram stammt aus einer bekannten ungarisch-indischen Künstlerfamilie. Ihr Großvater Umrao Singh Sher-Gil (1870–1954) war ein Philosoph, Künstler und Fotograf aus dem Punjab. Ihre Tante Amrita Sher-Gil (1913–1941) war eine bekannte Malerin und gilt als Wegbereiterin der indischen Moderne. Navina Sundarams Bruder Vivan Sundaram (* 1943) gehört zu den wichtigsten zeitgenössischen bildenden Künstlern in Indien. Die familiäre Umgebung der Geschwister war bildungsbürgerlich-kosmopolitisch, ihre Erziehung geprägt vom Geist der jungen indischen Republik unter Ministerpräsident Jawaharlal Nehru (1889–1964), ein säkularer, parlamentarischer Staat, der u. a. in der Allianz der Blockfreien Länder wichtige Impulse setzte.

Nach ihrem Schulabschluss an der Lawrence School of India studierte Navina Sundaram englische Literatur an de Universität von Delhi.

Journalistische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren ersten Auftritt im deutschen Fernsehen verdankte Navina Sundaram einem Freund der Familie, dem damaligen Korrespondenten und Leiter des ARD-Fernsehstudios Neu-Delhi, Hans Walter Berg (1916–2003). Obwohl sie damals kein Wort Deutsch sprach, moderierte sie ab 1963 auf Bergs Wunsch die in Indien produzierte Serie „Asiatische Miniaturen“, indem sie die Texte auswendig lernte. In der Folge wurde sie eingeladen, eine zweijährige Ausbildung zur Fernsehjournalistin beim NDR in Hamburg zu absolvieren. Ab Juni 1964 hospitierte sie in verschiedenen Abteilungen des Senders, von der Nachrichtenredaktion der „tagesschau“ über die Fernsehspielabteilung unter der Leitung von Egon Monk bis zum Nachwuchsstudio[3] des NDR-Hörfunk unter Axel Eggebrecht[4].

Als Regie- und Redaktionsassistentin kehrte sie 1966 noch einmal für knapp zwei Jahre zurück ins Fernsehstudio Neu-Delhi. Ab 1970 war Navina Sundaram durchgehend bis 2004 als festangestellte Redakteurin beim NDR tätig, zunächst in der Hauptabteilung Zeitgeschehen, später auch als Auslandskorrespondentin.

Thematisch ziehen sich zwei Stränge durch das Gesamtwerk Navina Sundarams. Einerseits beschäftigt sie sich immer wieder mit den Ländern des globalen Südens, vor allem in Südasien und Afrika, den Kämpfen um Unabhängigkeit, den komplexen Prozessen der Dekolonialisierung, aber auch mit den Auswirkungen internationaler Entwicklungshilfe, der Währungspolitik von IWF und Weltbank und umweltpolitischen Themen. Andererseits interessiert sich Sundaram im innenpolitischen Diskurs der BRD für die Situation von Menschen mit Migrationserfahrung, von Asylbewerbern und Betroffenen von Alltagsrassismus. Darüber hinaus thematisiert sie zeitgenössische politische Forderungen nach Gleichberechtigung und Anerkennung der Menschenrechte.

Filme, Magazinbeiträge, Moderationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1967 Bharata Natyam 1968 Schwarzer Mann, was nun? 1970 Auf dem Wege zur Glückseligkeit 1971 Fahndung nach einem Rebellen 1972 So lange es noch Tränen gibt 1973 Die Freiheit und ihr Preis 1973 Darshan Singh will in Leverkusen bleiben 1974 Reden meine Droge, Singen mein Sex 1976 Meine Stadt, deine Stadt 1977 Zur Ausreise aufgefordert 1979 Wenn die Begrüßungsreden verklingen 1982 Nur einer von 40 1983 Sommergäste 1989 Hinter jedem Vorhang... 1993 Die kleinen Sklaven 1994 Wenn Schiffe sterben 1995 Zwischen allen Stühlen 2007 Amrita Sher-Gil: Ein Familienalbum

Magazinbeiträge (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1973 Unbehagen am Friedensnobelpreis (Weltspiegel) 1975 Portrait Mujibur Rahman (Weltspiegel) 1976 Spaniens Abzug aus West-Sahara (tagesschau, Weltspiegel) 1976 Interview mit Edward Braithwaite (Weltspiegel III) 1976 Das Erbe von Amilcar Cabral (Weltspiegel) 1977 Portrait George Fernandes (Weltspiegel) 1978 Freikauf von DDR-Bürgern (extra drei) 1978 Amnesty International: Folteropfer (tagesthemen) 1979 Zweierlei Asylrecht (Panorama) 1979 Indien: Wahlkampf der Eitelkeiten (Weltspiegel) 1982 Asyl in der Bundesrepublik (Panorama) 1982 Ausländertest (extra drei) 1982 Ehen mit Ausländern (Panorama) 1982 AI: Behandlungszentrum für Folteropfer (tagesthemen) 1983 Frauenhäuser (tagesschau) 1983 Der Fall Kemal Altun (Panorama) 1984 Interview mit Salman Rushdie 1984 Tag der Menschenrechte (Weltspiegel) 1991 Bundestagsdebatte § 218 (Kommentar, tagesthemen) 1992 Indien: Hindus und Muslime (Weltspiegel) 1993 Indien: Hindus auf dem Kriegspfad (Weltspiegel)

Moderation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1963–1964: Asiatische Miniaturen

1973–1996 (unregelmäßig): Weltspiegel, Panorama, Gesichter Asiens[5], Weltjournal, ARD-Brennpunkte und Sondersendungen

Texte, Vorträge, Veröffentlichungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • „Thoughts on the Employment of Media in Developing Countries“ Sundaram, Navina (1979): in Peter Herrmann & Rainer Kabel (eds.), Media, Technology, Development: The Role of Media Adapted By Developing Countries. Berlin: Spiess.
  • „Internationaler Künstler-und Kulturaustausch mit der Dritten Welt“ – Berichte und Diskussionen u. a. zum Film „Sommergäste:- Künstlertreffen am Himalaya“ in der Schriftenreihe der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, Band 7, Dokumentation des Symposiums vom 11.-13. April 1984.
  • „Westliche Zivilisation – Befreiung für die Frauen in der Dritten Welt?“ – Referat gehalten beim Entwicklungspolitischem Symposium 1986 in Duisburg – Dokumentation
  • „Gedanken zu Europa“ – (Frankfurter Rundschau) 03.04.92
  • „Frau und Fremd in den Medien“ – Vortrag zum internationalen Frauentag gehalten am 6. März 1996 im Landesfunkhaus Hannover. (Nachdruck im TEXTE ZUR MEDIENPÄDAGOGIK Niedersächsisches Landesinstitut für Fortbildung und Weiterbildung im Schulwesen und Medienpädagogik (NLI) 1997)
  • „Wir machen unser eigenes Bild: Migrantinnen in den Medien, Medien für Migrantinnen“ erschienen 1998 Auf zum Marsch in die Institutionen! Migrantinnen und Migranten in staatlichen und nichtstaatlichen Einrichtungen – Dokumentation der vierten landesweiten Konferenz der Migrantinnen, Migranten und Flüchtlinge in Niedersachsen, AMFN Verlag. ISBN 3-9806150-0-6
  • „Mehr Farbe in den Medien oder der alltägliche Rassismus in den Redaktionsstuben“
  • Tagungsprotokolle „Für eine Kultur der Differenzen – Friedens-und Dritte-Welt-Zeitschriften auf dem Prüfstand“ Herausgegeben von der Ev.Akademie Iserlohn im Institut für Kirche und Gesellschaft, 2004. ISBN 3-931845-80-X
  • „Das Bild des Anderen“ Die Erfahrungen einer Inderin in Deutschland und einer Deutschen in Indien – TAZ Magazin 6./7. August 2005
  • “An Outsider’s Inside View or an Insider’s Outside View – India on German TV 1957-2005”
  • „Innenansichten einer Außenseiterin oder Außenansichten einer Innenseiterin – Indien im Deutschen Fernsehen 1957–2005“
  • Import Export Cultural Transfer India/Germany/Austria, 2005 Parthas Verlag. ISBN 3-86601-910-6
  • „Grüblerisches zum Thema ‚Heimat in der Fremde‘“ erschienen 2008 in Heimat in der Fremde, Migrationsgeschichten von Menschen aus Indien in Deutschland, Draupadi Verlag ISBN 978-3-937603-30-8

Ehrenamtliches Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mitglied des Entwicklungspolitischen Beirates des Hamburger Senats unter dem Vorsitz von Prof. Ingomar Hauchler, einberufen im August 1999 durch die rot-grüne Koalition, hat sie an der Erstellung von Leitlinien einer Hamburger Entwicklungspolitik im Sinne der Agenda 21 mitgearbeitet. Der Versuch des Beirates seine Arbeit auch nach dem Regierungswechsel fortzusetzen endete am 29. März 2004 mit dem geschlossenen Rücktritt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Navina Sundaram: Grüblerisches zum Thema „Heimat in der Fremde“. In: Heinrich-Böll-Stiftung. Abgerufen am 30. August 2021.
  2. Navina Sundaram: Migranten und Fernsehen der 70er: Anders als die anderen. In: https://taz.de/. 13. November 2007, abgerufen am 30. August 2021.
  3. Die Geschichten hinter den Nachrichten. In: Norddeutscher Rundfunk. Abgerufen am 30. August 2021.
  4. Hans-Ulrich Wagner: Axel Eggebrecht und das NDR „Nachwuchsstudio“. In: https://www.ndr.de/. 13. Juli 2011, abgerufen am 30. August 2021.
  5. NDR Norddeutscher Rundfunk: "Gesichter Asiens – eine Nacht für Hans Walter Berg". In: https://www.presseportal.de/. 14. November 2003, abgerufen am 30. August 2021.