Nawaz Sharif

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Nawaz Sharif (2013)
Nawaz Sharif (rechts) wird von William Cohen empfangen

Mian Mohammed Nawaz Sharif (Urdu میاں محمد نواز شریف  ; * 25. Dezember 1949 in Lahore) ist ein pakistanischer Politiker der Muslimliga PML-N und Chef des Industriekonzerns Ittefaq, der der politisch einflussreichen Sharif-Familie gehört. Er war bereits von November 1990 bis Juli 1993 und von Februar 1997 bis Oktober 1999 Premierminister von Pakistan. Im Juni 2013 wurde er erneut zum Premierminister gewählt. Am 28. Juli 2017 wurde er vom Obersten Gerichtshof wegen Korruptionsvorwürfen seines Amtes enthoben.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nawaz Sharif entstammt der einflussreichen Familie Sharif, die neben der Familie Bhutto traditionell großen Einfluss in der pakistanischen Politik hatte.

Die Familie ist kaschmirischen Ursprungs. Der Vater Nawaz Sharifs stammte aus Anantnag und die Mutter aus Pulwama (beide Orte liegen heute in Jammu und Kashmir, Indien). Aus geschäftlichen Gründen ließ sich der Vater zunächst in Amritsar, im heute indischen Teil des Punjab nieder. Bei der Teilung Indiens siedelte er 1947 nach Lahore in den pakistanischen Teil des Punjab über, wo Nawaz Sharif zwei Jahre später geboren wurde. [1] Dieser besuchte dort das Government College und studierte anschließend Rechtswissenschaft an der Universität des Punjabs in Lahore.[2] Danach war er als Geschäftsmann tätig. Der ausgedehnte Unternehmensbesitz der Sharif-Familie wurde schwer erschüttert, nachdem unter dem damaligen Premierminister Zulfikar Ali Bhutto in den 1970ern eine Politik der Verstaatlichungen eingeleitet wurde. Dies war der Auslöser für Nawaz Sharif, sich in die Politik zu begeben. Im Jahr 1976 schloss er sich der konservativen Muslimliga an. Er unterhielt enge Beziehungen zum Militärregime des Generals Muhammad Zia-ul-Haq in den 1980ern.

Im Oktober 1990 gewann das von der Muslimliga dominierte Parteienbündnis Islamische Demokratische Allianz unter Führung Nawaz Sharifs die Parlamentswahlen in Pakistan gegen die PPP von Benazir Bhutto. Nawaz Sharif wurde Premierminister und kehrte zur Islamisierungspolitik Mohammed Zia ul-Haqs zurück.

Im April 1993 wurde Nawaz Sharif durch Staatspräsident Ishaq Khan entlassen. Benazir Bhutto wurde erneut Ministerpräsidentin. Bei den Parlamentswahlen 1997 nach der Absetzung Benazir Bhuttos errang die Muslimliga unter Nawaz Sharif die absolute Mehrheit. Am 12. Oktober 1999 wurde Nawaz Sharif vom Generalstabschef des Heeres Pervez Musharraf durch einen unblutigen Putsch abgesetzt.

Im Dezember 2000 einigten sich Pervez Musharraf und Nawaz Sharif unter Vermittlung von Saudi-Arabiens und Libanons Altpremier Rafik al-Hariri darauf, dass Sharif für zehn Jahre Pakistan in Richtung Saudi-Arabien verlassen sollte. Im Gegenzug sollten Vorwürfe gegen Nawaz Sharif wie Landesverrat, Steuerhinterziehung und Korruption fallen gelassen werden.

Bei den Parlamentswahlen 2002 wurde eine dem Staatspräsidenten Pervez Musharraf nahestehende Abspaltung der Muslimliga, die Pakistan Muslim League Quaid-e-Azam (PML-Q), stärkste Fraktion. Die Muslimliga Nawaz Sharifs (PML-N) war nur noch eine Splitterpartei.

Nachdem Sharif nach dem Umsturz zunächst ins Exil nach Saudi-Arabien, dann nach London gegangen war, wurde ihm und seinem Bruder Shahbaz Sharif vom Obersten Gerichtshof Pakistans im August 2007 die Rückkehr nach Pakistan erlaubt. Diese Möglichkeit nahm er wahr. Er wurde jedoch am 10. September 2007 bereits bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Islamabad wegen Korruptionsvorwürfen in „Schutzhaft“ genommen und umgehend nach Saudi-Arabien abgeschoben.

Am 25. November 2007 kehrte er nach Pakistan zurück und wurde bei seiner Ankunft in Lahore von tausenden Anhängern begrüßt. Am Tag darauf ließ er sich als Kandidat für die Parlamentswahl am 8. Januar 2008 registrieren. Gleichzeitig schloss er eine Zusammenarbeit mit Pervez Musharraf aus, solange dieser Präsident sei.

Bei den nach der Ermordung Benazir Bhuttos auf den 18. Februar 2008 verschobenen Parlamentswahlen konnte sich Sharifs PML-N als zweitstärkste Partei noch vor der Musharraf nahestehenden Muslimliga PML-Q etablieren.[3] Der Versuch, zusammen mit der Pakistanischen Volkspartei eine Koalitionsregierung zu bilden, scheiterte nach fünf Monaten und einer Woche nach dem Rücktritt von Staatspräsident Musharraf, als Sharif die Unterstützung von Premierminister Yousaf Raza Gilani aufkündigte.[4]

Der Konflikt zwischen dem Oppositionsführer Sharif und der pakistanischen Regierung verschärfte sich, als im Februar 2009 der Oberste Gerichtshof ein Politikverbot gegen Sharif verhängte.[5] Es kam zu gewaltsamen Protesten von Anhängern Sharifs in der Provinzhauptstadt Lahore.

Im März 2009 riefen Sharifs Muslimliga und zahlreiche Anwälte zu mehrtägigen Protesten gegen die Regierungspolitik auf. In einem „Langen Marsch“ auf die Hauptstadt Islamabad sollte für eine unabhängige Justiz in Pakistan demonstriert werden. Dabei kam es am 15. März 2009 in Lahore zu schweren Ausschreitungen zwischen Anhängern Sharifs und der Polizei.[6] Nachdem die pakistanische Regierung der Hauptforderung der Opposition nachgegeben hatte und die Wiedereinsetzung mehrerer Richter, darunter des ehemaligen Obersten Richters Iftikhar Muhammad Chaudhry, angekündigt hatte, sagte Sharif den „Langen Marsch“ ab.[7]

Bei den Parlamentswahlen in Pakistan am 11. Mai 2013 erreichte Nawaz Sharif als Spitzenkandidat der Pakistanischen Muslimliga (Nawaz) (PML-N) für viele Beobachter unerwartet mindestens 130 der 371 zu vergebenden Parlamentssitze. Er war besonders in seiner Heimatprovinz Punjab erfolgreich. Am 5. Juni 2013 wurde er erneut zum Premierminister gewählt.[8]

Sharif geriet erheblich in die Schusslinie der öffentlichen Kritik, als 2015 bekannt wurde, dass drei seiner Kinder in den Skandal um die Panama Papers verwickelt waren, d. h. Geldanlagen bei dem panamaischen Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca besaßen. Am 20. April 2017 entschied die höchste juristische Instanz, der Supreme Court, dass nicht genügend Beweise für eine Verurteilung vorlägen. Deshalb wurde ein „gemeinsames Ermittlungsteam“ (Joint-Investigation-Team, JIT) eingesetzt, um in dieser Sache zu ermitteln.

Am 10. Juli 2017 legte das JIT seine Ermittlungergebnisse dem Supreme Court vor. Der Bericht stellte fest, dass Sharifs Kinder widersprüchliche Angaben gemacht hatten. Zusätzlich legte Maryam Safdar, die Tochter Nawaz Sharifs, dem Supreme Court Dokumente vor, die auf das Jahr 2006 datiert und in der Schriftart Calibri verfasst waren. Da Calibri erst 2007 veröffentlicht wurde, war offensichtlich, dass diese Dokumente gefälscht wurden. Am 19. Juli 2017 legte Maryam Safdar ein Dokument aus London vor, welches auf einen Samstag datiert war. Jedoch sind in England Behörden samstags geschlossen. Damit bestand neben dem Vorwurf der Geldwäsche auch der der Urkundenfälschung.

Am 28. Juli 2017 enthob der Supreme Court Nawaz Sharif seines Amtes. Zum Verhängnis wurden ihm falsche und lückenhafte Angaben über seine Vermögensverhältnisse.[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Muzamil Jaleel, Muzamil Jaleel: As Nawaz Sharif becomes PM, Kashmir gets voice in Pakistan power circuit. 6. Juni 2013, abgerufen am 29. Juli 2017 (englisch).
  2. Nawaz Sharif Fast Facts. CNN Library, 28. Dezember 2016, abgerufen am 29. Juli 2017 (englisch).
  3. Die Zeit: Pakistan: Triumph für Bhutto-Partei vom 19. Februar 2008.
  4. Tagesschau: Das Ende eines Zweckbündnisses (Memento vom 27. August 2008 im Internet Archive) vom 25. August 2008.
  5. Focus: Proteste nach Sharif-Urteil erwartet vom 26. Februar 2009.
  6. Tagesschau: Eskalation vor "Langem Marsch" (Memento vom 11. September 2009 im Internet Archive) vom 15. März 2009.
  7. NZZ: Politische Krise in Pakistan entschärft vom 16. März 2009.
  8. Stern: Pakistans Parlament wählt Nawaz Sharif vom 5. Juni 2013.
  9. Pakistans Premier stürzt über "PanamaPapers" tagesschau.de, 28. Juli 2017.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nawaz Sharif – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger

Ghulam Mustafa Jatoi
Miraj Khalid
Mir Hazar Khan Khoso
Premierminister von Pakistan
1990–1993
1997–1999
2013–2017

Moinuddin Ahmad Qureshi
Zafarullah Khan Jamali
Shahid Khaqan Abbasi