Nawschirwan Mustafa

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Nawschirwan Mustafa 2015

Nawschirwan Mustafa (kurdisch نەوشیروان مستەفا Newşîrwan Mistefa; * 1944 in Sulaimaniyya; † 19. Mai 2017 ebenda[1]) war ein kurdischer Politiker, Gelehrter und Gründer der Gorran-Partei. Er gründete außerdem die Patriotische Union Kurdistans mit und war bis Dezember 2006 deren Vizegeneralsekretär und Mitglied des Politbüros. Die PUK ist neben der KDP die wichtigste Partei in der Autonomen Region Kurdistan. Seit 25. Juli 2009 fungierte er als Parteivorsitzender von Gorran.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Schulabschluss ging Mustafa nach Bagdad und studierte dort Politikwissenschaften. 1969 kehrte er nach Sulaimaniyya zurück und arbeitete an der wöchentlichen Zeitung "Rizgary" (dt: Befreiung) mit, die von einer Gruppe in der Demokratischen Partei Kurdistans um Dschalal Talabani und Ibrahim Ahmed herausgegeben wurde. 1970 gründete er zusammen mit anderen im Untergrund die nationalistische Partei Komala, die nicht mit der Komala der iranischen Kurden zu verwechseln ist. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde er des Landes verwiesen. Er verbrachte mehrere Jahre in Wien, wo er Internationales Recht studierte. Neben seinen politischen Aufgaben und Pflichten schrieb Mustafa noch mehrere Bücher, insbesondere über die Geschichte der kurdischen Presse.

Politische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitbegründer der PUK (1975–2006)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der letzten Wochen seines Studiums im Frühjahr 1975 brach die Rebellion Mustafa Barzanis gegen Bagdad zusammen. Zeitgleich trat Mustafa in Kontakt mit Dschalal Talabani und anderen kurdischen Aktivisten, um eine neue Partei zu gründen. Am 1. Juni 1975 wurde die Patriotische Union Kurdistans (PUK) gegründet, deren Generalsekretär Talabani und dessen Vize Mustafa wurden. Die PUK wurde aus der Komala und der Gruppe Talabanis, den Schoresch Garan, gegründet. Talabani und Mustafa drängten in der neuen Partei den marxistischen Einfluss zugunsten des «Kurdayetî»-Konzepts zurück[2]. Man einigte sich darauf, dass Talabani im Ausland für Unterstützung für die PUK warb und dass Mustafa im Irak die PUK organisierte.

2005 und 2006 begann er mit der Reformierung des Wahlsystems innerhalb der PUK. Sein Ziel war es, Demokratie in der Partei zu fördern, die Vetternwirtschaft zurückzudrängen und die Jugendlichen zur politischen Mitarbeit zu animieren. Er konnte seine Reformen aber nicht gegen den Widerstand in der Partei und speziell gegen Dschalal Talabani durchsetzen. Als Folge trat Mustafa am 5. Dezember 2006 von seinem Amt zurück und aus der Partei aus.[3]

Gründer von Gorran (2009–2017)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er versuchte seinen Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft unabhängig weiterzuführen. Bei der Wahl zum kurdischen Parlament im Juli 2009 trat er mit der liberal-sozialdemokratisch orientierten Partei Rewtî Gorran - Bewegung für Wandel an. Seitdem war er Parteivorsitzender dieser Partei. Mit dem Slogan „Wechsel“ konnte er 25 von 111 Sitzen im kurdischen Parlament erringen. Bei der Wahl 2013 gewann seine Partei 24 Mandate. Die Gorran‎ konnte der PUK viele Stimmanteile abnehmen.

Bis zu seinem Tod im Mai 2017 lebte Mustafa als unabhängiger Politiker und Schriftsteller in Sulaimaniyya. Er plante auch, in Sulaimaniyya ein unabhängiges Mediencenter zu gründen.

Militärische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mustafa war sowohl ein fähiger Politiker als auch ein Kommandeur. Er wurde für seine Dienste, seinen Mut und sein taktisches Können respektiert. Er organisierte den Widerstand der Kurden in den Erhebungen gegen das Baath-Regime 1976 und 1991. 1991 führte er unter anderem den Kampf zur Befreiung Kirkuks an und prägte den Begriff des Raparin als Wort für den kurdischen Aufstand nach dem zweiten Golfkrieg 1991.

Nach dem Aufstand 1991 zog sich Mustafa von seinem Posten als Generalsekretär der Komala zurück und löste sie auf.

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurds and Ejams: A political history of Iranian Kurds (dt: Kurden und Acems (arabische Bezeichnung für Perser): Eine politische Geschichte der iranischen Kurden), erschienen 1992
  • From the Danaube shore to the Nawzang valley: Political events in Iraqi Kurdistan from 1975-1978 (dt: Vom Ufer der Donau zum Nawzang Tal: Politische Ereignisse in Irakisch Kurdistan von 1975 bis 1978), erschienen 1997
  • The fingers which break each other: Political events in Iraqi Kurdistan 1978-1983 (dt: Die Finger, die sich gegenseitig brechen: Politische Ereignisse in Irakisch Kurdistan von 1978 bis 1983), erschienen 1997
  • Going around in circles: The inside story of events in Iraqi Kurdistan 1984-1988 (dt: Sich im Kreis bewegen: Die Hintergrundgeschichte der politischen Ereignisse in Irakisch Kurdistan von 1984 bis 1988), erschienen 1998, ISBN 3-9806140-3-4
  • The Government of Kurdistan (dt: Die Regierung Kurdistans), erschienen 1993, ISBN 90-900635-6-0
  • The emirate of Baban between the grinding stones of the Persians and Turks(dt: Das Emirat Baban zwischen den Mahlsteinen der Perser und Türken), erschienen 1998
  • Xulanewe le naw bazneda: dîwî nawewey rudawekanî Kurdistanî ʻIrāq, 1984-1988, erschienen 1999
  • Kurdistanî ʻÊraq: serdemî qełem u muraceʻat, 1928-1931, erschienen 2000
  • Kêşey Partî w Yekêtî, erschienen 1995
  • Çend laper̄eyek le mêjuy rojnamewanîy Kurdî, 1938-1958: rojnamewanîy nihênî, erschienen 2004

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gorran leader Nawshirwan Mustafa dies at 73 after long battle with illness
  2. Andrea Fischer-Tahir: »Wir gaben viele Märtyrer«. Widerstand und kollektive Identitätsbildung in Irakisch-Kurdistan, ISBN 978-3-89771-015-3, Münster 2003, S. 71
  3. Hama Chawsur: Nawshirwan Mustafa: the hope that did not last. In: ekurd.net. 6. Dezember 2006, archiviert vom Original, abgerufen am 29. November 2015.

Quellen und Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]