Nearchos

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nearchos (Begriffsklärung) aufgeführt.

Nearchos (griechisch Νέαρχος, latinisiert Nearchus; * um 360 v. Chr.; † nach 312 v. Chr.), Sohn des Androtimos, war ein Admiral Alexanders des Großen auf dessen Persienfeldzug, auf dem er vor allem durch seine Seeexpedition bekannt wurde.

Nearchos war ein Grieche und stammte von Kreta, vermutlich aus Lato.[1] Er siedelte nach Amphipolis um und trat in die Dienste König Philipps II. von Makedonien.[2] Er wurde ein Jugendgefährte (syntrophos) des Prinzen Alexander, den er nach der „Pixodaros-Affäre“ im Jahr 336 v. Chr. in das Exil begleitete. Auch gehörte er seit dem Beginn des Asienfeldzuges im Jahr 334 v. Chr. zum engsten Kreis der Gefährten (hetairoi) Alexanders. Noch im selben Jahr wurde er von Alexander zum Satrapen von Lykien und Pamphylien ernannt. Aber im Frühjahr 328 v. Chr. schloss er sich mit neu rekrutierten Truppen im baktrischen Zariaspa wieder dem Heer Alexanders an, seine Provinzen wurden von Antigonos Monophthalmos übernommen.

In Indien wurde Nearchos 326 v. Chr. zum Oberbefehlshaber (nauarchos) der neugebauten Flotte ernannt, die das Heer den Hydaspes und Indus hinab bis zu dessen Mündung im arabischen Meer transportierte. Während von dort aus das Heer unter Alexanders Kommando auf dem Landweg in die Persis weitergeführt wurde, wurde Nearchos mit der Überführung der Flotte nach Mesopotamien betraut. Dabei sollte er den bis dahin wenig bekannten Seeweg vom Indus bis zum Euphrat erkunden. Von Pattala an der Indus-Mündung stach die Flotte in See, segelte westwärts entlang der Küste Gedrosiens und landete in der Nähe der Straße von Hormus, um mit dem Landheer, das parallel durch die gedrosische Wüste zog, zusammen zu treffen. Kurz darauf segelte man entlang der Ostküste des Persischen Golfs, den Tigris hinauf und ließ im Frühjahr 324 v. Chr. die Anker vor Susa fallen. Für die erfolgreiche Expedition wurde Nearchos von Alexander mit einem goldenen Kranz ausgezeichnet und auf der Massenhochzeit von Susa mit einer Tochter des Mentor von Rhodos und der Barsine, der Geliebten Alexanders, verheiratet. Anschließend wurde er zum Admiral für die Expedition nach Arabien bestimmt, aber Alexanders Tod 323 v. Chr. verhinderte die Ausführung dieser Pläne.

In den folgenden Diadochenkriegen war Nearchos ein Gefolgsmann des Antigonos Monophthalmos und war ein Lehrmeister des jungen Demetrios Poliorketes, welcher ebenfalls durch aufwändige Flottenunternehmungen bekannt wurde.[3]

Nearchos verfasste einen Bericht (Periplus) über seine Indienfahrt (Die Fragmente der griechischen Historiker, Nr. 133). Dieser ist zwar verloren gegangen, wurde aber ausgiebig von Arrian in seinem Werk über Indien herangezogen (siehe auch Indiká). Aristobulos von Kassandreia, Kleitarchos und andere Alexanderhistoriker haben den Bericht des Nearchos anscheinend ebenfalls benutzt.

Nach ihm ist der Mondkrater Nearch benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Meister: Die griechische Geschichtsschreibung. Von den Anfängen bis zum Ende des Hellenismus. Kohlhammer, Stuttgart u. a. 1990, ISBN 3-17-010264-8, S. 110–112.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Diodor 19.69.1; Polyainos Strategika 5.35
  2. Arrian Indike 18.4
  3. Diodor 19.69.1