Neckarstadt-West

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49.4997928.466083Koordinaten: 49° 29′ 59″ N, 8° 27′ 58″ O

Neckarstadt-West
Stadt Mannheim
Fläche: 9,94 km²
Einwohner: 21.315 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 2.144 Einwohner/km²
Sandhofen Schönau Waldhof Neckarstadt-West Innenstadt/Jungbusch Lindenhof Käfertal Vogelstang Wallstadt Feudenheim Seckenheim Friedrichsfeld Rheinau Neckarau Neckarstadt-Ost/Wohlgelegen Neuostheim/Neuhermsheim Schwetzingerstadt/OststadtKarte
Über dieses Bild

Lage von Neckarstadt-West in Mannheim

Neckarbrücke, im Hintergrund die Neckarstadt um 1900

Neckarstadt-West ist ein Stadtbezirk und Stadtteil von Mannheim, der aus der Innenstadt von der Kurpfalzstraße – genannt „Breite Straße“ – über die Kurpfalzbrücke leicht zu erreichen ist.

Geografie[Bearbeiten]

Die Neckarstadt trägt ihren Namen vom vorbeifließenden Neckar, der an der Friesenheimer Insel in den Rhein mündet. Er trennt die Neckarstadt von der südlich liegenden Innenstadt. Grenzen bilden im Westen Neckar und Rhein, östlich die Neckarstadt-Ost und nördlich Sandhofen sowie Waldhof. Zum Stadtbezirk gehören der Alte Meßplatz, die Mittelstraße mit ihrem umliegenden Straßennetz, die Erlenhofsiedlung sowie die Friesenheimer Insel mit Altrheinhafen und Industriehafen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die heutige Neckarstadt-West hat ihren Ursprung in den ehemaligen „Neckargärten“. Diese wurden ab 1679 nördlich des Neckars auf dem „Pflügersgrund“ als Bürgergärten angelegt und Ende 1682 an an 560 Bürger zur Nutzung vergeben. 1860 wohnten dort 60 Familien mit 260 Personen, meist Gärtner, Gewerbetreibende und Handwerker.

Nachdem 1871 zunächst zwei Gewanne jenseits des Neckars für die Neubebauung freigegeben waren, wurde 1872 die Anlage der „Neckarvorstadt“, des neuen Mannheimer Stadtteils, beschlossen. 1879 wurde die Riedbahn Neckarvorstadt – Lampertheim – Worms mit Bahnhof an der Neckarbrücke eröffnet. Bis 1887 waren die Grundstücke in sieben Quadraten zwischen Messplatz, Mittelstraße und Dammstraße verkauft. Das Wegeschema der Gärten wurde für weitere Straßen beibehalten. Ende 1890 hatte die (gesamte) Neckarstadt 9.660 Einwohner und die weitere Entwicklung erfolgte zügig, u. a. Volksbad (1890), Gasversorgung (1883), Hildaschule (1894), Markt (1898), neuer Bahnhof Mannheim-Neckarvorstadt (1901). Die ursprünglich nur nummerierten Querstraßen erhielten 1902 ihre Namen.[2] Begünstigt wurde Neckarstadt-West nach 1897 durch den Bau des Industriehafens .

Die Wohnbebauung war etwa 1914 abgeschlossen. Vom Krieg relativ unzerstört weist der Stadtteil den größten Bestand an Gründerzeithäusern in ganz Mannheim auf. Die ehemalinge Nummerierung ist heute noch in den Straßennamen „Zehntstraße“ (10. Querstraße) und „Elfenstraße“ (11. Querstraße) sowie im Volksmund „Neunzehnte“ für die Lupinenstraße erhalten.[3]

Politik[Bearbeiten]

Neckarstadt-West ist einer der sechs inneren Stadtbezirke. Nach der Hauptsatzung[4] der Stadt Mannheim hat der Stadtbezirk einen Bezirksbeirat, dem 12 dort wohnende Bürger angehören, die der Gemeinderat entsprechend dem Abstimmungsergebnis der Gemeinderatswahl bestellt. Sie sind zu wichtigen Angelegenheiten, die den Stadtbezirk betreffen, zu hören und beraten die örtliche Verwaltung sowie Ausschüsse des Gemeinderats.

Partei 2014 2009 2004 1999 1994
SPD 4 5 5 6 6
CDU 2 2 4 5 3
Grüne 3 4 2 1 2
Die Linke 2 1 0
AfD 1
BLM 0 1

Glaubens- und Kirchengemeinden[Bearbeiten]

Die Herz-Jesu-Kirche und St. Nikolaus bilden zusammen die katholische Seelsorgeeinheit Neckarstadt-West.

Verkehr[Bearbeiten]

Historischer Bahnhof Mannheim-Neckarstadt von 1901

1879 wurde die Riedbahn gebaut. Die Gleise führten vom Waldhof kommend westlich um die Neckarstadt, dann südlich am Neckar entlang und endeten an der heutigen Kurpfalzbrücke am Bahnhof Mannheim-Neckarstadt („Riedbahnhof“). Erst 1985 wurden die Gleise mit der neuen Westlichen Einführung der Riedbahn und der Riedbahnbrücke West über den Neckar sowie den Handelshafen zum Hauptbahnhof ausgebaut. An dieser Strecke befindet sich ein neuer Haltepunkt Neckarstadt, so dass der Stadtteil Neckarstadt-West – wie bereits bis Ende der 1970er Jahre – seitdem wieder mit der Eisenbahn erreichbar ist.

Im Osten der Neckarstadt-West, durch die Waldhofstraße, führen die Linien 1 und 3. Die Streckenführung der Linie 2 führt durch die Neckarstadt-West. Am Alten Messplatz hält des Weiteren die Linie 4. Alle Linien werden von der RNV betrieben.

Der "Alte Messplatz" mit Blick auf das Platzhaus und die Alte Feuerwache in Mannheim

Stadtteilleben[Bearbeiten]

Die Neckarstadt-West ist ein urban geprägter Stadtbezirk mit dem größten denkmalgeschützten Altbaubestand. Im Vergleich zu anderen Lagen in Mannheim ist hier günstiger Wohnraum mietbar. Neckarstadt-West gilt als Arbeiterviertel und bis vor einigen Jahren als Problemstadtteil [5]; in den letzten Jahren gibt es ähnlich wie im benachbarten Jungbusch Tendenzen der Gentrifizierung. Als Stadtteil ist er auf Grund seiner urbanen Prägung, Innenstadtnähe und Vielfältigkeit vor allem bei Künstlern und Studenten beliebt. Neckarstadt-West hat den höchsten Anteil an Einwanderern unter allen Manheimer Stadtteilen; 62,7 % Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Insgesamt leben hier ca. 21.000 Menschen aus über 100 Nationen.

Viele Kultureinrichtungen sind in der Neckarstadt-West beheimatet: Das Capitol, ein ehemaliges Lichtspielhaus, wurde 1927 erbaut, besitzt eine auffällige Architektur und ist heutzutage ein überregional bekanntes Konzerthaus. Das theater oliv ist ein freies Theater, direkt am Alten Messplatz gelegen. Mit dem Einraumhaus gibt es ebenfalls direkt am Alten Messplatz eine weitere Kultureinrichtung. Die Geschichtswerkstatt fand in den Kellerräumen des Alten Volksbads ihr zuhause. Das Alte Volksbad selbst hat inzwischen die Funktion eines Kreativwirtschaftszentrums.

Kulturelle Höhepunkte sind sicherlich jedes Jahr das Kulturfestival Lichtmeile und das Dampfnudelfest.

Auch der Neckar und seine Promenade sind beliebte Ausflugsziele. Der Abenteuerspielplatz „Erlenhof“ ist besonders für Kinder interessant. Hier kann Volleyball gespielt, Skateboard und Kettcar gefahren werden. Auch zahlreich Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf sind vorhanden.

Literatur[Bearbeiten]

  • 125 Jahre Neckarstadt e.V. (Hrsg.): 125 Jahre Neckarstadt - Ein Stadtteil feiert Geburtstag. Mannheim 1997.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Mannheim – Fachbereich Stadtplanung, Kommunale Statistikstelle, 1. Juli 2015, Daten derzeit nicht online abrufbar.
  2. Stadtarchiv Mannheim: Chronikstar. Abgerufen am 11. Mai 2015.
  3. Stadtarchiv Mannheim: Mannheimer Straßennamen. Abgerufen am 12. Mai 2015.
  4. Hauptsatzung der Stadt Mannheim. VII. Stadtbezirke und Bezirksbeiräte, § 22. Stadt Mannheim, 28. April 2009, S. 11, abgerufen am 14. März 2015 (PDF 113 KB).
  5. http://www.neckarstadt-west.de/wir-ueber-uns

Weblinks[Bearbeiten]