Niedersächsische Dialekte in den Niederlanden

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Die niedersächsischen Dialekte in den Niederlanden (niederländisch: Nederlands Nedersaksisch, ugs.: plat) werden in den Provinzen Groningen, Overijssel und Gelderland und Drenthe gesprochen, also im nördlichen Osten des Landes. Sie sind verstärkt Einflüssen (Superstrat) aus dem Standardniederländischen ausgesetzt, während die niedersächsischen Dialekte in Deutschland Einflüssen des Standarddeutschen ausgesetzt sind. Während die nördlichen Dialekte (Gronings) mit dem Ostfriesischen dem Nordniedersächsischen zuzuordnen sind, stellt sich beispielsweise das Twents eher zum Westfälischen. Sie standen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit in einem engen Dialekt- und Schreibsprachenkontinuum mit den angrenzenden niederfränkischen Dialekten, sodass diese Schreibsprachen im 19. Jahrhundert von der Germanistik und der Niederlandistik mit diesen unter dem Oberbegriff „Deutschniederländisch“ summiert wurden.

Im Zuge der Politisierung des Begriffes „Deutschniederländisch“ im ausgehenden 19. Jahrhundert, als die völkische Bewegung diesen im pangermanistischen Sinne anwandte, begann die Niederlandistik mit dem Begriff Ostniederländisch zu arbeiten, wenn sie die Schreibsprachen und Dialekte der östlichen Niederlande meinte.

1992 etablierte der deutsche Germanist Arend Mihm den politisch-ideologisch völlig neutralen Begriff IJsselländisch, der rasch die alten Bezeichnungen „Ostniederländisch“ und „Deutschniederländisch“ ablöste; Letzterer wird heute nur noch auf das Rhein-Maasländische angewandt; ein Begriff, der ebenfalls von Mihm entwickelt und in der Sprachwissenschaft eingeführt wurde.

Viele der niedersächsischen Dialekte in den Niederlanden wurden von der holländischen Expansion des 17. Jahrhunderts betroffen, alle von ihnen sind lexikalisch bezüglich Neologismen stark abhängig vom Niederländischen. Die Schreibweise ist der niederländischen Schreibweise angepasst, zum Beispiel das Wort für „Bauer“: boer (Niederlande) und buur (Deutschland), was aber beides gleich (wie „Buhr“) ausgesprochen wird.

Sprachgebiet[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet des Niedersächsischen in den Niederlanden und im angrenzenden Deutschland

Das niedersächsische Sprachgebiet in den Niederlanden wurde im Laufe der Zeit unterschiedlich begrenzt. In der frühen Niederlandistik bzw. der Germanistik zog man die Einheitsplurallinie als Grenze zu den benachbarten Dialekten heran, die dem Niederfränkischen zuzuordnen waren und ließ diese bei Elburg an die damalige Zuiderzee enden.

In den 1880er Jahren ging man jedoch dazu über, dass man die Dialektgrenze südlich der Stadt Harderwijk beginnen und dann auf die Einheitsplurallinie stoßen ließ. Durch diese Verlagerung der Dialektgrenze nach Süden wurde ein sprachbedingtes Problem behoben: Beim ursprünglichen Verlauf der Dialektgrenze war der gesamte Dialektbereich des Veluws dem Niederfränkischen zugeschlagen worden, indes die Verlagerung der Tatsache Rechnung trug, dass nur noch das Westveluws diesem zugeordnet wurde, das Ostveluws dagegen nicht mehr, da dieses überwiegend niedersächsische Züge trug.

Heute wird die Einheitsplurallinie in den Niederlanden nicht mehr als Einteilungslinie niederländischer Dialekte angenommen. Vielmehr werden heute niederfränkische und niedersächsische Dialekte dort durch eine quer durch die Gelderland verlaufende und in der Provinz Utrecht ans IJsselmeer stoßende Isoglosse, der gelopen/elopen-Linie, voneinander geschieden.

Verhältnis zu den niedersächsischen Dialekten in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die niedersächsischen Dialekte in den Niederlanden haben in der Regel eine große Ähnlichkeit mit ihren Gegenstücken auf deutschem Staatsgebiet. Der Einfluss der beiden Standardsprachen auf die Dialekte führte im 20. Jahrhundert jedoch dazu, dass die Staatsgrenze sich zu einer Dialektgrenze entwickelte. Einige Sprachwissenschaftler sind daher dazu übergegangen, die als Nedersaksisch bezeichneten Dialekte als niederländische Dialektgruppe aufzufassen (Ostniederländisch). Bei dieser synchronen Sichtweise ist die deutsch-niederländische Staatsgrenze bis zum niederrheinischen Sprachgebiet auch die Westgrenze des Niedersächsischen.

Varietäten der niedersächsischen Dialekte in den Niederlanden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nedersaksischen Varietäten, von denen viele in ISO 639-3/DIS als eigene Sprachen bezeichnet werden, sind:

Das Gronings, dem ostfriesischen Platt sehr ähnlich, gehört zur nordniedersächsischen Hauptgruppe, alle der anderen Varietäten sind Westniedersächsisch. Gronings ist so verschieden vom Rest der niederländisch-niedersächsischen Dialekte, dass es getrennt behandelt werden sollte. Twents und Achterhoeks gehören zur westfälischen Dialektgruppe. Der Rest, Drents, Stellingwerfs, Sallands, Urkers und Veluws, könnten in ihrer eigenen Unterordnung klassifiziert werden, da sie die westlichste Gruppe niedersächsischer Dialekte bilden, beträchtlich beeinflusst vom Niederländischen. Urkers und West-Veluws sind so stark vom Holländischen beeinflusst, dass manche diese Dialekte eher als Niederfränkisch denn als Niedersächsisch klassifizieren.

Niederländischer Einfluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karneval in Silvolde, Wagen mit niedersächsischer Aufschrift
  • ein vereinheitlichter Plural eher auf -en als auf -t.
Dies findet sich im West-Veluws und Urkers und folgte deutlich aus niederländischem Einfluss, da ein vereinheitlichter Plural auf -t für Verben im Niedersächsischen häufig ist. Diese Dialekte haben wiej wareken statt wiej warekt für „wir arbeiten“. Dieses Merkmal findet sich überraschenderweise auch im Stellingwerfs und im Gronings, aber dieses Merkmal ist hier friesischen und nicht holländischen Ursprungs (die Stellingwerven sind schon seit Jahrhunderten eng mit Friesland verknüpft und die Groninger Ommelande waren bis ins Mittelalter friesischsprachig).
  • Verschiedene Änderungen von Vokalen
Veluws, Sallands, Stellingwerfs und Drents haben Wandel erfahren, als der holländische Dialekt im siebzehnten Jahrhundert an Prestige gewann. Aus dem ee [e:] wurde ein ie [i:], aus dem oo [o:]ein oe [u:] und aus dem oe [u:] ein uu [y:]. Twents und Achterhoeks behielten im Kontrast ihre alten Vokale. Vergleiche diese Paare auf Twents und Sallands: deer - dier („Tier“); good - goed („gut“); hoes - huus („Haus“).
Überraschenderweise blieb in vielen Dialekten der oe-Laut in manchen Wörtern erhalten, während es sich zum uu in anderen wandelte. Das Ergebnis war, dass in Sallands „Haus“ mit huus übersetzt wird, aber „Maus“ als moes (wie auf Twents).
  • Verlust des Wortes du
Das Niederländische hat das Wort du schon im 16. Jahrhundert verloren und ersetzte es durch jij, ursprünglich ein Personalpronomen der zweiten Person Plural. In vielen niedersächsischen Dialekten in den Niederlanden passierte dasselbe. Die doe/jij-Isoglosse verläuft überraschend nah an der niederländischen Grenze, außer in Groningen, wo sie mitten in das niederländische Territorium eindringt (in der ganzen Provinz ist dieses Wort bekannt). In Twente ist es in den östlichsten Dörfern von Denekamp und Oldenzaal vorhanden, auch noch in Winterswijk und Groenlo in Ost-Gelderland (Achterhoek).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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