Nehrung

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Nehrungen in der Ostsee

Eine Nehrung (von mittelhochdeutsch nare „Landenge“ bzw. litauisch Neringa „hineinstecken“) oder Sandhaken ist ein schmaler Sandstreifen, der das Haff vom offenen Meer abtrennt. Nehrungen sind typisch für gezeitenlose Meere wie die Ostsee. Schließt sich eine Nehrung, wird das abgetrennte Haff zur Lagune.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Entstehung einer Nehrung erfordert ein flaches Küstenvorfeld, einen ausreichend großen Sedimentvorrat und einen geringen oder fehlenden Tidenhub. Bei stärkerem Tidenhub entstehen Barriereinseln, ist der Tidenhub höher als 4 m, entstehen Sandbänke. Eine Nehrung entsteht bei der Bildung einer Ausgleichsküste aufgrund von Sedimentverdriftung durch küstenparallele Strömungen an Stellen, wo sich die Küstenlinie gegenüber der Strömungslinie landeinwärts wendet. Dort wird das von der Strömung mitgeführte Sediment zunächst als Strandhaken abgelagert, der zu einer Nehrung weiterwachsen kann.[1] Der durch die Nehrung vom Meer weitgehend abgetrennte Teil wird Haff oder Bodden genannt und enthält Brackwasser, da er einerseits durch Süßwasserzufluss zunehmend ausgesüßt wird und andererseits nur ein geringfügiger Wasseraustausch mit dem offenen Meer besteht. Die Stelle, an der Zuflüsse die Nehrung durchbrechen und ins offene Meer münden, wird Tief genannt. Bei einer geschlossenen Nehrung bezeichnet man das abgetrennte Gewässer als Lagune.

Häufig bilden sich auf Nehrungen sekundär Dünen.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Große Nehrungen sind:

Curonian Lagoon.jpg Kurische Nehrung zwischen Ostsee und Kurischem Haff, nördlich der Halbinsel Samland, zu Litauen und Russland
Vistula Lagoon.jpg Frische Nehrung zwischen Ostsee und Frischem Haff, südlich der Halbinsel Samland, zu Polen und Russland
Hel peninsula landsat.jpg Halbinsel Hel in der Danziger Bucht; früher Putziger Nehrung genannt
Venice Lagoon December 9 2001.jpg Inseln Lido, Pellestrina

und Sottomarina

zwischen Adria und der Lagune von Venedig

Eine Reihe von Nehrungen prägen die Nordküste des Asowschen Meeres. Mit 115 km die längste ist die Arabat-Nehrung zwischen der Halbinsel Krim und dem Gebiet Cherson auf dem ukrainischen Festland. Östlich liegen etwa die Fedotowa-Nehrung, die Berdjanska-Nehrung und die Ejskaja-Nehrung.

Nehrungen finden sich in der Ostsee in der Schleimündung, in der Flensburger Förde auf der Halbinsel Holnis, an der Kieler Außenförde bei Wendtorf, in der Hohwachter Bucht, auf Fehmarn (Grüner Brink, Krummsteert), zwischen Fischland und Darß, Darß und Zingst, Zingst und Großer Werder, Kleine Werder und Bock, auf Vilm (Großer Haken) sowie Altbessin und Neubessin auf Hiddensee. Ferner finden sich auch im Bereich der Nordsee kleinere Nehrungshaken am Sylter Ellenbogen und der Amrumer Odde.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Nehrung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Spits – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Ostseeküste. Von Haffs, Nehrungen und Strandhaken. Scinexx.de. 20. Juni 2014.