Nejdek

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nejdek (Begriffsklärung) aufgeführt.
Nejdek
Wappen von Nejdek
Nejdek (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Karlovy Vary
Fläche: 5229,0308[1] ha
Geographische Lage: 50° 19′ N, 12° 44′ OKoordinaten: 50° 19′ 13″ N, 12° 44′ 2″ O
Höhe: 568 m n.m.
Einwohner: 7.838 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 362 21
Kfz-Kennzeichen: K
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 10
Verwaltung
Bürgermeister: Vladimír Benda (Stand: 2009)
Adresse: nám. Karla IV. 239
362 21 Nejdek
Gemeindenummer: 555380
Website: www.nejdek.cz
Lage von Nejdek im Bezirk Karlovy Vary
Karte

Nejdek (deutsch Neudek) ist eine Stadt im Karlovarský kraj in Tschechien.

Katholische Stadtkirche Neudek
Schloss Neudek
Burgturm
Peindlberg-Aussichtsturm

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nejdek liegt im böhmischen Teil des Erzgebirges im Tal der Rolava (Rohlau), eines linken Nebenflusses der Ohře (Eger). Nördlich über der Stadt erhebt sich der Bergrücken des turmgekrönten, 974 m hohen Tisovský vrch (Peindlberg). Die Stadt befindet sich an der alten Handels- und Passstraße von Leipzig nach Karlovy Vary (Karlsbad), die zwischen Oberwildenthal und Jelení (Hirschenstand) über die Grenze führte, heute jedoch nur noch als Wandergrenzübergang genutzt wird.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Nejdek besteht aus den Ortsteilen Bernov (Bernau), Fojtov (Voigtsgrün), Lesík (Mühlberg), Lužec (Kammersgrün), Nejdek (Neudek), Oldřichov (Ullersloh), Pozorka (Gibacht), Suchá (Thierbach), Tisová (Eibenberg) und Vysoká Štola (Hohenstollen)[3], die zugleich auch Katastralbezirke bilden.[4] Grundsiedlungseinheiten sind Bernov, Fojtov, Kraslická, Lesík, Letná, Lužec, Nejdek-sídliště, Nejdek-střed, Nová Suchá (Neuthierbach), Nový Fojtov (Neuvoigtsgrün), Oldřichov (Ullersloh), Pozorka, Průmyslový obvod, Stará Suchá (Altthierbach), Tisová, U Rolavy, Východní Předměstí und Vysoká Štola.[5]

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vysoká Pec (Hochofen bei Neudek) Nové Hamry (Neuhammer bei Karlsbad) Pernink (Bärringen)
Šindelová (Schindlwald) Nachbargemeinden Merklín (Merkelsgrün)
Černava (Schwarzenbach), Jindřichovice (Heinrichsgrün) Božičany (Poschetzau), Nová Role (Neu Rohlau), Smolné Pece (Pechöfen) Děpoltovice (Tüppelsgrün), Hroznětín (Lichtenstadt)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neudek gilt als älteste Bergstadt des Westerzgebirges und entstand vermutlich durch oberfränkischen Zinnseifner die sich gegen Ende des 13. Jahrhunderts unterhalb einer Burg niederließen die wohl der Ritter Konrad Plick erbaute, der somit auch als Gründer des Ortes anzusehen ist. Die Bergleute waren dem Verlauf des Flusses Rohlau gefolgt in das Gebiet vorgedrungen. Das bis dahin unbesiedelte Territorium gehörte dem Kloster Tepl. Die neuen Siedler stießen hier auf umfangreiche Zinnvorkommen. 1340 erwarb der Sohn von Konrad, Ritter Peter Plick den gesamten Lehensbesitz vom Stift Tepl so das dieser über alle wesentlichen Zinnfundstätten im Umland verfügte. In der Urkunde wird Neudek erstmals erwähnt. Im Laufe des 14. Jahrhunderts gewann man hier neben dem Seifenbergbau auch festes Gestein.

1410 verkauften die Plicks die Herrschaft an den Egerer Patrizier Hans Forster. Im Kaufvertrag wird Neudek bereits als Städtlein bezeichnet. Außerdem ist ein Eisenhammer genannt, was auch auf Eisenerzbergbau schließen lässt. Im Jahre 1446 erwarb Graf Matthias Schlick das Gut Neudek das bis 1602 im Besitz der Familie verbleiben sollte. Die Grafen Schlick verliehen Neudek ein eigenes Stadtwappen, förderten den Bergbau und verhalfen dem Ort zur Blüte. 1454 erhielt Neudek eine eigene Zinnschmelze. Im Jahre 1494 ist erstmals urkundlich das Neudeker Waldzinnrecht erwähnt, einem Vorläufer der späteren Bergordnung die den Zinnseifenbergbau in der Herrschaft Neudek regelte. 1545 erhielt das Revier ein eigenes Bergamt mit Bergmeister.

1602 veräußerte Graf Stephan Schlick Neudek an Friedrich Colonna Freiherr von Fels. Im gleichem Jahre erhielt der Ort offiziell die städtische Privilegien. Durch den Dreißigjährigen Krieg kam der Bergbau weitgehend zum erliegen. Nachdem das protestantische Geschlecht Colonna von Fels gezwungen war Neudek zu verlassen, gelangte die Herrschaft 1633 an die Grafen Czernin von und zu Chudenitz, die hier u. a. ein neues Schloss anlegten. Bereits seit dem 15. Jahrhundert besaß die Stadt eine Metzger-, Leinweber-, und Weißgerberzunft, welche durch den Grafen Czernin im Jahre 1646 neu bestätigt und mit Privilegien ausgestattet wurde. Nach dem Niedergang des Bergbaus im 17. Jahrhundert verdiente die Bevölkerung ihren Lebensunterhalt vor allem durch Heimarbeit. Größte Bedeutung spielten dabei die Knopfmacherei, Weberei und Spitzenklöppelei.

Der erste nicht adlige Besitzer der Herrschaft war der Großhändler Anton Waagner aus Leitmeritz, der Neudek 1810 erwarb. In den folgenden Jahrzehnten folgten zahlreiche weitere Besitzerwechsel. Im ausgehenden 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutsamen Industriestandort. Hier waren u. a. die „Eisenwerke AG Rothau-Neudek“, Kammgarnspinnereien und Betriebe der Holz- und Papierfabrikation ansässig. Neudek war seit 1910 Sitz des gleichnamigen Bezirkes im Königreich Böhmen (Bezirk Neudek).

Nach dem Münchner Abkommen wurde der Ort dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Neudek. Vor 1945 gehörten die Siedlungen Galgenberg, Grund, Hahnberg, Hahnhäuser, Hochtanne, Limnitz und Seifertberg zu Neudek. Während 1830 hier 1978 Einwohner lebten, erhöhte sich die Bevölkerungszahl bis 1939 auf 8441. Bei der Volkszählung 1930 hatte Neudek 9042 Einwohner (davon 269 Tschechen)[6].

Vertreibung

Aufgrund der Beneš-Dekrete wurden die deutschen Bewohner 1945 vertrieben. Ihr Vermögen wurde durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert, das Vermögen der evangelischen Kirche durch das Beneš-Dekret 131 liquidiert und die katholischen Kirchen enteignet. Der damals noch selbstständige Markt Göggingen übernahm 1954 die Patenschaft für alle aus der Stadt und dem Landkreis Neudek vertriebenen Deutschen, die nach der Eingemeindung Göggingens nach Augsburg im Rahmen der deutschen Gebietsreform von 1972 von der Fuggerstadt fortgeführt wurde. 1984 wurde dort das Heimatmuseum für Stadt und Landkreis Neudek eingerichtet.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[7]
1869 2865
1880 3404
1890 3574
1900 4740
1910 6937
Jahr Einwohnerzahl[7]
1921 6995
1930 9042
19501 6404
19612 7317
19702 7929
Jahr Einwohnerzahl[7]
19803 8893
19913 8180
20013 8600
20113 8145
20163 7990
1 Nejdek mit Bernov
2 Nejdek mit Bernov, Lesík, Oldřichov, Tisová
3 Nejdek mit Bernov, Lesík, Oldřichov, Tisová, Fojtov, Lužec, Pozorka, Suchá und Vysoká Štola
Ethnologische Volksgruppenzugehörigkeit laut amtlichen Volkszählung

1921: 6753 (97 %) Deutsche[8], 1930: 268 (3 %) Tschechen [9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit ca. 1500 Mitarbeitern ist Witte Nejdek spol. s r.o. der größte Arbeitgeber der Stadt. In den Hallen am alten Busbahnhof werden Schließsysteme für mehrere europäische Automobilhersteller produziert. Witte Nejdek ist ein Tochterunternehmen des deutschen Unternehmens Witte Automotive

Sehenswürdigkeiten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadtmuseum mit Ausstellung zur Volkskunde des Erzgebirges (Náměstí Karla IV. 238)
  • Turm der alten Burg auf einem Felsen
  • Neues Schloss (1653 fertiggestellt)
  • Römisch-katholische Pfarrkirche St. Martin (1755–1757 errichtet)
  • Evangelische Erlöserkirche (1904 erbaut)
  • Dreifaltigkeits- oder Pestsäule von 1715
  • Aussichtsturm auf dem 977 m hohen Tisovský vrch (Peindlberg)

Partnerstädte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Adam Siegel (1638–1679), Waldheger und Förster, Zinnzehnteinnehmer, Bergschreiber und Organist in Bergstadt Platten
  • Ignaz Sichelbarth (1708–1780), Jesuit, Missionar und Maler, war am chinesischen Kaiserhof als Maler tätig
  • Anton Jakob Ullmann (1732–1807), Bergmeister, Geometer und Chemiker.
  • Wenceslaus Linck (1736–1797), Jesuit und Missionar in Baja California in Mexiko
  • Kaspar Anton Ullmann (1767–1853), Bergmeister, Geometer, Landmesser, k. k. Filialzehnteinnehmer und Instrumentenbauer.
  • Franz Ullmann (1800–1864), gewerkschaftlicher Schichtmeister, Bergverwalter und letzter Bergmeister von Neudek
  • Anna Gräfin von der Asseburg (1830–1905), Besitzerin der Herrschaft Neudek mit Tüppelsgrün und der Herrschaft Bělohrad
  • Friedrich Graf von der Asseburg (1861–1940), preußischer Major und Kammerherr, Besitzer der Burg Falkenstein im Harz
  • Rudolf Schreiber (1907–1954), Universitäts- und Stadtarchivdirektor in Praha (Prag) und Speyer
  • Heinz Metlitzky (* 1927), ZDF-Auslandskorrespondent
  • Hermann Lorenz (1928–2001), Offizier im Justizvollzugsdienst der DDR und deren letzter Henker
  • Dieter Janik (* 1939), Professor für Romanische Philologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Personen mit Bezug zu Neudek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heimatbuch Landkreis Neudek. 2. Auflage. Heimatgruppe Glück Auf Landkreis Neudek, Augsburg-Göggingen 1978, S. 327 ff.
  • Josef Pilz: Geschichte der Stadt Neudek. 2. Auflage. Stadtgemeinde Neudek, Neudek 1923.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Begleitband zur Ausstellung. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Nejdek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/555380/Nejdek
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/555380/Obec-Nejdek
  4. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/555380/Obec-Nejdek
  5. http://www.uir.cz/zsj-obec/555380/Obec-Nejdek
  6. Rudolf Hemmerle: Sudetenland-Lexikon (= Deutsche Landschaften im Lexikon. 4). 2., erweiterte Auflage. Adam Kraft, Mannheim 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 317.
  7. a b c Historický lexikon obcí České republiky - 1869-2015. Český statistický úřad, 18. Dezember 2015, abgerufen am 28. Januar 2016 (tschechisch).
  8. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland. Helmut Preußler, Nürnberg 1987, ISBN 3-925362-47-9, S. 372.
  9. Rudolf Hemmerle: Sudetenland-Lexikon (= Deutsche Landschaften im Lexikon. 4). 2., erweiterte Auflage. Adam Kraft, Mannheim 1985, ISBN 3-8083-1163-0, S. 316.