Nekrassowo (Kaliningrad, Gurjewsk)

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Siedlung
Nekrassowo/Liska-Schaaken,
auch: Domäne Schaaken

Некрасово
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gurjewsk
Erste Erwähnung 1258
Frühere Namen Soke (nach 1258),
Liska Schaken (nach 1785),
Liska-Schacken (nach 1820),
Liska-Schaaken (bis 1946)
Bevölkerung 488 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40151
Postleitzahl 238316
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 209 819 017
Geographische Lage
Koordinaten 54° 54′ N, 20° 40′ OKoordinaten: 54° 54′ 10″ N, 20° 40′ 25″ O
Nekrassowo (Kaliningrad, Gurjewsk) (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Nekrassowo (Kaliningrad, Gurjewsk) (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Nekrassowo (russisch Некрасово, deutsch Liska-Schaaken, litauisch Liskas-Žokai, polnisch Szaki) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) und gehört zur Chrabrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Chrabrowo (Powunden)) im Rajon Gurjewsk (Kreis Neuhausen).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, 24 Kilometer nordnordöstlich von Königsberg (Kaliningrad) unweit der Südküste des Kurischen Haffs (russisch: Kurschski saliw). Von einer Nebenstraße, die von der russischen Fernstraße A 190 an der Stadtgrenze von Gurjewsk (Neuhausen) in nördliche Richtung über Lasowskoje (Trömpau) nach Kaschirskoje (Schaaksvitte) führt, zweigt in Schemtschuschnoje (Kirche Schaaken) eine Straße ab, die nach Chrabrowo (Powunden) führt und durch Nekrassowo verläuft. Bis 1945 bestand Bahnanschluss über Kirche Schaaken an der Bahnstrecke Prawten–Schaaksvitte (Lomonossowo–Kaschirskoje) der Königsberger Kleinbahn, die nicht mehr in Betrieb ist.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schaaken nordnordöstlich von Königsberg, unweit der Südküste des Kurischen Haffs, auf einer Landkarte von 1910.

Das vormalige Schaaken[2] entstand als Burg Schaaken des Deutschen Ordens nordöstlich von Königsberg (Preußen), 3 km vom Kurischen Haff, und bestand[3] aus Liska-Schaaken mit Domäne Schaaken (heute unter dem Namen „Nekrassowo“ zusammengeführt) und Kirche Schaaken (russisch: Schemtschuschnoje). Schon zu prußischer Zeit befand sich hier ein Handelsplatz mit einer Befestigungsanlage, die der Deutsche Orden für seine Verteidigungszwecke nutzte. Südöstlich davon entstand wohl schon vor 1370 eine Lischke, aus der das Dorf Liska-Schaaken wurde. Weiter nördlich am Kurischen Haff entwickelte sich eine Vitte, die Schaaksvitte (russisch: Kaschirskoje), wo sich Fischer ansiedelten zum Fang und Verpacken von Heringen. Bereits Mitte des 14. Jahrhunderts wurde eine Kirche errichtet und zwar zwei Kilometer südöstlich der Burg in dem später Kirche Schaaken genannten Ort (russisch: Schemtschuschnoje).

1525 wurde Schaaken Sitz eines herzoglichen Kammeramtes, und von 1815 bis 1819 residierte hier ein Landratsamt, das dann im Landkreis Königsberg (Preußen) aufging[4]. Am 30. April 1874 wurde Schaaken namensgebender Ort eines Amtsbezirkes[5], der bis 1945 bestand und zum Landkreis Königsberg (Preußen), 1939 bis 1945 Landkreis Samland, im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Schaaken mit Burg und Kirche in einer Ansicht von Caspar Henneberger von 1576

Am 27. Mai 1893 wurde die bis dahin kommunalfreie Ortschaft Kirche Schaaken (Schemtschuschnoje) in die Landgemeinde Liska-Schaaken eingegliedert. Hier waren im Jahre 1910 339 Einwohner[6] registriert. Ihr Zahl kletterte bis 1933 auf 524 und betrug 1939 bereits 567[7]. Einbezogen waren die Einwohner der Domäne Schaaken, die am 30. September 1928 nach Liska-Schaaken eingemeindet wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Liska-Schaaken zusammen mit dem nördlichen Ostpreußen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Seit 1947 ist der inzwischen Nekrassowo genannte Ort in den neu gebildeten Rajon Gurjewsk (Kreis Neuhausen) eingegliedert, und gehörte von 1947 bis 1954 zum Kaschirski selski sowjet (Dorfsowjet Kaschirskoje (Schaaksvitte)) sowie von 1954 bis 2008 zum Marschalski selski sowjet (Dorfsowjet Marschalskoje (Gallgarben)). Eine Struktur- und Verwaltungsreform von 2008/09[8] gliederte Nekrassowo dann als „Siedlung“ (russisch: possjolok) eingestufte Ortschaft in die neu gebildete Chrabrowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Chrabrowo (Powunden)) ein.

Domäne Schaaken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während Kirche Schaaken bereits am Ende des 19. Jahrhunderts nach Liska-Schaaken eingemeindet wurde, kam die Domäne Schaaken erst 1928 zu der Landgemeinde. 1912 hatte Adolf Riebensahm die knapp 600 Hektar große Domäne gepachtet, die nach ihm sein Sohn, ebenfalls Adolf genannt, bis 1941, dann dessen Witwe Vera Riebensahm bis 1945 führte[9]. Während der Ortsteil Kirche Schaaken in sowjetischer Zeit als „Schemtschuschnoje“ wieder wie vor 1893 verselbständigt wurde, ging die Domäne Schaaken in Nekrassowo auf. Nach 1945 wurde der Betrieb in einen Kolchos umfunktioniert.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amtsbezirk Schaaken (1874–1945)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der am 30. April 1874 gegründete Amtsbezirk Schaaken bestand anfangs aus 14 Landgemeinden bzw. Gutsbezirken[10]:

Deutscher Name Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinden:
Adlig Schaaksvitte Kaschirskoje vor 1908 zur Landgemeinde Schaaksvitte
mit Kgl. Schaaksvitte vereinigt
Eythienen Starorusskoje
Königlich Schaaksvitte Kaschirskoje vor 1908 zur Landgemeinde Schaaksvitte
mit Adl. Schaaksvitte vereinigt
Konradsvitte 1928 in die Landgemeinde Steinort eingegliedert
Liska-Schaaken Nekrassowo
Nickelsdorf Owraschnoje 1930 in den Amtsbezirk Sudnicken umgegliedert
Sand bei Schaaken 1928 in die Landgemeinde Schaaksvitte eingegliedert
Schmiedehnen Kijewskoje
Steinort Primorskoje
Thiemsdorf Prawdino
Gutsbezirke:
Domäne Schaaken Nekrassowo 1928 in die Landgemeinde Liska-Schaaken eingegliedert
Kirche Schaaken Schemtschuschnoje 1893 in die Landgemeinde Liska-Schaaken eingegliedert
Waldstein 1897 in den Amtsbezirk Bledau umgegliedert
Wesselshöfen Wassiljewskoje 1928 in die Landgemeinde Eythienen eingegliedert

Am 1. Januar 1945 bestand der Amtsbezirk Schaaken aufgrund der strukturellen Veränderungen noch aus sechs Gemeinden Eythienen, Liska-Schaaken, Schaaksvitte, Schmiedehnen, Steinort und Thiemsdorf.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Liska-Schaakens vor 1945 war evangelischer Konfession. Das Dorf war in das Kirchspiel Schaaken eingepfarrt. Das Gotteshaus stand in Kirche Schaaken (russisch: Schemtschuschnoje). Die Pfarrei gehörte zum Kirchenkreis Königsberg-Land II innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute gibt es in Nekrassowo wieder eine eigene evangelisch-lutherische Gemeinde[11], eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg). Sie ist Teil der Propstei Kaliningrad[12] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Die Burg Schaaken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Burg Schaaken (russisch: Замок Шаакен/Samok Schaaken) wurde 1328 erstmals urkundlich erwähnt. Zu großen Teilen existiert sie noch heute.

Ab 1397 war die Burg Schaaken Sitz eines Pflegers[13].

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Liska-Schaaken
  3. Geschichte von Nekrassowo Schaaken bei ostpreussen.net
  4. Robert Albinus, Königsberg Lexikon, Würzburg, 2002
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Schaaken
  6. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Königsberg
  7. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  8. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 254 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  9. Kreisgemeinschaft Königsberg-Land
  10. Rolf Jehke, Amtsbezirk Schaaken (wie oben)
  11. Propsteibrief Dezember 2009/Januar 2010 der Propstei Kaliningrad
  12. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad
  13. Als solcher begann Johann von Tiefen (ca. 1440-1497), der spätere Hochmeister des Deutschen Ordens, hier auf der Burg Schaaken seine Ordenskarriere

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]