Nelly Dix

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Nelly Dix (* 14. Juni 1923 in Düsseldorf; † 9. Januar 1955) war eine deutsche Schriftstellerin und Malerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nelly Dix kam 1923 als erstes Kind des Malers Otto Dix und seiner Frau Martha Koch, geb. Lindner, zur Welt. Sie hatte zwei Brüder, Ursus (1927–2002) und Jan (1928–2019). Bis 1933 besuchte sie in Dresden eine Reformschule. Nachdem ihr Vater von den Nationalsozialisten als Lehrer an der Dresdner Kunstakademie entlassen worden war, zog sie mit ihrer Familie nach Süddeutschland. Ab 1936 lebte Nelly Dix mit ihren Eltern und Geschwistern im Dorf Hemmenhofen in der heutigen Gemeinde Gaienhofen auf der Halbinsel Höri am Bodensee.

Das als hochintelligent und künstlerisch begabt geltende Mädchen wurde im Alter von 14 Jahren aufgrund seiner Reitkünste vom Reisezirkus Barum engagiert. Nelly Dix ging mit dem Zirkus auf Tourneen, die sie bis nach Polen führten.

Den späteren Besuch eines Internats brach sie ab und organisierte ihre Weiterbildung selbst. Sie stand unter anderem im Briefkontakt mit dem ehemaligen Sekretär Heinrich Hansjakobs, dem weit gereisten Geistlichen Anton Trunz. Mit Fritz Mühlenweg und seiner Frau Elisabeth war Nelly Dix eng befreundet und bezeichnete sie als ihre „Zieheltern“. Sie las unter anderem Mühlenwegs späteres Erfolgswerk In geheimer Mission durch die Wüste Gobi während seiner Entstehung bereits als Typoskript und tauschte sich mit Mühlenweg auch sonst rege über die Entstehung seiner Schriften aus.

Im Jahr 1948 brachte Nelly Dix Zwillinge zur Welt, die jedoch kurz nach der Geburt starben. Auch nach der Heirat mit dem Medizinstudenten Günther Thaesler lebte Nelly Dix weiterhin im Haus ihrer Mutter. Im Jahr 1950 kam ihre Tochter Bettina zur Welt. Nelly Dix verstarb am 9. Januar 1955 vermutlich an den Folgen eines Schwangerschaftsabbruchs im Alter von 31 Jahren.[1] Ihre Tochter Bettina wuchs bei den Großeltern Martha und Otto Dix auf und wurde – nach dem Tod von Otto Dix 1969 – im Jahr 1972 von Martha Dix adoptiert.[2]

Posthum erschienen 1961 ihre Erzählungen Der Herr ist über Land gefahren, zu denen Fritz Mühlenweg kurz vor seinem Tod noch ein Geleitwort verfasste, und 1964 der Band Joseph der Träumer, herausgegeben von Fritz Löffler. Weitere Erzählungen von Nelly Dix wurden 2010 unter dem Titel Ach, meine Freundin, die Tugend ist gut, aber die Liebe ist besser teilweise neu herausgegeben.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Nelly Dix bemalter Schrank in ihrem Zimmer im Wohnhaus in Hemmenhofen

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nelly Dix schrieb ihre ersten Erzählungen im Alter von 20 Jahren, während ihr Vater sich in französischer Gefangenschaft befand. Sie las die Erzählungen als Geburtstags- bzw. Weihnachtsgeschenke[3] Familie und Freunden vor, doch blieben ihre Schriften zu Lebzeiten bis auf ein Gedicht ungedruckt. Dieses erschien 1946 unter dem Titel Für Judith in der Dezemberausgabe der Zeitschrift Die Erzählung.

Veröffentlichungen:

  • 1946: Für Judith (Gedicht, in: Die Erzählung, 12, 1946)

Posthum:

  • 1961: Der Herr ist über Land gefahren. (Erzählung, herausgegeben von Gertrud Kinkel, transkribiert von Regina Mühlenweg)
  • 1964: Joseph der Träumer – Erzählungen nach dem Alten Testament. (Erzählung)
  • 2010: Ach, meine Freundin, die Tugend ist gut, aber die Liebe ist besser. (Erzählungen), Libelle-Verlag Lengwil (CH), ISBN 978-3-905707-43-4
  • 2013: Die Geschichte vom weitgereisten kleinen Teufel Eitel. (Faksimile). Wie vor, ISBN 978-3-905707-55-7
  • 2015: Ich wünschte, sie ginge wieder ins Bett und ließe mich meine Mausefallen stellen. Wie vor, ISBN 978-3-905707-43-4

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als 20-Jährige konnte sie die Nachfrage nach ihren Bildern kaum befriedigen. Unter anderem brachte sie auf einem Bild in der Größe 35 cm × 40 cm 122 Personen unter.[3]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen dem 9. Mai und dem 30. August 2020 sind Werke von Nelly Dix im Rahmen der Ausstellung Beruf: Künstlerin! Zehn deutsche Malerinnen am Bodensee zu sehen. Die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz präsentiert die Künstlerin gemeinsam mit weiteren Künstlerinnen des süddeutschen Raums.[4]

Gemälde von Otto Dix mit Darstellungen der Tochter (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nelly Dix diente ihrem Vater vom Kleinkind- bis ins Jugendalter immer wieder als Motiv und Modell; die Darstellung der eigenen Kinder, die mit Nelly in Blumen im Jahr 1924 ihren eigentlichen Anfang fand, bezeichnete der deutsche Kunsthistoriker und Literaturwissenschaftler Fritz Löffler rückblickend als „eine völlig neue Welt bei [Otto] Dix.“[5]

  • 1923: Schlafender Säugling
  • 1924: Nelly in Blumen
  • 1925: Nelly im Spiel
  • 1927: Familie Dix
  • 1928: Bildnis Ursus mit Kreisel
    • Nelly mit Puppe I
  • 1929: Nelly mit Puppe II
    • Spielende Kinder
  • 1933: Nelly Dix 10 Jahre alt
  • 1940: Der Tod und das Mädchen
    • Nelly und Flora
  • 1941: Mädchen und Tod: Nelly – 18 Jahre

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Elisabeth Kantzenbach: Alias. Umrisse des Lebensbildes von Nelly Dix-Thaesler, genannt Nelly Alias Dix – 1923/ 1955. Roth b. Nbg. 2009.
  • Anne Overlack: Nelly Dix – ein Porträt der Künstlerin in Briefen, Dokumenten und Zeitzeugenberichten. In: Hegau Jahrbuch 2009: Hegau – Frauen – Geschichte. MarkOrPlan 2009.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Maik Irmisch: Aloys Greither. Hautarzt zwischen Mozart, Hesse, Dix und Scharl. BoD, Norderstedt 2006, S. 51.
  2. Karin Schick: Otto Dix. Hommage a Martha. Hrsg.: Kunstmuseum Stuttgart. Hatje Cantz, Ostfildern-Ruit 2005, ISBN 3-7757-1620-3, S. 95–97.
  3. a b libelle.ch, Bodman-Haus, Gottlieben (CH), 3. Oktober 2010, Ekkehard Faude, Buchvorstellung: Nelly Dix - Ach meine Freundin, die Tugend ist gut, aber die Liebe ist besser!(21. November 2010)
  4. Beruf: Künstlerin! Zehn deutsche Malerinnen am Bodensee. 9. Mai – 30. August 2020, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz; Faltblatt zur Ausstellung, abgerufen am 24. Mai 2020
  5. Zit. nach Jung-Hee Kim: Frauenbilder bei Otto Dix. Wirklichkeit und Selbstbekenntnis. Lit, Münster und Hamburg 1994, S. 37.