Nemanskoje

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Siedlung
Nemanskoje
I. Trappönen (Trappen)
II. Mösen (Kleinhartigberg)
III. Böttchershof

Неманское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Krasnosnamensk
Frühere Namen I. Szemgallen (vor 1785),
Trappöhnen (nach 1815),
Trappönen (bis 1938),
Trappen (1938–1946)

II. Böttchershof (bis 1946)
Fläche 8,88 km²
Bevölkerung 714 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7)40164
Postleitzahl 238733
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 218 807 001
Geographische Lage
Koordinaten 55° 3′ N, 22° 23′ OKoordinaten: 55° 2′ 58″ N, 22° 23′ 23″ O
Nemanskoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Nemanskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Nemanskoje (russisch Неманское, auch deutsch Trappönen, 1938 bis 1945 Trappen, auch: Mösen, 1938 bis 1945 Kleinhartigsberg und Böttchershof, litauisch Trapėnai) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Krasnosnamensk im Rajon Krasnosnamensk. Die Ortsstellen Böttchershof und Mösen sind verlassen.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nemanskoje liegt am Südufer der Memel (russisch: Neman, litauisch: Nemunas) gegenüber dem litauischen Städtchen Viešvilė (Wischwill). Zwei Nebenstraßen (27K-112 und 27K-321) verbinden den Ort mit dem südwestlich gelegenen Lesnoje (Groß Lenkeningken, 1938 bis 1946 Großlenkenau) bzw. Pogranitschny (Schillehnen, 1938 bis 1946 Waldheide) im Osten. Bis zur einstigen Kreisstadt Neman (Ragnit) sind es 24, bis zur heutigen Rajonshauptstadt Krasnosnamensk 14 Kilometer. Eine Bahnanbindung besteht nicht. Von 1925 bis 1945 verband eine Postomnibuslinie Trappönen mit Schillehnen bzw. Ragnit und Tilsit (heute russisch: Sowetsk).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trappönen (Trappen)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das langgestreckte und große Dorf mit dem einstigen Namen Trappönen[2] bildet den Hauptteil der heutigen Siedlung Nemanskoje. Vor 1945 war der Ort Mittelpunkt einer modern entwickelten Region[3]. Hier gab es 72 Landwirtschaften mit 122 Gehöften, außerdem 24 Betriebe mit handwerklichem Hintergrund. Auch waren hier acht Schiffseigner als bedeutender Wirtschaftszweig angesiedelt, denen der vorhandene Hafen, erbaut 1904/05, zur Überwinterung diente. Ein Sägewerk und eine Ziegelei verschafften dem Ort zusätzliche Bedeutung. Vor 1945 gab es eine Wagenfähre über die Memel, die heute, wo der Fluss Grenzfluss zwischen Litauen und Russland ist, nicht mehr besteht. Im Südwesten und im Südosten des Dorfes gab es ein weitflächiges Waldgebiet, den sogenannten Forst Trappönen. Trappönen war Sitz einer Oberförsterei.

Zwischen 1874 und 1945 war Trappönen namensgebender Sitz zweier Amtsbezirke: des Amtsbezirks Trappönen-Dorf[4] und des Amtsbezirks Trappen-Forst[5]. Zum Amtsbezirk Trappönen-Dorf gehörte lediglich das Dorf Trappönen selbst, während dem Amtsbezirk Trappönen-Forst die Orte Budupönen-Uthelen (ab 1931: Hartigsberg, heute russisch: Dolschanskoje), Trappönen-Forst (Nemanskoje) und Treibgirren (bis 1907: Lenkeningkehlen, 1938 bis 1946: Treiben, heute nicht mehr existent) zugeordnet waren. Beide Amtsbezirke, die ab 1939 den veränderten Ortsnamen „Trappen“ trugen, gehörten bis 1922 zum Kreis Ragnit, danach bis 1945 zum Landkreis Tilsit-Ragnit im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen.

Im Jahre 1910 waren im Dorf Trappönen 1.170, im Forst Trappönen 53 Einwohner gemeldet[6]. Die Zahlen änderten sich für das Dorf Trappönen bis 19333 auf 1.081, 1939 auf 1.094[7]. Im inzwischen zum gemeindefreien Bezirk erklärten Forst Trappönen wurden 1933 und 1939 keine Einwohner mehr registriert.

In Kriegsfolge wurde Trappönen – seit 3. Juni 1948 „Trappen“ genannt – mit dem nördlichen Ostpreußen der Sowjetunion zugeordnet.

Böttchershof[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der viel kleinere Ortsteil, bis 1945 Böttchershof[8] genannt, lag im Westen von Trappönen und war zwei Kilometer von dessen Ortszentrum entfernt. Vor 1945 bestand Böttchershof lediglich aus einem – allerdings sehr großen – Hof und war lediglich ein Wohnplatz in der Gemeinde Trappönen und mit diesem Dorf in seiner Geschichte auf engste verbunden. So wurde auch dieser kleine Ort 1945 in die Sowjetunion überführt.

Nemanskoje[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1947 wurde Trappönen in Nemanskoje umbenannt und der Ort gleichzeitig Sitz eines Dorfsowjets im Rajon Krasnosnamensk.[9] Der russische Name nahm Bezug auf die Lage des Ortes am Fluss Memel, russisch Neman. Im Ortsverzeichnis der Oblast Kaliningrad von 1976 wurden auch die beiden ehemaligen deutschen Orte Mösen und Böttchershof zu Nemanskoje gezählt. Diese beiden Ortsstellen sind inzwischen verlassen. Von 2008 bis 2015 gehörte Nemanskoje zur Landgemeinde Alexejewskoje und gehört seither zum Stadtkreis Krasnosnamensk.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Nemanski 1947–2008[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dorfsowjet Nemanski (ru. Неманский сельский Совет, Nemanski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[9] Ihm gehörten zunächst zehn Orte an, die bis auf den Verwaltungssitz Nemanskoje jedoch offenbar schon in den 1950er Jahren in andere Dorfsowjets eingegliedert wurden. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Nemanski (ru. Неманский сельский округ, Nemanski selski okrug).

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Kirche Trappönen

Kirchengebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der in den Jahren 1904/05 errichteten Kirche[10] handelte es sich um einen unverputzten Ziegelbau in neugotischem Stil, der Anklänge an die Ordensarchitektur erkennen ließ. Der Innenraum war an Decke und Triumphbogen ausgemalt, sonst in eher schlichtem Stil gehalten. Hinter dem Altar befand sich ein Spitzbogenfenster mit Darstellungen der Kreuzigung Jesu und der Auferstehung Christi. Das Gotteshaus fiel der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zum Opfer[11]. An seiner Stelle befindet sich heute ein Verwaltungsgebäude, unweit des heute noch erhaltenen alten Pfarrhauses.

Kirchengemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trappönen wurde am 1. Oktober 1904 Kirchdorf, als das Kirchspiel Trappönen gegründet wurde. Die zehn Kirchspielorte wurden größtenteils aus dem Kirchspiel der Kirche Wischwill, aber auch aus dem der Kirche Lasdehnen herausgenommen. Bereits ab 1899 waren hier Hilfsprediger eingesetzt, ab 1908 gab es ein eigenes Pfarrhaus in Trappönen. Die Pfarrei gehörte zuletzt zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Heute liegt Nemanskoje im Einzugsgebiet der neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen), die Teil der Propstei Kaliningrad[12] (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland ist.

Schule[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das aus früheren Zeiten stammende Schulgebäude steht noch heute und wird für Unterrichtszwecke genutzt[3]. Die ehemalige Volksschule, in der vor 1945 acht bis neun Lehrkräfte für etwa 90 Schulkinder Unterricht erteilten, steht gegenüber dem noch erhaltenen alten Pfarrhaus. Im Jahre 1993 wurde im Dachgeschoss ein kleines Heimatmuseum eingerichtet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Dietrich Lange, geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Trappen
  3. a b Trappönen, Kirchdorf am Memelstrom
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Trappönen-/Trappen-Dorf
  5. Rolf Jehke, Amtsbezirk Trappönen-/Trappen-Forst
  6. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Ragnit
  7. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Tilsit-Ragnit
  8. Dietrich Lange, Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005): Böttchershof
  9. a b Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad)
  10. Historisches Foto der Kirche Trappönen
  11. Nemanskoje - Trappönen/Trappen bei ostpreussen.net
  12. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad