Nemo (Künstler)

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Nemo in der Rue du Chat qui Pêche, Paris, 5. Arr., 2010

Nemo (* 1947; † 15. September 2021 in Paris[1][2]) war das Pseudonym eines französischen Graffiti- und Schablonenkünstlers in Paris. Hauptmotiv seiner Wandbilder ist der schwarze Gentleman.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nemo, mit bürgerlichem Namen Serge Fauri[2] und von Beruf Informatiker, brachte in Paris seit den 1980er Jahren seine Bilder – ähnlich wie später der Brite Banksy mit seinen Stencils in Bristol und in London – mithilfe von Schablonen vorzugsweise auf alten und beschädigten Mauern sowie auf zugemauerten Türen und Fenstern an. In seinen Werken erscheint stets die schwarze Silhouette eines Mannes in Mantel und Hut, dazu dessen Accessoires wie Luftballon und Regenschirm in Rot nebst signiertem schwarzen Köfferchen und schwarzer Katze. Einzelne Motive wurden nicht selten an unterschiedlichen Orten wiederholt und den jeweiligen lokalen Kontexten angepasst. Zuweilen fährt die Silhouette Rad[3] oder verliert die Skier im Schneegestöber.[4]

Der Familienvater Fauri begann 1982, den Schulweg seines Sohnes in Belleville-Ménilmontant in Paris mit Wandmalereien zu verzieren; um 1990 entwarf er seinen „homme noir“, den schwarzen Gentleman. In den 1990er Jahren hielt Nemo sich in Bogotá und in Lissabon auf, wo sich seither auch Mauer-Werke von ihm befinden.[5]

Gelegentlich arbeitete Nemo mit dem Maler Jérôme Mesnager zusammen und ließ dessen weiße Gliederpuppen-Figuren dem schwarzen Gentleman „begegnen“.[6] An einigen Orten in Paris findet sich die schwarze Silhouette in Hut und Mantel mit Luftballon auch in Einklang mit einem exotischen Tier des Graffitikünstlers Mosko.[7]

Er starb am 15. September 2021 in Paris.[1][2][8]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Antanas Mockus, kolumbianischer Philosoph und von 1995 bis 1997 Bürgermeister von Bogotá, beschrieb 1999 die Arbeiten von Nemo als „Herausforderung durch Bescheidenheit“: „Nemo sucht eine unwiederbringlich heikle und vorübergehende Beziehung von Person zu Person, betont aber die Uneigennützigkeit, die freie Natur der Beziehung.“[9] Der französische Schriftsteller Daniel Pennac erkannte 2006 in Nemos Pariser Werken deren „Bewegung, Leichtigkeit und Offenheit“, die einen Raum eröffneten, in den der Blick auf- und davonfliegen könne.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Werke von Nemo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Street-Art: Adieu, Nemo. In: menil.info. 16. September 2021, abgerufen am 19. September 2021 (französisch, Nachruf): „Nemo nous a quittés ce mercredi 15 septembre.“
  2. a b c E’ morto Nemo, colosso della street art. A lui si deve la grande svolta poetica dei murales. In: stilearte.it. 15. September 2021, abgerufen am 19. September 2021 (italienisch): „A Parigi è morto Nemo, al mondo Serge Fauri. Era nato nel 1947“
  3. Nemo: Radfahrer, rue Saint Jacques, Paris
  4. Nemo: Schneegestöber, Paris
  5. Quentin Gassiat: Nemo. A black silhouette, an extension of our childhood dreams. (Abgerufen am 1. Januar 2022)
  6. Nemo und Mesnager, 5. Arr. Paris
  7. Nemo und Giraffe von Mosko, Paris
  8. Disparition du street artiste Nemo, enchanteur du XXe arrondissement de Paris. In: lefigaro.fr. 16. September 2021, abgerufen am 19. September 2021 (französisch).
  9. „Nemo souligne la possibilité de l’interpeller avec modestie, désarticulant les ordres de grandeur mentionnés, à l’exception peut-être de l’ordre civique. Nemo cherche un lien irrémédiablement précaire et transitoire, de personne à personne, mais qui accentue le côté désintéressé, le caractère gratuit de la relation.“ (Antanas Mockus: Nemo, l'autre maire de Bogotá, 1999) (Abgerufen am 12. Oktober 2011)
  10. „Il n’y a que du mouvement là-dedans, du mouvement, de la légèreté, de l’ouverture. C’est un espace en expansion. le regard s’envole. De l’air, enfin de l’air!“ (Daniel Pennac: Nemo par Pennac. Hoëbeke, Paris 2006)